Skip to main content

Full text of "Grundriss der Dogmengeschichte [microform]"

See other formats


Ä 



.J-'s-N^ 



v:a. 



w/i'y'''''i'':i'iMMMyj',yi7/jM:i!S'M'^^Smm^^'22!!^^ 




ICibrarics 




'imz^msism'ßMWM-mz^iz-Mmis^m^^^im^^w^m'^^m. 



Grundriss 



der 



Dogmengeschichte 



Von 



Reinhold Seeberg 



Vierte, vielfach verbesserte Auflage 




Leipzig 1919 

A. Deichertsche Verlagsbuchhandlung Werner Scholl 

Preis: brosch. M. 6.— , geb. M. 7.80 



Äöniöfteagc 25 " J ^ 



JTttt CoBcffctt «. farbigen Karten. 2. oollfi. bur^gearb. 2luf[. 
1915. XX, 712 5. . 10.60 

5um <5cbrau(^e bei Porlefungen. I. prinsipienicljrc ber fYJ}c= 
matifc^en Ctjeol. n. Syjiem ber DogmaHf. 1908. 124 5. 2.75 

^itfimrif H?., S^te gefi^tc^ff. ^tuttbrage be& QtQtnioätt, eoang. 
^emeinbefeßens aus ben Quellen im 2Ibr{§ bargefleHt.- 

2. iluff. 1908. 323 5. 7.— 

^antti ^cf(§t(§fc tt. «^nfiß b. neueren "i^eof. insbef. b. fyiiemat. 
feit 5(^Ieierma^cr. Bearb.u.bis3.(8egcnnjartfprtgefüIjrtD. 
H. £?. (5 r ü ^ m a c^ e r. 4. 2Iufif. 1908. X, 532 5. 11.—, geb. 13.— 

— , ^^flent ber c^rlflRc^en ^mti^Mt. 2 23bc. I. 1884. VII, 
448 5.; n. 1887. Vm, 496 5. ' 19.50 

Ifl^ttiiel«) S.., ^entraffragen ber pogmattK in ber Gegenwart. 

6 Doricfungen, geljalten auf einem oom Konigl. Sä^f. Kultus» 
minift. reranjialteten tljeolog. Kurfus 3. Xüeiterbilbung oon Polfs« 
fc^ulleljrem 3U £eip3ig. 1918. VEI, 194 5. 4.20 

S^ dritte ttetbefferte 9luf(age. '^Ig 

— ^ 5ie ^viftL :gSa§r§ei<5gett>ipeif, iljr Icfetcr (5runb u. iljre (2nt= 
^etjung. 3. erro. u. »erb. ^luji. 1914. VIII, 352 5. 9.75 

ÜS^l^tr, m., pie ^iffenfi^aft ber (^riflC. «le^re o. eoang. (Srunb- 
artiM aus im 2lbriffe bargeft. 3, 'ila.%, öuväj 2tnf ül|rungen a. b.. 
tieil. 5d?rif t cermeljrt. 1905. XX, 723 5. 16.50 

^itntt <D., ^rnnbrig ber '^^eoCog. ^tf^iß. 3. ^Hufl. nac^ b. Cobe 
b. Derf. tjrsg. o. prof. D. fj. preug. 83 5. 1.95 

— , 0rnnbrig ber ^»angef. S^ogmttiiß. 5»2tufl. nac^ b. Cobe 
b. Perf. Ijrsg. o. prof. D. £?. prcu§. 1916. 450 5. 3.50 

$e^ittamtf €bD., ^cirfOn«^ pr :gle(igtottsgeff^t($te unter init= 
njirfung non £^. ^aas, ^£j. (Srapouj, S. £anbsbergcr, 

3. peberfcn, ^. ©tbenbcrg/^. 3acobi, p. Cugen, 
K. giegler tjrsg. 1912. Vm, 372 @. - 7.80 

g«>%^ VO., ^eßratfj^e ^prat^fe^re. . (Srammatif, Oofabular u. 
Uebungsftucfe, foroic einem „IUerfblatt". 1913. VI, 190 5. 

== 3* bttr^gcf. «. öerm. Slttff. = 3.90 

,^tlanAiiit»Ui Loci Commnnes in itjrer Urgcftaltöön CI}. 
* Kolbc. 1900. X, 267 5. ; 4.55 

HtnUaTf K.> ^te ^eßenninisfdlri^en ber reformierien ,^tr($e. 

3n autljentifc^en Cejten mit gcf(^i(^tl. (Einleitung u, Segtper. 
1903. LXXI, 976 5. 28.60 

IWitt, <5.,0rttttbrl||bcr^9m6afiß — Konfcfftonsfunbe. 5. »erb. 
:2lufl. ^rsg. von V. 5(^ul%e. Heue 2tnf[agc in Porbereitung. 



:.,'„ ; & :C J '-f "SriK'T'/^Ä 



• a t ^ f • 3 « 

it ^ 4 .1 

9 3 • ' J t 

* O ■• * 

? 1 J A 9 > 



1 1 . 1 ^ 



• ■» t ,e 







3 »JT»« »O* ,3 ■> .»'3 ' 3 r ' • 3 



der 



Dogmengeschichte 



Von 



Reinhold Seeberg 



Vierte, vielfach verbesserte Auflage 



.''\^~-^- 




Leipzig ^ 1919 

A. Deichertsche Verlagsbuchhandlung Werner Scholl 



3f* Octc^eifi'fc^e ^erIag$buc^^Mg. ^ctttei; 6(^i>n, Sci|>std 

i?öntgftragc 25 



mit Tabellen n. farbigen Karten. 2. oollft. biirc^gearb. '^nfi. 
1915. XX, 712 5. 10.60 

^itd^muttttt pi?., #tttnbKtticn bcr f^/lctnatifj^cn l^cofogtc 

5um (Sebrau(^c bei Dorlefungcn. I. prinsipienleijrc ber fYfte= 
matifc^en iIl|eoI. 11. Syftem ber Dogmatif. 1908. 124 5. 2.75 

^afpavii U7.,|>te gefc^ti^ff. ^tunbfage bes Qe^etmäxU evattg. 
^emeinbefeßens aus ben QnzUen im 2Ibrt§ bargeftellt. 
2. 2rufr. 1908. 323 5. 7.— 

$vanki #cf(§t(6fc tt. j^riitR b. neueren ^O^of. insbef. b. f^ftemat. 
feit Sc^Ieierma^er. Bearb. u. bis 3. (Segcnoartf ortgef üljrt v. 
H. £?. (S r ü^ m a c^ er. 4. 2iufr. 1908. X, 532 5. 11.—, geb. 13.— 

— , ^tjflcttt ber c§rifta($ctt ^ittfiföReif. 2 Bbe. I. 1884. VII, 
448 5.; IL 1887. VIII, 496 5. 19.50 

^l^tttd«, £./ ^entraffragen ber pogwatiß in ber ^egenmarf. 

6 üorlefungen, gcijalten axif einem 00m Königl. 5äd?f. Kultus» 
minift. oeranflaltcten tfjeolog. Kurfus 3. IDeiterbilbung oon Polfs« 
fc^ulleljrern 3U £eip3ig. 1918. Vni, 194 5. 4.20 

g^ 2)rittc öcrbeffcrtc 5(ttfIogc. '^ig 

— ^ 3)te (^rifff. Ig^rtör^eWsgewipeif , iljr le^ter (Srunb u. ifjrc (£nt= 
fteijung. 3. crto.n. rerb. 2IufI. 1914. VIII, 352 5. 9.75 

fia^lietr, XIT., |)ie ■gSilfcufrfjaff ber c^riffC. <ic^re d. eoang. (Srunb» 
artifcl aus im ^briffe bargeft. 3. 2tuff., öurcb 2Infüfjrungen a. b. 
lieil. 5d?rift oermel^rt. 1905. XX, 723 5. 16.50 

§iivn^ <Ö., ^rttttbri^ ber 'Ifjcofog. f «)ift. 3» 2Iuf I. nadj b. Cobe 
b. r>crf. Iirsg. d. prof. D. £^, preug. 83 5. 1.95 

— ^ ^rnnbrig ber f »augef. pogwcfiß. 5» 2IufI. nac^ b. Cobe 
b. Perf. Iirsg. v. prof. D. £^. prcu§. 1916. 150 5. 3.50 

^tljmann^ €dv., %exWu(^ pr ;gleI't9ton5gef(§t(§fc unter IHit» 
luirfung non f^. l^aas, ß. (5rapon), B. Canbsbcrger, 
3. pebcrfen, Ej. ©Ibenbcrg, £^. 3acobi, p. Cujen, 
K. giegler brsg. 1912. VIII, 372 ©. 7.80 

^0% W., ^eßrätfc^e ^jirac^re^re. (Srammatif, Dofabular u. 
Uebungsftücfe, foroic einem „merfblatt". 1913. VI, 190 5. 

= 3* burc^gcf. n. öerm. Sluff. = 3.90 

Ptelnni^t^oit, Loci Communes in il^rer Urgcftalt non CIj. 
Kolbe. 1900. X, 267 5. 4.55 

PnU«ri K., 5ie iseßcnnfnisfr^riffcn ber reforntierien ^trc^e. 

3n autl^entifdjen Eejten mit gefd?i(^tl. Einleitung u. Hegifter. 
1903. LXXI, 976 5. 28.60 

fllftt, <5., #runbri|| ber §t)mßotih — Konf effionsf unbe. 5. ocrb. 
2IufI. tjrsg. oon D. Sc^ul^e. Heue Jluflfage in Porbereitung. 






« V t 




^1 c I 



der 



Dogmengeschichte 



Von 



Reinhold Seeberg 



Vierte, vielfach verbesserte Auflage 




Leipzig 1919 

A. Deichertsche Verlagsbuchhandlung Werner Scholl 



• • i 






•■ I. » t 

• 3 



c 
• r 



' , •-' 



« K I 



Alle Rechte vorbehalten. 



BT «549 




Nicht nur der mir häufig ausgesprochene Wunsch des Herrn 
Verlegers, sondern auch Erfahrungen und Beobachtungen, die ich 
selbst ebenso wie befreundete Dozenten bei dem Vortrage der Dogmen- 
geschichte gemacht haben, haben mich zur Abfassung dieses Büchleins 
veranlaßt. Nicht eine Darstellung der Dogmengeschichte wollte ich 
geben, sondern das notwendigste Material zu einer solchen zusammen- 
stellen und die Grundlinien der Darstellung andeuten. Das Buch will 
den Zuhörern akademischer Vorlesungen dienen. Die Quellen und 
das "Wichtigere aus der Literatur, die Grundgedanken der Entwicklung 
nebst den Hauptbelegstellen sind zusammengestellt worden, um dem 
Dozenten das zeitraubende Diktieren, dem Hörer das mechanische 
Nachschreiben zu ersparen und ihm die Möglichkeit zu gewähren, sich 
auf die Vorlesungen vorzubei-eiteu. Dabei ist die größte Knappheit 
erstrebt worden. Die Erläuterungen und Ausführungen des Lehrers 
sind immer vorausgesetzt. Doch wird sich das Büchlein in der Praxis 
zu bewähren haben. Endlich bemerke ich noch, daß die Darstellung 
sich fast überall eng an mein „Lehrbuch der Dogmengeschichte" 
2 Bde. (Leipzig 1895/8) anschließt. 

Berlin, den 24. Oktober 1900. 

R. Seeberg". 



Voi^wort zur vierten Auflage. 



Ich habe das Buch abermals genau durchgesehen und an vielen 
Stellen ergänzt und verbessert. Die Litieraturangaben sind, mannig- 
fachen Wünschen entsprechend, so viel als möglich beschränkt worden. 
Nach wie vor schließt das Buch sich eng an mein „Lehrbuch der 
Dogmengeschichte" an. Von diesem liegt jetzt die zweite Auflage 
in drei Bänden sowie einem Halbbande vor, die , die alte Dogmen- 
geschichte, das Mittelalter und das B,eformationszeitalter umfassen. 
An der zweiten Hälfte des vierten Bandes, mit der das Werk zum 
Abschluß gelangen soU, arbeite ich und hoffe, daß er, wenn die 
Verhältnisse es erlauben, etwa in Jahresfrist wird ausgegeben werden 
können. — Die Benutzer und Beurteiler dieses „Grundrisses", erlaube 
ich mir wiederum an die Absicht resp. die Schranken zu erinnern, 
die ich im Vorwort zur 1. Auflage zum Ausdruck gebracht habe. 

Berlin-Halensee, den 22. Juli 1918. 

R. Seeberg'. 



iT^r^v 



CGr. = Conciliengeschickte. 

DGr. = Dogmengeschichte. 

KG. = Kirchengeschichte. 

Corp. scr. lat. = Die Wiener Ausgabe der lateinischen Ejrchen Väter. 

Kirehenlex. = Wetzer und Weite. Kirchenlexikon od. Bncyklopädie d. kath. 

Theol., 2. Aufl. 1882 ff. 
Migne gr. = Migne, Patrologia, series graeca. 
Migne lat. = Mgne, Patrologia, series latina. ■ 

PRE. = Herzogs Eealencyklopädie für Protestautische Theologie; und Kirche, 

3. Aufl. V. Hauck. 
Studien = Studien zur Greschichte der Theologie und der Kirche heraus- 

' gegeben von Bonwetsch und Seeberg. 
Texte u. Unterg. = Texte u. Untersuchungen zur, Geschichte der altchrist-, 

Hchen Literatur herausgegeben von Gebhardt (f) und Hamack und 

Schmidt. 
Die Abkürzungen für die gangbaren Zeitschriften verstehen sich von selbst. 




• ~ Seite 

Jlinleitiin'g ^. 1 

§ 1. Der Begriff und die Aufgabe der Dogmen geschichte 1 

§ 2. Methode und Einteilung der Dogmengeschichte 1 

v§ 3. Die dogmengeschichtliche Literatur 2 

Erster" Teil. 
Die Herausbildung des Dogmas in der alten Kirche. 

Erster Abschnitt. 

Die Anfänge des Dogmas im nacliapostolischen und 
altkattLolischen Zeitalter. 

Erstes Kapitel. 

Die Auffassung des Christentums im nachapostoliselien Zeitalter. 

§ 4. Einleitung 4 

I 5. Das Christentum der apostolischen Väter 4 

§ 6. Quellen und Normen des Glaubens 12 

Zweites Kapitel. ' 

■ ■ ^ 

Die häretische Umdeutting des Evangeliums, Reformversuehe. 

§ 7. Die Gnosis • •• , lö 

§ 8. Das Judenchristentum 17 

§ 9. Marcion und Montanus - 18 

Drittes Kapitel. 

Die Anfänge der kirchlichen Theologie. 

§ 10. ]^ie altkirchlichen Apologeten 20 

§ 11. Die Dogmatisierung des Kanons, der Glaubensregel und der Kirche, 

die antig^ostischen -Väter ... ... . . 22 

§ 12. Die'alexandrinische Theologie 27 

Viertes Kapitel. 

Die Lehreatwicklujag während des dritten Jahrhtmderts. 

§ 13. Die Christologie. , .' 31 

§ 14: BuÜe und Kirche . . \ 33 

§ 15. Die christliche Gesamtanschauung im Abendland und Morgenland 35 



VI luhalt. . - 

Seite 

Zweiter Abschnitt. 
Die Bildung der Dogmen in der alten Kirehe. . 

Erstes Kapitel. 
Das trinitarisclie Dogma. 

§ 16. Arius, Athanasius und das erste NicäBum .38 

> § 17. Die weitere Entwicklung bis zur Synode von Konstantinopel . . 42^ -^ 

§ 18. Der Abschluß der Trinitätslehre . 47 

/ 

Zweites Kapitel. <. 

Das christologisohe Dogma. 

§ 19. Die christologischen Gegensätze . 49' 

§20. Nestorius und Cyrill, Ephesus 431 . . 52 

- § 21. Der eutychianische Streit und die Synoden zu Ephesus und 

Chalcedon 54 

§ 22. Die monophysitischen und luonotheletisehen Kämpfe und der Ab- 
schluß der Entwicklung 56. 

Drittes Kapitel. 

Die Gesamtansehauung vom Christentum sowie der Abschlufs 
der Dogmenbüdung in der griechischen Christenheit. 

§ 23. Das griechische Christentum . : . . 59 

§ 24. Die Bilderstreitigkeiten und das zweite Nicänum ; . . . . . . 62 

Viertes Kapitel. 

Die unter Augustins Einflufs stehende Fortbildung der 
Kirchenlehre im Abendlande (Kirche, Sünde und Gnade). 

§ 25. Augustins religiöse und theologische Gesamtanschauung . . . . 63 

§26. Der donatistische Streit, Augustins Kirchen- und Sakramentsbegriff 67 

§27. Der Pelagianismus. Augustins Lehre von der Sünde und' det "'- 

Gnade ............ ..... 70 

§ 28. Die semipelagianischen Streitigkeiten ', . '. 76 ' 

§29. Tradition und Papsttum ^ . 78 

ZweiterTeil. 

Die Erhaltung, Umbildung und Fortbildung des Dogmas 
in der mittelalterlichen Kirche. - 

Erstes Kapitel. 
Die Dogmengeschiehte vom 7.-— 10. Jahrhundert. 

§ 30. Einleitung. Der Augustinismus Gregors des Großen . ... .80» 

§ 31. Lehrstreitigkeiten: Der adoptianische Streit . . . . ..... .81 

g 32. Die Bilderverehrung und das filioque . . . .8^ 



Inhalt. . VII 

Seite 

§ 33. Die Prädestinationslehre . . . . . . ' . 82 

§ 34. De partu virginis . . . . . . 83 

§ 35. Das Abendmahl. .................... 83 

§ 36. Kirche und Buße ' . . . 85 

' Zweites Kapitel. 

Die LehxansehauTingen während der ersten Periode 

der Scholastik. 

§ 37. Einleitung. Geschichte der Theologie von Anselm bis Petras 

Lombardus . . ; . 86 

§ 38. Christologische Gegensätze . , 89 

§ 39. Die Lehre von der Versöhnung 90 

§ 40. Die Lehre vom Abendmahl . .' 92 

§ 41. Die Bußlehre ... . . . . . .• ." . . . 93 

§ 42. Die sieben Sakramente 94 

^ ' Drittes Kapitel. 

Die kirchliche Lehre während der Blütezeit "der Scholastik. 

§ 43. Die Theologie des 13. Jahrhunderts . . . ^ 94 

§ 44. Die einzelnen Lehren: Gott nnd Christus 98 

§45. Urständ und Sünde . ...... .i . 99 

§ 46. Das Werk Christi ...... :^ ... 100 

§47. Gnade und Freiheit.- Eechtfertigung nnd Verdienst 100 

§ 48. Die Sakramente ......' 102 

§ 49. Der Kirchenbegriff . . . ". . . . . . ... • . • • • 106 

Viertes Kapitel. ^ 

Der Zerfall der scholastischen Theologie und die kirchliehe 
Ejdsis im ausgehenden Mittelalter. 

§ 50. Kirche nnd Leben 107 

§ 51. Dnns Scotus 108 

§ 52. Die theologische Arbeit der ausgehenden Scholastik 110 

§ 53. Angustinische Strömungen . 114 

§ 54. Eenaissance nnd Hnmanismns 117 

Dritter Teil. 

Die Fortbildung des Dogmas durch die Reformation und die 
entgegengesetzte Lehrfixierung des Katholizismus. 

Erster Abschnitt. 
Die Entstehung des protestantischen Lehrbegriffs. 

Erstes Kapitel. 

Die Lehre Luthers. 

§ 55. Luthers .dogmengeschichtliche Stellung . 119 

§56. Luthers Lehre in ihrer \irsprnnglichen Gestalt . . . . . 12€ 



YIII Inhalt. ^ 

■ Seite 

§ 57. Das neue Verständnis des Evangeliums ans dem Gesichtspunkt der 

evangelischen Buße (Glauben, Werke, Gesetz, Evangelium, Sünde, . • 

Gnade, Kechtfertigung, Versöhnung) 12S 

§ 58. Der Kirehenbegriff Luthers, Wort und Sakrament . . . . . . 130- 

§ 59. Luthers Stellung zu Schrift und Dogma .......... 132 

Zweites Kapitel. 
Zwingli und Luther. 

§ 60. Die reformatorischen Gedanken Zwinglis 134^ 

vj 61. Der Kampf um das Abendmahl ,. 136. 

Drittes Kapitel. 
Das neue Dogma. 

§ 62. Die Augsburgisehe Konfession . . 13S 

§ 63. Die älteren reformierten Bekenntnisse . . ... 140 

Zweiter Abschnitt. 

Der Ausbau und (vorläufige) Abschlufs des protestantischen 

Lehrbegriffes. 

Erstes Kapitel. 
Die' lutherische Lehre bis zur Konkordienformel. 

§ 64. Die Theologie Melanchthons und ihre Bedeutung für die Dogmen- 
geschichte 14t 

§ 65. Die theologischen Streitigkeiten im Luthertum von Luthers Tode 

bis zur Konkordienformel 144 

§ 6ß. Die Konkordienformel 147 

Zweites Kapitel. 
Der Abschlufs der Doginenbildung in den reformierten Kirchen.. 

§ 67. Die Theologie Calvins in ihrer dogmengeschichtlichen Bedeutung 149 
g 68. Die calvinische Lehre als Kirchenlehre .......... 153. 

s Dritter Abschnitt. 

Der Abschlufs der Dogmenbildung in der katholischen Kirche. 

§ 69. Die Fixierung der mittelalterlichen Theologie als Kirchenlehre 

durch das Konzil von Trient !...... 155- 

§^0. Die Eeaktion der augustinischen Gnadenlehre und die kirchliche 

Verwerfung letzterer ^ . . , . 159* 

§ 71. Die Vollendung des römischen Dogmas von der Kirche; das 

vatikanische Konzil 160 

g 72. Schluß 162 



Einleitung-. 



§ 1. Der Begriff und die Aufgabe der Dogmengeschielite. 

Gr. Krüger, Was heißt und zu welchem Ende studiert man DG.? 1895. 
JF. Loofs, PRE. IV, 752ff. A. Harnaek, Lehrb. der Dogmengesch. I* 1909,- 
S3ff. . E. Seeberg, Lehrbuch dA- Dogmengesch. P, 1908, S. Iff. Th. Kolde, 
Dogma u. Dogmengesch. in Neue kirchl. Ztschr. 1908, 485 ff. G. Lasson, 
Zur The'orie des Dogmas 1897. C. Stange, Das Dogma u. s. Beurteilung 1898, 
IF. Haase', Begriff u. Aufgabe der Dogmengesch. 1911. 

1. Der Ausdruck Dogma bezeiclinet im tEeologisclien Sprachge- 
ibrauch sowohl einen kirchliclien Lehrsatz als das ganze Gefüge solcher 
Xiehrsätze, d, b. den kirchlichen Lehrbegriff. Kirchlich sind diese Sätze, so- 
iern sie von der organisierten Kirche als gültige Normen anerkannt werden. 

2. Das Dogma als solches ist ein Produkt der Kirchengeschichte. 
Die Dogmengeschicbte ist die Geschichte des kirchlichen Yerständ- 
■nisses der Offenbarung. Sie hat es daher sowohl mit der Entstehung 
'der Dogmen,- als mit ihren weiteren Geschicken in der Kirchengeschicbte 
:zuitun. Indem das Do^ma-in engem Zusammenbang mit der gesamten kircb- 
üchen wie Kulturentwicklung entstand, gi-eift die Aufgabe derDogmenge- 
«chichtsschreibuhg über den Umkreis des Dogmas im strengen Sinn hinaus. 

3. Die Ü'rtumsfähigkeit der Dogmen wird auf katholischem Soden 
geleugnet, auf protestantischem zugestanden. Die Zustimmung zu 
^inem Dogma bezieht sich nicht auf die wissenschaftliche Technik 
^seine^ Formulierung, sondern bezeichnet die Billigung der Verwerfung des 
.Gegensatzes, wider den das Dogma sich wendet, sowie die TJbereinstiminung 
.mit der religiösen Tendenz, um derentwillen jene Verwerfung erfolgt. 



§ 2. Methode und Einteilung der Dogmengeschiehte. 

• ■ • .' ■ .'.'■'. . ' " 

1. Die Metbode ist die streng bistoriscbe. Deslmlb ist die Ein- 

-iieilung nach dogmatischen Loci nicht zulässig. Aber aus dem „Zentral- 
dogma" einer, Zeit ist .die religiöse Gesamtanschauung zu verstehen. 

2. An und für sich ist die DG. — wie die „biblische. Theologie" 
— - .nur ein Ausschnitt aus der Geschichte der cbristlichen Lehre. 
"Wie aber die biblische Theologie, so ist auch die DG. aus jenem 
großen Zusammenhang wegen der geschichtlichen Wertung xmcf Be- 

S eeb er g, Grundriß der Dogmengeschiehte. 4. Aufl. 1 



2 § 2. Methode und Einteilung der Dogmengeschichte. 

deutung ihres Gegenstandes herausgenommen worden. ^Freilich greift 
die Geschiclite der Theologie nicht selten in die DGr. ein. 

3. Bei dieser Scheidung bilden die kirchlichen Festsetzungen vonr 
Lehrbestimmungen die Grenzen der Dogmengeschichte (das 2. Nicänimt. 
787, das Yatikanum 1870, die Konkordienformel 1580, die Synode- 
zu Dordrecht 1618/19). / 

4. Einzuteilen ist die Darstellung so, daß 1. die Heraus-. 
bildung des Dogmas in der Alten Kirche zur Sprache^ 
kömmt, 2. die Erhaltung, Umbildung, und Portbild^ung- 
des Dogmas in der mittelalterlichen Kirche, 3. die^ 
Portbildung des Dogmas durch- die Reformation und 
die entgegengesetzt e Lehrfixierung des Katholizismus^ 

§ 3. Die dogmengescMelitlieh.e Literatur. 

Baut, Lehrbuch der DG.^, 19 ff. ; Epochen dier kirchl. Geschichtsschreibung.. 
Harnack, DG. P, 25ff. Loofs, PHE. IV, 753£ 

Hier seien nur die wesentlichen Namen genannt : M e 1 c h i o r 
Oanus, De locis theologicis (1563). Dionysius Petaviui^, De- 
theologicis dogmatibus 4 ^roU. Paris 1644. M. Chemnitz, Examen:^ 
concilü Tridentini, J. Gerhard, Conf essio catholica. Anfänge machen^ 
dann G. Arnold, Kirchen- u. Ketzerhistorie 1699 f.'; L. v. Mos- 
hreim (Dissertat. ad. bist. eccl. -pertinent. 2 Bde, 1731 ff., De rebus- 
Christ, ante Const. 1753), Ch. "W. P. "W al c h (Historie der Ketzereien etc-.. 
11 Bde. 1762 ff., Gedanken von der Gesch. der Glaubenslehre 1756),. 
sodann J. S. S e m 1 e r (Einleitung z. Baumgartens Glaubenslehre und 
zu dessen Unters, theol. Streitigkeiten 1762 ff.), vgl. auch G. J.. 
Planck, Gesch. des prot. Lehi-begriffes 6 Teile 1781 ff. Die ersten 
Bearbeitungen sind; S. G. Lange, Ausführl. Gesch. der Dogmen^ 
I, 1796. W. Münscher, Handb. d. christl. DG. 4 Bde. 1797ff. 
(die 6 ersten Jahrb.) und Lehrbuch der DG., 1. Aufl. 1811; 3. Aufl. 
1832 ff., vgl noch J. Ch. W.'Augusti (1805), L. Berthold 
(1832f.), C. G. H. Lentz (I, 1834), dann L. P. 0. Baumgarten- 
Crusius (1832); P. K. Meier (1840, 2. Aufl. 1854), J. G. V^ 
Engelhardt (1839), — In neuerer Zeit sind zu nennen A.N e a n d e r , 
dessen DG. Jacobi edierte (1857), ähnlich Hagenbach , DG. (1850^ 
6. Aufl. bearb. v. Benrath). P. Ch. Baur'', Lehrb. d. DG.. 1847.^ 
3. Aufl. 1867 und bes. Vorlesungen über d. ehr,, DG., ed. P. Baur^ 

3 Teile 1865 ff. Dazu die großen Monographien: Lehre v. d. Ver- ' 



§ 3. Die dogmengeschichtliche Literatur. 



söhnung 1838 und Lehre v. d. Dreieinigk. und Menschwerdung 3 Tle. 
1841ff. "Th. Kliefoth, Einleitung in die DG. (1839). Gr. Tho- 
mas ius, Die ehr. D Gr. als Entwicklungsgesch. d. kirchl. Lehrbegriffs 
2 Bde. 1874/76 (Bd. 2 edierte PHtt), 2. Aufl. Bd. I herausgeg. 
V. N. Bonwetsch (mit vielen Zusätzen, 1886), Bds TL neu bearbeitet 
V. E. Seeberg (1889), vgl. dazu H. Schmid, Lehrb. der DG. 1860, 
4. Aufl. neu bearbeitet von A. H a u c k. F. N i t z s c h., Grundriß 
der ehr. DG., Bd. I 1870. A. Bit sohl, Entstehg. d. altkath. 
Kirche, 2. A. 1857 ; Lehre v. der Bechtfertigung u. Versöhnimg, I, 
2. A. 1882. M. V. Engelhar'dt, Das Christentum . Justins des 
Märtyrers 1878. A. Harnack/Lehrbuch der DG. 3 Bde. 1886 ff., 
4. Aufl. 1909 f. vgl. dazu: Grundriß der DG., 5. Aufl. 1914, P. Loofs, 
Leitfaden z. Studium der DG. 1889, 4. Aufl. 1906. Sodann R. See- 
berg, Lehrbuch der DG. 2 Bde. 1895/98; 2. durchweg neu ausge- 
arbeitete Auflage Bd. L IL IIL ly. 1 1908—17 (Bd. lY, 2 in Vor- 
bereitung). A. Dorner, Grundriß der DG. 1899. N. Bonwetsch, 
Grundriß der DG. 1909. F. "Wieg and, Dogmengesch. der alten 
Kirche 1912. - — Aus der katholischen Literatur s. H. Klee, Lehr- 
bucb d. DG. 2 Bde. 1837f. J. Schwane, DG. .3 Bde. 1862ff. 
J. Bach, Die DG. d. kath. Mittelalters v. christolog. Standpunkt 
2 Bde. 1873 ff. J. Tixeront, Histoire des dogmes I— IE[ 1905 ff. — 
Endlich heben wir aus den dogmengeschichtlichen Monographien, außer 
den schon genannten, noch einige hervor: I. A, Dorn er, Entwick- 
lungsgesch. d. Lehre v. d. Person Christi 3 Bde., 2. A. 1851 ff. H. 
Heuter, Augustinische Studien 1887 und Gesch. d. Aufklärung im 
MA. 2 Bde. 1875 ff. K. Werner-, Thomas v. Aqüino 3 Bde. 1859 
und Die Scholastik des späteren MA. 4 Bde. 1881 ff. E,. Seeberg, 
Die Theol. des Duns Scotus 1900. J. Köstlin, Luthers. Theol. 
2 Bde. 2. Aufl. 1901. • Th. Harnack, Luth. Theol.' 2 Bde. 1862. 
1886. G. Plitt, Einleitg. in die Augustana 2 Bde. 1867 f. E.H. 
B. Erank, Die Theol. d. Concordienformel 4 Tle. 1858 ff. A. 
Schweizer, Prot. Oentraldogmen 2 Bde. 1854/56. E. Tröltsch, 
Prot. Christentum u. Kirche in Kultur der Gegenwart I, 4, 1^ (1909). 
P. Tschacke rt. Die Entstehung' der luth. u. der reform. Kirchen- 
lehre 191.0. — Eingehende dogmengeschichtl. Untersuchungen" bieten auch 
viele Artikel der Herzog sehen Bealenzyklopädie (3. Aufl. von H a u c k). 



Erster Teil. 

Die Herausbildung des Dogmas in der Alten Kirche. 

Erster Abschnitt. 

Die Anfänge des Dogmas im naehapostolisehen 
und altkatholisehen Zeitalter. 

Erstes Kapitel. 

Die Auffassung des Christentums im naohapostoiischen 

Zeitalter. 



§ 4. Einleitung. ■** ^ 

Vgl. E. Seeberg, DG. P, S. 21—86. 

Yon einer Darstellung- des Christentums der apostolischen Zeit 
muß in diesem Leitfaden ebenso abgesehen werden, wie von einer 
Schilderung der „Fülle der Zeiten". Die antike» Entwicklung der 
Religion wie der Philosophie hat einerseits den christlichen Ge- 
danken das Bett bereitet und hat andrerseits die große Sehnsucht 
nach einer Religion der Erlösung erregt. Auch das Judentum, 
das immer tiefer in Legalismus und Moralismus versank und von 
hier aus seine MessiashofEnurigen belebte und veräußerlichte, hat 
diese doppelte Beziehung zum Christentum. Im Christentum erlangt 
der Mensch die neue Stellung zu Gott. und der "Welt, die durch die 
Ausdrücke Glaube und Liebe bezeichnet ist. Hierin ist eine neue^ 
Auffassung Gottes und des Menschen erreicht. Der lebendige Gott 
oder unser Vater ist Geist, Wille, Macht ; er wird in Christo, dem 
Herrn, der der Geist ist, und als der heilige Geist in der Gemeinde 
ofEenbar und erweckt dadurch den Glauben, und er steckt dem Willen 
das absolute Ziel des Reiches und seines Dienstes. Das ist der 
schärfste Gegensatz zum hellenischen Litellektualismus und Moralismiis 
und zum jüdischen Legalismus. 

§ 5. Das Christentum der apostolischen Väter. 

Clemens Eomanus. (ein Brief ca. 97); Hermas, Pastor (5 Visiones, 
12 Mandata, 10 Similitudines, 97—100, nach anderen 140—145); Ignatius 



§ 5. Das Cliristentum der apostolischen Väter. 



T. AntiocMa (ca. 110^ 7 Briefe: ad Ephesios, Magnesios, Trallianös, Eomanos, 
Philadelphenos, Smyrnaeos, Polycarpum) ; Polykarp v. Smyrna, ad Philipp.; 
Papias V. Hierapolis '(ca. 130—140^40;//«»' '/.voiay.&v s^7iyr]ats ßißUa E, nur 
Fragmente erhalten); Barnabas (ein Brief ca. 96— 98 oder 130 — 140); ^i- 
Saxf] Tcüv iß' änoaiölcov (ca. 100 — 140), der zweite Clemensbrief 
(alte Homilie ca. 140); §. auch die Praedicatio Petri (die Fragm. bei E. 
V. Do b schütz in Texte u. Untersuchungen XI, 1893. — Ausgaben: Fnnk, 
Patres apostolici 1901. Patram apostolicorum opera ed. Gebhardt, Haynack, 
Zahn, Lips. 1876 f., kleine Ausg. Lips. 1877. — Zar Lehre s. Th. Zahn, Hirte 
des Hermas 1868 und Ignatius 1874; E. v. der Goltz, Ignat. v. Ant. 1894; 
E. Knopf, Das nachapostol. Zeitalter 1905. G. Wustmann, Die Heils- 
bedeutung Christi bei den apost. Vätern 1905. Harnack, DG. P, 159 ff.; 
Seeberg, DG. P, 87ff. 

"Wir stellen die Hauptgedanken in systematischer Ordnung zu- 
sammen. 

1, Es gibt einen Gott, o Ttavtoy.Qd'VtüQ -d-sög. üqCütov TtdvTcov 
'TtLatEvaov, ort slg sgtlv -S-eög (Herm.^m. 1). a) Es ist der Schöpfer iy. 
zov fir] bvTOg stg %o sivcci (ib.), Beschützer, Leiter, Gesetzgeber, ge- 
recht und barmherzig. BXeTtexe,, ayanTjrol, Ttooog vTtSQaoTtiafxog 
eoTLV TÖlg 7zaiösvoi,i€voig vno xoD ösorroxov, 7tccTi]Q yccQ äyaS-bg obv 
TvaidsvsL sig %o eXsrjS-fjvai fiuag öia zfjg dalag Tvaiöeiag avfov 
(1 Cl. 56, 14). b) Gott hat die "Welt aus nichts (Herrn, m. 1, 1 nach - 
2. Makk. 7, 28) erschaffen und ihr Mehrung und Wachstum verliehen 
um der heiligen Kirche willen (Herrn, v.. 1, 1, 6). c) Aber schon jetzt ■ 
beginnt man, die Epitheta der hellenischen abstrakten Gottesanschauung 
"Gott beizulegen : 6 aöqarog, dg la Ttävrcc OQcc, axwqTqtog, og icc Ttdvra 
%a)QEi, avETtiöerig, ov xa rcdvxa. eftiöesraiyal di' ov Igtiv, cc/.aTdlrjTtxog, 
asvvaog, äcp&aQxog, arcoiriTog, og xh Tcdvxa eTtoirjasv Xöyto övvdf.istüg 
avxov (Praed. Petri vgl. Aristid. apol. 1, If. 4ff.). — d) Die tria- - 
dische Formel kommt bei der Taufe zur Anwendung Did. 7, 1. 3 und 
schimmert wie schon im N. T. (§ 6, 3) oft -in der religiösen E,ede durch, 
1 Ol. 46, 6; 58, 2. Ignat. Eph. 9, 1: ovtsg Xid-oi vaov naxQog 
fjxoLf.iaßf.ievoi. sig oiy^oöof.i7]v S-eov ^axQog, avacßSQOusvoi eig xavipnq öiä 
xfjg iia]xavfjg "Ixjaov Xqiaxov, og eaxiv axavQog, oxoivicp %Q(jt)i.ievoL xq) 
^vevf-iaxL x(b äyl(p. Der heil. Geist wird von Christus unterschieden. 
. Er ist der göttliche "Wille, der die einzelnen der Kdrche einfügt und sie 
in ihr erhält oder auch die präexistente himmlische. Gottesstadt oder 
die Mutter der Gläubigen, ein präexistentes weibliches Geistwesen neben 
dem männlich gedachten präexistenten Geist Ciiristus (Gal. 4, 26. 29; 
Hebf. 11, 10. '16; Apok.-21, 2. 9; 22', 17; 3, 12; Herm. v. 1, 3, 4; 



§ 5. Das Christentum der apostolischen Väter. 



2, 4, 1; s. 9, 13, 2; 2 Gl. 14. Helkesai bei Hippolyt refut.. IX, 13. 
Ascens. Jes. 3, 15 f.). 

2. a) Christus wird als präexistent und bereits in der altte^ta- 
mentlichen Zeit tätig gedacht, sowie als Gott erkannt (1 G1./36;, 
22, 1. Barn. 12, 10). Er ist in Gott (Ignat, Eom. 3, 3) und er 
^st bei und mit Gott. Er ist der Herr, der den Bau der Kirche 
beaufsichtigt (Herrn, s. 9). Er hat der Kirche gegenüber die regierende 
und schützende Stellung wie der Erzengel Michael Israel gegenüber. 
Daher wird er von Hermas dem Michael gleichgesetzt (s. 8). Die 
trinitarische Eormel des Taufbekenntnisses und die an sie sieb an- 
schließende und an sich nahe liegende Wandlung des dem Menschen 
Jesus eignenden Prädikates 6 vlog tov, Ssov in eine himmlische 
Hypostase (Herm. s. 9, 12, 2 cf. Barn. 5, 9 f.: 6, 12: 12, 10), sowie 
die spätere Deutung des Logosbegriffes wiesen auf weitere Wege. 
Zunächst glaubte man : ovzcog ösZ rj[J.ag q)QOveiv Ttsql ^Irjaoü Xqlotoü 
wg TteQL -d-sov, üg tieqI v.vqLov K(iiV'toiV y.al vev.qcüv (2 CI. 1, 1) oder 
S-eov avd-QOiTtLvcog (favsQO^evov (Ign. Eph. 19, 3). Plinius schrieb: 
quod soliii essent stato die ante lucem convenire carmenqus Christo quasi 

'deo dicere secum in vicem (Ep. X, 96). — b) Aber wie Christus an der 
Gegenwart wirkt, so ist er auch präexistenter Geist (2 Gl. 9, 5). Er 
ist jtdarjg tfjg xrlaecog TtQoyeveorsQog (Herm. s. 9, 12, 2 f.) und trägt 
sie (ib. 14, 5). Herm. s. 5 wird gewöhnlich so aufgefaßt, als ob 
Herm. den Sohn und den Geist identifiziert habe (der treue Knecht 
wird Äliterbe des Sohnes). SchweHich mit Eecht. Christus ö ^sög 
rjjucüV^ -d-sög f.iov, b S-eög (Ign. Eph. inscr... 18, 2. Eom. inscr., Sm. 

■ 1, 1). — c) Er ist das. ewige Wort Gottes, in dem Gott uns offen- 
bar wird: 6 cpavsQchaag eavTov öicc ^Ir^GOv -Xqlgxov xoü vlov avtov, 
dg eoviv avTou köyog ano otyrjg 'jtooeld-cljv (Ign. Mgn. '8, 2 vgl. 
Job. 1, 1, Apok. 19, 13 f., Hbr. 1, 2), rb aipevösg azöfia, h ^ ö 
Ttar^jQ eldh]aev alrjO-öbg (Eom. 8, 2), oder auch: o öh v6(.iog ovtog 
vlog ■9-sov earl y.riQvyßElg elg la TieqaTa T/jg yf^g (Herm. s. 8, 3,. 2 
cf. Clem. AI. Ecl. proph. : 6 IIsTQog kv tCo Kr]Qvyi.iaxL v6{.iov y.a.1 
löyov xhv V.VQLOV TtgoostTtev), — d) Der „Sohn Gottes" (das ist jetzt, 
anders als im !N". T., der präexistente himmlische Christus) ist in der 
-Zeit Mensch geworden, indem er sich mit dem vom Geist in der 
Jungfrau Maria geschaffenen Menschen vereinigte oder auch von der 
Jungfrau Maria geboren wurde (das altrömische Taufsymbol: tov 
yevvrid-evTa s/. 7tvav(.iato.g ayiov Y.al MaqLag rfjg Ttaqd-evov). In 
dem Davididen Jesus ist also der ewige Gottessohn in Kraft und 



§ 5. Das Christentum der apostolischen Väter. 



^eist persönlich offenbar geworden (6 vlbg xov -S^sov fjX-d-ev ev GaQY.L 
IBam. 5, 11; d-eov avd-qiOTcLvwg (pav£QOV{.ievov Ign. Eph. 19, 3), oder 
«der präexistente geistige- Gottessohn wurde Fleisch : lov (.lev xo tzqCjtov 
atvsvfia syeVETO adcQ^ (2 Gl. 9, 5). Gegenüber der Gnosis betont Ignatius 
<die Realität seines menschlichen Lebens und Leidens, nicht to öojceZv 
atSTtov&evai gilt von ihm (Ign. Trall. 10). Gott hat Jesus von den Toten 
-erweckt und ihm Herrlichkeit gegeben (Polyk. 2, 1), oder auch Christus 
jhat sich selbst erweckt (Ign. Sm. 2), er war auch nach der Auferstehung 
-€V aaQ'KL (Ign. Sm. 3, 1). — e) In dem geschichtlichen Menschen Jesü's 
war Gott und er ist selbst Gott, er wird angebetet als Gott. Eine 
-lehrhafte Ausgleichung des Göttlichen und Mens'chlichen in Christo 
ist noch nicht vorhanden (Anfänge 2 Gl. 14; Herrn, s. 5, 6, 5 ; 9, 1, 1). 
J)ie Unterscheidung einer „pneumatischen" und „adoptianischen" Christo- 
ißgie ist irreführend. 

3. Die Aussagen von Christi Werk reproduzieren im ganzen 
<die neutestamentlichen Vorstellungen. Zwei Hauptgesichtspunkte lassen 
isich unterscheiden, durch Christus wird ein neues Yerhältnis zu Gott 
liergestellt und die EJraft und der Antrieb zu^einem neuen Yer- 
-iialten gegen öott gegeben. Diese Gesichtspunkte sind Hnfort, wie 
-schon im N. T., maßgebend für das Yerständnis des "Werkes Christi. 
•Sie erwachsen aus der Idee des neuen Bundes (Jer. 31, 31 ff.): a) ort 
^Lcc xov • al^axog xov y,vqLov XvxQcoaig eoxuL TtSaiv xolg tvloxsvovglv 
:x.(xl ek7tLt,ovavv eTtl xov -d-Eov^l Cl. 12, 7), und: ccTEviacoi-iev eig xb 
ccl^a xov Xqloxov y.al yvcjf.iev, tue iaxlv xifiiov xCo d-ew x(b tvuxqI avrov, 
Sxi öicc xrjv fjuexEQav GcoxrjQtav ey,%vd-hv navxl xij) /cÖGficp iiexavoiag 
^ägiv snijveyxsv (ib. 7, 4). Dazu Polyk. 1, 2; 8, ]. Christi Tod und 
A^uferstehung • bewirken Sündenvergebung und Heiligung (Barn. 5, 
1.- 6; 6,. 11), ■d-avdTOV yiaxccAvaig (Ign. Eph, 19, 3, Trall. 2, 1). Das 
Xeiden Christi befreit von Schuld, Sünde und Tod. Der Opfer- 
_^esichtspunkt nur gelegentlich bei Barnabas. — h) Hiermit verbindet sich 
«der zweite Gedanke : xai avxbg xäg äfxaqxLag avx&v i'Kad-dQiae JtoXkcc 
:no7ticcaag ycal TtoXXovg koTtovg rjvxXrpicbg ... . . Avxbg ovv 'Aad-aqiaag 
zag a^iaqxLag xov Xaov edei^ev avxolg xag xQißovg xfjg CcDfjg öovg 
'CcvxoZg xbv vöf.iov, ov eXaße Ttaqa xov Ttaxobg avxov (Herrn, s. 5, 6, 
2. 3; 8, 3, 2 f.). Christus gab den ytacvbg v6f.iog (Barn. 2, 6) und die 
-rechte Erkenntnis Gottes (2 Cl. 3, 1 ; 17, 1) samt der Verheißung des 
Lohnes der Unsterblichkeit (ib. 11, 16). Er ist das Vorbild der rechten 
^Stellung zu Gott (1 Cl. 16, 17; Pol. 8, 2). Für diese Gedanken 
■braucht Ignatius die tieferen johanneischen und paulinischen Wen- 



•\ ■ 



8 § 0. Das Christentum der apostolischen Väter. 

düngen von der Einwolinung Christi in uns. Dadurch haben wir Wahr- 
heit, Licht, Leben. OeocpÖQOi, XQLGTOcpoQOL, vaocpoQOL, ayiocpÖQOi sind 
die Christen, Christus ist to aöidy.QLTOV "^[.icbv ^fjv (Eph. 3, 2), to- 
äXrjd-ivbv fii,iG)V ^fjv (Sm. 4, 1). — An dieser wirksamen Lebens- 
gemeinschaft Christi mit uns,, an seiner Wiederkunft und an seiner 
Gegenwart im Abendmahl haftet das Bewußtsein der Gottheit Christi. ' 
4. Der Heilsstand der Christen ist bewirkt durch die Heils- 
gaben, die Christus wirkt und schenkt, Ccot], yvcüGtg, Tviatig, äd-avaGla- 
(Did. 10, 2: 9j 3), dazu die Sündenvergebung, äcpsoiv tG)V a/.iaQTL&T 
y.al %ov ayvioi-iov xf^g ytaQÖiag (Barn. 8, 3). Ohne Christus sind die- 
Menschen, deren Herzen voller Sünde und Finsternis sind, dem Ver- 
derben verfallen (Barn. 6, 11 schließt eine Erbsünde aus).v Sünde- 
ist Depravation, Tod und . Verderben, böse Geister herrschen iin? 
Menschen (Herrn, m. 5, 2, 7; Barn. 4, 13); ,der Gesichtspunkt der- 
Schuld tritt zurück. — Diese Gaben bringen dem Christen ein neues- 
Leben. Die Hauptgesichtspunkte sind folgende-: a) Clemens repro- 
duziert den Gedanken von der Gerechtigkeit allein aus Gnaden und 
durch Glauben: JJdvreg (in der alttest. Gesch.) ovv sdo^da^TjOav '/.ah 
eueya?^vvS-7jaav ov öi avxCov rj iCbv e'gycov avvöjv fj Tfjg 6iy.ai07tQaylag: 
fjg Y.arELQydöavTO, dlXa öiä toD -d-elij/iarog ccvtov. Kai rjf.ielg otiv, öiar 
■d-aXr^uaxog avrov ev Xqlgt^) ^IrjGOv '^Xr^d-evreg, ov öi eavucbv dmaiov- 
f-isd-a ovös öiä tfß -qf.isTEQag ao(pcag i] GvveGeojgrj evaeßelag ?} €Qycov, atv 
■Aa-csLQyaGdfied^a ev oGiÖTrjTi '/.agöiagy ccXXa dia zfjg TtiGTScog, öc' fjg- 
Ttdvxag Tovg an ai&vog b TtavTO'KQdtWQ -d-eog eöiy.dicüGsv_[ß2, 3.4).. 
Aber er schreibt auch : {xa/.dqLoL eGf.iev, äyafCrjToi, si %a n^OGxdyfO.axa 
%ov d-Eov €7toioü[.i£V kv 6f.iovot(x &yd7trjg eig tö acpsdfjvaL ■^f.iZv öi^ 
ayditi-jg xäg ä(.iaQ%Lag (50, 5), und egyoig OL-A.aLOvi.dvoL -/.al (.i7}i 
XöyoLg (30, 3). Sein Paulinisinus ist also lehrhaft unsicher. — 
b) Bei den übrigen Autoren ist Paulus ß,echtfertigungslehre überhaupt 
nicht wirksam. Die Gerechtigkeit ist die aktive -Lebensgerechtigkeit,, 
die Haupttugend, durch die man gerettet wird (Herrn, s. 6, 1, 4. m. 
1, 2: 2 Cl. 6, 7; 11, 1). Zur Gerechtigkeit gehört der Glaube. 
Der Glaube ist die Voraussetzung der rechten Verfassung des Christen^ 
Er nimmt Gott in die Seele auf, Gott wohnt und wirkt in ihr, ein neues- 
Leben hervorrufend durch seine Worte und Gebote: itQO xov ■^(.iQg 
TCLGTevoaL T^) d-Eit) fjv 7)i.iCüv TO •/.axoLxrfcrjQLOv Tfjg TiaQÖiag cp-d-aQzbv 
y.al dod-Evig . . ., oxl fjv 7th)Qrjg uev EiöwloXaxQELag ^al fp/ ohiog: 
daLfxovLojv, diä xb tvolelv boa fjv evavxLa xG) -d-sq/, Ohoöofirjd'ijasTai. 
ÖE hcl x(p dvö/.mxL 'kvqLov .... IlCbg ; ^idd-Exs' laßovxeg xi]v acpEGiv^ 



§ 5. Das Christentum der apostolisclieii Väter. 



twv af.iaQTtü)V %a\ hlrcioavxEg Irtl zb ovofxa lysvöus^a xaLVOL, utdliv 
st, ccQYJijg 'KTitouEVOi- dib ev tö xaTOixrjrrjQict)^ -^{.icüv a.h]d-u)g 6 -d-sog 
YuxTor/.sl ev fjf.iZv. IICöq; 6 Xöyog avroü rfjg Tttazecog, fj -/Ifiaig avrov 
xf]g eTtayys'kLag, fj aocpia fcbv öiy.ai(j}i.idTLOV, al evTolal zrjg öidaxfjgy 
avtog ev '^f.üv TtQOcprjTsvcov, avzbg ev fiulv -/.azoLy-Cbv zovg reo d-avdz(^ 
d€dovXcüf.i€VOvg, dvolyiov rj^ilv irjv dvQav rou vaov, o sotlv arof-ia, 
fj.ezdvoLav öidovg '^f.ilv, siadyeLeig rbv acpd-aQvov vaov. (Barn. 16, 7 ff.) 
Dies wird dem Menschen durch das "Wort zuteil, kann aber auch 
auf die Taufe zurückgeführt werden (ib. 11, 11). Der Mensch, in 
dem Christus lebt, vermag das Gesetz zu erfüllen und soll es er- 
füllen. Es ist ävsv ^vyov avdyy.Tqg (ib. 2, 6). — c^ Ähnlich hat 
Hermas empfunden. Die Taufe reinigt von den Sünden der Ver- 
gangenheit und schenkt den Geist Gottes. Der Getaufte soll und 
kann das Gesetz halten, da er ja den Herrn in sich hat (m. 12, 4). 
Das heißt aber nur, daß der Mensch sich von den groben Sünden 
freihalten soll. Für diese, bes. den Abfall, wurde (vgl. Hbr. 6, 4fE., 
10, 26; 12, 19; 1 Joh. 5, 16f£.) die zweite Buße ' bestritten : ort kxsQCt 
(.lexdvoLa ovy. sgtiv ei f.i7] eyceivr], oxe elg vÖcoq zaT€ßrj(.iev Kot 
eldßof.iev äcpeaiv dj-iccgticbv -^ficDv zwv TCQorsqcov (m. 4, 3, s. dagegen 

1 Ol. 7, 3 ff.). Eine Offenbarung Gottes gewährt durch Hermas aus- 
nahmsweise eine zweite Buße oder Bekehrung (vis. 2, 2. 4. 5). Hier 
beginnt die Unterscheidung von Todsünden und venialen Sünden, 
sowie die Bußpraxis. Die Buße dient zur Versöhnung und TJmstimmung 
Gottes (1 Cl. 48, 1 ; 2, 3. Herm. v. 1, 2, 1). Diese Gedanken wurzeln 
im Judentum. . — ■ d) Der Grundgedanke ist also : Christus und der 
Geist werden im Glauben oder durch die Taufe empfangen ; sie 
treiben an' zur Lifebe d. h. zur Erfüllung des Gesetzes Christi. "^H öa 
TtLGTig vaCbv avaycoyevg vfiCbv, fj de äyd^tn] ödbg f] dvacpeqovaa elg 
^iov (Ign. Eph. 9, 1). ^-^QXT] l-iev Ttiaxig, zeXog de aydrtTj' xa öh 
ovo ev ivöxfjxi y€vö(.i€va d-eög eaxiv xa de aXka jtdvxa eig y.aXo- 
Tidyad-Lav axölovd-d eaxLV (Eph. 14, 1). Tb yaq olov eoxiv nioxig 
xal aydrcr] (Sm. 6, 1). Dafür kann aber auch Furcht und Hoffnung 
zur Ch^akteristik des Christenstandes angeführt werden (Barn. 11, 11 
s. unten 6 a). Diese Auffassung läßt im einzelnen Differenzen und 
Abstufungen zu. Sie ist der johanneischen verwandt und sie korre- 
spondiert mit der stärker betonten zweiten Gedankenreihe in Christi 
Wei-k. — e) In der vergröberten Fassung der Späteren bietet sie 

2 CL: Christus gab das Gesetz, wir sind zu einer avxi^uod-ia ver- 
pflichtet. Diese besteht für Sünder in der (.lerdvoLa, der Erfüllung 



10 § 5. Das Christentum der apostolischen Väter. 

des Gesetzes und der Abtuung der Sünden. 'Nsich Tob. 12, 8 f. werden 
die solennen Werke des Pbarisäismus empfohlen : y.aXbv ovv sksT^juoavvrj 
WQ fietdvoca d{.iaQZLag, Y.Qecaacov vrjOTei'pc TtQoaevxfjg, kXerji^ioovvt] ö^ 
cc/ii(poTeQcov . . ., e?<.eijfj.oavvij ös y.ovrpLOf.ia af-Laq-vLag ylveraL (16, 4). 
5, a) Das Selbstbewußtsein der Christenbeit gibt sieb zu erkennen 
in der Verwerfung des iovödiCeiv bei Christen (Ign, Magn. 10, 3), 
oder in der geschichtlichen Betrachtung des Barnabas, nach der Gott 
. überhaupt mit Israel keinen Bund schloß, und dies das Gesetz gröblich 
mißdeutete. — b) Die Kirche besteht aus den erwählten und berufenen 
Heiligen Gottes (1 Gl. 58, 2, 59, 2: 30, 1; 6, 1; 64); sie ist die 
Stadt Gottes im Gegensatz zur Stadt der Welt (Herrn, s. 1), das „neue 
Volk" (Barn. 5, 7). Die Erbauung der Gemeinde liegt noch in den 
Händen der Träger der Geistesgaben (Propheten, Lehrer, Apostel). 
Aber man beginnt die beherrschende Autorität dem kirchlichen Amte 
beizulegen. Die Apostel, übten eine XsLfOVQyla aus, durch diadoyji 
ging diese auf ihre ISTachfolger (die TtQsaßvTEQQi) über. In einem 
doppelten besteht ihre Aufgabe, in der STtioy^OTirj und dem TtQOGcpsQSLV 
ta öcüQa (1 Gl. 44). Dies wird durch die alttestamentlichen Priester- 
gesetze begründet, dem Presbyter tritt o la'i'Abg ävS-QCOftog gegenüber, 
«ine antipneumatische Tendenz wird spürbar (ib. 40). Das Kirchen- 
recht ist gefunden. So Clemens Eomanus. — c) Pom hatte noch 
keinen monarchischen Bischof. In Jerusalem (Hegesipp bei Euseb. 
h. e. II, 23, 4; IV, 22, 4) und in Kleinasien scheint dies Institut 
aufgekommen zu sein (Apokal. 1 — 3. 3 Job. 9. Ignat.). Ein Gottes- 
spruch trieb Ignatius zur Forderung, sich zu Bischof, Presbyterium 
und Diakonen zu halten (Philad. 7, 1). Gegenüber der hereinbrechen- 
den Häresie mit ihrer -„falschen Lehre" (Ign. ad Pol. 7, 2) ist Sicher- 
heit nur in der Gemeinschaft mit dem Bischof vorhanden: -/.aX&g 
€X€c -d-ebv yial ETviay.OTZov eiöevai • 6 Tificöv iTtlaxo'/tov vtvo d-eov 
iSTi/iirjTaL, 6 Xdd-Qa' STtioy.ÖTiov tl Ttqdoobiv xCt) diaßöX(p XaTQSvsc 
(Sm. 9, 1). -Diese Gemeinschaft vollzieht sich vermöge der Lehre, der 
Taufe, der Eucharistie und des Eheschlusses. Ov'/, s^öv eOTiv %0}Qig 
10V BTtLoy-ÖTCov ovTS ßaTXTL^ELV ovT€ äyaTCrjv TtOLslv aXX^ av eytelvog 
öoy.if.idojj TOVTO y.al zip ■d-s(p eidgeoTOV, %va dacpaXsg fi yal ßeßaiov 
viäv ftgdaosTat (Sm. 8, 2). El rtg dvvarai ev ayveid (.levsLV, eig 
iL/iii]v T?]g GaQy.bg zov yvQWv ev dzavxrjala (.levatw .... TlqeTtEi ^e 
tolg yaf.ioüOL y.al %al^ yai,LOVf.i€vaig. /uezcc yv(b!.a]g zov STtioy.OTtov zr]v 
evojOLv noLElad^aL, 'Iva b yd/nog fj y.aza yvQcov y.al f.ii] xar' etvi- 
S-vuLav (ad Pol.' b, 2 vgl. 1 Kor. 7, 39). — d) Die Eih^elgemeinde 



§ 5, Das Christentum der apostolischen Väter. 11 

wird in 'genaue Ajbliängigkeit vom Bischof gerückt, nicht aber die 
Gesamtkirclie, denn der Begriff des Episkopates fehlt Ignatius. Letztere 
leitet Christus samt dem Presbyterium der Apostel : OTtov äv cpavfj 
o hnioviOTtoQ lx«fc rh :7tXfjd-og eo'co), &otcsq otvou &v fj XqLOxog 
^IrjGovg sKSl fj ytad-oXizr] SKulrjalcc (Sm. 8, 2; Philad. 5, 1. Mart. 
Polyc. 8, 1 : xfjg y.aTa ttjv OLKOVf-ievrjV xad-oXvidiq sy.xlrjalag, anders 
16, 2: rrjg\€V 2f.ivQvr] %ad-oXvx,r]g kyxkriaiag). — e) Die Erwägung 
der Differenz der sittlichen Qualität der Christen führte zur Unter- 
scheidung wirklicher und scheinbarer Glieder der Kirche. Zwar soll 
. diese .durch die Buße möglichst eingeschränkt werden, doch wird das auf 
Erden nie völlig erreicht werden. So Hermas (bes. s. 9 und 3, 2. 3). 

6) a) Die Taufe als Abschluß der vorangegangenen Unter- 
weisung bringt Sündenvergebung und das neue Leben, d. h. sie eignet 
dem Menschen den Ertrag von Christi Werk an (s. sub 3) : fj(.i£lg 
(xhv zaraßahof-iev Big to vöwq ysfiovreg äf.iaQTiG)V %al qvtvov xal 
avaßalvof.i£v v.aQTtocpoQovvTsg, ev tf] '/.aQÖLa rov <p6ßov '/.al %i]v 
eXTtida eig %ov ^Irjaovv. kv t^ nvsvficx'vt eyßvxsg (Barn. 11, 11). Die 
Taufe bringt dem Menschen die Vergebung der bisherigen Sünden 
(Herrn, m. 4, 3, 1. 2) und die Gq)Q(X'ylg rov vlov toD ■9'eov als die 
Mitteilung des Geistes und Lebens (Herm. s. 8, 6, 3; 9, 16, 4; 2 Cl. 
8, 6) sowie die Annahme des Namens Christi (Herm. s. 9, 13, 2) und 
die hieraus fließende Verpflichtung, Christi Gebote zu befolgen (2 Cl. 
8, 6). Getauft wird jetzt auf den Namen des dreifaltigen Gottes 
(Did. 7. 1. 3, s. aber die frühere Praxis 9, 5). Über die Buße s. 4 c — 
b) Absicht und Sinn der eucharistisehen Feier deuten die Ge- 
bete Did. 9. 10, bes. der Schliiß : et Tig aytög sativ, eQ/Jad-w er 
Tig ovy. «OTt, ftetavosiTw f^iaqavad-ä. Zu letzterem (xn XJ"lt3, nicht 
Knx pO) s. 1 Kor. 16, 22. Apok. 22, 20. Christi Gegenwart erwartete 
man also gemäß der ursprünglichen Idee der Einsetzung Christi. Der 
Umbildung dieser Idee bei Joh. folgend heißt es auch: EvyiaQiOTlav 
üccQTia eiixxL xoü acoTfJQog ri(.Lä)V "iTqaov Xqlotov trjv vtceq rCbv ä{.iaQ- 
iiwv fi(xCüv TCad-ovoav, fiv %f[ xqiqö'COTriTL 6 7taT7]Q TjyeiQev (Ignat. Sm. 
7, 1). Die "Wirkung: sva aQxov y.Xcbwsg, og eoriv cpccQfAaxov ad-a- 
vaaiag, äwlöorog tov fxri anod-avelv, allä Kfjv ev ^Irjaov Xqlot^ ölcc 
navTÖg (Eiph: 20, 2),, vgl. Joh. 6, 54—58. — Ah ^ffia wird das 
Abendmal Did. 14, If. bezeichnet, sofern die es begleitenden Dank- 
gebete Opfer sind (vgl. Just. dial. 41. 117). ^ 

7. Die Nähe des Endes steht fest. Die Macht Christi wird 
dann offenbar, das Beich tritt ein : avva)rd-rJTCü oov fj iy.y.hrioLa ano tü)V 



12 § 6. Quellen und Normen des Glaubens. 



Ttegdrcov Tfjg yfjS sig ti]V Gr]v ßäaileiav (Did. 9, 4). Lohn empfangen 
die Frommen, schreckliche Strafen die Gottlosen (vgl. die Apocal. 
Petri). Sechstausend Jahre dauert die "Welt, es folgt das tausend- 
jährige Reich als Sabbat, dann geht die "Woche der Ewigkeit an • 
(Barn. 15, 4 — 9). Über das tausendjährige Heich s. Papias bei Iren. 
V, 33, 3 f. Daß man in den eo^afOL ymiqoL stehe, wird eingeschärft. Dem 
entspricht die Stimmung. Die Auferstehung des Fleisches s. 1 Ol. 24 f. , 

Das ist es um das Verständnis des Christentums in dem nach- 
apostolischen Zeitalter. Es stellt den Ausgangspunkt der dogmen- 
geschichtlichen Entwicklung dar. Eine Vergleichung mit der neu- 
testamentlichen Anschauung ist lehrreich; doch darf letztere , nicht 
auf den Paulinismus beschränkt werden. Der heidenchristliche Be- 
darf der jungen Christenheit hat jüdischen Tendenzen und Organi- 
sationen Eingang verschafft. 

§ 6. Quellen und Wormen des Glaubens. 

Th. Zahn, Gesch. des neutest. Kanons Bd. 1 u. 2, 1888 ä. u. Grundriß der 
Gesch. des neutest. Kanons 2. Aufl. 1904. . A. Harnack, Das NT. um 200, 1889 
u. Die Entstehung des N. T. 1914. Hahn, Bibl. der Symbole und Glaubensregeht 
der alten Kirche 3. A. 1897. P. Caspari, Ungedruckte . . . Quellen zur Gesch. 
des Tauf Symbols 1866. 69. 75. Alte und neue Quellen z. Gesch. ^des Taufsymb. 
1879. Th. Zahn, Glaubensregel u. Taufbekenntnis in Skizzen aus dem Leben 
der alten Kirche ^ S. 238 ff. und PRE.' VI ^ 688 ff. Das ap. Symbol 2. Aufl. 1893. 
A. Harnack, PEE. I^741ff. F. Kattenbu seh, Das ap. Symbol. 1894. 1900. 
J. Kunze, Glaubensregel, h. Schrift u. Taufbekenntnis 1899. A. Seeberg, 
Der Katechismus d. Urchristenheit 1903 ; Das Ev. Christi 1905 ; Christi Person 
u. Werk nach der Lehre seiner Jünger 1910. E. S e e b e r g , DG. 1 2, 65 ff., 154 ff. 
Evangelium quadraginta dierum in Aus Eeligion u. Geschichte I, 42 ff. E. S ee- 
berg, Über die ältesten trinitar. Formeln in „Eeformation" 1910 Nr. 2. 

1. "Wie Jesus selbst die Sprüche des A. T. ebenso wie seine' 
eigenen "Worte und die Festsetzungen der Apostel als feste Autoritäten 
anzusehen lehrte (Mt. 5, 17. Lk. 24, 44. Mt. 24, 35 ; 10, 40 ; 16, 19), 
so haben auch die Apostel geurteilt (Eöm. 1, 2. Gral. 3, 8. 22; 4j 30. 

1 Thess. 4, 15. Gal. 6, 2. 1 Kor. 7, 10; 9, 14. Act 20, 35; 15, 28. 

2 Thess. 2, 15. 2 Kor. 2, 9 ; 7, 15. 2. Petr. 3, 15 f, etc.). Diesen Autori- 
täten traten aber die Aussprüche der Geistträger an die Seite (z. B. 
1 Kor. 12, 8 ff.). Zu ihrer Kritik'wird früh gemahnt (1 Kor. 12. 2 f.; 
14, 29. 1 Thess. 5, 19— 21 cf Mt. 7, 15 ff. s. aber. Did. 11, 7 ff.). 

2. Diese Anschauung gut auch in der nachapostolischen Zeit. 
"H ygacpt] und ysyqanxai haften zuvörderst am A. T., doch werden 



§ 6. Quellen und Normen des Glaubens. 13 

sie auch auf Worte Jesu angewandt, (Barn, 4, 14. 2 Cl. 2, 4 cf. 
Pol. 12, 1). Die Evangelien als Christi Fleisch (Ignat. Philad. 8, 2; 

5, 1 cf. Sm. 7, 2), wie die Apostel als das Presbyterium der Kirche 
sind entscheidende Autoritäten (Ign. Trall. 2, 2; 3, 1. 3; 7, 1. Magn. 

6, 1. Sm. 8, 1. E,om. 4, 3). Diese Schriften kamen im Gottesdienst 
zur Verlesung (1 Ol. 47, 1. Justin Apol. I, 67. Iren'adv. haeres. II, 

27, 2; III, 21, 4. Canon Muratori 1. 771); sie beherrschen die Ge- 
dankenbildung. Aber wie fortgeh'end neue Propheten und Lehrer 
erstanden (Herrn, mand. 11. Ignat: Philad. 7, 1, Eph. 20, 1. Rom. 7, 2. 
Barn. 9, 9. Did. 11, 7ff. ; 13, 2), so wurden auch die Schriften der- 
selben als heil. Schrift gebraucht (Hermas, Barnabas, Didache, 1 u. 
2 Clem., Praedicatio Petri, Apocalypsis Petri). Der „Kanon" war 
noch kein fester dogmatischer Begriff. 

3. Als weiterer Kanon kam auch jetzt noch wie in der aposto- 
lischen Zeit die mündliche Überlieferung in Betracht. Man faßte sie 
zusammen unter den Namen TtagdöoGig, TtloTig, diöaxT], ÖLdaa-KaXla^ 
MaQad-rpo]^ svroXi], auch svayyeXiov. tEs war die Tauflehre (vgl. Did. 

11, 1. 2. Ignat. Phüad. 5, 1. Trall. 7, 1. Magn. 13, 1. 1 Clem 7, 2. 
Polyk. 7, 2). Sie faßte in sich den histoiischen Stoff des Lebens Jesu, 
•der geordnet war nach dem unseren synoptischen Evangelien zugrunde 
fliegenden Schema (Luk. 1, 4), eine Zusammenfassung der christlichen 
Lehre, wohl nach der letzten Offenbarung Christi (Luk, 24, 46 ff. Matth. 

28, 18 ff.), Formeln über die Taufe und die Eucharistie (1 Kor. 11, 23), 
das Vaterunser, ein eschatologisches Lehrstück (Hebr. 6, 2. Did. 16), „die 
beiden "Wege" oder Zusammenstellungen von Tugenden und Sünden (Did. 
^—5. Barn. 19 ff. vgl. Kol. 3, 5 ff. Eöm. 1, 28 ff. 1 Kor. 5, 10 f. 2 Kor. 

12, 20 f. Gal. 5, 19ff. Eph. 5, 3 ff. 1 Tim. 1, 9f. 2 Tim. 3, 2ff. Tit. 3, 3. 
1 Clem. 30. Herrn mand. 6, 1, 2; 8, 3 ff. sim. 9, 5, 2 ff. — Gal. 5, 22 ff. 
Kol. 3, 12—4, 2. Eph. 5, 15—6, 18.Herm. vis. 3, 8, 3 ff. mand. 6, 2, 3. 
sim. 9, 15, 2. 1 Clem. 62, 2 ; 64). Diese Überlieferung war eine 
XqiOTOf.iad'La (Ignat. Phüad. 8. 9) und enthielt liie Myoi Trjg irioruog 
sowie die kv%oXal didayfig {ßdixn. 16, 9), d. h. tov e^ ^QXfjg rfl-ilv itaqa- 
dod-evTa löyov (Polyk, 7, 2): eXS-co/.iev enl tov sv-nXerj -/.al asf-ivbv 
■rfjg Ttaqaööaewg ri(.iG}V xavöva (1 Cl. 7, 2). Diese Überlieferung ent- 
hielt auch ein Taufbekenntnis. Es wird bis in die Anfänge der 
apostolischen Zeit zurückreichen. Hebrl 10, 22. 23 (^sgavTiOfievoi 
lag liaqdiag ccrtb avveiöijaecog TtovTqQ&g xat XeXovofxävoc to oCb^ia 
vöaTi %ad-(XQC^ xaTsxwf^ev rrjv öfioXoytav Tfjg sXTtlöog ä-/.XLvfj), 1. Tim. 
^6, 12 {y.al wftoAdyr^xag ot/v ycaXrjv oi-ioXoylav evcv^rtiov -noXXCbv fxaQ- 



14 § &. Quellen und Normen des Glaubens. 

TVQcaVy cf. Eöm. 6, 3fE. ; 10, 9. Eph. 4, 5 f. 1 Joh. 2,-20) beweisen 
das Vorhandensein eines solchen Bekenntnisses. Bei dieser Sachlage 
ist man berechtigt, bestimmte formelhafte Wendungen im N. T. für 
dies Bekenntnis in Anspruch zu nehmen (z. B. 1 Tim. 6, 13. 2 Tim. 
2, 2. 8 ; 4, 1. Joh. 3, 18. 1 Petr. 3, 22. E,öm. 6, 3 ff., bes. 1 Kor. 15, 3f. : 
TiaQsöcüxa yccQ vf^lv sv TtQviToig q y.aL TtaQeXaßov, otl XQigvög UTts- 
d-avev VTtEQ tG)v äf.iaQTiwv fnxGjv -/.aza Tag yqacpdg, vml otl STCccprj 
■nal ort eyijysQTaL r^ '^f^^Qf^ T^fj TQlTrj -/ara Tccg yQacpdg, y.al ort 
ibcpd^ Krjcpä, elTU Tolg öd)öey.a). — Dies. Bekenntnis ist zunächst nur 
christologisch gewesen (Rom. 10, 9. Phil. 2, 11. 1 Kor. 12, 3. Hebr. 3, 1) 
nach allen Spuren in dem N.T. und bei den apostolischen Yätern. Spuren 
besonders bei Ignat. (Ign. Magn, 11. Eph. 7, Trall. 9. Sm. 1). Die 
göttliche Trias ist schon in der apostolischen Zeit formelhaft über- 
liefert worden (Matth. 28, 19. Luk. 24, 49. Joh. 14, 15 ff. 26; 15, 26; 
16, 13—16. 2 Kor. 13,13: 1, 21 ff. 1 Kor. 12, 4—6 ; .6, 11. ßöm. 
15, 16. 30. 1 Petr. 1, 2; 2, 5; 4, 13f. 2 Thess. 2, 13—15. Eph. 5, 
18—20; 2, 18—22; 4,4—6; 1, 3—14. H-br. 10, 29ff. ; 12,22.24 
Jud. 20 f. Apok. 1, 4f. ; 3, 12). Aber erst Justin (und Marcion) 
bietet uns einen sicheren Anhaltspunkt für das triadisch gegliederte 
Taufbekenntnis (s. bes. Ap. I, 13. 61. 95. 67). — Die älteste Form 
desselben, 'die wir als ganze erreichen können, ist die altrömische,, 
die Marcell von Ancyra anwandte (338), sie ist aber an ein paar 
Stellen mit Sicherheit zu emendieren, wie im folgenden geschieht : 
ITiGTSvo} eig ^ebv (jtaTSQo) TtavToyiQcxTOQa' xal eig Xqlgtov ^Irjaovv^ 
Tov vtbv avTov tov (.lovoyevrj, tov "kvqlov fjf.iä)v, tov ysvvtjd-evTa Ijc 
7tvsvf.iaTog ayiov xai MaQcag Tfjg Ttaqd-evov^ tov enl UovtLov Uikd- 
Tov oxavQud-evra xal Tacpevza, \y.al'\ tj] TgiTj] fif.i€Qa avüaTävza £x t&v 
veyiqCbv, ävaßdvra eig Tovg ovqavovg^ [xai] KaS^/ASVOv ev öe^iä tov 7ta- 
TQÖg, od-sv eQxezaL KQiveiv {■HQlvai?) ^wvzag xal vE^QOvg' xal eig to äyiov 
TtveDfia, äycav eymlrjalav, äcpeoiv äf.iaQTiwv, oaqyibg dvdazaaiv, [^wrjv 
aidüviov.] Dieser griechische Text dürfte aber selbst eine "Übersetzung 
des lateinischen sein, wie wir ihn aus Rufins Expositio symboli (cä. 400 
vgl. schon Jfovatian de trinit.) kennen lernen: 1. credo in deum patrem 
omnipotentem; 2. et in Christum lesum, filium eins unicum, dominum 
nostrum, 3. qui natus est de spiritu sancto et Maria virgine, 4. qui 
sub Pontio Pilato crucifixus est et sepultus, 5. tertia die resurrexit a 
mortuis, 6. ascendit in caelos, 7. sedet ad dexteram patris, 8. unde venturus 
est iudicare vivos et moi*tuos ; 9. et in spiritum sanctum, 10. sanctam 
ecclesiam, 11. remissionem peccatorum, 12. carnis resurrectionem. 



§ 7. Die Gnosis. - - 15 



Zweites Kapitel. 
Die häretische Umdeutung des Evangeliums, Reformversuche. 



§ 7. Die Gnosis. 

Quellen: Von der gnost. Lit. vollständig erhalten der Brief des 
Ptolemäus an die Flora bei Epiph. h. 33, 3ff., die Pistis-Sophia (kopt.) 
ed. Schwartze-Petermann 1853, aus der 2. Hälfte des 3. Jahrh. vgl. Harnack 
Texten. Unters. VII, 2, und zwei andere gnost. Werke in koptischer Sprache, 
die C. Schmidt edierte, Texte u. Unters. VIII, 1. 2. Sonst nur Fragmente, 
s. Grabe, Spicilegium II; Hil genfei d, Ketzergesch. des Urchristent. 1884, 
s. auch Stieren, Irenäus I, 909 ff. Die ältesten Gegenschriften sind verloren, 
so Agrippa Castor (Eus. h. e. IV, 7, 5ff.), Justins Syntagma wider alle 
Häresien (cf. Apol. I, 26) und desselben Schrift gegen Marcion (Iren. adv. haer. 
IV, 6, 2) etc. — Erhalten in lat. Übersetzung (viel griech. Frg. bei Epiph. 
Eus. etc.) Irenäus "EXsy/fis y-ai dvar^OTii] .Tfjs ysvScovvf.iov''ypc6aecos 11. 5 (ed. 
, Massuet; Stieren ; Harvey), geschrieben um 180. Tertullian De prae- 
scriptione haereticorum, Adv. Valentinianos, De carne Christi, De resurrectione 
camis. De anima. Hippolyt Kazä ■^laa&v al^eascov eXsyxos 11. 10, ca. 230 
(Eefutatio, ed. Wendland 1916); verloren ist sein früheres Syntagma wider 
alle Häresien cf. Photius Bibl. cod. 121, geschr. nach 200 [zu rekonstruieren 
aus Ps.-Tertull. adv. ömn. haeres., Philastrius und Epiphanj. Im übrigen 
PhilastriuS De haeresibus ca. 380. Epiphanius Panarion geschr. 374—376 
(beides bei Öhler, Corp. haeresiologic). Adamantius Z7e()t t^s sls dsdv 
oQ&fjs niarecoe ed. van de Sande Bakhuyzen 1901. Sonst die WW. des 
Clemens Alex., Origenes, Euseb. h. e. Vgl. Möller-v. Schubert 
KG. P. 138ff. Hilgenf eld, a. a. 0., Thomasius, DG. P, 62ff. Harnack, 
DG. P, 243 ff. Seeberg, DG. P, 21 5 ff.. W. Anz, Ursprung d. Gnosticism. in 
Texte u. Unters. XV, 4. G. Wobbermin, Eeligionsgeschichtl. Studien 1896. 
G. Anrieh, Das antike Mysterienwesen in s. Einfluß auf d. Christent. 1894. 
S. 74 ff. C. Schmidt, Plotius Stellung z. Gnostizismus etc. in Text u. Unters. 
XX, 4. Liechtenhan, Die Offenbarang im Gnosticismus 1901; W. Bousset, 
Hauptprobleme der Gnosis 1907.. G. Krüger, PKE. VI^, 728ff. C. Barth, 
Die Interpretation des N. T. in der valentinianischen. Gnosis 1911. F. Haas e, 
Zur bardesanischen Gnosis 1910. 

1. Die Anfänge der Gnosis reichen bis in die neutestam entliehe 
Zeit zurück. Yier Gruppen begegnen uns a) spiritualisierende juda- 
istiscbe Asketen (KoL, Pastoralbriefe) ; b) heidenchristlicbe Libertiner, 
die als Pneumatiker das Gesetz und die Engel verächten, die „Frei- 
heit" preisen und Christus herabsetzen (Nikolaiten s. Apok. 2, Jud., 
2 Petr.) ; c) Simon Magus, der samaritanische Pseudomessias (Act. 8, 



16 " § 7. Die Gnosis 



9 ff.) und Dositheus, dieses Nachfolger Menander; d) ^die Häresie des 
Kerinth (Iren, I, 26, 1 ; HI, 11, 1), -wider die sich das Evangelium 
und der 1. Brief des Johannes richten. ' , I 

2. Die wichtigsten späteren gnostischen Bildungen, Satornil, 
Basilides, Valentin und seine Schüler Secundus, Kalar- 
barsos, Herakleon,Ptoleniäus, Theodotus, Axionicus, 
Theodotus, Bardesanes, ferner Ophiten, Barbelognostiker, 
Kainiten, Peraten, Sethianer, Naassener, Justin, 
Markus,' Karpokrates etc. — Diese gnostischen Eichtungen 
haben seit dem Ende des 1.. Jahrhunderts sich rapid ausgebreitet. 
Die Gnosis strebte nach einer WeltreHgion, die durch Synkretismus 
hergestellt werden soll. Dabei können orientalische kosmogonische 
und magische Spekulationen oder hellenische religionsphilosophische 
Tendenzen überwiegen. Die Gnostiker sammelten sich in Vereinen 
mit den Formen der Mystprien, mit Weihen und Sakramenten. 
rvcoartKol haben sieh einige Gruppen selbst genannt. 

3. Nicht die einzelnen „Systeme" und Kultformen, sondern die 
Grundanschauung ist darzustellen. Nicht Problemen christlicher, son- 
dern heidnischer Religiosität geht die Gnosis nach: ünde malum et' 
qua in re? unäe homo et quomqdo et quod maxime Valentinus pro- ^ 
posuit: unde deus? (Tert. de praescr. 7.) ^Eorl de ov to Iovtqov 
fxövov tb kksvd&Qovv, akl.a. y.al rj yvwotQ, xiveg rjf.isv Kai xL yeyova^.iev, 
Ttov fji.i6v 7} Ttov Eveßki]d-i]f.iev (Clem. Excerpta ex Theod. 78). a) Geist 
und Materie stehen einander dualistisch gegenüber. Aus der Geistes- 
welt {ßvü-ög, avvoTtccTWQ, 7tXriQ(jO(ia), die in sich bewegt ist durch 
aicJvEg als personales sübstaniiae, geht durch Emanation, oder Evo- 
lution die wirkliche Welt hervor. Ihr Schöpfer ist nicht der höchste 
Gott, sondern der niedere Judengott oder Demiurg. Die Gnosis ist 
antijüdisch, b) In der materiellen "Welt .existiert ein Überrest der 
Geisteswelt. Je nach seinem Grade -zerfallen die Menschen in Ttvev- 
{.lUTtKOL, ipvxrMt und G(OjiaTLY.oL Das Böse ist die Sinnlichkeit. Es 
gilt cpvyslv To 7tL-/.Qov xdog. c) Dazu befähigt Christus. Er ist seinem 
"Wesen nach ein himmlischer Aon , der einen Scheinleib annahm 
(Doketismus, s. schon Kerinth 1 Joh. 4, 2; 2, 22; 4, 15, dagegen 
Joh. 1, 14). Er kam Xvaai. rrjv äyvoiav -Äal xaS-eXelv tov -S-dvarov 
(Ir. I, 15, 2). Er spricht: Mvoz'^Qia Ttdvxa ö' avoi^o) — MoQg)dg 
re ^eüv ETtLÖei^w — Ta '/.ejiQvi.i[.i€va rfjg ayiag ödov — FvCbouv 
'/.aUoag Ttagaöcboco (Hipp. Eef. V, 10). Diese Erkenntnis hilft. einer- 
seits die Sinnlichkeit zu überwinden durch Askese oder das naqa- 



§ 8. Das Judenchristentum.- 17 

^gfiOd-ai Tfj oaQ'/.L, sie gewährt andrerseits die Einsicht in den "Welt- 
Zusammenhang und die Zauberformeln, nm den ^eg durch die ver- 
schiedenen Tore der Gestirnwelt zu gewinnen, d) Die Auferstehung 
'des Fleisches saint der urchristlichen Eschatologie wird abgelehnt. 

4. Durch mancherlei sakramentale Weihen und Zaubermittel sollte 
'dies neue Leben und seine Erkenntnis, speziell hinsichtlich der Himmels- 
Teise, den einzelnen übermittelt werden. Diese Mysterien sind Er- 
weiterungen der Tauf e (Geisttaufe, Feuertaufe), der Buße („Mysterium 
-der Sündenvergebung" s. Pist.-Soph.), des Abendmahls. 

5. Nach dem Vorbild der Kirche versuchte man diese Lehre auf 
■S^TtoGwXi'H'r] TtaQCcöoGLg (Ptolem.) zurückzuführen durch allegorische Exe- 
,gese, durch Fälschungen und die Annahme von Geheimtraditionen. 

6. Diese Weltreligion bestand in orientalischen kosmogonischen Spe- 
iulationen, Mysteriensuperstition, asketischem Dualismus, der Kennt- 
nis der Formeln, deren es bei dem Durchgang durch das Gebiet der 
.Äonen bedarf und in der Anerkennung Christi als des himmlisahen 
JVIeisters. Die B-eligion wurde „Lehre" und „Mysterium". 



§ 8. Das Judenchristentum. 

Justin. Dialogns c. Tryphone c. 47. Irenaeus adv. haereses I, 26, 2. 
Origenes c. Celsum II, 1, 3; V, 61. Hippolyt. Eefutatio VII, 34. Epiphanius 
Panarion haer. 29. 30. Euseb. hist. eccl. III, 27. Hieronym. bes. Ep. 112 (al. 89) 
u. gelegentlich. Test. XII patr. (Migne Gr. 2). Die Clementinen (Homiliae 
■ed. de Lagarde 1865. Kecognitiones ed. Gersdorf 1838). Vgl. Hilgenfeld, 
Ketzergesch. d. Urchristerit. (1884) S. 421ff. Harnack, DG. P, 271ff. Zahn, 
'Gesch. d. ntl. Kan. II, 642ff. Seeberg, DG. P, 200ff. H. Waitz, Die 
Pseudoklein entinen 1904. G. Hönnicke, Das Judenchristentum im 1. u. 
2. Jahrh. 1908. A. SchiniJLtke, Neue Fragmente u. TJntersuchungen zu den 
Judenchristi. Evangehen 1911. W. Brandt, Elchasai 1912, 

1. So bedeutungsvoll jüdische Gedanken und Institutionen auf 
•die Entstehung der Earche und der Theologie eingewirkt haben, so 
gering sind die direkten geschichtlichen Wirkungen des Judenchristen- 
tums zu veranschlagen. — Vier Probleme kennzeichnen diese jüdischen 
^Christen, deren ,Sitz das Ostjordanland und Syrien blieb und die 
•darüber hinaus direkte . Einflüsse nicht ausgeübt haben : Christus, 
JPaulus, Matthäus, das Gesetz. 

2. Die erste Gruppe (Nazaräer) dachte von Christus orthodox, 
«rkannte Pauli Werk an, brauchte ein hebräisches Matthäuseva.ngelium 
und verlangte nur von geborenen Juden Einhaltung des Gesetzes. 

Seeberg, Grundriß der Dogmengeschichte, i. Aufl. 2 



18 § 9-- Marcion und Montanus. 

Das war etwa der Standpunkt der alten jerusalemischen Gemeinde» 
Aber Hieronymus urteilt: dum volunt ei ludaei esse et Christiani, neo 
ludaei sunt nee Christiani. 

3. Die zweite Gruppe besteht aus pharisäischen Christen (Ebjoniten)^ 
den JsTachf olgern der Gegner des Paulus. Christi Gottheit und die- 
Geburt aus der Jungfrau wird geleugnet, Paulus als apostaia legis ver- 
worfen, das Ebjonitenevangelium der Zwölf gebraucht, die Beobachtung 
des Gesetzes von allen verlangt. Dazu ein grobsinnliches Millenium. 

4. Die dritte Gruppe kombiniert den Pharisäismus mit Theosophie 
(s. schon den Solosserbrief). Zur Zeit Trajans empfing "Hlxccaat 
(wohl ^AlJ^LOg und nicht 'DZi ^'n) durch einen männlichen und einen 
weiblichen'Engel von ungeheuren Dimensionen (Christus und der heiL 
Geist) Offenbarungen: Wiedertaufe zur Vergebung grober Sünden^ 
Christus nicht von der Jungfrau geboren, das Gesetz, außer den 
blutigen Opfern, zu halten, Paulus verworfen. Um 220 machte ein 
Syrer Alkibiades für diese Lehre in E,om Propaganda. — >Die 
Clementinen haben diese Anschauungen .zu einem (pantheistischen)» 
System verarbeitet. 

§ 9. Mareion und Montanus. 

Marcion: Iren. I, 27, 2—4; III, 12, 12 n. s. Tert. adv. Marcionem hbrio. 
Ps. Tert. h. 17. Phüaster h. 44. 45. Epiph. h. 41. 42. Hippol. Eefut. VII, 29—31. 
Adamantius Dial. de prtli. fid, I. II. Esnik (arm. Bisch, d. 5. Jahrh.), Wider 
die Sekten IV, 1 (übers, v. Schmid, Wien 1900). Vgl. Ehodon über M.'s Schüler 
Apelles bei Eus. h. e. V, 13, Frgg. des letzteren in Texte u. Unters. VI, 3, 111 ff. 
Vgl. H a r n a c k , DG. I*, 292 ff. Zahn, Gesch. d. ntl. Kan. 1; 585 ff., II, 409 ff. 
Seeberg DG. I-, 249 ff. — Montanus: Die montanist. Orakel sammelten 
N. Bonwetsch, Gesch. d. Montan. S. 197 ff., s. auch Bonwetsch, Texte z. 
Gesch. des Mont. 1914. A. Hilgenfeld, Ketzergesch. S. 591ff. P. de La- 
briolle, Les sources de Thistoire du Montanisme 1913. TertuUian, de Corona,, 
de fuga, de exhort. castitatis, de virg. veland., de monogamiä, de ieiunio adv. 
psych., de pudicitia. Die 7 BB. de ecstasi (vgl. Hieron. de vir. 111. 24._40. 53) 
sind verloren. Die ältesten Gegenschriften siäd verloren, von Apolinärius,. 
Melito, Apollonius, Miltiades, einem Anonymus (aus dem Eus. Auszüge gibt),. 
Serapion, s. Eus. h. e. V, 16—19. IV, 26, 2. — Iren. adv. haer. III, 11, 9. 
Hippol. Eefut. VIII, 6^ 19. X, 25. Ps. Tert. 21. Phüaster h. 49. Epiphan. 
h. 48. 49 (nach alten Quellen, vgl. Voigt, Eine verschollene Urkunde des 
antimont. Kampfes 1891). Orig. de princ. IP, 7, 3 f. Didyinus, de trinitate 
III, 41 (Migne Gr. 39, 984ff.). Hieronym. Ep. 41. Theodoret haer. fab. III, 2. 
Zu vergl.: Bonwetsch a. a. 0. 1881. Harnack DG., I*, 425ff. Seeberg 
DG.I^, 253 ff, P, de Labriolle, La crise Montaniste 1913. Zur Chronologie 
s. Zahn, Forschungen V, S. Iff. 



§ 9. Marcion und Montanas. \ 19 

1. Diese beiden Reformversuclie zeigen, in welcher [Richtung die 
kirchliche Anschauung sich vom TJrchristpntum zu entfernen beginnt. 
Gegen Gesetzlichkeit opponiert Marcion, für den Geist iind das himm- 
lische Jerusalem kämpft Montanus.^ ^ ^ 

2. Das Problem Matth. 9, 16 f. ; 5, 18 löste sich Marcion (ca. 140) 
an Gal. 2. Paulus steht im Gegensatz zu den älteren Aposteln. Gesetz 
und Evangelium haben nichts miteinander zu schaffen. Separatio legis 

\et evangelii proprium et principale opus est Marcionis (Tert. I, 19). 
:A. T. und N. T., Natur und Gnade haben .nichts miteinander gemein. 
Angeregt durch den syrischen Gnostiker Kerdo erweiterte Marcidn 
diese Grundanschauung durch die Annahme zweier Götter. Von dem 
zornigen, wilden und gerechten Schöpfer stammt das natürliche Elend 
des Menschen und das Gesetz. Der barmherzige Gott offenbarte sich 
:im 15. Jahre des Tiberius in Christo (spiriius salutaris). Der Demiurg 
brachte ihn an das Kreuz. Dafür muß der Demiurg Christus alle 
die, welche an ihn glauben, zur Genugtuung überlassen. Daher läßt 
Christus Paulus lehren, dass wir um den Preis erkauft seien und ein 
jeder, welcher glaubte an Jesus, wurde verTcauft von dem Gerechten dem 
Guten (Esnik IV, 1). Deshalb gut es Christus zur Erlösung glauben. 
Immutavit eos per jidenri, ut credentes fierent honi {Adam. 1, 6). Dazu 
die Forderung strengster Askese, auch der Ehelosigkeit. Die Aufer- 
stehung leugnete M., der gute Gott straft niemand, die Bösen verfallen 
dem. Feuer des Demiurgen. — Zum Beweismittel seiner Lehre stellte 
M. sich einen Karion her (verstümmelter Luk., 10 paulin. Briefe). 

3. ; Im Jahre 156 trat Montanus in Phrygien, dem sich bald 
die Prophetinnen P r i s c a und Maximilla anschlössen , 'mit dem 
Anspruch auf, daß in ihm der verheißene Paraklet erschienen ; er 
weissagte, 4aß das himmlische Jerusalem bald vom Himmel herab- 
fahren werde. Man löse die Ehen und sammle sich in Pepuza es zu 
erwarten. — Da dies nicht in Erfüllung ging, nahm der sich rasch 
ausbreitende Montänismus andere Formen an. Man verlangte die An- 
erkennung des Parakleten und der geistlichen Gaben; ein streng sitt- 
liches Leben, Einmaligkeit der Ehe, Fasten; man verwarf die in der 
Kirche (durch Hermas) üblich gewordene zweite Buße, man ver- . 
' herrlichte das Martyrium. — Die Kirche ist lan'gsam zu einem Urteil 
gekommen, nicht ohne daß sie von einem Stück "ihrer Vergangenheit 
sich lossagte. Sie verwarf die phrygische Prophetie (Miltiades UeQt 
TOv [XTj deZv 7iQog)i]rrjv ev hioxaGeü Xakelv) als teuflische Pseudo- 
prophetie und sie erklärte die Prophetie für abgeschlossen : profetas 

9.^ 



20 § 10- Die ältkircMichen Apologeten. ' 

conpletum numero (Can. Mur at.) ; ei liie lex et propTieiae usque ad 
loanwem (TertuU.). Der Mpntanismus wird allmahlicli zTirückgedrängt; 
Die Frage war angeregt, ob neben äer fcagddoatg das <rtv£Vf.ia Platz bat. 



Drittes Kapitel. 

Die Anfänge der kirchlichen Theologie. 



§ 10. Die altkirehlielien Apologeten. 



s 



/ 



Quellen: Die griech. WW. in Corpus apologetarum ed. Otto 9 Bde. 
1842 ff. Bd. 1—6 in 3. Aufl. 1876 ff. Tatian, Athenagoras und Aristides auch in 
Texte u. Unters. IV, Justins Äpol. in Krügers Quellenschriften. Vgl. A. Har- 
nack, Die Überlieferung der griech. Apol. in Texte u. Unters. I. Im einzelnen: 
Quadratus ca. 125, ein Satz bei Eus. h. e. IV, 3, 2. Marcianus Aristides, 
seine Apol. syr. erhalten, ed. Harris in Texts and Studies 1, 1, s. E. Seeberg, 
Die Ap. d. Arist. untersucht und wiederhergestellt in Zahns Forschungen V, 
S. 159— 414. Der Apol. Aristides 1894, wo auch eine Homilie des Arist. u. 
ein Frg. — Verloren sind die Apologien des Melito von Sardes (Eus. h. e. 
IV, 26; die unter s. Namen syr. erhaltene Apol. ist nicht echt), des Apolinarius 
von Hieropolis (ib. IV, 26, 1; 27), des Milt lade s (ib. V, 17, 5 vgl. Seeberg 
a. a. 0. S. 288 ff.). — Justin der Märtyrer schrieb um 150 seine beiden 
Apologien, etwas später den Dialogus c. Tryphone. Vgl. M. v. Engelhardt, 
D. Christent. Justin d. Märt. 1878. J.M. Pf attisch, Der Einfluß Piatos auf 
die Theologie Justins 1910. — Tatian Aöyos irods "EXlrit-as. — Athena- 
goras ca. 170, Iloeaßeia negl x^iaitavcöv. Außerdem Ueoi dvaazdaEcog. — 

Theophilus von Antiochien Ad Autolycum lihri 3; Buch III ist 181 ge- 
schrieben. Vgl. auch das Martyrium Apollonii ed. Klette 1877, dazu A. Har- 
nack in Sitzungsber. d. Berl. Akad. 1893, 721 ff. E. Seeberg in Neue kirchl. 
Ztschr. 1894, 58 ff. Nicht in diese Zeit gehört die Epist. ad Diognetum. — 
Lat. Apol. schrieben Minucius Felix, Octavius (nach 180) Corp. scr. ecci. 
lat. n. Tertullian Apologeticum. Vgl. Seeberg De. P, 262 ff. 

1. Die Apologeten stellen sieb die Aufgabe, gegenüber beidniscben 
Bescbuldigungen (a-S-eötrjg, aaeßsia, OveOTEia delTtva, OiöiTtoöeiot 
(iL^Eig) die Scbuldlosigkeit der Christen zu erweisen und das Christen- 
tum in einer den gebildeten Heiden verständlichen und imponierenden 
G-estalt darzustellen (der eine Grott, sein Logos, Christus der Tugend- 
lebrer, ewige Vergeltung ; selbst Parallelen mit den Zeussöbnen und 
dem Polytheismus). Die Stellung zum Heidentum ist daher eine 
zwiespältige: es ist eitel Torbeit und Sünde; aber aus Moses und von 



§ 10. Die altkirchliehen Apologeten. « 21 

dem Logos empfing es aubh Wahrheiten {aTtegf-iaxa rov loyov. — 
Ol' fiSTcc . Xoyov ßicbaavres XQioriavoL sIgl, Just. ap. I, 46). 

2. Vom Christentum sagt Justin:' ravTrjv f.i6vrjv svqioy.ov cpvko- 
Gog)iav aacpaXfj rs y.ai Gvi.i(poQOV (dial. 8). Die "Wahrheit des Christen- 
tums wird durch die Übereinstimmung mit den von Gott inspirierten 
alttestamentlichen Weissagungen erwiesen. Die Juden selbst aber 
haben durch ihre ÖLÖdyf.iara. die Gottes verdrängt. 

3. Die christlichen Lehren sind nun folgende : a) Der eine, un- 
erzeugte; namenlose, ew'ige; unfaßliche, unveränderliche, bedürfnis- und 
äffektlose Gott, das Sein jenseits des Seins, ist Schöpfer der Welt. - — 
b) Den Gemeindeglauben an Christi Gottheit versuchte man theo- 
retisch durch die stoische Logoslehre zu erläutern. Gott trug seinen Xoyog 
svÖLCcd^STog in sich, den erzeugte er zum Xoyog 7CQog)OQLy.ög (Theoph, 
II, 22). Der Logos ist das eqyov 7tQcox6Toy.ov des Vaters, övvd(.iSL 
y.al ßovlfj, nicht xcct' a7tOTOf.njv aus ihm. hervorgehend. Er ist stsqÖv 
TL und älXog rig im Verhältnis zum Vater, und zwar &Qid-fX(b aXX^ 
ov yvcbf-iT], aber ■d-sög: nicht 6 S-EÖg (Justin). In ihm wird Gott -d^ebg 
yviOQil^6f.iEVog. — c) Der heil, prophetische Geist oder die Weisheit 
Gottes tritt noch zurück. Tqidg s. Theophil. H, 15, dazu Athenag. 12. 
— d) Der Logos, vor der Menschwerdung nur Ttveüf-ia aycov, 
wurde Menschr<(asffa}}.iaz07toifiaS'ai Just, diak 70), geboren von der 
Jungfrau Maria: aXrjS^cüg nad-iqxog ävS-qw/tog yey€vvr]tai (Just.). 
Der Logos selbst war der Geist, der über Maria kam und in ihr den 
Menschen Jesus erschuf. -:- 0ebg yccQ Ibv dj-iov TS xal avd-QOiTtog 
TeXeiog, 6 avrbg Tag ovo avTOv ovalag ETtLOTwoaxo '^f.iZv (Mel.). Er 
ward der Lehrer der Menschheit, 6 ytaivog vof-iod-eTTjg (Just. dial. 18), 
der ein tugendhaftes Leben anordnete und die äcfd-agaia verhieß. 
Auch befreit das Leiden ;des -rcenov-d-wg -d-sög (Tat. 13; Mel.: 6 ^.sog 
TveTtovS-sv und impassibilis pdiitur) vom Tod^, dem Teufel und den 
Dämonen und wirkt Sündenvergebung. — e) Der von Gott frei er- 
schaffene. Mensch vermag sich durch TtLoTig und fiSTavoia für Gott zu 
entscheiden. Theoph. II, 27: Ea&djtSQ yccQ 7taQCiY,ovoac 6 av&Qü)7tög 
^.dvatov savxi^ snsoTtdactTO, ovTOig vnaxovaag t(j) ^sXi]f.iaTL tov 

■d-SOV 6 ßovXÖf.lEVOg ÖvvaTaL 7tSQl7t0LT]aaaS-aL SQCVTtp ttjv aidbvLOv t,0)TqV. 

"'JEdioytsv yccQ ö ' ^sbg fj[.üv vöj-iov '/.al svToXag ayiag, ag itag b 
Ttovqaag övvaTai awdijvat v.al Tfjg dvaoxdoscog TvyJjüV 'AXrjQOVO(.ifiaaL 
TTjV acpd^aQGiav. — f)^Die Christen sind aQXiSQaTixbv yivogxov ■9-sov 
(Just.)5s ein „neues Geschlecht", um ihretwillen wird die Welt erhaltein. 
Ihren geistlichen Lebensunterhalt bestreitet die Christenheit durch 



22 § 11. Die Doginatisiernng des Kanons, der Glaabensregel usw. ~~'. 

Lesung der Propheten und Evangelien, durch Predigt, Gebet, Taufe, 
Euchaxüstie (Just. ap. I, 61 — 67). Die Taufe versetzt in eine uene 
Existenz (y,atv07toir]S-€VTsg, sig avayevvrjaiv XovrQÖy), ist ein g)o}Tiafji6£ 
und bringt fiexavotcc und acpsaiQ a(.iaQTiü)V. Yon der Eucharistie 
sagt Justin (ap. I, 66) : zr/V öi" EvyßjQ Xöyov tov itag^ avrov (sc. 
Christi) ev%aQLOTrid^Elaav TQOcpijv, kB '^S cclf.ia v.al aaQxeg y-ata [.tSTa- 
ßo}.r]v TQScpovTaL fiixcüv, e'Asivov tov' aagycoTtoirj^ewog ^Ir]aov xai - 
adQua yial alfxa iöiddy^d-rjf.i£V sivat. — g) Die Lehre Jesu übertrifft . 
die der Philosophien, indem sie auch dem Leibe die Unvergänglichkeit 
zusichert. Die . ösvT6Qa Ttagovaia Christi bringt den Weltbi*and. und 
das Gericht. Zur vollen Orthodoxie gehört die Anerkennung des 
tausendjährigen E-eiches (Just. dial. 81 f.). 

4. Der erste Versuch einer christlichen Theologie ist verhängnis- 
voll ausgefallen. Der religiöse Besitz ist noch der nämliche wie bei 
den apostolischen , Vätern ; aber durch die theoretische Auffassung 
wird auch die innere Stellung verschoben, der Glaube an Gott wird 
zur Anschauung des Absoluten, die auf das Eeich Gottes bezogene 
Liebe zum gesetzlichen Moralismus. Das ist aber ein Rückfall in die > 
griechische Seelenstellung. 

§ 11. Die Dogmatisierung des Kanons, der Glaubensregel 

u. der Kirclie, die antignostisch.en Väter. ~ ^ 

Quellen: Irenäus adv. haeres. s. oben § 7 Litt. Eh imSei^iv rof 
d7tooxohy.ov y.r,Qvy fiatos ed. ter Mekerttschlan und ter Minassiantz 1907, dazu 
L. Th. Wieten, Irenaeus geschrift „ten bewijze der apost. prediking" 1909. 
Vgl. Zahn PEE IX^ 401ff. J. Kunze, Die Gotteslehre 'd. Iren. 1891. — 
Tertullian gest. ca. 230. Hier s. bes. De\praescriptione haereticorum; adv. 
Valentinianos ; adv. Marcionem libri. 5; adv. Hermogenem ; de carne Cbristi; 
de resurrectione ; de anima, vgl. adv. Praxeam; geschr. 206— 211. Opp. ed. 
Dehler, 3 Bde. 1851 ff. Vgl. A. Hauck, Tert. Leben u. Schriften 1877. 
N^ Bonwetsch, die Schriften Tert. 1878. K'öldechen, Tertull. 1890./ 
K. Holl, Tert. als ScbriftsteUer in Preuß. Jahrb. 1897, 262 ff.; J. Stier, Die 
Gottes- u. Logoslehre Tert. 1899. G. Esser, Die Seelenlehre Tert. 1893. 
K. H. Wirth, Der Verdienstbegriff b. Tert. 1892. A. d' Ales, La theologie 
de Tert. 1905. K. Adam, Der Kirchenbegriff Test. 1907. — Hippolyt, 235 
nach Sardinien verbannt, s. Hippolytus' WW. ed. Bonwetsch, Achelis, Wend- ■ 
iand 1897. 1916. — Vgl. Thomasius DG. P, 88ff. HarnackDG. P, 550ff. 
Seeberg DG. P, 284ff. Loofs DG*, S. 129ft-. - 

1. In dem Kampf wider Christen, die TInchristliches lehrten, ist 
der Gedanke einer Kirchenlehre gefunden. Die Kirche hat einen' 
festen "Währheitsbesitz {quodb debui cred^re, credidi, Tert.). Die Gnosis 



/§ 11, Die Dogmatisierung des Kanons, der Glanbensregel usw. 23 

vertritt [Fremdartiges, Heidnisches: Quid ergo Athenis et Hierosölymis, 
quid aeademiae et eeclesiae ? quid Jiaeretieis et chrisiianis ? . . . Stoicum 
■ei platonicum et dialectieum chrisiianismum protulerunt (Tert. praescr. 7). 
2. Die Hauptfrage ist nun die, wie die Kirche ihr Recht und 
■das Unrecht der .xpsvöd)VVi.iog yvöboiq beweisen kann ? a) Die Voraus- 

^ -Setzung ist, daß die von Christus und den Aposteln gelehrte "Wahrheit 

•entscheiden soll. Diese liegt in den apostolischen resp. urchristlichen 

Schriften vor. Sie sind von Gott inspiriert {a verbo dei et spiriiu 

"■eius dietae, spiritus per apostolum, ■d-eÖTtvsvarog' etc.). Ihnen steht das 

■entscheidende "Wort zu (Ir. III, 5, 1; 1, 1). Die rechte Lehre soll 

, «chriftgemäße Lehre sein {ovf.i(pcova talg yQCccpaZg Iren b. Eus. h. e. V, 
:20, 6). Die Gnosis aber versuchte durch Verdrehungen und Ver- 
Icehrungen ebenfalls ihre Ansicht aus der Schrift zu erweisen (Ir. I, 
•8, 1 ; 9, .2 ff.).. Darum urteilt Tertull. : ergo non ad scripturas provo- 
■eandum est nee in his instituendum certamen, in quiius aut nulla aut 
incerta vidoria est aut par ineertae (praescr. 19). — b) Es galt nun eine 
Hegel für das rechte Verständnis der apostolischen Schriften zu finden. 
JiS' ist der xavcov Tfjg aXrjS-si&g (regula, veritatis), d. h. der von den 
Aposteln verkündigte Glaube, wie er mündlich ' forterhalten und als 
Tauflehre allen Gläubigen überliefert ist (s. oben § 6, 3). (OvTco ds 
:aai 6 tov y,avöva T^g ahrjS-eiag ä-Klivfi ev iavxcp y.a%B%0}V, ov öicc 
Tov ßaTttLüfiaxog ^Ihricpe etc. Ir. I, 9, 4.) Die Epideixis des Irenäus 
gibt eine klare Übersicht über den Inhalt der apostolischen Über- 
lieferung • (Gott, die Schöpfung, die alttest. Heilsgeschichte ; Christus, 
sein Ursprung und Wesen, seine Taten, die Erlösung, Auferstehung und 
Himmelfahrt ; Taufe, heil. Geist, Glaube, Liebe, Hoffnung, Wandel im 
•Geist, Auferstehung, Kirche, Christi Parusie). Übetall in der Kirche 
herrscht diese Überlieferung, die Apostel haben sie der Kirche über- 
liefert. Non oportet adhue quaerere apud alios veritatem, quam facile 
■est ab ecdesia sumere, cum aposioli quasi in depositorium dives plenis' 
sime in eam contulerint omnia, quae sint veritatis (Ir. III, 4, If. ; 
L, ,1.0, If. ; m praef.' V. praef.). "Wie die Schrift, so rührt die ihr 
Verständnis vermittelnde Wahrheitsregel von den Aposteln \her (III, 
1, 1. 2 ; I, 9, 4). Die Häretiker verstoßen wider diese wie jene: 
■neque scripturis. neque traditioni consentire . eos {111, 2, 1. 2). Die 
„E-egel" ist also die traditio apostolorum im Unterschied von der 
■auetoritas scripta (Tert. de cor. 3). Bei Tertullian wird sie als lex 
^idei bezeichnet (de virg. vel. 1) und beginnt auf das Taufbekenntnis 
konzentriert zu werden (ebenso Novatian).. -r- c) Die geschichtliche 



24 § 11. Die Dogmatisierung des Kanons, der Glaubensregel nsw. 



Behauptung, daß die Kirchenielire die apostolische Lehre sei, wird 
durch die seit den ' Aposteln ununterhrochene Succession in deä 
„Mutterkirchen" bewährt. Die Apostolizität der Tradition ruht auf 
der Succession (Ir. III, 3: 4, If, ; V, 20, 1). Dies gilt nun a:nii 
deutlichsten von der Kirche zu E,om : Aä Jianc enim ecdesiam propier 
potentiorem prineipalitoiem necesse est omnem convenire ecdesiam, Tioer 
est eos qui sunt undique fideles, in qua semper cfb Ms qui sunt, unäi- 
que conservata est ea, quae est ah apostolis traditio (Ir. III, 3, 2, cf.! 
Tertull. de praescript. 36). — ' d) Hieraus begreift sich die hoh& 
"Wertschätzung des Episkopates: preshyteris dbaudire oportet, Ms quC 
suecessionem Tiabent 'ab apostolis . , . qui cum episcopatus successione- 
Charisma veritatis certum . . . acceperunt (lY, 26, 2). Uli igüur 
charismata domini posita sunt, ihi discere oportet veritatem, apud quos^ 
est ea, quae est ah apostolis ecclesiae- successio, et id quod est sanum 
et irreprohahile conversationis et inadulteratum et incorruptihile sermoni^ 
constat. Ei enim . . . fidem nostram custodiunt ... .et scripturas^ 
sine periculo nohis exponunt (TV,' 26, 5). Das ist das neue Charisma^ 
die Tradition, nicht der Geist, seine Träger sind die Bischöfe, nicht 
mehr die Pneumatiker. — e) Von dieser mit dem Charisma der Wahr- 
heit ausgerüsteten Earche heißt es dann: uhi enim ecclesia ihi est 
Spiritus dei et uhi Spiritus dei ecclesia et omnis gratia. Spiritus autem 
veritas (Ir. III, 24, 1) und:, qui sunt extra veritatem, id est qui sur^t 
extra ecdesiam (IV, 33, 7). Von hierarchischen Tendenzen sind 
unsere Autoren noch frei. Die Einheit der Kirche ruht nicht auf" 
dem Episkopat, sondern auf der Einheit des Geistes und Glaubens: 
und des Bekenntnisses : Corpora nostra per lanacrUm illam, quae (sie !)' 
est ad incorruptionem, unitatem acceperunt, animae autem per spiritum. 
(Ir. III, 17, 2). — Itaque tot ac tantae ecclesiae una est illa ah 
apostolis prima, ex qua otnnes. Sic omnes primae et omnes apostolicae^ 
dum una omnes. Prohant unitatem communicatio pacis et appellatio> 
fraternitatis et contesseratio .Jiospitalitatis, quae iura non alia ratio regit 
quam eiusdem sacramenti una traditio (Tert. praescr. 20). 

3. Wir kommen zu den einzelnen Anschauungen der antignostischeii 
Schule. Der Gegensatz zur Gnosis sowie die strenge Anwendung der 
Autorität von Schrift und Eegel bedingen ein Fortschreiten Hn der- 
Lehre." a) Der eine Gott ist Schöpfer und Erlöser, er ist a primor- 
dio tarn honus quam iustus (severitas et ira, Tertull.). Gott ist der 
B-err : principari enim delet in omnihus et dominari voluntas dei, 
reliqua autem omnia Jiuic cedere et suhditß esse et in servitium dediics 



§ 11. Die Dogmatisiening des Eandns, der Glaubensregel usw. 25 

(Ir. II, 34, 4). Gott wird, erkannt in Christo, seinem "Wort: qui 
secundum magnitudinem quidem ignotus est omnibus Ms, qui ab eo 
facti sunt . ... secundum autem dileetionem cognoscitur semper per, 
eum, per quem constituü omnia. Est autem Me verhum eius (Ir. IV,. 
20, 4). Der eine Grott ist rQidg, inniias, sofern "Wort und "Weislieity 
Sohn und Geist stets in ihm sind, aber die drei sind slg Ssög, weil 
(xla övva(.ug ihnen eignet (Hippol. c. N^oet. 8. 11). Tertullian hat für 
dies Verhältnis die Formel jina substantia, tres personae gebildet : In 
der einen substantia leben also drei personae: quasi non sie quoque 
unus Sit omnia, ■ dum ex uno omnia, per substaniiae scilicet unitatem, 
et nihilominus cusiodiatur oiy.ovof.iLag sacramentum, quae unitatem 
in irinitatem disponit tres dirigens, patrem et filium et spiritum 
sanctum, tres autem^ non statu sed gradu, nee substantia sed forma, nee 
potestate sed specie, unius autem substantiae et unius Status et unius 
potestaiis, quia unus deus, ex quo et gradus isti et formae et species in 
nomine patris et filii et spiritus sancti deputantur (adv. Prax.-2). — 
b) Der erste Mensch besaß von Natur das avts^ovGLOv, Da er dasselbe 
nicht zum Gehorsam brauchie, empfing er nicht die Unsterblichkeit. 
Die Folge des Ungehorsams war der Tod. In Adam ist die Menschheit 
der Sünde wie dem Tode verfallen.! Nach Tertullian ist die Sünde: 
naturale quodammodo, nam . . . nckurae corruptio alia natura est (d& 
anim. 41). Durch die Zeugung geht diese Verfassung auf das ganze 
Menschengeschlecht über : totum genus de suo semine infectum suae 
etiam damnationis tradueem (Adam) feeit (de testim. an. 3). Doch wird 
von ihm die Willensfreiheit stark betont: Tota ergo libertas arbitrii in 
utramgue partem concessa est Uli (c. Marc. 11, 6). — c) Der erste Bund 
Gottes war auf d^ sittliche Naturgesetz begründet (naturalia legis). 
Er wurde abgelöst durch den Dekalog, darauf folgte das dritte" /oe^MS, 
durch das Christus das ursprüngliche Gesetz der Liebe wiederherstellte. 
- — d) Irenäus geht in der Chris tologie von dem geschichtlichen Christus 
aus. Der Sohn offenbart als mensura patris den Vater. Invisibile enim 
filii pater, visibile autem patris filius (IV, 6, 6). Das ist sein "Wesen 
von Anfang an (semper coexistens filius patri). Über den Hervorgang 
des Sohnes aus dem Vater läßt sich nichts sagen. Er ist Mensch 
geworden, der filius dei ist der filius hominis; vere Jiomo, vere deus, 
verbum unitum carni. Auch bei dem Leiden sind sie nicht vonein- 
a.nder getrennt gewesen; Indem der Logos Mensch wurde, vereinigte er 
die Menschheit mit Gott. — TeTtullian knüpft an die apologetische 
Logoslehre an und wendet auch für die Christologie die Unterscheidung 



26 § 11- Die Dogmatisieriing des Kanons, der Glaubensregel usw. 

von svhstantia und persona an. ünitas substaniiae verbindet den 
Sohn mit dem Vater, aber duarum personar.um coniunctio liegt vor 
(s. bes. adv. Prax.). Der Sohn bat aber einen zeitlichen Anfang: 
fuü tempus, cum ... filius non fuit — Pater enim tota suhstantia 
est, filius vero derivatio totius et portio. Die Menschwerdung geschieht 
nicht quasi transfiguratione in carne, sondern indutus carnem. Die 
beiden Substanzen in Christo sind verbunden in una persona, aber 
nicht durch mixiura, denn salva est utriusque proprietas substaniiae und 
distincte agebant (adv. Prax. 27). Tert. sa^t auch: vere crucifixus est 
deus, vere mortuus (de carne Ghr. 5). Er hat- für Trinität und Ohristologie 
die Pormeln der Zukunft geprägt, vgl. schon Melito oben § 10, 3d. — 
e) Auch über Christi "Werk sah man sich durch die Grnosis zu 
schärferen Formeln, genötigt. Irenäus stellt es in folgenden Gedanken 
dar. Christus lehrte die Menschen die nova lex der Liebe und offen- 
barte ihnen Gott. Er wurde Mensch, um das Menschengeschlecht in 
sich zusammenzufassen {&va-/.ecpaXauüaig, recapitulatio), es mit seinem 
Geist zu durchdringen, zu- heiligen und unsterblich zu machen und 
so in ihm den alten ^Ungehorsam auflöst und den Tod verniehiet 
(epideix. 37). Aber dadurch wird die Menschheit auch frei von 
der Sünde, dem Tode und Teufel, denn durch die Gemeinschaft 
»Christi mit uns werden wir mit Gott versöhnt und empfangen die 
Gemeinschaft mit Gott. "Wir werden' also Gott wieder wert, indepa 
in uns ein neues Leben beginnt. Der heilige Geist verwirklicht diese 
Gemeinschaft mit Gott in uns (insertio et infusio Spiritus Y, 6, 2). 
Der letzte Erfolg des "Werkes Christi besteht darin, daß wir unsterb- 
lich werden : vTtörayr] de S-eov acpd-aoaia y.a.1 ircagat^övr] ag)S-aQaiag 
d6§a ayeyvVjTog (IV, 88, 3). So wird auch die Schöpfung des Menschen 
vollendet. Auch hier merkt man die Einwirkung johanneischer Grund- 
gedanken. — f) Die Taufe eignet uns die Erlösung an, indem sie ' 
"Wiedergeburt und Vergebung der Sünden bringt. Der Glaube ist die 
Erkenntnis und Anerkennung Christi, welche das facere eius volun- 
iatem in^ sich schließt. Credere autem ei hoc est facere eius voluntatem 
(IV, 6, 5). Dieser. Glaube rechtfertigt: fides^ quae est ad deum altissi- 
mum iustificat hominem (Iren.). "Über Tertullians Heilsordnung ist 
später zu reden. — g) Die Aufersteiung des Fleisches wird (gegen 
die Gnosis) stark betont. Vorbereitet wird sie durch die Eucharistie, - 
in deren Elementen durch die €7tiy.Xrjaig der Logosgeist wirksam ist 
und insofern werden sie zu Christi Leib. Ev%aQLOTLa t/. övö itqay- 
uccTCov owearrfAvla, STtiyslov re -aal ovQavlov (Jxeji. TV, 16^5)- Ifach 



§ 12. Die alexaadrmisch'e Theologie. 27 



Tert. ist ebenfalls die geistige Gegenwart Christi die Abendmalils- 
gabe, die zugleich die Einheit mit der Gremeinde als dem Leibe Christi 
stärkt (de orat. 6). — Sechstausend Jahre steht die Welt, es^ folgt 
das tausendjährige Reich mit seiner requieiio (nach Papias), dann der 
neue Himmel unjd die neue Erde. 

4. Das war die Kirchenlehre im Gregensatz zur Gnosis. Es sind 
christliche Grrundgedanken, die freilich nicht nach dem paulinischen 
• Typus gebildet sind. Eür die Trinitätslehre, die Christologie, die 
Soteriologie sind sie zur Grundlage der folgenden Entwicklung geworden. 
Aber wichtiger noch war die neue Form, das kirchliche System mit 
seinen Quellen und Stutzen, in die diese Gedanken gekleidet wurden. 

§ 12. Die alexandrinischie Theologie. 

Clemens AI. (-j- cä. 215). Schriften Aoyoe itootosTtrixös tiqös "EXXr,vai;, 
üaiSaycoyös libri 3, S-v^cofiaTels libri 8, dazu ^JEy^ rüjv Tt^ofrjTixmv huloyai und !£">£ 
i&v ©so86fov y.al rfjs ävatoXixfjs y.aXövfisvris Si8aay.a?Jag xara zovg OiaXevTivov 

XQovovs sTciTo^ai. Ferner Tis 6 aco^ö/nevog jtXovaios^ endlich ein großes Frg. 
aus . den 'TTtoTVJtcbasig lat. erhalten (Adumbrationes). Ausgaben v. Dindorf 
1868, bei Migne gr. 8. 9, in der Berliner Kirchenväterausgabe Bd. I, II. ed. 
O. Stählin 1905/6. — Von Origenes (f 254) kommen bes. in Betracht 
Hs^l di.Q%(öv libri 4, erhalten in der lat. Übers. Eufins, sodann Katä KsXaov libri 8 
(ed. Koetschau). Ausgaben v. delaEue 1733 ff., abgedruckt v. L o m m a t z s ch 
1831 ff,, b. Migne gr. 11—17; bisher 4 Bde. in der Berliner Ausg. , — Vgl, 
Zahn, Forschungen III, 1884. Thoma^ius, Orig. 1837. Kedepenning, 
:Orig. 2 Bde. 1841—6. N. Bonwetsch PRE. IV, 155ff. E. Preuschen 
PEE. XIV, 467ff. Harnack DG. P, 637ff: Seeberg DG. P, 382ff. 

1. Die Apologeten versuchten das Christentum dem Heidentum 
gegenüber als die vernünftige Philosophie darzustellen, die Antignos- 
tiker mühten sich um Eeststellung einer biblischen Kirchenlehre, die 
Alexandriner versuchten die Gnosis und die zeitgenössische Philosophie 
zu überbieten durch, ein System kirchlicher Gnosis. Dies Unternehmen 
hat seine geschichtliche Parallele in dem IsTeuplatonismus. 

2. Bei Clemens tritt diese Tendenz deutlich zutage. Philosophie 
und Christentum sollen verschmolzen werden. Die ÖQ-S-oöo^aazm, die 
aJtXcüg TtSTtiarEvy.ÖTEg (der Glaube = GuyKazd^eaLg) sollen sich von 
den ■A.ccd-ccQGia oder (.uxqa {.ivotrJQia der Kirche erheben zur Er- 
kenntnis, zu der STtOTtTeia und den {.leyccXa (.waziJQia, zur Liebe. 
Öo erreicht man das rechtia Leben mit seiner fj-dS-rjaig, äaxrjGcg und 
dem "^axoQd-iOfia. Das ist der Standpunkt des yvcoGTLV.ög. Clemens 
behandelt das Christentum wie Philo das Judentum. Die hellenische 



28 § 12. Die alexandrinische Theologie,' 



X 



iTTOTTTeia Yerdrängt nicht nur die avy/.a'vdd'EGLg, sonderii aucli den 
evangelischen Glauben. Das Gesetz und die Philosophie ' sind beide 
' Pädagogen auf Christus. 

3. Origenes hat in De principiis als erster den Versuch gemacht^ 
das Christentum als System darzustellen. Es soll kirchliche Lehre- 
bieten, daher hält er sich an die Glaubensregel und an die Schrift. 
Aber wie bei Clemens so ist auch, bei Origenes die Glaubensregel der 
Gesamtinhalt der Schrift. Die Schrift ist allegorisch zu deuten, sie 
hat einen dreifachen Sinn (somatisch, psychisch, pneumatisch). Der 
geisterfüllte Ausleger besitzt das Charisma, den tieferen göttlichem 
Sinn der inspixüerten Schriften zu finden. Die aTtkouoxSQOi halten sich 
an den Wortsinn, die Gebildeten suchen den ßcc-d-vtegog vovg; Christus 
ist ihnen nicht wie jenen Arzt, sondern Lehrer heiliger Mysterien. 

4. Das System des Origenes. a) Gott ist unerf orschlicher Geist, 
das Sein S7tey.siva ovaLag, gerecht und gut. In bezug auf die Welt 
drjfXLOVQyYioag, Gwe^ojv, yivßeqvCbv (c. Cels. IH, 62). Gott allein ist 
ayevvr]Tog, und das gilt nur von dem Yater (in Job. II, 10, 75). — 
b) Der Logos geht aus dem Yater in geistiger Weise, wie etwa der 
Wille, hervor. Wie alles in Gott ewig ist, so auch die Zeugung des 
Sohnes : aeterna et sempiterna generaiio, asl ysvvä avzöv (in Hierem. 9, 4). 
Daher ovy. eüilv ots ov'a fjv. .Vater und Sohn stehen im Verhältnis 
der Homöusie oder der Substanzeinheit zueinander. Der Sohn ist 
vapor viriutis dei, apporhoea gloriae . . ., aporrhoea öf-wovaiog videtur, 
id est unius substantiae cum illo corpore, ex quo vel aporrhoea vel 
vapor (Lomm. XXIV, 359). Aber der Sohn ist auch eine besondere 
vTCÖoraaig neben dem Vater: sig ■dsog, ovo VTCoaxdoeLg (c. Cels. 
Vm, 12). Er ist aber öevTsgog -d-eog. Vater und Sohn aber haben " 
ev -d-dlrji^ta (in Joh. HI, 36, 228f .). Also : una voluntas est et una 
substantia, sed duae positiones, id est duae persona^um proprietates (in 
Lev. 13, 4). Die in der Christenheit übliche ^Anbetung Christi ist. 
nur bedingt zuzugestehen (de orat. 15 f.). — c) Nur die Offenbarung, 
nicht die Philosophie, lehrt den heiligen Geist; er steht unter 
dem Sohn. Tqidg wird oft gebraucht. — d) Gott schuf eine große 
Zahl Geistwesen. Sie mißbrauchten ihr avTS^ovaiov. Je nach dem 
Maß ihrer Verschuldung erhielten sie eine verschiedene Leiblichkeit. 
So begreift sich die Mannigfaltigkeit der Welt, die Gott zusammenzog 
in unius mundi consonaniiam. — e) Der Xöyog nahm die av-d-Q0)7tlvr^ 
(fvatg an und wurde ■d'Edvd-qwutog (de pr. II, 6, 3). Die Seele, die 
er annahm, präexistent wie aUe, wuchs schon in der Präexistenz mit 



/• 



\ 



§12. Die alexandiinische, Theologie. 29 

.ihm zusammen. Der MoBSchgewordene besteht aus Logos, Seele und 
Xieib: ovvd-B'uöv rt ZQfjuä cpct(.iev avxov, ysyqvivat (c. Gels. I, 66). 
^Zwischen der göttlichen und menschlichen IsTatur Christi besteht eine 
MvioGLQ y.al ävd'/iQaGLg (c. Gels. III, 41),^ Aber nur der Mensch 
•stirbt, die Gottheit leidet nicht. Nach der Auferstehung ist das 
Menschliche in die Grottheit aufgegangen : ubique est et universa per- 
■eurrit (pr. II, 11, 16). — f) Christus war der Lehrer und Gesetz- 
•geber der Menschheit und TCttQddsL'yfJta ccqigvov ßiov. Er lehrt den 
Glauben an Gott und den Logos,, sowie den vöj-iog rfjg, cpvaecog. 
Aber Christus hat auch durch seinen Tod uns aus der Gewalt des 
Teufels erlöst, seine " Seele als ävTdXlayf.ia darbietend ; er hat Gott 
■ein Sühnopfer gebracht für uns und uns von Sünden gereinigt. Als 
Saupt der neuen Menschheit vertritt er uns bei^^Gott und läßt die 
in ihm realisierte Gemeinschaft zwischen Gottheit und Menschheit 
sich auch in uns realisieren: arc' ky.eivov fiQ§ato ■d-sLa y-Ol avd-QW- 
Ttivt] avvvcpcüvEod-aL q)voig, %v' -^ ävd-QcoTtlvrj zfj Ttgog rb S-sioreQOv 
-KOivtüVia yevYjTCCL d-eia pvy. ev /.wvq) Tq> "Iiqoov aTlXa xal TtüGL rolg 
fiEToc tov TtLGtevEiV &vccXa(.ißdvovoL ßiov, ov ^irjGovg löiöa^ev, äva- 
.yayovra enl ti]V TCQog tov ■d-eov cpiXlav xal %i]v TtQog ey.elvov ycoi- 
yovlav Ttdvta rov xaTCt Tccg/'IrjGov VTtod^'^ag CiöVTa (c. Gels. III, 28). — 
g) Die Heilsaneignung findet statt durch das Evangelium, die Taufe 
und die Eucharistie. Ypn der Taufe heißt es: Td öia tov vdarog 
XovTQov ovi-ißoXov Tvy/dvov xad-aQGLOv ifjvxfjg Ttdvra QVTtov tov djth 
xa'Kiag a7t07tXvvof.ieviqg, ovdsv fjTTOV '/.cu %aT avxo Tq) sfina^e'x^ovTi 
iavTov Tfi -däoTrjTt Tfjg TtQOGywvrjvf^g TQidöog Ölqc Tfjg dvvd^iso)g töjv 
e7tLy.Xr^GS(!üV egtiv f] %aQLGf.idTiov S-Eitov uqxV "'^"^ ^rjyi^ (in Joh. VI, 
33, 2.66), Sie bewirkt Vergebung der Sünden und ^Verleihung des 
heil'. Geistes. Sie wird auch an Kindern vollzogen, denn auch sie 
sind von Geburt an Sünder (in- Lev. h..8, 3, in Rom. V, 9). In der 
Eucharistie empfängt man den Logos und seine Worte : Panis 
iste, quem Deus Verhum corpus suum esse fateiur, verhum est nutri- 
'fbrium animarum, verbum de Deo Verbo procedens . ... Et potus 
■isie . . verhum est potans et inelrians praeßlare corda hibeniium .... 
Non enim panem illum visiMlem, quem teneiat in manibus, corpus suum 
dicebat Deus Verbum, sed verhum, in cuius mysterio fuerat panis ille 
.frangendus. Nee poium illum visihilem sakguinem suum dicebat, sed 
verhum in cuius mysterio potus ille fuerat effundendus. Nam corpus 
Bei Verbi aut sanguis quid aliud esse potest nisi verhum quod nutrit et 
■.verbum quod laetificat cor? (in Mtth. comm. ser. 85). Anders glauben 



30 . § 12. Die alexandrinische Theologie. 



die aTtXovoTsqoi (c. Geis. VIII, 33). — h) Der freie Mensch ergreift 
das Heil im Glauben. Zum Glauben wie zur Liebe befäbigt ihn 
die Gnade, d. h. der heil. Geist oder Gottes Kraft (in E,om. IV, 5. 9). 
Der Glaube ist avyxardd-sGig. Er soll sich steigern zu einem avy- 
■/.aTaxid-Eod^ai toIq döyfiaat (.letci Xoyov ■koI oocp lag, nicht nwc {.istcc 
ifJiXfjg Tfjg TtiGzeojg (c. Gels. I, 13). Der Mensch ist zum Glauben 
befähigt durch da« avre^ovGLOv. Dies bleibt dem Geist, obgleich: 
TtQog ro ay.aQrdYSLV TtBcpvyiafxev (c. Gels. III, 66). , Der Glaube ist 
der Weg zur Tugend. Deshalb wirkt er die Rechtfertigung, wiewohl 
auch Pauli Lehre reproduziert' wird. Aber : neque enim possibüe est, 
ut liäbenii in se aliquid iniustitiae possit iustitia reputari, eiiam si 
credit, in eum, qui suscitavit dominum Jesum a mortuis. — lustificat 
ergo eos Christus tantummodo, qui novam vitam exemplo resurHciionis 
ipsius susceperunt (in Rom. IV, 7). Das Lebensideal ist durch -d-ewQia, 

Askese, Virginität bezeichnet; i) Die Kirche ist die TtoXig -d-eov 

(c. Gels. III, 30), der coetus omnium sanctorum (in cant._ I. Lomm. 
XIV, 382)'. Extra Jianc domum, id-est ecdesiam nemo salvatur (iu 
Jos. h. 3, 5). Ihre Glieder sind Priester, aber es gibt auch Priester 
in sonderlichem Sinne mit besonderen Vollmachten. Origenes unter- 
scheidet die •AVQicog iuyiXrjoia von der empirischen Kirche. — k) Die 
Guten kommen nach dem Tode in einer ätherischen Leiblichkeit in 
das Paradies und dann in den Himmel. Die Gottlosien fallen der 
Flamme proprii ignis anheim. Es ist ein Ttvg y.ad-dqoLov (c. Gels. 
V, 17). Wie die Guten fortschreiten, so führt die Läuterung auch 
die Bösen empor. Schließlich werden aUe errettet. Die Wiederkunft 
Christi, die Auferstehung, das Leben unter dem „ewigen Evangelium" 
folgen. Da auch hier die Ereiheit blieb, braucht dieser Abschluß 
nicht als absoluter verstanden zu. werden. ■ ' 

5. Die dogmengeschichtlichen Eortschritte, welche die von § 10 
an geschilderte Entwicklung hervorrief, bestehen in folgendem : in der 
Herausstellung einer Kirchenlehre sowie der Dogmatisierung der Lehr- 
normen, in der Ausscheidung des „Geistes", in der Bestimmung der 
katholischen Kirche als der Gemeinschaft der wahren Lehre, in der 
schärferen Erfassung des trinitarischen und christologischen Gedankens 
samt der Einführung eines neuen Apparates zu ihrer Verarbeitung, 
in der Einführung der Spekulation und der Mysterien in die Religion». 



§ 13. Die Christologie. 31 



Viertes Kapitel. 
Die Lehrentwicklung während des dritten Jahrhunderts. 



§ 13. Die Christologie. 

Die dynamis tischen Monarchianer : Hippol Eefut. VII. 35. Ps.-Tert. 
adv. omn. Haer. 23 (8). Das kleine Labyrinth Eus. h. e. V, 28. Epiphan. h. 54. 
Paul von Samos. : Eus. h.-e. VII, 27—30.' Epiph. h. 65. Eouth, Eeliq. sacr. 
IIP, 300 ff. Mai, Vet. scr. nova cpU. VII, 68f. — Die Patripassianer: Tertnll. 
i adv. Praxeam ; Hippol. c.Noet. Eefut. IX, 6—12. Epiph. h. 62. Eus. h. e. VI, 33. — 
Der Streit derDionyse: Athanasius De sent. Dionysii, De äecretis synodi 
Mcaenae 25. 26; De synodis 40. — Vgl. Harnack, PEE. XIII^ 303 ff. Hilgen- 
feld, Ketzergesch. S. 609 ff. Thomasius DG. P, 168 ff.- Seeberg DG. P, 
462 ff ^ W. Machoiz, Spuren binitarischer Denkweise . . seit Tert. 1902. 

1. Die christologische Theorie, welche durch die theologische 
Entwicklung des 2. Jahrhunderts angebahnt war, behauptete sich dem 
Monarchianismus gegenüber. Der sog. dynamistischeMoharchia- 
nismus wurde in E,om vertreten von Th'eodotus 6 aKVTSVS (c 190), 
Asklepiodotus und Theodotus o XQaTteCLtriQ (zur Zeit Papst 
Zephyrins 198 — 21 7)^ Artemas (nach 250). Die Lehre war: Mit 
Jesu, dem aus der Jungfrau geborenen Menschen, vereinigte sich in 
der Taufe der von oben komniende Christus, den sie mit dem Geist 

• identifizierten, aber der Mensch Jesus ist nicht Gott geworden. Diese 
Lehre erklärten sie für die ursprüngliche, die erst Zephyrin ver- 
ändert habe. Das leitende' Motiv war die Einheit Gottes. Monarchiam, 
inqidunt, tenemus (Tert.).^ ^ 

2. Der bedeutendste, Vertreter dieser Richtung war Paul von Sa- 
m s at a. La dem Sohn der Jungfrau wohnte der Logos,' nicht ovaiojööjg, 
sondern 'autcc (.Lccd-riOiv %ccl f.iEtovoLav. Auch in den Propheten war er 
wirksam, aber in Christo in hervorragender "Weise als dem Tempel der 
"Weisheit. Die Einheit mit Gott besteht darin : uLav f-iSTCc TOv d-eov T-qv 
d-ehrjOLV siyßv. Drei Synodein wurden zu Antiochien gegen ihn ab- 
gehalten (264 — 269), er wurde aus der Kirchengemeinschaft gestoßen. 

. 3. Der pätripassiänische Monarchianismus hat in Rom 
und Ägypten Einfluß ausgeübt. Der Grundgedanke ist: Ovzwg yao 
ÖOKSZ i-iovaQxLav awiaräv, ev "/.al %o avio (päaiicüv V7rdQ%eLv TtaTiqa 
xoffc vibv ■na^ovf.isvov, ov% eteqov e^ eTsqov aAA' aiiTov «^ kavTOv, 
dv6(.iati (.lEV TiaTSQa ytal vlbv -AaXovfisvov -/mtcc %q6viov TQOJiiqv, eva 



32 - § 13. Die Ohristologie. 



Sh elvai xovxov %ov cpavewa xal yevsGiv ex TcaQdievov v7to{XEivav't(x 
.... vlov fxev eavrov roZg oqwolv oi-ioXoyovvTa . . . TtaxsQa öe sivai 
y.al Tolg ywQOvoiv f.ir] äTtO'jiQvif.iavra (Hipp. Ref. IX, 10). Praxeas 
(Ende des 2. Jakrh.) vertrat diese Lehre mit der "Wendung : ut. aeque 
in una persona utrumque distinguant: patrem et filium, dicentes filium 
earnem esse id est Jiominem, id ßst lesum, patrem autem spiriium id 
est deum, id est Christum (Tert. adv. Prax. 27). Der Smyrnäer 
^NT o e t u s trug etwas später diese Theorie vor, dann Sabellius: Gott 
ist seinem Wesen nach vloTtccTwq, er hat sich in drei jr^dcrwTra offen- 
bart (o narrjQ 6 avrbg fisv eari, TtXaTÜvExai de iig vlov xal ^vev^ia, 
Ps. Athanas. c. Arian. or. 4, 25). j Tov amov sivai TCaxeQai t^ov 
avTov vlov, %bv avtov elvat ayiov 7Cvsvf.ia • wg eivai iv f.uä vjto- 
azdasL iqslg ovof^aalag, rj üg ev äv&QCü:n:cp oti)f.ta xal ipvyj) y.al 
TtvevLia . . . . fj &)g eav f] ev f]Xi(p, ovtI fiev ev (jciä vjzooTccaei, 
xqelg öh eyovrag rag eveqyeLag, cprjf.u öe wib cpcoriOTiyov %al xb 
S-dl^tov yal avxb xö xfjg TceQLcpeqeiag ayfifia (Epiph. h. 62, 1). Dieser 
Lehrweise sind, auch die römischen Bischöfe Viktor, Zephyrin, 
Kaliist- zugefallen, Hippolyt und sein Anhang, die widersprachen, 
wurden Ditheisten gescholten. Eine ähnliche Lehre wurde, wie es 
scheint, auch von Beryll von Bostra vertreten (Eus. h. e. YI, 33, 1). 
4. Zur Herrschaft ist sie aber nicht gekommen. Um 250 vertritt 
!Novatian (De trinitate) wesentlich die Auffassung Tertullians. Dabei 
wurde zum Teil der Subordinatianismus sehr stark betont (Lactanz). 
Eür die Lage charakteristisclT" war der Streit zwischen Dionysius 
von Alexandrien und. Dionysius von B,om (ca. 260).- Im 
Gegensatz zu libyschen Sabellianern behauptete der Origenist Dionys 
V. Alex., Christus sei ein Geschöpf, habe einen Anfang, und ^evov 
y.at' ovaiav avxbv elvai xov TtaxQÖg (Athanas. de sent. Dionys. 4). 
Dagegen erhoben sich orthodoxe alexandrinische Christen und machten 
die sonstigen Gedanken des Origenes gegen ihren Bischof geltend. 
Nach ihm empfange der Sohn einen zeitlichen Anfang, er sei nicht 
6f.ioovaLog xcp jtaxqi (ib. 16. 18). Der römische Dionys pflichtete dem 
bei, indem er sich auf das Symbol berief. Man müsse glauben : eig -d-ebv 
TtaxsQa TtavxoY.QaxoQa xal eig Xqioxbv 'Irjaovv xbv vlbv'avxov y.ai eig 
xb ayiov 7tv€Vf.ia, '^vcbaS-ai öe xm -d-ecp xwv blojv xbv Xöyov. Outco yaQ\ 
&v ytal fj -d-eia xQiag yal xb ayiov yrJQvyf.ia xfjg f.iovaQ%iag diaacbCoixo. 
Der alexandrinische Bischof hat sich dieser Kritik schnell gefügt, er 
ist bereit das 6i.ioovaiog anzuerkennen, obgleich der Ausdruck nicht 
biblisch sei. Man sieht, welche Probleme damals in der Luft lagen. 



14. Buße und Kirche. 33 



§ 14. Bufse und Kirche. 

>Hipp. Eef. IX, 12 p. 458 f. TertuU. De poenitentia und De pudicitia, 
-dazu Harnack Ztschr. f. Theol. u. K. 1891, S. 114f. E. Preusclien, Tert. 
Schriften de poenit. et de pud. 1890. E. Eolff s, "Das Indulgenzedikt des röm. 
^Bischofs Kailist 1893. G. Esser, Nochmals das Indulgenzedikt des Papstes 
Kailist u. die Bußschriften Tert. in Der Katholik 1907. 1908, A. d' Ales, L'edit 
de Calliste 1914. — Die Briefsammlung Cyprians, sowie seine Schriften De 
.lapsis und De catholicae ecdesiae unitate (Cypr. Opp. omn. ed. Hartel lb68j ; der 
Brief des Cornelius v. Kom an Fabiüs v. Antiochien hei Euseb. h. e. YI, 43. 
Dionys v. Alex, an Novatian ih. VI, 45. Ps.-Augustin c. Novatian. (dazu 
Barn ack in den Abh. für Oettingen 1898, S. 54 ff.). Ygl 0. Kits e hl, Cypr. 
V. K. u. die Verfassung der Kirche 1885. Harnack in der PEE. XP, 283 ff.; 
X:IV^ 223 ff. u. DG. 1" 439 ff . C.Götz, BuMehre Cyprians 1895. K. M ü 1 1 e r , 
-Ztschr. f. KG. 1896, Iff.; 187 ff. H. Koch, Cyprian u. der röra. Primat 1910. 
J. Ernst, Cyprian u. das Papsttum 1912. Seeberg DG. P, 364 ff.; 493 ff.; 
437f. Möller-v. Schubert KG. P, 278ff.; 289ff. Loofs DG.* S. 204ff. 

1. Im Morgenlande trägt die Buße einen ethisch pädagogischen 
Charakter. Der Sünder soll seine Sünde einem geistlichen Mann, der 
-eyent. auch Priester sein' kann, bekennen, damit dieser durch seinen 
JElat ihm zur Heilung verhelfe (Orig. in Lev. h. 2, 4; 5, 4. in psalm. 
-37 h. 2, 6. de orat. 28, 8. Method. de lepra 6. 7). Die rechtliche Auf- 
fassung des christlichen Lebens im Abendlande hat sich schon früh 
-auf eine offizielle Kegelung der Buße gerichtet. Sie hat es nicht mit 
den delicta coiidianae ineursionis, sondern mit den äelida mortalia zu tun. 

JFür den größten Teil dieser groben Sünden gestattete die Earche durch 
-die Presbyter und die Märtyrer als Geistträger diie seeunda paenitentia 
(nach Hermas), doch wurde die zweite Buße auch angefochten (Orig. 
Tert.). Ausgeschlossen waren in der Hegel, aber nicht immer, die 
^jüdischen) Todsünden (cf. Act. 15, 29), Götzenanbetung, Mord, Hurerei 
<Tert. pud. 9. 12. 22). N'ach Tertullian beleidigt der Sünder Gott. 
Es gilt null deo offenso satisfacere. Dies geschieht besonders durch 
die öffentliche Exomologesis. Folgende Momente sind hierin ent- 
halten: paenüeat ex animo . . , confessio delidorum . . , confessio 
■satisfactionis consilium est. (Tert. paen. 8). Es sind die Anfänge 
-des Bußsakramentes. "Wie das Prinzip der Satisfaktion jüdischen Ur- 
sprungs ist, so auch die Todsünden und die üblichen satisfaktorischen 
Werke (Pasten, Gebet, Almosen). 

2. EI allist (ca.. 220) erweiterte diese Praxis, indem er als Kach- 
dfolger des Petrus auch für Hurerei, nicht aber für Mord und Götzen- 
dienst, prinzipiell die zweite Buße gestattete : ego et moeehiae et forni- 

Seeberg, Grundriß der Dogmengeschichte. 4. Aufl. 3 



34 § 14. Buße und Kirche. 



cationis delicia paenitentia functis dimitto (cf. Ir. I, 13, 5 ff.). Dagegen 
riclitete Tertullian (als Montanist) die Schrift De pudieitia. Er verr 
wirft die zweite Buße des Pastor, moechorum (Hermas) unter Berufung 
auf 1 Joh. 5, 16 ; Hebr. 6, 4 ff. Der Paraklet sagt: polest ecclesia donare 
delidum, sednon faeiam, ne et alia delinquani: AM&erdiQnx könne die ecclesict 
nur per spirüalem Jiominem, niclit als numerus episcoporum Sünden ver- 
geben. — Im Zusammenbang mit seiner Bußpraxis steigerte Kaliist die- 
Macht des Episkopats. Der Bischof ist unabsetzbar, nach göttlichem 
Recht waltet er in der Kirche. In der Kirche kann Unkraut neben 
dem Weizen stehenj wie in der Arche reine und unreine Tiere waren.. 

3. Um 250 war Kallists Bußpraxis durchgedrungen. Die Kon- 
sequenz führte während der decianischen Verfolgung einen Schritt- 
weiter. Die Lapsi erhielten in Karthago von den Confessores Emp- 
fehlungsschreiben. Cyprian wollte die Entscheidung von einem prin- 
zipiellen Beschluß des Episkopates abhängig machen.- Fünf Presbyter 
fügten sich nicht. Novatus war ihr Führer, Eortunatus ihr Bischof, 
sie wollten lapsos reducere et revocare. — In Bom standen zwei Bischöfe- 
einander entgegen (251). ]S[ovatian verfocht die alte strenge Praxis 
bezüglich der Lapsi, Cornelius war zu ihrer Wiederaufnahme- 
bereit. Trotzdem verband sich Novatus, der nach E,om kam, mit No- 
vatian. — 252 beschloß in Karthago eine Versammlung von Bischöfen 
unter Cyprian: eis, qui de ecclesia domini non recesserunt et paeniten- 
iiam agere et lamentari ac dominum deprecari a prima lapsus sui die 
non destiierunt, paeem daridam esse. B,om stimmte dem bei. 

4. Auch aus diesem Kampf wurden Konsequenzen für den Kirchen- 
begriff gezogen, s. Cyprian, De unitate ecclesiae. a) Die Bischöfe sind 
Nachfolger der Apostel als praepositi der laici. Sie werden von Gott 
eingesetzt und durch Eingebungen und Gesichte geleitet. Die Bischöfe 
sollen also Pneumatiker sein ; wie einst die Propheten, so sollen jetzt sie 
von niemand kritisiert werden. — b) Die Kirche ist auf den Bischof 
gegründet, er ist sacerdos et iudex vice Christi . (das Altaropfer, Wieder- 
aufnahme Gefallener, Vertretung der Tradition). — c) Die Bischöfe 
bilden ein Kollegium, den episcopatus. Die synodale Praxis hatte dem 
vorgearbeitet. Die Einheit der Kirche beruht auf dem Episkopat: 
Ecclesia, quae catholica una est . . . sit utique connexa et coJiaerentium sihi 
invicem saeerdotum glutino copulata (ep. 66, 8). Daher: Uli sunt- 
ecclesia sacerdoii adunata et pastori suo grex adJiaerens. TJnde scire 
dehes episcopum in- ecclesia esse et ecclesiam in episcopo, ut qui cum 
episcopo non sit, in ecclesia non esse, et frusira sihi llandiri eos qui 



§ 15. Die christliche Gesamtanschauung im Abend- und Morgenland. 35 

pacem cum sacerdotibus dei non habentes olrepunt et latenter apud 
quosdam communicare se credunt (ib.). — d) Rom ist ecclesiae eatho- 
licae maier et radix, aber Gyprian zog hieraus nocb nicht alle Konse- 
queiizen. — e) "Wer sich dem rechtmäßigen Bischof nicht unterwirft, 
ist ein Häretiker, verwehte Spreu, die E-otte Korah, quia salus extra 
ecciesiam non est (ep. 73, 21). Quisquis ille est et qualiseunque estj 
christianus non est qui in Christi ecdesia non est (ep. 55, 24). Nee 
enim ignoramus, unum deum esse et unum Christum esse dominum . . . , 
unum sanctum spiritum, unum episcopum in eaiholica esse delere 
(ep. 49, 2). Das Schisma ist Häresie. — f) Die Konsequenz wurde 
im Gegensatz zur römischen Praxis durch die Verneinung der Gültig- 
keit der Ketzertaufe, die sordida et profana tinctio sei, gezogen. Den 
römischen Standpunkt vertritt 'die Schrift De rebaptismate. 

5. Die besprochenen Erscheinungen bezeichnen die Anfänge des 
abendländischen Katholizismus. Das gilt für das Bußinstitut wie für 
den KirchenbegrifE. Der Episkopat ist nicht mehr Garant der Tradition, 
sondern Fundament der Kirche. * 

§ 15. Die christliche Gesamtanschauung im Abendland tmd 

Morgenland. 

Hauptquellen: Die Schriften Cyprians sowie die pseadocyprianischen 
Werke De montibus Sina et Sion, die Predigt De aleatoribus (wohl in d. 
2 Hälfte des 2. Jahrh. zu Eom gehalten), ed. Hartel. De aleat. ed. Miodonski 1889. 
NovatiansSchriften, vglHarnackPEE. XIV,223fE. Ps.-Origenes Trac- 
tatus ed. Batiffol 1900. — Commodianus Instructionum libri 2 u. Carmen 
apologeticum (ed. Dombärt 1887), nach Brewer, Commodian 1906, dem 5. Jahrh. 
angehörig. Victorinus vonPetau ed. J. Haußleiter 1916. Arnobius Adv. 
nationes libri 7 (ed. Reifferscheid 1875). Lactantius, Divinarum institutionum 
libri 7, Epitome, De ira dei (ed. Brandt u. Laubmann 1890). — ■ Bei den Griechen : 
Dionysius v. Alex, (f ca. 265; Fragmente bei Eouth, Eeliq. sacr. III. IV). 
Theognost (ca. 280, vgl. Phot. cod. 106, Harnack Texte u. Unters. N. F. 
IX, 3, S. 73 ff.). Pierius (z.,Z. Diokletians, s. Phot. cod. 119). Gregorius 
Thatimaturgos (s. Caspari, Quellen etc. 1886, S. Iff. Migne gr. 10. 
Lagarde, Analecta syr. 1858. Pitra, Analecta sacr. III. IV). Hierakas 
(Epiph. h. 67). — Methodius von Olympos, f 311 (Schriften ed. ßonwetsch 
1917). Petrus von Alexandrien (f 311; Fragmente bei Eouth, Eeliq. 
sacr. IV. Pitra, Analecta sacra IV, 187 fi. resp. 425 ff.).. Vgl. N. Bon- 
w et seh, Die Theologie des Methodius 1903. K. H. Wirth, Der Verdienst- 
begriff bei Tertull. 1893, Derselbe, Der Verdienstbegriff bei Cyprian 1901. 
K. G. Goetz, Das Christentum Cypr. 1896. H. Jordan, Die Theol. der neu- 
entdeckten Predigten Novatians 1902. F. Wieland, Mensa u. Confessio 1906. 
HarnackDG. P, 774ff. IIP,12ff. Seeberg DG.I-, 381ff. 516ff. Möller- 

V. Schubert KG. I^ 332ff., H52ff. 

3* 



36 § 15. Die christliclie Gesamtanschauung im Abend- und Morgenland. 



1. Dei' Unterschied griechischen und lateinischen Verständnisses 
des Christentums tritt bei Tertullian einer-, Clemens und Origenes 
andrerseits schon deutlich zutage. Es sind die Anfänger der diffe- 
renten Entwicklung beider Zweige der Christenheit, 

2. Tertullian hat die christliche Heilsanschauung in E,echts- 
kategorien darzustellen versucht. Gott ist der Gresetzgeber, das 
Evangelium lex nosira. Die Taufe bringt Vergebung der Sünden, 
die Wiedergeburt und den Geist. Sanctificatae (aquae) , vim saneii- 
ficandi eomhibunt (de bapt. 4). Der Geist ist eine Art inspirierter 
geistiger Substanz (de pat. 1). Der Wiedergeborene soll nicht sündigen. 
Seine Sünde kann aber getilgt werden durch die Satisfaktion der Buße 
(§ 14, 1). Der Mensch soll die fraecepta und consüia des Gesetzes 
erfüllen. Dadurch erwirbt er meritä und durch diese den ewigen 
Lohn. Nachwirkungen des jüdischen Verständnisses der Religion und 
stoische Ideen haben das abendländische Christentum beeinflußt. 

3. Auf dieser Bahn schreiten die Abendländer fort. Von Adam 
her sind alle Geborenen mit Schuld und Sünde behaftet. Christus 
bringt Beinigung von der Sünde (Taufe), Sündenvergebung (Buße), 

' das neue Gesetz und den Lohn der Unsterblichkeit (dat innocentiae 
legem, postquam contülü sanüatem, Cypr. de hab, virg. 2). Der Glaube 
ist die Annahme des Gesetzes und das Eürwahrhalten der Verheißungen. 
Daher begleiten ihn gute Werke. Meritis atque operibiis nostris prae- 
mia promissa coniribuens ist Gott (Cypr. de op. et eleemos. 26). Eür 
die Sünde nach der Taufe ist die Satisfaktion der Buße zu leisten 
precibus et operibus, vor allem durch Almosen: postmodum quascun- 
que (sordesj contrahimus, eleemosynis abluamus (ib. ' 1). So verdient 
man sich propitiando deum seine Barmherzigkeit (ib. 5). Als gött- 
liches Hilfsmittel hierzu kommt die Eucharistie in Betracht, indem" 
sie mit Christo vereinigt. Aber auch als Opfer. Es ist eine Wieder- 
holung des Opfers Christi im Sinn einer Geltendmachung der Er- 
lösungswirkung seines Blutes : ille sacerdos vice Christi fungiiur, qui 
id quod Christus fecit imitatur et sacrificium verum et plenum tune 
offert in ecdesia deo patri etc. (Cypr. ep. 63, 14). Passio est enim 
domini saerificium, quod offerimus (ib. 17). Der undeutliche Gedanke 
des Opfers (Christi Opfer im Hebräerbr., Gebete, Abendmahlsgaben, 
Almosen) gewinnt hier einen klaren — nicht christlichen — Sinn. — 
Endlich ist von Bedeutung für das praktische Christentum die Er- 
wartung des nahen Endes mit seinem Lohn, das tausendjährige Beich, 
ein Läuterungsfeuer nach dem Tode (purgari diu igne, Cypr. ep. 55, 



§ 15. Die christliche Gesamtanschauung im Abend- und Morgenland. 37 

20 cf. Tert. de monogam. 10)., Das ßeich Gottes wird ein rein 
escLatologisclier Begriff : adt, percipiendum regnum dicit admüii qui 
fuerint in ecclesia eins operati (Cypr. op. et el. 9). Das ist das 
abendländische Christentum. Die sälus animarum (Arnob. II, 61) ist 
das Grundinteresse, aber sie beruht auf lex und meriia: securitaiis 
nostrae saluire praesidium, ... res posita in potestate facieniis, res 
ei grandis ei facilis (Cypr. op. et el. 26). 

4. Bei den Griechen wirkt Origenes. Aber seine Gnosis und 
ihre Philosopheme werden allmählich aufgegeben; er wird im Sinne 
der aTtXovavsQOL verstanden, aber die dogmatische Spekulation be- 
ginnt auch Glaubensobjekt zu werden. Auch bei prinzipiellen Gegnern 
wirkt der Origenismus fort. Das zeigen die Schriften, des Metho- 
dius. Gegen die Exegese und die cpavTaala des „Kentauren" Ori- 
genes polemisiert er schaff, aber er hängt doch von ihm ab. Der 
Mensch ist stets avxE^ovaiog tzqoq trjv aiqEOLV. Durch Verführung 
des Teufels hat er das Böse gewählt. „Das Böse ist der Ungehor- 
sam." Der Tod ist demgegenüber eine Gnade. Christus, der Sohn 
Gottes und der erste der Erzengel, der als Logos schon Adam (wie 
Jesu) einwohnte, ist unser Helfer und Fürsprecher, er lehrt uns ..die 
"Wahrheit und führt uns zur Unsterblichkeit. Aber die Hauptsache 
ist, daß er durch den heil. Geist in der Taufe in uns geboren wird : 
iv eyidoTCt) yervScGd-ai tov Xqlgtov voiqrCbg. So werden wir gleichsam 
selbst Christus (olovel XqlotCüv yeyovÖTCov twv -/.ara (.lerovaiav rov 
TtvsvLiaTog eig Xqlotov ßeßajtviaf-ievcov). Diese Einwohnung ruft 
ein neues Leben und Streben in uns hervor. — Durch Taufe und 
Lehre versetzt uns die Kirche in dies neue Leben. Sie ist rb 
äS-Q0tOf.ia 'AOL tb orUpog tG)V TteTtLOrevyiÖTCov. — Mit Christi Hilfe 
und Eürsprache kämpft der Christ wider die Sünde. Auf „Recht- 
gläubigkeit" und „gute "Werke", „Glauben und Tat" kommt es an. 
Das Ideal ist aber die Jungfräulichkeit, TiaQd-e'Ca yctq fj itagdsvLa, 
Christus war die aQ^LTtagd-ävog. Das Ziel ist die acpd-aQGia durch 
die leibliche ävaaraoig. — Die Geburt Christi in uns war diesem 
Griechen die Hauptsache; das Wort ävco Ttqbg vipog kennzeichnet 
seine Stimmung. Beides bedeutet eine Differenz zur abendländischen 
Erömmigkeit. Von TertuUian zu Cyprian, von Origenes zu Methodius 
>^ — das sind die beiden Entwicklungslinien. 



38 § 16. Arius, Athanasius und das erste Nicänum. 



Zweiter Abschnitt. 
Die Bildung" der Dogmen in der Alten Kirche. 

Erstes Kapitel. 
Das trinitarische Dogma. 



§ 16. Arius, Athanasius und das erste Nicänum. 

Von Arius sind erhalten: Der Brief an Bischof Alexander v. Alex, bei 
Athanas. de synodis Arim. et Seleuc. 16 nnd Epiph. h. 69, 7. 8; der Brief an 
Euseb. V. Nikomedien bei Thepdoret. h. e. I, 4 nnd Epiph. h. 69, 6. Frag- 
mente aus der Qälsia. bei Athanas. c. Arian. or. I; de synod. Ar. et Sei. 15. 
Über seine Lehre s. bes. die Schriften des Athanas. und den Brief Alexanders 
von Alex, an Alexander von Byzanz b. Theodoret h. e. I, 3 und die Ep. en- 
cyclica b. Socrat. h. e. I, 6. Vgl. Grwatkin, Studies of Arianisme 2. ed. 1900. 
Loofs, PEE. 11^, 6 ff. — Athanasius gest. 373, s. Apologia c. Arianes; 
Expositio fidei; De decretis synodi Nicaenae; Ep. ad. episc. Aeg. et Lib. : 
Apolog. ad Constant. imperat. ; Apol. de fuga sua; Hist. Arianorum ad monach.; 
Ep. ad. Serapionem de morte Arii; Ad Serapionem ep. 11; De synodis Arim. 
et Seleuc. und bes. sein Hauptwerk Orationes quatuor c. Arianos (or. IV ist 
nicht von Athanas.), bei Migne ser. gr. 25 — 28, das Wichtigste auch bei Thilo, 
ßibl. patr. graec. dogmat. I. Vgl. K. H o s s , Studien üb. Schrifttum u. Theol. 
d. Ath. 1899. A. Stülcken, Athanasiana in Texte u. Unters. XIX. Loofs, 
PRE. IP, 194ff. HarnackDG. mi86ff.; 202ff. Seeberg DG. IP, 17ff. — 
Nicäa s. Mansi, Acta eoncil. II, 655 ff. Ep. Constantini ad Alex, et Ar. 
bei Euseb. Vita Const. II, 64—72, und die Erzählung ib. III, 6—22. Euseb. 
ep. ad Caesareens. bei Theodoret h. e. I, 11. Athanas., de decretis syn. Nie. 
und ep. ad Afros. Eustath. b. Theod. h. e. I, 7: die Berichte bei Socrat. 
h. e. I, 7—10; Sozomen. h. e. 1, 16—25: Theodoret. h. e. 1, 6—13; Phüostorgius 

h. e. I, 7; II, 15; dazu Gelasius (ca. 476) SvvTayua tcöv y.arä rrjv SV Niy.aiq äyiav 
avvoSov cioä'/ßsvTOiv, (bei Mansi Acta concü. JI, 759ff. vgl. G. Löschcke, Das 
Synatagma des Gelas. Cyzicen. 1906). — Vgl. Neauder, KG. II, 790 ff. 
Möller-v. Schubert, KG. P, 424ff. Hefele, Konziliengesch. P, 282ff. 
0. Seeck, Ztsch.f. KG. 17, 105. 319ff. A. Lichtenstein, Euseb. v. Niko- 
medien 1908. P. Snellmann, Die Anfänge des arian. Streites 1904. E. 
Schwartz, Zur Gesch. des Athanasius in Nachrichten der Gesellsch. der Wiss. 
zu Göttingen 1908. E. Seeberg, Die Synode v. Antiochien im Jahr 324/5. 
1913. E. Weigl, Untersuchungen zur Christologie des hl. Athanasius 1914. 

1. Die sich verschärfende Reflexion über die Religion einerseits, 
die Einheit der katholischen Lehre und Kirche andrerseits haben zur 



§ 16. Arius, Athanasius und das erste Nicänum. 39 

tjberwindurig der widerspruchsvollen und schwankenden Formeln 
{ösvTEQOg -d-sög !) der älteren Ghristologie genötigt. Man hielt sich 
aber in den üblich gewordenen. Formen der Logoslehre. 

■ 2. Lucian von Antiochien hatte den persönlichen Logos aner- 
kannt, ihn aber, da er nicht äyevvrjrog ist, als Geschöpf Gottes be- 
zeichnet, zugleich aber wegen seiner völligen Ähnlichkeit mit dem 
Yater seine Gottheit gelehrt. Er leugnete die menschliche Seele Jesu. 
— Ihm folgte Arius: Gott allein ist äyevvrjTog, es kann nicht 
awei ayevvTj'VOL geben. Der Logos ist durch den "Willen des Yaters 
behufs Schöpfung der Weit erschaffen (y.zia[.ia ■d-eov) und hat einen 
Anfang: ozi -d-eXrifiaT l xal ßovXf] v^eurr] ttqo xqövcov. — 
^Aq%iiv exsL ö vlbg, 6 de S-ebg ävaQxög sati . . . ^E'6, ovx 
<)VT(t)v koxiv ...—,. Kai avzbg 6 tov S-eov löyog 1^ oüx bvzcov 
yeyove v.al fjv tvotb ore ovy. fjv, '/.al ov'/. fjv Ttqlv yevrjrai, 
•aAA' aQyJ]v tov ^zi^eod-ai eoy,s v.a.1 avzög. Folgerichtig wird er 
dann weiter als ZQSJtzog 'Aal alXoMZog rijv (pvGiv bezeichnet. Er 
bleibt so lange gut, als er will. In Voraussicht seines Beharrens im 
Outen verlieh ihm Gott im [voraus bo%a. Demnach war der Logos 
dem Vater nicht ähnlich und daher nur übertragenerweise Gott zu 
nennen. '^0 Löyog- aXkozqiog (.lev '/.al avöf.iOLog '/.aza itavza %f\g zov 
TcazQog ovoiag '/.al iöi6zr]zög saziv. — Si de '/al läyezat S-eog, 
•aXX^ OVY. &?^r]d-iv6g eoziv, akka f.iezoxfi %<^QLzog, ioGiteQ -/al ol aÜ^oi 
Ttävzeg, ovzio y.al avzbg Xeyezat dv6f.iazL\ [xövov d-eog. Doch wird 
"Christus auch otXriQrig d-eög genannt. Der Logos ersetzte die Stelle 
der Seele in dem Menschen Jesus. — Der öevze'Qog ^eög kommt hier 
um seine Gottheit. 

3. Gegen Arius erklärt sich Bischof Alexander von Alexandria. 
Der Sohn ist ewiger Gott. So verlangen es zfjg e'/'/Xrjalag za arcoa- 
^oXi'/a ööyfxaza, seine Geburt ist eine ävaQXog Ttagä zov rcazQbg 
yevvrjoig. Vater und Sohn sind eins und doch zwei.' l^^sl ^eog, äel 
vlög . . . ovvvjtdqyßL 6 vlbg ayevvi]zcog zw d-eCj), aeiyevvrjg, ayeviqzo- 
yevijg. — l^kXi]lcüV äyjdiqiGva Tcqäy^taza ovo zov Ttaziqa '/al zov 
vlöv. Es sind zfj VTtoozdöei ovo cpvaeig, der Sohn ist of.iOLog '/az < 
■ovoLav z(p TtazqL und aTtaqaXkd'/zwg eixcov zov nazQog. 

4. In dem Sinn Alexanders (und des Athanasius) ist eine Ent- 
scheidung des Streites zu Nicäa (325) erfolgt, nachdem schon kurz 
vorher auf einer Synode zu Antiochien der Glaube Alexanders anerkannt 
worden • war. Die katholische Kirche hat ihr erstes Dogma hergestellt, 
aber sie tat es als Staatskirche. Kaiser Gonstantin nahm an der Synode 



40 § 16. Arius, Athanasius und das erste Nicänum. 

teil, er war beraten von dem Abendländer Hosins von Oorduba. Da& 
/ Bekenntnis der Synode entstand, indem das von Eusebius von Oäsarea. 
^vorgelegte Taufbekenntnis von den Alexandrinern emendiert wurde. E». 
lautet (die gesperrten Stellen geben die Unterschiede zu dem Caesa- 
reense) : JTiaTSvof.iev sig sva ■d-sbv itaxeqa TtavtO'/.qdtOQa, tvccvtcuv oQarCjv 
ze y.al aoQcivwv Ttotrjti'jv xal slg sva 'AVQLOv^IrjaoDv Xqlgtov, tov- 
vlov TOV &eov, yevvrjd-ävza Ix tov rcaTQog f.iovoyevfj,. 
TO vTeoT iv Ix TTjg ovo Lag tov 7t arg 6 g, d-EOv Ix d-eov, (pCbg 
Ix cpcoTOg, d-Eov äXt]-d-Lvbv kv. -d-eov äXrj-d-cvov, yEvvrj-d-evTu ov- 

7tOL1]-d-eVTa, 6f.i00VGL0V Tip TtaTQL, ÖC' oi) TCC TVCCVTa iyevsTOf. 

Tcc TS SV Tq) ovQavci) Y.aL To. SV Tfi yfi, TOV öi' fi(.iag Tovg äyd-Qco- 
Ttovg ymI dia tijv ^{.iSTSQav acoTi^Qtav -AaTsX&övTa yMi GaQxo)- 
&evTa -/Mt svav-S-QCüTf^aavTa, Tta^övra yal avaoTavTa Tfj tqüi] 
Vif.LiQcc, avsXd-ovTO. sig TOvg ovgavovg, SQXÖf.isvov "AQlvai CcovTag xac 
vs'AQOvg' /(.al sig to ayiov 7Tvsvf.ia. Tovg ds Xey ovTag' fjv 

TtOTE OTS OV'/. TIV 'Kai TtQlV y SV V T] S-fj V a l OVX fjV, OTl E^ 

ovx ovTcov sysvETo 7] £^ ETEQag vTVouTCcGEcog rj ovalag: 
(pccay.ovT ag slvai fj y.tlgtov fj aXXoLwT ov tov vlov tov 
■d-sov ava-d-Sf^aTl^Ei 1] ayia xal äTtoaTolty.i] sxy.XrjG ia^ 
Fast alle Teilnehmer der Synode erkannten diese Eormel an, freiKch 
blieben vielen Bedenken, binsicbtlicb derer man sieb, so gut es ging;, 
zu beruhigen versuchte (s. Eusebius ep. ad Caesareenses bei Theo- 
doret. h. e. I, 11). 

5. Der größte Vertreter der nicänischen Lehre wurde Atha- 
nasius. ■ Seine Lehre unterscheidet sich in ihrer reifen Gestalt von 

- der Alexanders, a) Ath. widerlegt Arius aus den irreligiösen Konse- 
quenzen, zu denen seine Lehre führt: die Trinität zeitlich, die Taufe- 
auf eine Kreatur hin, Unmöglichkeit der Anbetung Jesu, Polytheis- 
mus. Yor allem zerstöre Arius die Heilsgewißheit, indem er den 

- Erlöser zur veränderlichen Kreatur mache. — b) Die Behauptung- 
der Homousie des Logos bei Athanasius stützt sich dagegen, auf den. 
Erlösungsgedanken. In Christo ging Gott in die Menschheit" ein^ 
daher wurde in ihm uns "Wahrheit und Unsterblichkeit zuteil. Der 
Logos hat die odg^, die er annahm, und dadurch die mit ihr orga- 
nisch zusammenhängende Menschheit vergöttlicht. War Christus nux 
Kreatur, so ist es mit dem christlichen Heil nichts, nur als Gott, 
konnte er Sünden, vergeben, die Erkenntnis des Vaters schenken, eine- 
mystische und ethische Gemeinschaft mit ihm bewirken oder das un- 
sterbliche' Leben geben. Ovy. av Ed-£07T0ii]d-r] 6 avd^qcoTtog, si fj.7i 



§ 16. Arius, Athanasius und das erste Mcäntiin. 41 

(fvffsi i'K Tov TtaTQog icac äXi]S-i.vbg y.al ^iSiog amov tjv ö Xöyog 6 
^ y€v6f.ievog öccq^. Jia toüto '/.al roiavtr] yeyove fj avvacpi], %va t^ 
Tiara cpvGiv Tfjg ■d-eoTTjrog avvdipr] tov cpvasi avd-Qcorcov, '/.aX ßtßaia 
yevrjzat 17 aLOXTqqia -/.al ■^ -d-eoTtolrjaig avTOv (c. Ar. orat. II, 70). — 
'^ßg yag ö y.vQiog lv8vGdf.ievog to ffw^/a yeyovev avd-QWTtog, ourcog 
rji.iElg ol avd-QüJTtOi itaqa tov Xöyov ze d-eoTtoiov^ie-d-a, jTQOoXrjcpd-evTsg 
öia Tfjg aaQ'/.og avrov, xal XoiTtov ^orjv aicoviov xXr]oovof.iovf.isv 
(ib. m. 34). — OüK &v de ndXiv ed-eorcoiridri xxioi.iaxt avvacpd-elg 
6 avS-QCüTtog, ei }.irj d-ebg fjv äXrj-d-ivog 6 vlög, y.al ov-a av TtaQeazrj 
tG) Ttargl 6 avd-Qiorcog, ei f.iiy(pvoeL xal äXr]^ivog fjv avrov Xöyog 
6 evövadjiievog TO oG}}xa (II, 70). Der Gedanke des Athanasius ist: ^- 
die Funktion des zweiten Adam oder die umfassende Erneuerung des 
Menschengeschleclites, sowie die Gewißheit der Sündenvergebung durch 
Aufhebung des Fluchs (c. Ar. or. II, 68. 66. I, 45), konnte Christus 
nur gewähren, wenn ihm göttliches Leben und göttliche Kraft zu 
eigen waren (vgl. Johannes, • Iren., Methodius). Beide Seiten des 
Werkes Christi gipfeln in der Verleihung der Unsterblichkeit. Dies 
ist die morgenländische Begründung der Gottheit Christi. — c) Atha- 
nasius hat die Einheit des Logos mit dem Yater und damit die Iden- 
tität der Gottheit des Logos und des Vaters gelehrt, aber doch auch 
den Personenunterschied aufrecht erhalten. Die Einheit ist kvörrfi 
Tfjg ovaiag. Der Sohn ist y€vvr}f.ia Ix Tfjg ovaiag des Vaters und 
deshalb eTeQOOVGLog twv yevriTÖJV, aber ö{.ioovatog mit dem Vater 
(Gegensatz eTegocpveg '/.a\ eTeqoovoiov). Die ewige Zeugung bewirkt 
aXr^^g xal (pvöei ysvvrjaig tov vtov (I, 27 f.) Als b}.ioovoiog ist er 
hinsichtlich der Substanz mit dem Vater identisch (nicht „wesensgleich", 
sondern wesenseins). Er ist daher ewig und unveränderlich wie der 
Vater. Nicht ein Teil der göttlichen Substanz ist er, nicht durch 
den Willen des Vaters erschaffen, sondern selbst die Substanz des 
Vaters und dieser Wille : ev.Tog earcv ovrog twv ßovX-^oei yeyovoTwv^ 
'Aal (.laXXov avTÖg eariv fj tCboa ßovXr] tov itaxqög, ev f] Tavxa Ttdvra 
yeyovev. — d) Aber der mit dem Vater Wesenseine ist personal vom 
Vater verschieden. Er ist TavTOV mit dem Vater, aber nicht o avTog; 
er ist eTeqov tl, aber nicht äXXog -S-eög, Dieselbe göttliche Substanz 
ist als Vater yevvrjaag, als Logos yevvrjua, damit ist aber ein ewiges 
Verhältnis bezeichnet. '^0 TtaTTjQ TtaTYiQ eari '/.al ov% 6 avTog vlög eoTiVf 
yial 6 vlbg vlög eOTi %a\ ov% 6 avTog narr'iQ eari, (.da de fj (pvGig' 
ov yccQ dvöf.i0L0v to yevvr]f.ia tov yevvi]GavTog, ei-Acov ydq eGTtv 
avTov . . ,, 8lo ovöh äXXog -9-ebg 6 vlög . ... Ei yccQ- y.al eTegöv 



42 § 17. Die weitere Entwicklung bis zur Synode von Konstantinopel. 

iOTiv cüc "/h'vrjf.ia ö vlög, allcc tamov haxiv ojg d^sög, xa< sv slaiv 
ccvTog xat ö TtaTi^Q ttj idLOvr^xL ■/.al oiy.ecÖTi]Ti Ttjg q)va£cog y.al Tjj 
xavxoTijTL vi]g fuäg ■9-E6Ti]Tog (c. Ar. m, 4). Sofern zwei Personen 
anzunelimen sind, kann man das Verhältnis des Sohnes zmn Vater 
bezeichnen als rip> TtQog xov Ttarega tov vloD cpvar/.ip öfiOLÖTrjxa 
y.al löiÖTijza (ib. m,. 36). Aber dies schließt in sich ivoTr^xa xf^g 
&€6ri]Tog und xavxÖTii]%a xf^g q)va£cog mit dem Vater (II, 41. III, 19). 
6. Man kann nicht sagen, daß diese Lehre als Theorie klar und 

, einleuchtend wäre. Das Große und die bleibende Bedeutung der 
Lehre des Athanasius besteht in der religiösen Tendenz: in den Er- 
lösungswirkungen Christi wird seine Gottheit offenbar, und das Christen- 
tum verträgt den ÖEvxsQog -S-EÖg in keiner Fassung. Wo von „Gott" 
die ßede ist, da ist es der eine Gott oder die eine göttliche Sub- 

V stanz, die sowohl Vater als Sohn ist. 

§ 17. Die weitere Entwicklung bis zur Synode von Konstantinopel. 

Mansi, CoU. concil. I — III. Socrates h. e. Sozomenos h. e. HefeleCGr. I. 
Die meisten Symbolformeln stehen bei Hahn, Bibl. d. Symbole u. Glaubens- 
regeln* 1897. Athanasius De synodis, Apologia c. Arianes. Hilarius von 
Poitiers De synodis. Marceil v. Ancyra(f 374 oder 75) bei Eusebius c. Mar- 
cellum u. de tbeol. ecclesiast, s. E. Klostermann in der Berliner Ausg. der 
Werke des Eusebius Bd. IV (1906), 185 ff., vgl. Tb. Zahn, Marcell v. Ancyra 
1867. Loof s PEE. XIP 259 ff. — Basilius v. Ancyra s. Epipban. baer. 73. — 
Basilius der Gr. v. Caesarea, 7 379, IVIigne gr. 29-^32. Gregor von 
Nyssa, 7 nach 394, Migne gr. 44 — 46. Gregor von Nazianz, f389oder90, 
Migne gr. 35—38. Die wichtigsten Werke dieser Väter auch bei Thilo, Bibl. 
patr.gr.dogm.il. Ampbilochius v. Iconium Migne gr. 39. Didymus 
V. Alex, (f 395) Migne gr. 39. Die ApoUinaris von Laodicea beige- 
legten Schriften Antirrbeticus c. Eunom., Dialogi de trinitate, De trinitate, ge- 
hören ihm nicht an, wohl aber die Kar ä fie^og Ttlam u. a. Dräseke) Apolli- 
narius v. Laod. in Texte und Unters. VII, 3. 4. H. Lietzmann, ApoUinaris 
T. Laodicea L 1904. Vgl. Krüger PEE. I*, 671 ff. Loofs PEE. IP, 20 ff. 
Harnack DG. II*, 236ff. Seeberg DG. IP, 82ff. MöUer-v. Schubert 
KG. I, 488 ff. J. Gummerus, Die bomöusianische Partei 1900. K. Ho 11, 
Amphilocbius v. Ikon. 1904. A. Lichtenstein, Euseb. v. Nikomed. 1903. 
J. Scbladebach, BasU. v. .■Vncyra 1898. J. Diekamp, Die Gotteslehre des 
h. Greg. v. Nyss. L 1896. J. Leipoldt, Didym. d. Bünde 1905. F. Nager, 
Die Trmitätslebre des hl. Basil. d. Gr. 1912. 

1. Schwere Kämpfe schlössen sich bald an die Entscheidung von 
X Nicäa. Die Gegner wollten einmal den alten Subordinatianismus fest- 
•_. halten, dann aber die Selbständigkeit der Hypostase des Logos klarer, 



§ 17. Die weitere Entwicklung bis zur Synode von Konstantinopel. 43 

als es bei Athanasius zu geschelien schien, bekannt seben ; sie fürcbteten 
Sabellianismus. Pölitiscbe Erwägungen verbinderten den Sieg einer 
unter den vorbandenen ßicbtungen. 

2. Eusebius von liTikomedien (7 341) wurde der Fübrer der 
arianiscb Gesinnten wie überhaupt der origenistiscben Gegner des 
Nicänums (daber Eusebianer). Constantin der Große wurde am Nicänum 
zweifelhaft, Eustathius von Antiocbien wurde abgesetzt (330), ebenso 
Marceil v. Ancyra (336), Athanasius wurde verbannt (nach Trier 336, 
Synode zu Tyrus 335), Arius sollte restituiert werden, starb aber. 
Constantin starb 337. Athanasius kehrte zurück, aber 339 verbannte 
ihn Constantius, er ging nach Rom. Das Abendland (unter Constans) . 
blieb nicänisch (Synoden zu Born 340, Sardica 343, die Formel s. 
Hahn, Bibl. d. Symb.'§ 157). Die Morgenländer stellten 341 zu 
Antiocbien vier Yermittlungsformeln (Hahn § 153 ff.) her. Diese wurden 
-aufgenommen von der Synode zu Antiocbien 344 (formula maerosUchos 
Hahn § 159). Christus ist -dsog Tileioc, £•/. dsov tsIelov, er ist 
ysvvrjd'slg Ix tov TtaxQOQ Ttqo rcbv aichvcov. Er hat keinen zeitlichen 
Anfang und" ist nicht £§ ST€Qag ovo lag. Tcx) Ttatgl yiaTcc jcdvra 
■oi-Wiov Mvac 7tB7tL0TSvy.ai.Lev. Aber das of-ioovaiog wird vermieden 
und die Lehre Marcells, eines Anhängers des Athanasius, verworfen. 

3. Mar cell v. Ancyra war mit Bewußtsein Schrifttheologe. Die 
Ausdrücke Sohn Gottes, Leben, Weg, Tür, Brot, Christus beziehen 
sich nur auf den Menschgewordenen. Nur Job. 1, 1 f£. redet von dem 
präexistenteh Logos, nicht von seiner „Zeugung". Der Logos ist von 
Ewigkeit her im Vater ev övvd(.ist und sv eVEQysia, Gott und der 
Welt zugewandt. Er war mit Gott identisch wie der Geist ein es 
Menschen mit diesem identisch ist. Indem nun Gott die Menschheit 
in dem Sohn zur Sohnschaft in der SKyiXrjOLa bestimmt hat, ist der 
Logos in der Schöpfung, Erhaltung und Erlösung der Welt als evegyeia 
dqaOTixri wirksam geworden. Vor noch nicht 400 Jahren trat er in 
•die 'Aara acxQy.a oiyiOVO(.ua ein und wurde zum Sohn Gottes und 
Christus. Am Ende der Tage tritt er wieder in Gott zurück. Marceil 
lehnt also die Spekulation über die immanente Trinität ab und will 
bei der ökonomischen stehen bleiben. — Seine Lehre wurde von 
Eusebius von Cäsarea scharf bekämpft; man interpretierte sie nach 
der des Photinus v. Sirmium. Dieser stellte die Persönlichkeit des 
Logos in Abrede, aus der Vereinigung des Logos mit dem Menschen 
■Jesus scheint nach ihm der Gottessohn entstanden zu sein. Die Ver- 
dammung dieser Lehre (Mailand 345, 347) traf auch Marceil. 



^<« 5 lö. Arius. Athauasius und das erste Nicänum. 



T-eil, er ^ar beraten von dem Abendländer Hosius von Corduba. Da& 
Bekeniimis der Synode entstand, indem das von Eusebius von Oäsarea. 
vorcelecte Taufbekenntnis von den Alexandrinern emendiert wurde. Es; 
".:r.::ei :die gesperrten Stellen geben die Unterschiede zu dem Caesa- 
reen-ei : Jl/orivoaer slg ava ih&uv Ttaveoa TtavToy.QccTOQa, TvdvTtov oQaribv 
7c y.ci cogc:Tior sroir^rv y.al eig eva y.vqloy ^lijaovv Xqlotov, tov 
vihr TOV d^tov, yervr^^evza Ix tov TtatQog fiovoyevfj,. 
TfVTeaTir ly. zi'g; ovalag rov TtavQÖg, S-sbv ex -d-sov, cpwg 
</. ffojTÖ-:. Oihr ä/.rd-ivbv i/. S^eov ahjS-cvov, ysvvi]-9-€VTa ov- 
:i c 1 1 &<^ vTcc. ouoovaLOv % Co TcaTQt-, öc" ov TCi Ttdwa eysvero,. 
ic: T' c')' 7(~i oroavü) y.cci ra ev zf] yf], tov Öl rjftäg zovg avd-Qdi- 
n(>i-^ y.ci dict rir ruszeoar acozi^olav y.aTsX-d- ovr a y.al GaQxa)-. 
&^rTa y.a'i l r ar^oio tt r^aaYT a , Ttad^övza yai ävaozdvTa Tfj tqüctj 
iiuoc, äic/Mörra eig zovg oioavovg, €Qyöf.i€Vov y.Qlvai tCbvzag xal 
3cZ(-'.:'v y.ai eh to ayiov Ttvevua. Tovg de Xey ovrag' -ijV 
siork ort orz ?" r y.al rcolv y avvr] -d-fj v a t ovy. fjV, özi e^ 
''{'y. uvzcjv lyerezo i] £i ezegag vTtoGTdascog rj ovalag: 
ff äoy.orr a g cirai f] y.z lgzov i] d).XoLiOT ov tov vlov tov 
It^iov dra&fuaziLei f^ ay La y.al airtoGToliy.i] iy.y.Xrio ia^ 
Fast alle Teilnehmer der Synode erkannten diese Eormel an, freilich 
blieben vielen Bedenken, hinsichtlich derer man sich, so gut es ging,, 
zu beruhigen versuchte i^s. Eusebius ep. ad Caesareenses bei Theo- 
doret. h. e. I. 11). 

5. Der größte Vertreter der nicänischen Lehre wurde Atha- 
uasius. Seine Lehre unterscheidet sich in ihrer reifen Gestalt von 
der Alexanders, a) Ath. widerlegt Arius aus den irreligiösen Konse- 
ijuenzen. zu denen seine Lehre führt: die Trinität zeitlich, die Taufe- 
auf eine Kreatur hin, Unmöglichkeit der Anbetung Jesu, Polytheis- 
mus. Vor allem zerstöre Arius die Heilsgewißheit, indem er den 
Erlöser zur veränderlichen Kreatur mache. — b) Die Behauptung- 
der Homousie des Logos bei Athanasius stützt sich dagegen, auf den:. 
Erlösungsgedanken. In Christo ging Gott in die Menschheit ein, 
daher wurde in ihm uns Wahrheit und Unsterblichkeit zuteil. Der- 
Logos hat die crßo5, die er annahm, und dadurch die mit ihr orga- 
nisch zusammenhängende Menschheit vergöttlicht. War Christus nur 
Kreatur, so ist es mit dem christlichen Heil nichts, nur als Gott 
konnte er Sünden vergeben, die Erkenntnis des Vaters schenken, eine- 
mj-stische und ethische Gemeinschaft mit ihm bewirken oder das un- 
sterbliche Leben geben. Ovy. av edsoTiOLr^d-ri 6 avd-qiOTtog, si (.ifi 



§ 16, Arius, Athanasius und das erste Nicänum. 41 

cpvGEL kv. %ov TtaxQoq ^al äX't]S-ivbg y.al Ydiog amov fjv 6 Xöyog 6 
ysvöf.ievoQ adg^. Jia rovxo y-al Toiavxri yeyove fj owacpiq, %va t^ 
xaxa cpvGw zfjg ■d-soTrjTog ovvdiprj zbv cpvasi avd-Qcorcov, ■/.ccl ßeßaia 
yevTqrai fj acorrjQta 'Aal i] -d-soTtoirjaig avrov (c. Ar. orat. H, 70). — 
^ißg yctQ 6 y.vQiog ivövadfievog to acjf.(a yeyovev ävd-gwTtog, ourcog 
f]f.ielg ot avd-QCüTtOi naqh xov Xöyov re d-eoTtoiovf.ie'd-a, 7rQoalrjcp^€VTsg 
dia Tfjg aaQxbg avtov, '/.cu XoiTtbv ^(or]v aicoviov y.Xrjgovof-ioviiisv 
(ib. m. 34). — Ovy. &v ds ndXiv E-9-E07tOLi]d7] y.riOf.ic(rL avvacpdslg 
6 av&QCüTtog, ei {.irj d-ebg fjv aXrj-d-Lvbg 6 vlög, y.ai ovx. äv Tiaosorri 
T(p TtatQl 6 avd-QiOTtog, ei (.n] (pvoet y.al alrj-9-ivbg fjv avrov Xöyog 
6 evövadf.isvog rb owi-ia (II, 70). Der Gedanke des Athanasius ist : 
die Funktion des zweiten Adam oder die umfassende Erneuerung des 
Menschengeschlechtes, sowie die Gewißheit der Sündenvergebung durch 
Aufhebung des Fluchs (c. Ar. or. II, 68. 66. I, 45), konnte Christus 
nur gewähren, wenn ihm göttliches Leben und göttliche Kraft zu 
eigen waren (vgl. Johannes, ■ Iren., Methodius). Beide Seiten des 
Werkes Christi gipfeln in der Verleihung der Unsterblichkeit. Dies 
ist die morgenländische Begründung der Gottheit Christi. — c) Atha- 
nasius hat die Einheit des Logos mit dem Vater und damit die Iden- 
tität der Gottheit des Logos und des Vaters gelehrt, aber doch auch 
den Personenunterschied aufrecht erhalten. Die Einheit ist svoTTjg 
Tfjg ovolag. Der Sohn ist y€vvr]i.ia Ix r^g ovoLag des Vaters und 
deshalb iregoüvaiog rwv yeviqxöjv, aber 6f.ioovaiog mit dem Vater 
(Gegensatz exeqocpveg '/.al exeQOOvGiov). Die ewige Zeugung bewirkt 
dXr]dr]g y.al (pvGSi yävvrjaig xov vlov (I, 27 f.) Als öj-wovaiog ist er 
hinsichtlich der Substanz mit dem Vater identisch (nicht „wesensgleich", 
sondern w^esenseins). Er ist daher ewig und unveränderlich wie der 
Vater. Nicht ein Teil der göttlichen Substanz ist 'er, nicht durch 
den Willen des Vaters erschaffen, sondern selbst die Substanz des 
Vaters und dieser Wille : ey.xog eoxLV ovxog xCbv ßovXtjaei yeyovöxcov^ 
yal (.laXXov avxog soxiv fj Kcoaa ßovXfj xov Ttaxgog, ev f] xavxa itdvxa 
yeyovev. — d) Aber der mit dem Vater Wesenseine ist personal Vom 
Vater verschieden. Er ist xavxbv mit dem Vater, aber nicht o avxog; 
er ist exeqov xi, aber nicht aXXog S-eög. Dieselbe göttliche Substanz 
ist als Vater yevvrjOag, als Logos yivvrjua, damit ist aber ein ewiges 
Verhältnis bezeichnet. "^0 TtaxfjQ TtaxYjQ eaxi '/.al ov% 6 avxbg vlög eaxtVy 
xal 6 vlbg vlög eaxt 'Aal ov% b avxbg naxr'iQ eoxi, {.da de fj g)vaig' 
ov yccQ dvöf.i0L0v xb ysvvrjf.ia xov yevvrJGavxog, eiy.cov ydg eoxLv 
avxov . . ., dib ovöe äXXog -d-ebg 6 vlög . ... Ei yaq- 'Aal exegöv 



42 § 17. Die weitere Entwicklung bis zur Synode von Konstantin opel. 

locLv WC y€vv7]f.ia 6 vlög, aXXa xavxöv koviv wg ■d'sög, Y.a.1 ev elatv 
avTog xal ö rtarr^Q Tfj idLOxr^ri v.al oizsiÖTr^vt xfjg cpvoscog zat t^ 
xavvözrjTi xijg [xtäg ■dsörrjvog (c. Ar. IH, 4). Sofern zwei Personen 
anzunehmen sind, kann man das Verhältnis des Sohnes zum Vater 
bezeichnen als t?)j' TtQog xbv Tcareqa %ov vlov cpvai'/ii]V 6 f.io cöxrjza 
'/Ml iöiÖTrjTa (ib. III, 36). Aber dies schKeßt in sich kvöxrjta xfjg 
&6üTrjT0g und Tawövriza xfjg q)vaecog mit dem Vater (II, 41. III, 19). 
6. Man kann nicht sagen, daß diese Lehre als Theorie klar und 

, einleuchtend wäre. Das Grroße und die bleibende Bedeutung der 
Lehre des Athanasius besteht in der religiösen Tendenz: in den Er- 
lösungswirkungen Christi wird seine Gottheit offenbar, und das Christen- 
tum verträgt den öavrsQog ^eög in keiner Passung. "Wo von „Gott" 
die Rede ist, da ist es der eine Gott oder die eine göttliche Sub- 

' stanz, die sowohl Vater als Sohn ist. 

§ 17. Die weitere Entwicklung bis zur Synode von Konstantinopel. 

Mansi, Coli, concil. I — III. Socrates h. e. Sozomenos h. e. HefeleCGr. I. 
Die meisten Symbolformeln stehen bei Hahn, Bibl. d. Symbole u. Glaubens- 
regeln^ 1897. Athanasius De synodis, Apologia c. Arianes. Hilarius von 
Poitiers De synodis. Marceil v. Ancyra (f 374 oder 75) bei Eusebius c. Mar- 
cellum u. de theol. ecclesiast., s. E. Klostermann in der Berliner Ausg. der 
Werke des Eusebius Bd. IV (1906), 185 ff., vgl. Th. Zahn, Marcell v. Ancyra 
1867. Loofs PEE. XII^ 259ff. — Basilius v. Ancyra s. Epiphan. haer. 73. — 
Basilius der Gr. v. Caesarea, f 379, Mgne gr. 29-^32. Gregor von 
Nyssa, 7 nach 394, Migne gr. 44 — 46. Gregor von Nazianz, f389oder90, 
Migne gr. 35 — 38. Die wichtigsten Werke dieser Väter auch bei Thilo, Bibl. 
patr.gr.dogm.il. Amphilochius v. Iconium Migne gr. 39. Didymus 
V. Alex, (f 395) Migne gr. 39. Die Apollinaris von Laodicea beige- 
legten Schriften Antirrheticus c. Eunom., Dialogi de trinitate, De trinitate, ge- 
hören ihm nicht an, wohl aber die Kaiä fce^os Ttlaris u. a. Dräseke' ApoUi- 
narius v. Laod. in Texte und Unters. VII, 3. 4. H. Lietzmann, Apollinaris 
T. Laodicea I, 1904. Vgl. Krüger PEE. lV671ff. Loofs PEE. 11^, 20ff. 
Harnack DG. 11*, 236ff. Seeberg DG. IP, 82ff. Möller-v. Schubert 
IvG. I, 488ff. J. Gummerus, Die homöusianische Partei 1900. K. Holl, 
Amphilochius v. Ikon. 1904. A. Lichtenstein, Euseb. v. Nikomed. 1903. 
J. Schladebach, Basil. v. Ancyra 1898. J. Diekamp, Die Gotteslehre des 
h. Greg. v. Nyss. L 1896. J. Leipoldt, Didym. d. Blinde 1905. F. Nager, 
Die Trinitätslehre des hl. Basil. d. Gr. 1912. 

1. Schwere Kämpfe schlössen sich bald an die Entscheidung von 
^ Nicäa. Die Gegner wollten einmal den alten Subordinatianismus f est- 
-^ halten, dann aber die Selbständigkeit der Hypostase des Logos klarer, 



§ 17. Die weitere Entwicklung bis zur Synode von Konstantinopel. 43 

als es bei Athanasius zu geschehen schien, bekannt sehen ; sie fürchteten 
Sabellianismus. Politische Erwägungen verhinderten den Sieg einer ■ 
unter den vorhandenen ßichtungen. 

2. Eusebius von Nikomedien (•]- 341) wurde der Eührer der ^^ 
arianisch Gesinnten wie überhaupt der origenistischen Gegner des 
Nicänums (daher Eusebianer). Constantin der Große wurde am Nicänum ' 
zweifelhaft, Eustathius von Antiochien wurde abgesetzt (330), ebenso 
Marceil v. Ancyra (336), Athanasius wurde verbannt (nach Trier 336, 
Synode zu Tyrus 335), Arius sollte restituiert werden, starb aber. 
Constantin starb 337. Athanasius kehrte zurück, aber 339 verbannte - 
ihn Constantius, er ging ^nach B,om, Das Abendland (unter Constans) .^ 
blieb nicänisch (Synoden zu B,om 340, Sardica 343, die Formel s. 
Hahn, Bibl. d. Sfmb.'§ 157). Die Morgenländer stellten 341 zu - 
Antiochien vier Yermittlungsf ormeln (Hahn § 153ff.) her. Diese wurden 
-aufgenommen von der Synode zu Antiochien 344 (formula maerostichos 
Hahn § 159). Christus ist -d-eog zäXsLog Iv. -d-eov leleLov, er ist 
yevvrjdslg Ix tov itarQog itQO t&v aiwvcov. Er hat keinen zeitlichen 
Anfang und' ist nicht e^ exsQag ovo Lag. T(b icatqi •/.a%a. rtdvxa 
Sf.WLOV Hvat 7te7tLarsvxaf.isv. Aber das 6(.ioovaLog wird vermieden 
und die Lehre Marcells, eines Anhängers des Athanasius, verworfen. 

3. Mar cell v. Ancyra war mit Bewußtsein Schrifttheologe. Die 
Ausdrücke Sohn Gottes, Leben, Weg, Tür, Brot, Christus beziehen 
sich nur auf den Menschgewordenen. Nur Joh. 1, 1 ff. redet von dem 
präexistenteh Logos, nicht von seiner „Zeugung". Der Logos ist von 
Ewigkeit her im Vater ev öwaf-ist und ev evegysia, Gott und der 
"Welt zugewandt. Er war mit Gott identisch wie der Geist eines 
Menschen mit diesem identisch ist. Indem nun Gott die Menschheit 
in dem Sohn zur Sohnschaft in der B'A.'/.hqoia bestimmt hat, ist der 
Logos in der Schöpfung, Erhaltung und Erlösung der Welt als eveg/eia 
dquaiLYri wirksam geworden. Vor noch nicht 400 Jahren trat er in 
•die '/.axa aaQxa oiy.ovOf.LLa ein und wurde zum Sohn Gottes und 
Christus. Am Ende der Tage tritt er wieder in Gott zurück. Marceil 
lehnt also die Spekulation über die immanente Trinität ab und will 
bei der ökonomischen stehen bleiben. — Seine Lehre wurde von 
Eusebius von Cäsarea scharf bekämpft; man interpretierte sie nach 
der des Photinus v. Sirmium. Dieser stellte die Persönlichkeit des 
Logos in Abrede, aus der Vereinigung des Logos mit dem Menschen 
Jesus scheint nach ihm der Gottessohn entstanden zu sein. Die Ver- 
dammung dieser Lehre (Mailand 345, 347) traf auch Marcell. 



44 § 17. Die weitere Entwicklung bis zur Synode von Konstantinopel. 



4. Die Persernot zwang Constantius, Athanasius zurückzurufen 
(.346). Die beiden eusebianischen Eührer Ursacius und Valens machten 
Frieden mit Athanasius und E,om, Aber die Orientalen auf der 
1. sirmiscben Synode verdammten Photin und erinnerten an 
die Verurteilung von Marcell und Athanasius (347 ?). 350 wurde der 
nicänisch gesinnte Constans ermordet. Constantius trat jetzt energisch 
für die Eusebianer ein. Die 2. sirmische Synode (1 .• sirmische 
Formel) verdammte Photin und Marcell (351), Zn Arelate (353), 
zu Mailand (355), zu Biterrae (356) mußten auch die Abend- 
länder die Verdammung des Athanasius anerkennen. Er floh 356 in 
die Wüste. Seine Anhänger wurden verbannt (Liberius v. B,om,. 
Hosius V. Corduba, Eusebius v. Vercelli, Lucifer v. Calaris, Dionysiu& 
V. Mailand, Hilarius v. Poitiers). Die 3. Synode zu Sirmium (357)> 
hob nun das Nicänum und seine Probleme auf durch die 2. sirmische 
Formel: quod vero quosdam aut multos movebat de substantia, quae 
graece usia appellatur, id est, ut expressius intelUgatur, Tiomousion aut 
quod diciiur Jiomoeusion, nullam omnino fieri oportere mentionem nee 

-quemquam praedicare, ea de causa . . quod nee in divinis seripturis 
contineatur et quod super hominis seientiam sit, Jes. 53, 8. Im 
übrigen gilt nach Joh. 14, 28: nulla amliguitas est, maiorem esse 
patrem (Hahn § 161). 358 stimmte eine Synode zu Antiochia 
dem zu. Das Nicänum schien überwunden zu sein. 

5. Die Eusebianer hatten gesiegt; aber sie waren über die positive 
Lehre nicht einig. Die einen hielten sich an die antiochenische 
Formel, Christus sei b/J.Oiog dem Vater , wofür man auch sagte 

., uf-iOLOvaiog; ouoiog bedeutet nicht „ähnlich", sondern die „Gleich- 
-heit" diiferenter Subjekte. Das sind die, fälschlich Semiarianer 
genannten, Homoiusiasten. Ihnen traten konsequente Arianer 
oder Anhomöer (Aetius v. Antiochien, Eunomins v. Cyzikus, 
Euzoius V. Antiochien) entgegen, die Homousianer wie Homoiusianer 
bekämpften: Gottes AVesen liegt im äyevvrjTOV, Christus aber ist ein 
yevvrizöv, also : xaroc Ttävxa . av6f.iOLog 6 vtbg rq) TtaxqL (Euzoius). 
Von der '/.OLt" ovaLav q/iioiÖTrjg ist abzusehen, dagegen ist Christus, 
nach seiner evegysia Abbild des Vaters (Eunom.). 

6. „Semiarianer" und Arianer, die bisher zusammengegangen 
waren, traten jetzt einander entgegen. Letztere wurden immer radikaler, 
erstere rückten den Homousianern näher. Ihr Führer wurde Basi- 
lius V. Ancyra. Die Synode zu Ancyra 358 versucht die Mitte 
zu fixieren: Der Sohn ist kein Greschöpf, er ist cog fiövog fiJC (.lövov 



§ 17. Die weitere Entwicklung bis zur Synode von Konstantinopel. 45 



€f.iotog icar^ ovoLäv £x rov TtaxQog; aber er ist niclit ö(.ioovaiog oder 
"vawoovGiog. Die Frage war jetzt, ob oj-toiog oder Ofiotog '/Mx 
ovoiav'^ Von selten des Kaisers, der aber ouoiog für genügend hielt, 
■wurde Frieden erstrebt auf der 4. sirmischen Synode mit der 
-3. sirmischen Formel (358) und auf der Doppelsynode zu Ariminum 
und Seleucia (359). Hier wurde die am Hof ausgearbeitete 4. sir- 
mische Formel (Hahn § 163) akzeptiert. Der Begriff ovoicc wird ver--- 
boten, dagegen konzediert: of.wiov ös leyof-icV rov vlbv tcJ» Ttargl 
^aiä 7idvrai cog al aylat yqacpai XeyovoL. Zu Nike wurde die Formel 
-etwas modifiziert, -/.aTCc rtdvra fiel fort. Zu Konstantinopel (360) 
wurde beschlossen, von ovoLa uüd vrcöoxaGig soll nicht weiter die 
IRede sein, der Sohn ist nach der Schrift dem Yater of.ioiog (Hahn 
:§ 167). Also endete die Bewegung freilich mit dem x4.usschluß der 
Anhomöer, aber doch mit einem Sieg des gemäßigten Arianismus. ' 

7. Der Sieg der Arianer war nur scheinbar. Gerade dieser Sieg 
trieb die homoiusianisch gesinnte Majorität der Bischöfe der Rechten 
in die Arme. Athanasius kam ihr entgegen. Hilarius, 356 nach 
Kleinasien verbannt, lernte dort den Homoiusianismus schätzen und 
hielt seine Yerbindung mit der Homoüsie. für nötig. Nihil simüe 
-siM seeundum naturam esse posse, nisi quoä esset ex eaäem natura 
(de syn. 91). Ariani non estis, cur negando homousion censemini 
Ariani (ib. 88)? Er eröffnete, den Abendländern das Verständnis des 
Homoiusianismus. — Auf Oonstantius folgte 361 Julian Apostata, 
A-thanasius kehrte nach Alexandrien zurück. 362 hielt er eine Synode 
zu Alexandrien. Die Homoiusianer wurden jetzt anerkannt, man 
-dürfe von TQelg VTtooxdasLg reden, wenn man sie nicht als öidcpoooc 
^voLai oder xQelg aQXccl "/.al -9-eol, sondern als df.ioovaiOL denkt; 
-ebenso könne aber bei Gleichsetzung von VTtOGTaatg und ovGicc auch 
fila VTtÖGxaGig gelehrt werden. Die Synode stellte außerdem die 
Hqmousie des Geistes fest und bekannte die Seele Christi. Die 
Leugner der Gottheit des Geistes (Pneumatomachen) wurden erst 
später „Macedonianer" genannt, nach Macedonius v. Konstantinopel. 
Es hat Homoiusianer gegeben, die so vom Geist lehrten. Aber schon 
Oyrill V. Jerusalem hat ihn als persönliches Wesen, das ewig mit 
dem Vater und Sohn ist, verstanden (cat. 17, 5. 13. 33 f.). — Julian 
Terbannte wieder Athanasius, Jovian rief ihn zurück (363). 363 wurde 
zu Alexandrien wieder der nicänische Glaube bekannt, ebenso zu 
_Antiochien (6f.ioouGiog = of.ioiog '/.at' ovGiav). 

8. Die drei Kappadocier brachten die neue vermittelnde 



46 § 17. Die weitere Entwicklung bis zur Synode von Konstantinopel. 

Theologie zur Herrschaft, indem, sie die Homousie im Geist des 
Origenes interpretierten. Sie gehen aus von den drei VTCoatdasi^ 
oder TCoÖGWTCa, die als drei individuelle Personen wie Paulus, Petrus,^ 
Barnabas gedacht werden. Jede Person hat ihre iöiOTrjg : IlÖcov öh 
TcazQog f] äysvvi]ala, vlov öe ^ yevvrjola, Ttvsvf-iaTog de ?; ey.7te(j.^ig^ 
(Greg. Naz.) : das sind die tQonoi, zfjg VTtdQ^scog (Amphilochius). Diese 
drei Hypostasen bilden aber eine ovaia, -d-eoTrig, g)V(Tig, indem sie die 
gleiche kvegyEia und aE,La haben. Die Begriffe ovoLa und VTtöotaoig 
werden scharf unterschieden als vMLvöv und LÖiaC,ov. Das Verhältnis 
der sveQyeiav; ■vavzÖTTjg und der 6f,ioi:if.iia nennt man jetzt Homousie- 
TavTÖrrjza Ss zfjg (pvoecog öf.wXoyovvTEg -/.al lo öf.wovaiov sxdsxöjusd-a, 
... 6 yao 'Aat' ovoiav d-eog tq) xar^ ovoLav -d-eG) öfioovaiög eortv 
(Bas. ep. 8, 3). Man dachte, die rechte Mitte zwischen Arianismus 
und Sabellianismus gefunden zu haben. Die arianische Beschuldigung 
des Tritheismus widerlegte man durch die Autorität der Schrift und 
die Erwägung, daß Gattungsbegriffe (Gott, Mensch) eigentlich keinen 
Plural zulassen (bes. Greg. Nyss.). Eine Homousie wie zwischen Adam,. 
Eva und Seth liege vor. — Die Homousie des Geistes wurde eingehend 
erwiesen (bes. Basil. de spir. s. ; Greg. Naz. or. 31). Der Geist ist 
eine Hypostase wie der Vater und der Sohn, durch die die eine 
göttliche eveQyeia in der Weise des tsXsiovv wirksam wird, "^H 
Tolvvv ööbg Tfjg -d-eoyvojaiccg eotlv ano evbg 7tvsv(.iaTog öicc %ov 
h'bg vlov €7tl %ov eva TcareQa, "/.al avaTtaliv i] cfvatyii] ayadÖTrjg 
y.al y.aTo. (pvGiv äyiaoi-iog y.al to ßaoLlL'/.ov ä^uoi.ia h. TCazQog öiä 
Tov uovoyevovg ItzI to 7rv£vf.ia diij'ASL (Bas. de spir. 18, 47). Das 
Verhältnis zum Vater wird durch ey.7tef.iipig und sycTVÖQSvGig ausge- 

/■ drückt, aber diese geschieht öiä TOV vlov. — Diese neue Deutung des 
I^icänums und des öfWOvffLog unterscheidet sich deutlich von dem 
ursprünglichen Sinn, statt des seinseinen dreifaltigen Gottes lehrt 

--^ man jetzt den seinsgleichen dreieinigen Gott. So fielen die Bedenken 
vor Sabellianismus fort. 

9. Valens verfolgte alle Nichtarianer. Im Abendland kam die 
Orthodoxie wieder in die Höhe untei: Valentinian I. und seinem 
Sohne Gratian und Valentinian II. Eine römische Synode unter 
Papst Damasus bekannte, Vater und Sohn seien unius essentiae sive 
substantiae, simul et spiriius sandus (369 oder 370). Theodosius 
der Gr. erhob auch im Orient die römisch-alexandrinische Ortho- 
doxie zum Staatsgesetz (380), im übrigen schonend vorgehend. Die 
Synode zu Konstantinopel (381) stellte zwar kein eigenes- 



§ 18. Der Abschluß der Trinitätslehre. 47 



Symbol ^) auf, aber bekannte den nicänisclien Glauben. Das Nicänum 
hatte gesiegt, aber die Kappadocier haben Athanasius verdrängt. 

§ 18. Der Abschlufs der Trinitätslehre. 

Johanne s"v. Damaskus (f nach 754) De fide orthodoxa bei Migne 
gr. 94ff.; vgl. J. Langen, Joh. v. Dam. 1897. F. Kattenbnsch PRE. IX, 
286ff. J. Bilz, Die Trinitätslehre des h. Joh. v. Dam. 1909. — Angustinus 
(t 430), s. bes. De trinitate libr. 15; Ep. 120. Vgl. Thomasius DG. P, 281 ff. 
Seeberg DG. 11^, 134ff. Über das Athanasianura s. Burn, the Athanasian 
Creed and its early commentaries' 1896. L o o f s PEE. II '\ 177 ff. H. B r e w e r , 
Das sog. athanas. Glaubensbek. ein Werk des h. Ambrosius 1909. 

1. In dieser !Porm ist die Trinitätslehre zur Lehre der griechischen 
Kirche geworden. Durch Trith eisten wie Johann es Askusnages 
und Johannes Philoponus (um 600) ward man aber zur Vorsicht 
gemahnt. Johannes v. Damaskus lehrt : Vater, Sohn und Geist 
sind TQsZg VTCOOTCcastg und f.ila ovoia, nicht aber ,u/a VTtooTaGLg oder 
ev TtQOOioTtov. Also : ev tqlgI reXsiaig VTtooxdGeai f.ilap aTtXfjv ovalav. 
Die drei Hypostasen sind hinsichtlich der ovaLa, S-elrjaig, dvva^iig, 
ßaaikela eins, unterscheiden sich aber durch die tqönoL VTiaQ^BCog 
(ccyevvi]ola, 'yevvi]Gig, e'HTtÖQSvaig). Kaxa Ttdvra ev slglv . . . jtXtjv 

1) Das sog. Nicaeno-Constantinopolitanum (auch bloiJ Nicaenum) ist nicht 
das Bekenntnis dieser Synode. Das Bekenntnis wird schon 374 von Epiphanius 
(ancorat. 119) zitiert, nach 500 kam es allgemein in Gebrauch und verdrängte 
das Nicänum. Vgl. P. Caspari in Ztschr, f. luth. Theol. 1857, S. 634; Quellen 
etc. I. Hort, Two dissertations 1876; HarnackPEE. XI, 12ff.; J. Kunze, 
Das nicän.-konstantinop. Symbol 1898 (Studien III, 3). E. Kattenbasch, 
Das apost. Symb. I, 233ff. F. Bethune-Baker, The meaning of Homousios 
in the Constant. Creed (Texts and Studies) 1901. Der Wortlaut ist: Utarevouer 

eis tva debv natsoa Tiamoy.^äioQa, noiriirjv ov^avov y.ai yris, boarcwv re Ttävrcov 
y.al äo^dicov. KaX eis eva avotov 'Ii]aovv X^iatöv, töv vlbv lov ■d'eov röv ftovo- 
yevTj, TÖV sy. xov TCaiQbs yEVvrjüevra TtQo ndvicov Tßv cilcbvcov, (fäs sy. fcorös, ■d'söv 
äXrjdwbv ty, Ssov äXrjd'ivov, ysvvrj&svra oü Ttoiriü'evTa, buoovaiov reo Ttar^i, Si ov roL 
Ttd-vra sysvETO' tbv Si fifiäs zovs ävd'^coTzovs y-ou 8td tijv rj/LisTsoav acoTrjoiav y.aiek- 
■d'övra sy. iwv oiqaviöv y.cCi aaQy.co&evTa ix TivsvfiaTOs äyiov y.ai Marias ifjs Ttaodevov 
y.al s.vavQ'qcoTiriaavnca, axavqcoQivta rs ineg Tjfiaiv eTtl JJovt'iov JJiJ.dxov, y.ai Tta-d'öfTa 
xai tafpsvta y.qX dvaaxdvta Tij rgirrj fj/.ieQq y.ard xdg y^acpdg' y.al dve'/.d'övTa als 
10VS oipavoiis y.al y.aü'it,6usvov sy. SsSitSf tov Tvar^bs y.al 7td7.iv SQ'/öfisvov fisTcL 
Sö^tjg y.Qlvai t,(ävtas y.al vsy.Qovs, oi) rijs ßaaikeias oiy. earat reXos. Kai eis tb 7iVEv/xa 
10 äyiov, TÖ xv^iop, xb t,(oo7ioi6v, xb ek xov TiaxQbs sy.TiOQEvöuEvov, xb avv Tcaxol y.al 
vtcS ovfiTT^oay.vvovfievov y.al awSo^at,6/.iEvov, xb Xalfjaar Siä. xü>v TCQOfprix&v • eis 
filav ayiav y.adoXiy.rjv y.al UTtoaxokiy.Tjv Ey.y/.7]alav • Ofioloyov/UEV ev ßdTtxiafta eis 
ä<peaiv äfca^xiäiv TCpooSoxcöusv dvdaxaoiv vsxoßv y.al ^cot]v xov ^eXXovxos aicövos'- 



48 § 15. Der Abschluß der Trinitätslehre. 



zfjg ayevvriGiag y.al Tfjg yfivvjjvewg xal rrjg s-^7toQevaecog ' ETtivoia de 
rb öifjQT^f.ievov • eva yaq dsov ycvd)ay,ofisv, sv f-iovaig ös rälg iöiÖTrjGt 
Tfjg TS TrazQÖrtjTog Y.al zfjg vlozrjzog '/.al zfjg sy.7t(>QsvG80)g (I, 8). Das 
Verhältnis der drei Hypostasen untereinander ist eine gegenseitige 
Durchdringung: zijv iv alhjlaig 7t6Qiyji)Q'}]0LV eyßvoi öLya jtdorjg 
€vva).OL(f'T]g /.ai ov^upvoaecog. — Indem der Vater aber als aQX'^ der 
Gottheit gedacht wird, wird der Ausgang des heil. Geistes auf ihn 
zurückgeführt, „durch den Logos" (I, 12). Daran schließt sich der 
konfessionelle Hader über das „Filioque" im Symbol. 

2. Augustin geht von dem einen Gott aus, der die Trinität 
ist : ünus qidppe deus est i'psa irinüas et sie unus deus quomodo unus 
Creator. Der eine Gott hat eine Substanz, Natur und Wirkung. 
Inseparalüia sunt opera- irinitaiis (c. serm. Ar. 4). Nach der Substanz 
sind die drei Subjekte schlechthin identisch. Gott ist also Gott als 
sein eigener Vater und sein eigener Sohn. Die drei Personen sind 
aber different, indem sie in einer di'ieifachen der Gottheit immanenten 
Relation bestehen (zeugend, gezeugt, spiriert). Quavnvis diversum sii 
patreni esse et filium esse, non est tarnen diversa substantia, quia hoc 
non secundum substantiam dicuntur, sed secundum relativum, quod 
tarnen relativum non est accidens, quia non est mutdbile (trin. V, 5, 6, 
vgl. alius non aliud civ. dei XI, 10, 1). Doch zweifelt er an der Fähigkeit 
der Sprache, das Verhältnis auszudrücken : Jawew cum quaeriiur: quid 
tres, magna prorsus inopia humanum läborat eloquium. Dictum est 
iamen tres personae, non ut illud diceretur sed ne taceretur (trin. V, 
9, 10). Zur Erläuterung seiner Meinung verweist Augustin auf die 
menschliche Seele, sofern bei ihren Akten sie sowohl Subjekt als Objekt 
und in der Vereinigung beider eben sie selbst ist (Anschauung, Gedanke, 
Liebe, z. ß. amans et quid amatur et amor). — Augustin hat die 
Einheit Gottes energisch in den Vordergrund gerückt. Die abend- 
ländische Trinitätslehre ist der athanasianischen verwandt und von 
der kappadocischen verschieden : Ter dixi deus, sed non dixi tres deos, 
magis enim deus ter quam du tres, quia pater et jilius et Spiritus 
sanctus unus deus: hoc optime nostis (in Joh. tract. 6, 2). 

3. Das Symbolum Quicunque, das sog. Athanasianum, hat die 
augastinische Trinitätslehre unter dem Namen des Athanasius wieder- 
gegeben : Ut unum deum in irinitaie et trinitatem in unitate veneremur, 
neque confundentes personas neque substantiam separantes. Alia est 
enim persona patris, alia filii, alia spiritus sancti, sed patris et filii 
et Spiritus sancti una est divinitas, aequalis gloria, coaeierna maiestas. 



§ 19. Die christologischen Gegensätze. 49 



'Qualis pater talis filius, talis et spirüus sancius . ... et tarnen non 
ires aeierni, sed unus cteternus, sieut non tres increati nee tres immensi, 
sed unus increatus et unus immensus . . . ., non ires omnipotentes, 
^ed unus omnipotens .... Filius a paire salus est, non f actus, non 
creatus, sed . genitus. Spiritus sanctus a paire ei filio non f actus nee 
'Creaius nee genitus est, sed procedens . . . Est in hac trinitate niMl 
prius aut posterius, nihil maius aut minus, sed iotae tres personae 
■toäeternae siii et coaequales, ita ut'per omnia, sicut iam supra dictum 
■est, et uniias in trinitate et trinitas in unitate veneranda sit. Qui vult 
.£rgo salvus esse, ita de trinitate sentiat. 



Zweites Kapitel. 
{)as christologische Dogma. 



§ 19. Die christölogiselieii Gegensätze. 

Apollinaris v. Laodicea (geb. 310), Kazä fts^og niang, De fide et 
incarnatione fragm., De unione und viele Fragmente, s. H. Lietzmann, 
Apoll. V. Laod. u. seine Schule I, 1904. — Athanas. c. ApoUinar. (Echtheit be- 
zweifelt) Tgl. bei Epiphan. h. 77. Greg. Naz. ep. ad Nectarium, epistolae ad Cle- 
•donium. ' Greg. Nyss. Antirrheticus c. Apollinar. Theodoret, Eranistes dial. 5. : 
iaeret. fabul. IV, 8, Theodors v. Mopsuestia Ergg. aus c. Apollin. und de 
ApoUinari. — Die Antiochener Eustathius v. Antiochien (-{- 360) Mio-ne 
18, 677 ff. Diodor V. Tarsus f vor 394, Erg. b. Migne gr. 33, 1559 ff., vgl. 
flarnack, Diodor v. Tarsus 1901. Theodor v. Mopsuestia f 428, s. Migne 
-gr. 66; die dogmat. Fragmente bes. aus de incarnatione und c. Apollin. b. Swete, 
Theod. comm. in ep. Pauli II, 289 — 339; auch Theodoret, s. Migne gr. 80 
iis 84. — Cyrill V. Alexandrien, seit 412 Bischof, f 444. Migne gr. 68—77; 
.«. bes. Quod unus sit Christ., Dialog, de incarnat. unigeniti. De incarn. verbi. 
De incarnat. domini. Adv. Nestorii .blasphemias 11. 5. Quod s. virgo deipara 
•sit. Liber adv. nolentes confiteri s. virg. esse deiparam. Explicatio duodecim 
-capitum. Apologetic. pro duodecim capitibus. Apologet, c. Theodoret. De recta 
fide ad reginas 11. 2. Frgg. ex libris c. Theodor, et Diodor. Ep. 1 ff. ep. 17 ad 
Nestor, epp. 45. 46 ad Succensum,' bei Migne t. 75 — 77. Yg\. Loof s, Leontius 
y. Byz. in Texte u. Unte-3. III, 1, S. 40ff. G. Krüger PKE. IV, 377 ff. 
A. .Eehrmann Die Christof, des h. Cyrillus 1902. — Hilarius v. Poitiers 
<t 366), De trinitate, Migne lat. 9. 10; vgl. F. Löof s PEE. VIII, 57 ff. — 
Ambrosius, s. bes. De fide ad Gratian.; De incarnationis sacrainento, bei 
Migne lat. 14— 17. — Augustin s. unten. — Vgl. Thomasius DG. P, 
313ff. Loofs DG* S. 261ff. Harnack DG IP, 321ff. Seeberg DG. ip' 
155 ff. 0. Scheel, Die Anschauung 'Augustins über Christi Person u. Werk 
Seeberg, Grundriß der Dogmengeschichte. 4. Aufl. 4 



50 § 19- Die christologisclien Gegensätze. 



1901; Scheel, Zu Aug. Anschauung d. Erlösung durch Christus in Stud. u. 
Krit. 1904, 401 ff. 491 ff. 

1. Nachdem die göttliche JEomousie des Logos festgestellt ■worden 
war, schob sich naturgemäß die Frage nach dem menschlichen Leben 
Christi in den Vordergrund. Schon Eustathius von Antiochien 
lehrte, daß der Logos den ävd-QCOftog xov Xqlgtov mit der ipv%ri 
loyixri zu seinem Tempel und Organ gemacht habe. Lucian und 
Arius hatten gelehrt, daß der Logos nicht Bvav-d-QCüTti^aag, sondern 
nur aaQ'/iCüdsig war, d. h. keine menschliche Seele angenommen habe^ 
Von der platonischen Trichotomie ausgehend nahm Apollinaris>' 
ein strenger Nicäner, diese Anschauung auf. Es kam ihm darauf an, 
daß der Mensch Jesus durch svcoaig (jPDfftxij mit Grott verbunden und 
eins mit ihm geworden sei (-d-sog evoaQTiog,^ S^eiKi] odq^). Der Gott- 
mensch im antiochenischen Sinn sei ein Unding wie der Minotaurus, 
ort ovo fäleia ev yeveo&ac ov övvaraL. Die lEinheit der Person 
Christi ist nur aufrechtzuerhalten, wenn man den Logos nur öctq^ 
oder Leib und Seele, nicht aber auch den menschlichen vovg, annehmen 
läßt. So kommt man zu -einem TtQOGCOjtov. Der göttliche Logosgeist 
durchdringt und bewegt die odQ§ so, daß aus ihnen ein konkrete» 
'Wesen wird. Daher soll man nicht zwei Naturen bekennen, sondern 
ulav (pvGiV toD -d-eoö Xöyov GsoaQ'jiO)f.i£vrjV. Die nicänische Erkenntnis 
ist hier zur Zerstörung des historischen Christus fortgeführt. 

2. Die athanasianische Erlösungslehre forderte aber die Integrität 
der menschlichen Natur Jesu. Von hier aus haben- besonders die 
Kappadocier ApoUinaris bekämpft. Zu Alexandrien 362 (§ 17, 7),. 
zu Hom 374 un^ 377, ebenso 382 zu Könstantinopel wurde 
der ApoUinarismus verworfen. 

3. Zwei Lehrformen traten nun auf dfen Plan. Die erste ist die 
antiochenische. In Christo sind zwei .Te'Aetcc vereinigt. Gottheit 
und Menschheit sowohl nach selten der cpvoig wie des TVQÖGcOTtov : 
avd^QCüTtov TsXeiov Trjv cpvGiv Ix ipvyjfjg xe voeQäg xai GaQy.bg gws- 
GTÖJxa avd-QWTtivrjg (Theodor). Ebenso : oxav uhv rag cpvGstg öiaxQivsiv 
7ieiQ(b(j.ed^a, xäXsiov to jtqÖGconöv (pa(.tev eivac %o rov avß-QtoTCov, 
veKEiOV de xal xo xf^g d-eoxr^zog (Theodor). Von einer Menschwerdung 
kann nur '/.arcc xb öo-ASlv geredet werden. Der Logos vereinigte sich 
im Leibe der Jungfrau xaQLXi 'Aai svöoyJa mit dem Menschen Jesus» 
Er wohnt in ihm wie in einem Tempel und bestimmt das "Wollen des 
Menschen Jesus, das aber or/.£tg TCQO&eOBi dem Logos gehorcht. Eine 
Gvvdg)Sia und "Willenseinheit besteht zwischen beiden. Vermöge einer 



§ 19. Die christologischen Gegensätze. 51 

solchen (.ild S-eXrjOig und [.lia kvegyeia werden die beiden Naturen, 
obwohl , i-jiccGTrjg rcov cpvaecov aöiaXvrcog kcfi' iccvTfjg (.isivdor^g, rwv 
fpvaeoiv diayie'KQif.i€VCov, in ihrer Verbindung eine Pers'on: awax- 
d-elaai ixt (pvosigev TCQÖooijtov '/.axa tt/v svcoaiv ccTteTeXeoav (Theodor). 
Aber die bei der Geburt Christi vollzogene svcoaig beider Ifaturen 
ist der Grund der Person einheit : una existente persona, quam adunatio 
naturarum effecit. • Diese an sich seiende Einheit wird nach der be- 
• sonderen Art ' beider Naturen in der Weiso der Willensgemeinschaft 
konkret realisiert. '■ — Daher war nach Hebr. 2, 9 die Gottheit am 
Leiden nicht beteiligt, Maria die av^QCOTioz6'/.og kann nur in über- 
tragenem Sinne -d-EOToyJog heißen ; ebenso kann nur indirekt dem 
Menschen Jesus Anbetung gezollt werden. Adoramus furpuram propter 
induium et templum propter inhäbitatorem, formam servi propter formam 
dei (Diodor). Die Antiochener haben den uralten Gedanken, daß Gott 
einen Menschen annahm, wissenschaftlich durchgeführt. Diese Christo- 
logie- steht nicht im Gegensatz zu der Homousie, sondern korrespondiert 
ihr besser als die Idee der Menschwerdung. 

- 4. Dagegen wollten die Kappado^cier die beiden Naturen in 
abstracto zwar unterscheiden, sie aber in concreto als Einheit fassen : 
ovo q)va£ig eigev ovvÖQ(xf.LOvoai, so daß eine Vereinigung xar' ovaiav 
zustände kommt (Greg. Naz. ep; 101, 5).~ Von einer }.ii§ig und 
y.Qäaig, einem f.iSTaTZOirjd-fjvat redete man. "'Äk'Lo /.ihv '/.at alXo tcc 
eS u)v 6 awxriQ, . . . ovvi äXXog ös yial äXXoQ' f.ii] yevoiro.- Ta yaq 
äf-icpÖTega ev t^, ovyy.QCcast ■d-eov f.i£v kvavd-QtoTt^oav'rog, avd-Qcbrtov 
de d-Eiod-ivTog (Greg. Naz.). Daher yevvrjaig ■d-eov und Maria '9-60- 
TOnog, ebenso S-sbg ^s-9yrjy.e (Greg. Naz.) Dagegen hat Gregor v. Nyssa 
die Einigung der beiden Naturen durch die Aktivität der einen und 
die Passivität der anderen sich vollziehen lassen : ■^ occQ^ naS-rjTiyfjg 
eOTi (pvoecog, eveQyrjTLy.fjg ös 6 Xöyog (c. Eunom. VI); Die Eigen- 
tümlichkeit des menschlichen Lebens Jesu soll während seiner Erden- 
zeit erhalten bleiben, erst nach der Auferstehung vollendet sich die 
Vergottung der menschlichen Natur. Amphilochius :' aig eV nooawTCOv 
GvVTsXovGiV al ÖLZzal q)vaeig. — Auf der Linie Gregors von Nazianz 
bewegt sich auch Oyrill. Cyrills Grundformel ist die apollinaristische 
f.ila cpvaig Tov -d-sov Xöyov a£GaQy.a)f.i€vrj. Beide Naturen 
sind und bleiben TsXsia, Christus ist öf.ioovGiog xf] (.ir]XQi wg X(p 
TtaTQL. Die evcoGig zwischen beiden ist keine GvyyQUGig,' aber auch 
keine dvvdfpsia.. Es sind in abstracto zwei Naturen, die aber in con- 
creto ein Wesen oder eine Natur bilden, das bedeutet Axq evooGLg 

4* 



52 § 20. Nestorius und Cyrill. Ephesus 431. 



y.a-y VTtoG^aoLV, evcootg cpvoiy.i], ivco^elg '/.axa cpvaw, ytarcc aAi]- 
Ssiav. In der Kommunikation ihrer Idiome stellen sich beide 
Naturen dar als /.lia cpvacg aEaaQyxof.i€Vi]. Das Motiv, dieser Auf- 
fassung besteht darin, daß so Gott selbst in dem geschichtliehen 
Christus wirksam wird : ov-aovv ovy. Ixvd-QOJTtog ߣßaaiket>y.ev ecp^ "yjuag, 
■d-sbg de /.lällov sv avS-QOJTtÖTrjTi itecprjvwg. Demnach ist Christus 
ein "Wesen (nicht dLTCQÖGcortog): e/. ovo y.al öiacpoQcov cpvaswv 6 elg 
y.al i-iövog earl XQio%6g. ^'Avd-qcoTtog /.lev. e^cod-sv ■d-ecoqovuevog, sv-. 
öod-ev de S-sog vTtdqyiijDV aXi'i'd-LVÖg. Cyrill will ein einheitliches gott- 
menschliches Leben anschaulich machen. Alles Handeln wie Leiden 
Christi soll göttlich und menschlich zumal sein, ovde yaQ ko%i dmXovg 
6 elg y.al /.lövog XQiozög, xäv ex ovo vor^tau y.ai .öiaq)öq(ov ngay- 
(.idzcov. Daher ist Maria die -d-eozötog. Freilich vom Standort der 
Gottheit her gilt : arcad-wg eTta&ev. Cyrill war also ein Monophysit, 
der aber prinzipiell antiapoUinaristisch oder dyophysitisch lehren wollte. 
5, Die Abendländer kamen her von dem christologischen 
Schema/ Tertullians (oben § 11, 3 d). Hilarius unterscheidet die 
natura liominis und die natura dei, die eine Person hatten (utriusque 
naturae persona). — Ambrosius bewegte sich in den Gedanken 
Tertullians : unus in utraque loquiiur, quia in eodem utraque natura 
est. ütrumque unus et unus in utroque. — Ähnlich wieder 'Augustin': 
Christus una persona est geminae subsiantiae, quia et deus et homo 
est. In unitate personae copülans uiramque naturam. Das ist . der 
Jiomo-deus : in hae persona mixiura est dei et liominis. Doch sollen 
die Naturen nicht vermischt werden : idem deus qui homo et qui deus 
idem homo non confusione naturae sed unitate personae. Aber Augustin 
hat auch ein kräftiges Empfinden für die Menschheit Jesu gehabt 
(vgl. Verlum dei habens hominem, in Job. tcact. 19, 15 cf. Hilar. de 
trin. X, 22). Sie war ihm unser Weg zu Gott : divinitas eius quo 
imus, humanitas eius qua imus. — Für das durch Apoliinaris an-, 
geregte Problem hatten die Abendländer keine Antwort. 

§ 20. Nestorius und Cyrill, EpEesus 431. 

Über Nestorius s. Socr. h. e VII, 29 ff., die Briefe Oaelestins; seine'Schriften 
u. Fragm. aus ihnen bei Loofs, Nestoriana lß05. Vgl. Loofs PEE. XIII*, 
736 ff. S. F. Bethune-Baker, Nestorius and Ms teacMng 1908. Nau., Le 
livre d'Heraclide de Damas 1910. L. Eendt, Die Christologie des Nestorius 
1910. P. Junglas, Die Irrlehre des Nestorius 1912. Hefele CG. II, 149 ff'. 
W. Kraatz Kopt. Akten d. ephesin. Synode von 431, 1904. Thomasius 
DG. P, 335 ff. Harnack DG. IP, 355ff. Seeberg DG. IP, 196ff. 



§ 20. Nestoriüs und Gyrill. Ephesus 431. 53 

1. Im Jahre 428 wurde Nestoriüs von Antiochia nach Kon- 
stantinopel berufen. Er griff den bräuchlich gewordenen Ehrentitel 
der Maria -d-eOToy.og an ; sie sei nur ■d-eodöxog und XQiGTOTO'/.og. Gott- 
heit und Menschheit in, Christo seien auseineinänder zu halten, aber 
Nestoriüs lehrt durchaus in der Weise der antiochenischen Lehre, daß 
der Logos sich mit dem in Maria erschaffenen Menschen von der 
Empfängnis an vereinigt habe. Die beiden so geeinigten Naturen 
sind aber nicht miteinander vermischt, sondern der Logos wohnt in 
dem Menschen wie in einem Tempel. Daher : divido naiuras et coniungo 
revereniiam. Heftigem Widerspruch gegenüber konzedierte er : geniirix 
dei . . . 'pr Öfter unitum Verbum templo. 

2. Oyrill von Alexandrien versuchte der Theorie des Nestoriüs 

.!■..■ 

irreligiöse Konsequenzen zu entnehmen : Christi Leiden wäre rein 

menschlich, ein Mensch wäre „Weg, Wahrheit und Leben", wir 

würden auf einen Menschen getauft und empfingen Menschenfieisch 

im Abendmahl. Schrift und Tradition wissen nur von einem Christus, 

dem sie Idiome und Taten beilegen, ohne in dieser Beziehung die 

Naturen zu unterscheiden. 

3. Cyrill verstand es, Caelestin von ßom gegen Nestoriüs 
einzimehmen (430). 

4. Cyrill richtete nun zwölf Anathematismen wider Nestoriüs 
(Synode zu Alexandria 430): Maria ist d'eoTOY.og. EaoY.l -/.aS-^ 
VTtoGTaOLV rjviba^aL %ov . . Xöyov. Die beiden VTtooxdoeig Christi 
dürfen nicht vfj GwafpeLa xj] vMxh ttjv ä^lav ijyovv avd-svxLav 7] 
dwaoTsiav verbunden werden, sondern durch evcoaig cpvGL'/Xi. Die 
Schriftaussagen' dürfen nicht TtQoawTtoig övaiv ijyovv üTtoordOEGL 
verteilt werden, Christus ist nicht ■d'eo(fi6Qog avd-qcoTtoc, der ange- 
nommene Mensch ist nicht nur Grott zu nennen. T'i]v rov y.vQtbv gccqym 
CcüOTtOLOV eivac und zbv zov -d-sov Xöyov Tta&övra GccQyil y.ai eOTCWQCo- 
f.i€VOV goqkI y.al ■d-avccTOv yevGd(.ievov GaQxL — Nestoriüs antwortete 
mitiipwölf Gegenanathematismen: Christus ist Emmanuel, deus nöbis- 
cum, Maria ist nicht Mutter dei Verhi, sondern des Emmanuel. Si 
quis ... divinae naturae carnem capacem dixerit . . . eandemque ipsam 
naturam et deum dicat et Jiominem, anathema sit : Christus ist einer 
seeun'dum coniunetionem, nicht secundum naturam ; die Worte der 
Schrift sind nicht auf una natura zu beziehen oder dem Logos 
passiones beizulegen : si quis post assumtionem hominis naturaliter dei 
filium unum esse audet dicere , cum sit et Emmanuel a. s. ; der 
aus der Jungfrau Erschaffene ist nicht der unigenitus, er hat nur 



54 § 21. Der eutycManisclie Streit u. die Synoden zu Ephesus u. Chalcedon. 

durch Vereinigung mit dem unigeniius teil an seinem Namen erhalten ; 
die forma servi ist nur wegen dieser Yerbindung zu verehren; das 
mit dem Logos vereinte Fleisch ist nicht ex naiUrae passihüitate vivi- 
fieatrix ; die Leiden sind nicht dem Logos zuzuschreiben sine' dis'cre- 
tione dignitatis naturarum. . , . . 

5. Die allgemeine Synode zu Ephesus (431) verlief sachlich 
resultatlos. Die Partei Cja-ills (Memnon von Ephesus) verdammte 
Nestorius und setzte den neuen Judas ab. Die Freunde des Nestorius 
(Johann von Antiochien) verdammteil dagegen und setzten ab Cyrill 
und Memnon. Beide Parteien appellierten an den Kaiser Theodosius. 
Nestorius ging in ein Kloster, Cyrill und Memnon wurden restituiert. 
' 6. Der Friede sollte durch ein wahrscheinlich von T.heodoret 
von Kyrrhos vei-faßtes Unionssymbol (433) hergestellt werden : öf-ioXo- 
yovfiev Tov vjjqiov rji-iwv ^ItjgovV: Xqioxov, rbv vIq,v tov ■d-eov rov 
uövoyevfi, -d-eov xelsiov Y.al avd-qcoTtov rsXeiov Iv. ^pvxfjg loyi'/.fig 'Aal 
acbuarog' tzqo alchvcov fihv Iv. rov TtaxQog yevvr^&EV%a ■Kaxa ti]v -Seö- 
rrpca, STt' kayßxcov de xCbv ■^f.ieQcov ... Ix Mag lag Tfjg jtaQ-9-evov '/.axa 
zijv avd-QWTtoTTfia' oLioovOLOv xq) TtaTQL xbv avxov y.axa xrjv ■d-eöxr^xa 
y.al biiOOvoLov fi^lv y.axa xi]v ävS-qcofCÖxrjxa. J6o yaq cpvasojv evwOLg 
ysyove' öib eva Xqloxöv, eva vlov, eva xvqlov bf.ioXoyov(.iev. Kaxa 
xavxYjv xi]v xf^g aavyyvxov ivcoaecog svvoiav bf.io)LoyoDf.iev xijv äyiav 
Ttagd-evov d-eox6'/.ov, . . . k^ avxfjg xrjg ov}J'.Tq\pe(jog ivcbaat iavxq) xbv 
IB avxfjg Iricpd-evxa vaöv. Tag de evayyslLxag y.al ocTioaxohxccg TceQi 
xov kvqIov cpcovag Ya{.uv xovg -d-eoldyovg avdqag xag fiev y.oivoTtoi- 
ouvxag wg ecp^ ivbg TtQOOcjTtov, xag de ötcciQovvvag cog e^l ovo cpv- ' 
Geojv, y.al Tocg uev -d-eoTcqeTteig y.axa xip d-eoxrixa xov Xqigxov, xag 
ök xarceLvag y.axa xi]v avd-QioJtöx^-jxa avxov rtaoadiöövxag. — Beide 
Parteien konnten ihre Lehre in dena Symbol finden, die " Extreme 
waren abgeschnitten. Nestorius und die Nestorianer wurden verfolgt. 

v^ 21. Der eutychianische Streit und die Synoden zu Epli%sus 

und Chalcedon. 

Majisi Acta concil. VI. VII. Die Briefe Papst Leos. He feie CG. II, 
320 ff. Loofs PRE. V, 635 ff. Vgl. G. Krüger, Monophysit. Streitigkeiten 
im Zusammenh. mit d. Eeichspolitik 1884. Ph. Kuhn, Die Christologie 
Leosl. d. Gr. 1894. Haase, Patriarch Dioskur I. 1908. Harnack DG. II*, 
368ff. Seeberg DG. IP, 236ff. 

1, Der Archimandrit Eutyches in Konstantinopel wurde von 
Eusebius v. Doryläum als Gregner des Unionssymbols denunziert (448). 



§• 21. Der efltychianische Streit u. die Synoden zu Ephesüs u. Chalcedon. 55 

Er erklärte : bi-ioloyd) ex ovo cpvaecov ysysvfjad-at xov xvqlov rjfiöbv 
otQO zfjg Evcboewg, fiecä öe 'ti]V svcöaiv fiiav cfvatv öj-ioloyCo, und : scog 
Ci]f.ieQOv ovK SLTiov to ocüucc zqv TivgLov xai -d-sov fjuCov öuoovGiOV 
■fl(.Llv. Eufyches wurde exkommuniziert. Aber D i o s k u r von Alexan- 
•drien hielt es für praktisch sich auf seine Seite zu stellen. Fla vi an 
von Konstantinopel und Leo von E,om standen wider ihn, 

2. Leo legte seine Ansicht dar in der e'pisiuld dogmati(fa (ep. 28) : 
Die beiden Naturen oder Substanzen Christi bleiben was sie waren, 
-gehen aber in eine Person zusammen : salva igiiur proprietaie 
utriusque natvllrae et substaniiae et in unam coeunte personam, sus- 
cepta est a maiestate humüiias etc. Nach der Menschwerdung ist 
nur eine Person da, deren Naturen aber in wechselseitiger Gemein- 
schaft handeln: agit enim uiraque forma cum alterius eommunione 
quod proprium est, Verbo scilicet operante quod Verli est et carne exse- 
quenie quod carnis est. TJnum Jiorum coruscat miraeulis, aliud suc- 
cumbit iniuriis. Daher ist Eutyches im Unrecht : weder gab es vor 
der Menschwerdung zwei Naturen, noch nach ihr eine Natur. Das 
war eine einfache Reproduktion der alten abendländischen Christo- 
logie : zwei Substanzen und eine Person. 

3. Dies Schreiben blieb zunächst unbeachtet. Dioskur setzte eine 
:Synode durch und schrieb ihr seine Meinung vor. Es war die sog. 
Häubersynode zu Ephesus (449). Eutyches wurde restituiert, 
Elavian abgesetzt, Leos Schreiben nicht beachtet ; der Monophysitismus 
iatte gesiegt. 

4. Aber nicht nur Rom, sondern auch eine nicht geringe Gruppe 
^on Orientalen war unzufrieden. Theodosius starb 450, Pulcheria und 
ihr Gemahl Marcian folgten ihm. Die von Leo gewünschte Synode 
WTirde berufen, aber nicht nach Rom. 

5. Auf der Synode zu Chalcedon (451) wurde Dioskur abge- 
setzt. Alle fielen Leos Brief . zu, aber man stellte ein neues SjTiibol 
^uf: Verdammt werden die, welche viCbv övdöa lehren, wie die, 
welche Tag ovo uev tzqq Tfjg kvchascog cpvoeig erdichten, (.iLav ös aercc 
T^rjv eviooLV. Vielmehr: eva xal xov avrov bj-ioloyelv vlov zhv xvqlov 
fii.i(bv ^rjGovv Xqlotov . . . zeXeiov %ov avxov sv ■d-eöxrjtt y.al xeXsiov 
xbv avTov ev avd-QWTtÖTriTL . . . Iz ipvxfjg Xoyt'/.fjg '/.cd Gcofiarog, buo- 
ovGiov TU) Ttaxql ■naTcc xi]v 'd-eözrjza '/.al bf.ioovGLOV %bv avTOV fif.ilv 

xaxa TTjv Q^v^QCOTtÖTrjTä "Eva y.al rbv aörbv Xqlgxov, vlov, 

xvQiov xal fj.ovoyEvfi, ev ovo (pvoeGi (nicht ey. ovo cpvGScov) aGvyxvxcog, 
•axqenxtog, äÖLaigexcog, a%WQLGxiog yvcaoiCöfievov ovöafiov xf^g xCbv 



56 . § 23.. Die monophysitisehen und monotlieletischen Kämpfe etc. 

(pvGscov öiacpoQag avr]Qr]f.iEvr]g ölcc zj]v svcootv, acüto{.i€vrjg 'ös (.läXkov 
rrjg IdiönjTog maTSQag cpvostog zal slg €V TtqoacoTtov v.a.1 (.iLav 
vjcoo'vaoiv avvTQSxovorjg, ovx slg ovo nQÖocoita u6QiCö{.tEV0v rj öiaL- 
govf-isvov. — An Leos Brief und die Formel von 433 schloß sich das- 
Symbol an. Die nestoriänische wie die monopBysitisclie Lehre wurde- i 
abgelehnt. Die Streitfrage wurde nicht entschieden, aber es wurde- 
ein Standpunkt fixiert, der nach Lage der Dinge als ein glücklicher 
Abschluß bezeichnet werden muß : Die eine gottmenschliche Person,, 
in der göttliches und menschliches Sein und Leben vereinigt sind^ 

^ 22. Die monophysitisehen und monothele tischen Kämpfe und. 
der Absehluss der Entwicklung. 

S. die KG-. des Zacharias Ehetor, syr. bei Land, Anecdota syr. III, übers. 
V. Ahrens u. Xrüger 1899. Evagrius h. e. II — V. Johannes von Ephes. h: e.. 
aus dem Syr. übers, v. Schönfelder, 1862. Leontius v. Byzanz (ca. 485 — 543) 
adv. Nestorianos et Eutychianos libri 3, Migne gr. 86. Ephraem v. Antiochien 
(t 544) bei Photius cod. 228. 229 u. Migne gr. 86, 2104 ff. F.. Diekamp, 
i)octr. patrum de incarnat. Verbi 1907. E. W. Brooks, The sixths book of 
select letters of Severus 1903/4- Mansi VII — XI; vgl, Walch, Historie der 
Ketzereien VI — IX. Gieseler, Comment, qua Monophysitarum opin. illustr.. 
I. II. 1835. 38. Hefele, CG. II, o64ff., III, 121ff. G.Krüger PEE..Xin% 
372 ff. 401 ff. G. Krüger, Monophysit. Streitigkeiten im Zusammenh. mit der 
Eeichspolitik 1884. M. Peisker, Severus v. Ant. 1903. W a genmann - 
Seeberg, Maximus PEE. XII^, 457 ff. H. Straubinger, Die Christologie- 
des h. Maxim. 1906. G. Owsepian, Die Entstehungsgesch. d. Monotheletism.: 
1897. F. Loofs, Leontius v. Byzanz 1887. J. P. Junglas, Leont. v. Byz.. 
1908. Harnack IP, 400ff. Seeberg 11^, 249ff. H. v. Schubert, Gesch. 
d. Christi. Kirche im Erühmittelalter 1917, S. 96 ff. 231 ff. 

1, In Palästina (Theodosius), Ägypten (Timotheus Alurus, Petrus 
Mongus), dann in Antiochien (Petrus Fullo) erhob sich eine mächtige,, 
mit Leidenschaft geschürte Bewegung gegen das Ohalcedonense und 
zugunsten des cyrillischen Monophysitismus. Man wollte das Götzen'^ 
Mld mit zwei Gesichtern, das von Leo und der Versammlung in- 
Chalcedon aufgerichtet war (Zachar. III, 1), nicht anbeten. 

2. Die Kaiser bemühten sich, auf Grund des Ohalcedonense 
Frieden herzustellen. So Leo I. ; der Usurpator Basiliscus tat in 
dem Encyklion (476) das Ohalcedonense ab. Zeno erließ' 482 das- 
Henotikon: Ohristus wahrer Gott und Mensch ist einer, nicht 
zwei. Die Anathematismen Oyrills werden anerkannt, Nestorius und 
Eutyches verdammt, die Verwerfung des Ohalcedonense angedeutet. 
Dawider remonstrierte Felix III. v. Rom. Justinian (527 — 565). 



§ 22. Die monophysitisclien und monotheletischen Kämpfe etc. 57 

verfolgte eine Union höchster Art: das Chalcedonense ist anzuerkennen, 
aber im Sinn Cyrills zu deuten. ,, ' 

3. Diesem*^Zweck diente auch die Theologie desLeontius und 
seiner Zeitgenossen (s, bes. Ephräm von Antiochien). Er verarbeitet 
das Chalcedonense nach logischen Kategorien. (DvGig und vrcöoraOLg 
(= TtQÖOiOTtov) sind als das y.olv6v und löid^ov zu unterscheiden. An 
sich existiert eine cpvGig nur als VTCÖoraoig. Daraus ergäbe sich eine 
nestorianische Christologie. Leontius führt aber' die Kategorie des 
ivvTVÖoraTOv eivac ein. ^EwitoOTaxog drückt aus, daß eine ovoixx. 
nicht für sich, sondern in einer anderen ovoia existiert und an der 
konkreten Hypostase dieser Teil hat. Die menschliche Natur hait am 
Logos ihre Hypostase. In diesem Sinn der Vereinigung ^der beiden 
Katuren in der einen Logoshypostase (Enhypostasie) wird jetzt die 
svcüGLg xad-^ vjtöazaOLV gedeutet. 

4. Justinian kam den Monophysiten möglichst entgegen. Er er- 
kannte das erweiterte Trishagion an: ayiOg 6 -d-sög, äyiog 
iaxvQÖg, ayiog aS-dvarog, 6 GTavQtoS-Etg öl ri[.LÜg, eXeiqGov '^f.iag. 
— Er ließim Dreikäpitelstreit (544) die Verdammung der drei 
Häu;^ter der antiochenischen Theologie (Theodor, Ibas, Theodoret) voll- 
ziehen. Diese wurde bestätigt auf der 5. ökumenischen Syn^ode 
(553), das Chalcedonense wurde hier anerkannt, ebenso die neue Deu- 
tung der .cyrillischen Eormel: svcoGig toD ■d-soD Xöyov Ttgog ttjv odqy.a 
xara Gvvd-eGtv, otceq egxIv "Kad-^ vnÖGraoiv. Schon vorher war Origenes 
verdammt worden. - 

5. Aber inzwischen hatten sich die Monophysiten gespalten. Die 
einen, wie Severus (seit 513 Bischof von Antiochien), hielten sich 
auf der Linie Cyrills: Theoretisch sind zwei Naturen anzunehmen, 
faktisch bestand, durch die evtoGig, {.da cpvGig Tov -d-sov Xöyov geggq- 
'MOfxsvi]. Diese EvcoGig xad-^ vrcÖGiaGiv hat zur Konsequenz {.äav 
■d-savÖQi'jirjv EvsqyELav Gvv-d-Etov, das Chalcedonense führe aber wie -^ 
zu zwei "Willen so zu zwei Personen. Der Leib Christi ist aber 
vergänglich gewesen, ja Christi menschliche Seele sei als solche nicht 
allwissend gewesen (Phthartolatrie, Agnoeten). — Die zweite Gruppe-' 
(Julian V. Halicarnaß, Grajanus von Alexandria) lehrte, daß der 
Logos die menschliche Natur samt dem Leibe vom Moment der 
Einigung an vejklärt habe. Tale fuisse inde ab unione, quäle fuerit. 
post resürrectiohem. Leidensfähig wurde Christi Fleisch nur durchs 
den Willen des Logos. Daher wurden sie von den Gegnern Aphthar- -' 
iodoketen genannt. — Die Monophysiten zu gewinnen gelang Justinian 



** 



58 § 22. Die monophysitischen und monotheletischen Kämpfe etc. 

so wenig als seinen Nachfolgern. Der Monophysitismus wurde mehr 
und melir zu einer besonderen Kirche, bei den syrischen Jakbbiten, 
in der koptischen, abessjmischeu und armenischen Kirche. 

6. Patriarch Sergius v. Konstantin opel riet Kaiser Heraklius 
(610 — 641), die Monophysiten zu gewinnen durch die Formel des 
Ps.-Dionysius Areopagita, 'der eine Christus "habe f.iiä ^eavÖQiKf^ 
evsQysla Göttliches und Menschliches gewirkt. Das war an sich 
monophysitische Anschauung, die aber auch gelegentlich bei Ortho- 
doxen vorkam. Doch Sophronius v. Jerusalem w;idersprach, weil 
die Zweiheit der Naturen auch zwei Energien (= Betätigung) er- 
fordere. Nun sollte von einer oder zwei Energien " überhaupt nicht 
geredet werden, dagegen er -d-sh^ua zov v.vqlov angenommen werden. 
So Sex'gius, Honorius v. Hom und die "E-A^eGig Tvlo-vstog (638). 
Das war eine neue Deutung der svcoffig y.ad-^ vjtoOTaOiv oder der 
Enh^'postasie : der Logoswille nimmt den menschlichen Willen in sich 
auf und betätigt sich, durch ihn. Aber das sv -d-skriua fand Wider- 
spruch, 641 verdammte Johann lY. von Hom den* Monotheletismus. 
Kaiser Constans U. ließ im .Typos (648) verbieten, über Energie 
und Willen Christi zu streiten. 

7. Aber aus den zwei Naturen schienen zwei Willen notwendig 
zu folgen. So der Mönch Maximus. Er meinte, daß der mensch- 
liche Wille durch die svcoaig seine Eigenart nicht verliere, sondern 
von dem Logoswillen eine beständige Richtung empfange, die er frei 
betätigt. Die monotheletische Fragestellung beherrschte auch ihre 
Gegner und sie trieb zu den antiochenischen Gedanken zurück. — 
Papst Martin I. hielt 649 zu Rom eine Synode ab, man fügte . zu 
den zwei Naturen des Chalcedonense : duas naturales voluntates, divi- 
num et Jiumanam, et duas naturales operatioties. Aber der Kaiser 
verbannte Maximus und Martin. 

8. Constantin Pogonatus versuchte den Gegensatz mit dem 
Abendlande auszugleichen. Die 6. ökumenische Synode zu Konstan- 
tinopel (680/81) zog auf Grund eines Schreibens von Papst Agathö 
aus der Zweinaturenlehre die Konsequenz des Dyotheletismus : ovo 
cpvaiv.aQ ■dshjasig ritoi d-f-hquara h> Xqlgtö) y.a.1 ovo cpvoL'/.ag evsQ- 
yelag äöiaiQsvcog, aTQeizzcog, äiugtavcüg, äavyyvrwg y.aTcc xi]v twv 

ayicov rrazegcov diöaoKaXtav ^E7VÖf.isvov to avS-QchTtLVOv avzov 

T9-fÄj;«a y.al ßi] ävviTtifCTOv i] ävtiTtalalov. fiäXXov fzev ovv y.ai 
vjroTaGa6f.isvov tco ^eiq) avrod y.al Ttavad-svEl ^eXriuazt . . . "ßOTtsQ 
yao i) ai-TOc aäg^ ö^a?$ '^ov d-eov ?.öyov MyExat y.ai iaziv, ovzw y.al 



§ 2B. Das griechische Christentum. 59 



To avd-QcÜTtLVöv avtov S-sXr]i.ia 'löiov" tov S-eov Xöyov Xeymai v.ai 
ioTiv .... ^vTOv occQ^ d-ewd-elGa ovv. avrjQediq . . ., ovtw -Aal zb 
avd-Qa)7tLvov avTov ■d-eXiqi.ia -S-ecüdev ovy. avjjgeS-rj . . . svagysl yccQ 
ey.aT€Qa iiOQg)r] {.lexa rfjg ^aTsqov zoLvcoviag ö^tSQ Yöiov eaxtj'/.s. So 
hat der Dj-ophysitismus über den Monophysitismus gesiegt oder die 
antioclienische Giiristologie liat allmäMicli die cyrillisclie überwunden. 
Die Einheit der Person Christi ist die Einheit des göttlichen und 
menschlichen Willens. Das ist schließlich der Sinn geworden, den man 
■der evcoatg yia-d-^ vitöaraoLV sowie der Enhypostasie gab. 

- 9. Bei Johannes. V. Damaskus, de fide orth. III, kam die 
Lehre zum Abschluß. Den beiden vollständigen Naturen Christi ent- 
sprechen zwei Willen. Keine der beiden Naturen ist avvTCÖarccvog, aber 
sie haben eine gemeinsame Hypostase, die occqB ist eWTCÖOTUTOg im 
Logos : avrr] yag fi VTiöaraoLg tov d-EOv 'koyov syevsTO tj] aagvl 
vJtöaTccaig, xa2 xaTa tovto • 6 Xoyog gccq^ eyevs'vo (III, 11). Ebenso: 
{xvTog 6 Xoyog ysvöf.ievog tf] aagm VTVÖaraoig. Diese Einheit wird 
konkret durch eine gegenseitige awlöootg der Xöia der beiden Naturen 
und durch das 7t£qi%o)qelv ev alhrilaig zag tov -/.vqlov (pvoug. Aber 
diese TtSQixdüQrjaig ist der Gesamtanlage gemäß aktiv üur bei der Gott- 
heit. Die göttliche Natur durchdringt und vergottet die menschliche, 
so auch den menschlichen Willen; aber zum Leiden hat sie keine 
direkte Beziehung. — Formell hat das Chalcedonense gesiegt, aber 
mit dem Begriff der Enhypostasie haben Cyrill und Apollinaris in der 
Dogmattk Euß gefaßt. 



Drittes Kapitel. 

Die Gesamtanschauung vom Christentum sowie der Abschluß 
der Dogmenbiidung in der griechischen Christenheit. 



§ 23. Das grieeliisch.e Christentum. 

S. die Schriften des Athanasius, der drei Kappadocier, des Cyrill 
V. Alexandrien, die Briefe des Isidor v. Pelusium,(t ca. 440, Migne gr. 78], 
■die Homüien des Chrysostomus(t 407. Migne gr. t. 47 — 64), die 50 Homilien 
Makariusdes Gr. (f ca. 390. Migne gr. 34), die Werke des Marcus Ere- 
mita (t ca. 430, Migne gr. 65), des Nilns (f ca. 430, Migne gr. 79), des 
Maximus Confessor (f 662, Migne gr. 90. 91), Anastasius Sinaita 
(fnach 700, Migne gr. 89); bes. Cyrill v. Jerusalem, Katechesen (jnach 381. 
Jtfigne gr. 33) , die große Katechese des Gregor v. Nyssa und des 



56 § 23. Die monophysitischen und monotlieletischen Kämpfe etc. 

qiotojr dta(fooäg ävr/Qr]U£Vi]g öicc ti]v svwaiv, acoCofievr^g 'de {.lakXov 
7rc löiörrToc iy.ar£Qag cpvaewg 'Aal elg sv TCQQütOTVOv xal f.iiav 
v.-ToaTcair atrrgsxovarjg, ovy. eig ovo nQÖGcoTta u.eQiC6f.isvov rj diai- 
oGi'ueror. — An Leos Brief und die Formel von 433 schloß sich das 
Symbol an. Die nestorianische wie die monophysitische Lehre wurde- / 
abgelehnt. Die Streitfrage wurde nicht entschieden, aber es wurde- 
ein Standpunkt fixiert, der nach Lage der Dinge als ein glücklicher 
Abschluß bezeichnet werden muß : Die eine gottmenschliche Person^ 
in der göttliches und menschliches Sein und Leben vereinigt sind^ 

;j 22. Die monophysitisehen tmd inonotlieletisohen Kämpfe und 
der Absehluss der Entwicklung. 

S. die KG. des Zacharias Ehetor, syr. bei Land, Anecdota syr. III, übers. 
T. Ahrens u. Krüger 1899. Evagrius h. e. II — V. Johannes von Ephes. h. e.. 
ans dem Syr. übers, v. Schönfelder, 1862. Leontius v. Byzanz (ca. 485 — 54S) 
adv. Xestorianos et Eutj'chianos libri 3, Migne gr. 86. Ephraem v. Antiochien 
■ 7 544:. bei Photius cod. 228. 229 u. Migne gr. 86, 2104 ff. E.. Die kam p, 
Doctr. patrum de incamat. Verbi 1907. E. W. Brooks, The sixths book of 
select letters of Severus 1903/4' Mansi VII — ^XI; vgl. Walch, Historie der 
Ketzereien YI — IX. Gieseler, Comment., qua Monophysitarum opin. illustr.. 
I. II. 1835. 38. Hefele, CG. II, 564ff., III, 121 ff. G.Krüger PEE..Xin^ 
372 ff. 401 fr". G. Krüger, Monophysit. Streitigkeiten im Zasammenh. mit der 
Reichspolitik 1884. M. Peisker, Severus v. Ant. 1903. Wagenmann- 
Seeberg, Maximus PRE. XII^, 457 ff. H. Straubinger, Die Christologie- 
des h. Maxim. 1906. G. Owsepian, Die Entstehungsgesch, d. Monotheletism.. 
1897. F. Loofs, Leontius v. Byzanz 1887. J. P. Junglas, Leont. v. Byz^ 
1908. Harnack IP, 400ff. Seeberg IP, 249ff. H. v. Schubert, Gesch. 
d. Christi. Kirche im Frühmittelalter 1917, S. 96 ff. 231 ff. 

1. In Palästina (Theodosius), Ägypten (Timotheus Älurus, Petrus 
Mongus), dann in Antiochien (Petrus Fullo) erhob sich eine mächtige,, 
mit Leidenschaft geschürte Bew^egung gegen das Ghalcedonense und 
zugunsten des cyrillischen Monophysitismus. Man wollte das Götzen'^ 
lud mit zwei Gesichtern, das von Leo und der Versammlung in- 
Chalcedon aufgerichtet war (Zachar. III, 1), nicht anbeten. 

2. Die Kaiser bemühten sich, auf Grund des Ghalcedonense 
Frieden herzustellen. So Leo I. ; der Usurpator Basiliscus tat in. 
dem Encyklion (476) das Ghalcedonense ab. Zeno erli_eß' 482 das- 
Henotikon: Ghristus wahrer Grott und Mensch ist einer, nicht 
zwei. Die Anathematismen Gyrills werden anerkannt, Nestorius und 
Eutyches verdammt, die Verwerfung des Ghalcedonense angedeutet. 
Dawider remonstrierte Felix DI. v. Eom. Justinian (527 — 565). 



§22. Die monophysitisclien und iHonotheletisclieii Kämpfe etc. 57 

verfolgte eine Union höchster Art: das Ohalcedonense ist anzuerkennen, 
aber im Sinn Cyrills zu deuten, ^ " 

.3. Diesero^weck diente auch die Theologie desLeontius und 
seiher Zeitgenossen (s. bes. Ephräm von Antiochien). Er yerarbeitet 
das Chalcedonense- nach logischen Kategorien, f^vacg und vTtöaTaaig 
(= TtQooiOTtov) sind als das %oiv6v und töid^ov zu unterscheiden. An 
sich existiert eine cpvmg nur als vjtöazaffig. Daraus ergäbe .sich eine 
nestorianische Ghristologie. Leontius führt aber' die -Kategorie des 
kvvTtöotatov elvai ein. ^EvvnöoTaTOQ drückt aus, daß eine ovGixt 
nicht für sich, sondern in einer anderen ovoLa existiert und an der 
konkreten Hypostase dieser Teil hat. Pie menschliche Natur hat am 
Logos ihre Hypostase. In diesem Sinn der Vereinigung ^er beiden 
Katuren in der einen Logoshypostase (Enhypostasie) wird jetzt die 
evoiaig -/.ad-^ VTröotaaiv gedeutet. 

4. Justinian kam den Monophysiten möglichst entgegen. Er er- 
kannte das erweiterte Trishagion an: aytog b ^s6g, aytog 
loxvQÖg, ayiog aS-dvaTog, 6 OTavQioS-elg öl^ rj(.i&g, eXeiqaov fji.iag. 
— Er ließ im Dreikäpitelstreit (544) die Verdammung der drei 
Häu;^er der antiochenischen Theologie (Theodor, Ibas, Theodoret) voll- 
ziehen. Diese wurde bestätigt auf der 5. ökumenischen Syn^ode 
(553), das Chalcedonense wurde hier anerkannt,; ebenso die neue Deu- 
tung der , cyrillischen Eormel: evcoqig tov -d-soü Xöyov TtQog rrjv gccqym 
'/.ata ovv-d-eOLVy orceg sarlv "/.ad-^ vnoöTaoLV. Schon vorher war Origenes 
verdammt worden. - 

5. Aber inzwischen hatten sich die Monophysiten gespalten. Die 
einen, wie Severus (seit 513 Bischof von Antiochien), hielten sich 
auf der Linie Cyrills: Theoretisch sind zwei Naturen anzunehmen, 
faktisch bestand, durch die evcooig, fiia Cßvaig tov -d-sov Xöyov osoaq- 
'Acofxipi]. Diese evcoaig y.a^^ vTtooiaoLV hat zur Konsequenz i.dav 
■d-eavÖQi'A.7]v evsQyeiccv Gvvd-etov, das Chalcedonense führe aber wie ^ 
zu zwei "Willen so zu zwei Personen. Der Leib Christi ist aber 
vergänglich gewesen, ja Christi menschliche Seele sei als solche nicht 
allwissend gewesen (Phthartolatrie, Agnoeten). — Die zweite Gruppe ^"^ 
(Julian V. Halicarnaß, Gajanus von Alexandria) lehrte, daß der 
Logos die menschliche Natur samt dem Leibe vom Moment der 
Einigung an vejHärt habe. Tale fuisse inde ah unione, quäle fuerit 
post resürrectiohem. Leidensfähig wurde Christi Fleisch nur durch v 
den "Willen des Logos. Daher wurden sie von den Gegnern Aphthar- -^ 
todoketen genannt. — Die Monophysiten zu gewinnen gelang Justinian 



58 § 22. Die monophysitischen und monotheletischen Kämpfe etc. 



so wenig als seiüen Nachfolgern. Der Monophysitismus wurde mehr 
und mehr zu einer besonderen Kirche, bei den syrischen Jakbbiten, 
in der koptischen, abessynischeu und armenischen Kirche. 

6. Patriarch Sergius v. Konstantinopel riet Kaiser Heraklius 
(610 — 641), die Monophysiten zu gewinnen durch die Formel des 
Ps.-Dionysius Areopagita, 'der eine Christus "habe f.iiä -d-eavÖQiyif] ' 
kvsqyeia Göttliches und Menschliches gewirkt. Das war an sich 
monophysitische Anschauung, die aber auch gelegentlich bei Ortho- 

■^ doxen vorkam. Doch Sophronius v. Jerusalem w;idersprach, weil 
- die Zweiheit der Naturen auch zwei Energien (= Betätigung) er- 
fordere. Nun sollte von einer- oder zwei Energien ' überhaupt nicht 
geredet werden, dagegen sv ■d-eh](,ia zov y.vqLov angenommen werden. 
So Sergius, Honorius v. Rom und die "ExO^eaig TviaTScog (638). 
Das war eine neue Deutung der svcooig 'Aad-^ VTtöoxaOiV oder der 
Enhjfpostasie : der Logoswille nimmt den menschlichen Willen in sich 
auf und betätigt sich, durch ihn. Aber das ev ^elrjUa fand "Wider- 
spruch, 641 verdammte Johann IV. von Hom den' Monotheletismus. 
Kaiser C3önstans II. ließ im .Typ os (648) verbieten, über Energie 
und "Willen Christi zu streiten. 

7. Aber aus den zwei Naturen schienen zwei Willen notwendig 
zu folgen. So der Mönch Maximus. Er meinte, daß der mensch- 
liche Wille durch die evcoaig seine Eigenart nicht verliere, sondern 
von dem Logoswillen eine beständige E-ichtung empfange, die er frei 
betätigt. Die monotheletische Fragestellung beherrschte auch ihre 
Gegner und sie trieb zu den antiochenischen G-edanken zurück. — 
Papst Martin I. hielt 649 zu Rom eine Synode ab, . man fügte . zu 
den zwei Naturen des Chalcedonense : duas naturales voluntates, divi- 
nam et humanam, et duas naturales operationes. Aber der Kaiser 
verbannte Maximus und Martin. 

8. Constantin Pogonatus versuchte den Gegensatz mit dem 
Abendlande auszugleichen. Die 6. ökumenische Synode zu Konstan- 
tinopel (680/81) zog auf Grund eines Schreibens von Papst Agathö 
aus der Zweinaturenlehre die Konsequenz des Dyotheletismus : ovo 
cpvGLxäg ■9-€Xj]Getg fjTOc ^sXr]f,iaTa sv Xqlot(1) y.al ovo cpvai'mg sveg- 
yeiag ädtaLQiTOig^ axQSTtxwg, afiEQLGTwg, aavyyvTCüg nara rijv twv 

ayiwv naTCQCov öiöaG'A.aXiav ^ETtöf-ievov ro a.vd-Q(j}7CLV0V amov 

■&eh]fia '/.al jur] awiTtiTtTOV fj awircakalov^ f.iaklov [xsv ovv . yial 
vnoTaooof-iEvov %G) -d-sko avTOv '/.al Ttavod-Bvel ■d-eX'^uatL . . . "^Gitsg 
yocQ fj avzov GaQ^ ffäg^ vov -d-eov löyov leysTai y.ai Igtlv, omw yial 



\ 



§ 2B. Das griechische Christentum. 



59 



TO avd-Q(b7ttvöv avTOv ^sXrj(.ia XäLoV tov -d-eov Xöyov Xeysxai v.ai 
EOxiv .... Avxoii occQ^ ■d-eiad-claa ovx avrjQsdnq . . ., ovtco y.ai %o 
avd-QcbTCivov avTov ■d-eXrjf.ia d-ew^ev ovy. avrjQs^rj . . . svEQyeZ yocQ 
€y.at€Qa uoQtpr] (.lexa rfjg ß-areqov 'KOiVcovLagoTteQ idiov eG%rpis. So 
hat der Dyophysitismus über den Monophysitismus gesiegt oder die 
9,ntiochenisclie Christologie hat allmählich die cyrillische überwunden. 
Die Einheit der Person Christi ist die Einheit des göttlichen und 
menschlichen Willens. Das ist schließlich der Sinn geworden, den man 
•der evcoGig yia-d-^ VTtöarauiv sowie der Enhypostasie gab, 

- 9. Bei Johannes. V. Damaskus, de fide orth. III, kam die 
Lehre zum Abschluß. Den beiden vollständigen Naturen Christi ent- 
sprechen zwei Willen. Keine der beiden Naturen ist ^ccvvTtöaTccvog, aber 
sie haben eine gemeinsame Hypostase, die occqB ist evvTtoGratog im 
Dogos: avTiq yccQ rj vrcöoraoig rov d-eov Xöyov eyevETO Tfj aaQ'/.l 
VTtöaTaaig, Kai '/.axh tovro • 6 Xoyog oaq^ eyeveto (III, 11). Ebenso: 
avTog ö Xoyog yevöi-isvog vfj aaQ'xl VTtöoTaOLg. Diese Einheit wird 
konkret durch eine gegenseitige avrlöoatg der Xö La der beiden Naturen 
und durch das 7Vsqi%coqsIv ev aXXijXaig xäg tov '/.vqiov (pvastg. Aber 
diese TteQiy^dyQifjGLg ist der Gesamtanlage gemäß aktiv nur bei der Gott- 
heit. Die göttliche Natur durchdringt und vergottet die menschliche, 
so auch den menschlichen Willen ; aber zum Leiden hat sie keine 
direkte Beziehung. — Formell hat das Chalcedonense gesiegt, aber 
mit dem Begriff der Enhypostasie haben Cyrill und ApoUinaris in der 
Dogmatik Fuß gefaßt. 



Drittes Kapitel. 

Die Gesamtanschauung vom Christentum sowie der Abschluß 
der Dogmenbildung in der griechischen Christenheit. 



§ 23. Das griechische Christentum. 

S. die Schriften des Athanasius, der drei Kappadocier, des Cyrill 
V. Alexandrien, die Briefe des Isidor v. Pelusium ,(-j- ca. 440, Migne gr. 78j, 
dieHomilien des Chrysostomus (f 407. Migne gr. t. 47 — 64), die öOHomilien 
Makarius des Gr. (f ca. 390. Migne gr. 34), die Werke des Marcus Ere- 
mita (t ca. 430, Migne gr. 65), des Nilus^ (f ca. 430, Migne gr. 79), des 
Maximtis Confessor (f 662, Migne gr. 90. 91), Anastasius Sinaita 
(f nach 700, Migne gr. 89); bes. Cyfill v. Jerusalem, Katechesen (f nach 381. 
Jüigne gr. 33) , die große Katechese des Gregor v. Nyssa und des 



60 § 23. Das griechisclie Christentum. 

Johannes Damasc. Schrift De fide orthodoxa-, sowie die Schriften des 
(Pseudo-) Dionysius Areopagita(De coelesti hierarchia, , De ecclesiastica 
hierarch., De divinis nominibus, De mystica theologia, Epistulae 10, Migne 
gr. 4; übersetzt und untersucht von J. G. V. Engelhardt 1823, vgl. N. Bon- 
wetsch PEE.IV^ 687 ff., woselbst die übrige Literatur. Möller-v. Schubert 
KG. I, 673 ff. 787 ff. Kattenbusch, Konfessionskunde I, 1892. Harnack 
DG.IP, 437ff. Seeberg DG. IP,284ff. Loofs DG. §§ 41— 44. J.Kunze, 
Marcus Eremita 1895. K. Ho 11, Enthusiasm. n. Bußgewalt beim griech. 
Mönchtum 1898. K. Bornhäuser, Die Vergottungslehre d. Athaiiasius u. 
. Johannes Damase. 1903. J. B. Aufhauser, Die Heilslehre d. h. Gregor 
V. Nyssa 1910. G. Grützmacher, Synesios 1913. 

1. Mdd-evfxa rCbv öoyfxdTcov und TtQcc^etg ayad-aL maclien das 
Christentum aus (Cyrill. v. Jerus.), später sagte man /.idd7]aig xai 
uvazaycoyia (Photius). Die „orthodoxen" Dogmen annelimen, im 
Kultus die Stimmung der Andacht erleben, in den Besitz der Sciiutz- 
mittel vor allerhand Übeln gelangen — das wäre das vulgäre Christen- 
tum. Darüber hinaus liegt das Ideal des Mönches : (,iEi.LVGTqycoyiq(.ievog 
-/.al d-eocpoQOvf-ievog (Athanas. vit. Ant. 14). Zwei Stimmungen treffen 
und ergänzen sich in dem griechischen Christentum, die abstrakte 
(dyophysitische) ' Transcendenz des Absoluten und die konkrete (mono- 
j)hysitisclie) Immanenz des Absoluten. Jene beherrscht die Theorie^ 
diese die Praxis ' (Kultus, Mysterien). 

2. Man gewinnt aus dem Areopagi ten dön 'Rahmen für diese 
Denkweise. Gott ist das absolute Sein. Die Verbindung zwischen 
Mensch und Gott stellt die Hierarchie her. Christus ist Urquell und 
Kraft der Hierarchie. Von ihm gehen die Kräfte aus, die die himm- 
lische und kirchliche Hierarchie (Hierarch, Priester, Liturg) stufenweise 
weitergeben. Reinigung, Erleuchtung, Vollendung ist die Aufgabe, 
die Mysterien die Mittel, die Einigung der Seele mit Gott in der 
Schauung das Ziel (ß-ecoaig). Das Christentum ist hier in eine kul- 
tische Institution verwandelt, die von der Hierarchie geleitet wird und 
in symbolischer Form die neuplatohfsche Gedankenwelt darstellt. 

3. Von . einzelnen Lehren soll einiges besprochen werden. Die 
Sünde Adams hat den Menschen in das tiefste Elend, Finsternis, Sinn- 
lichkeit, Sterblichkeit gestürzt. Nicht die Schuld sondern die Sinnlichkeit 
uu^ Vergänglichkeit sind das Wesentliche. Nur Gott kann hieraus er- 
lösen. Doch weiß man' von sündlosen Menschen, Das Bös.e ist nichts 
Physisches : 17 afxaQxLa ovx eoTt Tijg cpvaetog aXka rfig y.aY,fig itQoaiqsoaoyg 
(Theodoret Migne 83, 224). Die Freiheit aber als die Fähigkeit, das 
Gute oder das Böse zu wählen, blieb dem Menschen als zu seiner 



,. / 



§ 23. Das griechische Christentum. 61 

ISTator gehörig: avT€^ovaiov yccQ rjf.iäiv zrjv qivGiv sl^yäoaro ö-d-eög 
^Chrysost.). Daher . . ösl yccQ ^fiag ttqwtov sXsaS-ai to aya&öv, 
xal ove £l(x)f.ieS'a '^f.isZg, töte zal avzbg xcc rca^ eavrov siadysi' 
ov TtQOcpd-dveb tag '^{.ißTegag ßovl-qaeig, tva fii] ?<.v(.i^vrjzai to av- 
Ts^ovOLov 7jf.iü)V. "Ovav de fn-ielg elw^ie-d-a, %öts tvoIItjv siodyei tiiv 
ßoTJS-eiav rlf.uv. . . . ■^f.iätv to TtQOsXead-cci xccl ßovlrjS-fjvat', -d-eoü de 
•tÖ avvaai y.al eig xekog ayayelv (Chrysost. in Hebr. hom. 12). 

4. Der Auffassung der^Sünde korrespondiert genau der Erlösungs- 
-gedanke. Zwar wird gelehrt, daß Christus Opfer und Lösegeld für 
unsere Sünde ward, / sowie daß er in einem Hechtshandel uns dem 
Teufel abkaufte oder ihn überlistete. Aber die Hauptsache ist, daß 
Christus der Logos ein neues und unsterbliches Leben in uns anregt : 
^ETteiöi] yccQ {.istsÖsÖcüxsv ■f](.ilv Tfjg idlag si-/.6vog yial tov iöiov 
Ttvsv^iaxog '/.al ovv. lcpvld^a[.iev, f.ietccXaf.ißdvsL aözog tfig ^xwxfjg y-ccl 
.aa-9-evovg Tif-iCov (pvGE(jog,%va fj/nag '/.aS-dQrj ycal dcp-9-aQlorj y.al (.lexöy^ovg 
ftdXiv Tfjg avxov yMTaox'i]Gr] dsoxrftog (Joh. Damasc. IV, 13). Die 
paulinischen Ideen von Versöhnung und Rechtfertigung sind von dem 
griecbischen Christentum nie angeeignet worden. In dem Maße als 
•die religiöse Mystik sich in mystagogische Theurgie verwandelte, 
wurde die SsortohjGig mehr physisch gedeutet. Diese Verschiebung 
hatte aber zur iFolge, daß der ursprüngliche Zusammenhang von 
'mystischer Wiedergeburt und guten "Werken aufgelöst wurde. 

- 5. Die erlösende "Wirkung Christi wird uns übermittelt durch 
•die orthodoxe Lehre und die heiligen Symbole der Kirche. Mit 
•diesen ist er selbst anwesend : TtQOOXvviqxeov xoLvvv xo Gr]jusZov xov 
XqlgxoD (das Kreuz), svd-a yccQ av fj'xb GrjueZo^v, Ey.Eiy.aX avxbg 
■MGxac (Joh. Damasc. IV, 11). Zu den alten kirchlichen Mysterien 
waren weitere gekominen. Dazu eine Menge von Heliquien, Bildern etc. 
— Die Taufe ist das xad-dqGLOV (Chrysost.) zur Sündentilgung, 
freilich ov f.ir]v xelEccug acpavL0(.i6g (Grreg. Nyss.), sie verleiht Un- 
sterblichkeit und gibt die Anregung, Christo nachzufolgen. Nach den 
•einen findet TtVEvfiaxog TCaQOVGia bei ihr statt (Basil.), die anderen 
-lassen dem "Wasser die Kraft dei* Heiligung einwohnen (Cyrill Hierosol.), 
oder : Ölo. xfjg xov TtvEvf.iaxog kvEqyeiag xo alGd-Tqxov vÖcoq nqog 
Ssiav xivcc yal aQQrjxoy dvaGxoLXEioDxac dvvaf.uv (Cyrill, AI., Migne 
73,, 245). "Wer die durch die Taufe ermöglichte Befolgung der Ge- 
bote Christi nicht einhält, soll Buße tun, d. h. durch Gebet, B,eue, 
Bekenntnis, Fasten, Almosen etc~ sich reinigen (Chrysost. hom. de 
jjöenit. Marc. Er, de poenit). Obwohl die alte öffentliche Büßdisziplin 



62 § 24., Die Bilderstreitigkeiten und das zweite Nicänum. 

im Prinzip fortbesteht, wird doch die Praxis von der Forderung der 
täglichen privaten Buße bestimmt. Die XE ucharistie wird sym- 
bolisch oder metabolisch verstanden : di fj^. TQepETai ipv'xr] ytcci TtQog 
Ti]v %o)v bvTcov xswQ d-ecüQiav TtaQaazsvdCsTat (Basil.) oder: Gott 
wird angerufen zb ayiov Ttvev^ia i^afCOGTstlai etvI va TtQoy^ely.evay 
%va 7tov\]Gri Tov /nsv aQzov aCoua Xqlgtov, tov ös olvov alf.ia Xqlotov, 
JTdvTwg yccQ ov eäv scpdipairo to äyiov Tcvevfxa, tovto ^yiaazai 'Aal 
f.i£za߀ßX7]Tai (Joh. Dam. IV, 3). "Was vorher ifJiXbg ccQzog war, 
wird durch die priesterliche STtl/iXrjaig und die Herabkunft des Geistes 
Leib Christi (Nilus ep. I, 44). Nicht kommt Christus herab, sondern . 
die Elemente werden in seinen Leib verwandelt, der identisch sein • 
soll mit dem im Himmel befindlichen Christusleib (Joh. Dam. IV, 13). 
Aber auch die symbolische Auffassung will die wirkliche Gegenwart 
Christi nicht leugnen. Der Leib Christi geht ein in unseren Leib, ihm 
die Unsterblichkeit mitteilend: wg av rfj TCQog xo cc&dvaTOV svchosL 
y.al 6 avd-QiOTtog zfjg acpS-ago lag fieroxog yevoizo (Greg. Nyss.). 
6. Das griechische Christentum ist immer weiter auf def- Bahn 
der Hellenisierung fortgeschritten. Die hellenische Stellung des Men- 
schen kommt in ihm zum Ausdruck : die Annahme einer Lehre, die 
Anregung durch Symbole, die -d-ecüQla der jenseitigen Welt,, Die 
paulinischen Grundgedanken sind verschüttet, und der johanneische. 
Typus, dem man folgt, ist veräußerlicht. Der fremdartige Gottesbegriff _ 
schließt den evangelischen Glauben aus und läßt es nicht zur Ent- 
faltung der Liebe kommen. An wirklich religiösen Empfindungen hat 
es auch hier nicht gefehlt, zumal innerhalb des Mönchtums. Aber 
der Enthusiasmus des Geistes und der Askese, die Dämonenfurcht 
und "Wunderlust in diesen Kreisen weisen fremdartigen Geist auf. 

§ 24. Die Bilderstreitigkeiten und das zweite Nicänum. 

S. die byzant. Chronograplien im Corp. scr. bist, Byz., bes. Theophanes- 
Ghronographia ed. de Boor 1883. Die einzelnen Aktenstücke s. bei Mansi 
Act. conc. XII. XIII. Job. Damasc. De imaginibus erat. tres. Theodor. Studita 
Opp. bei Migne 99; dazu Walch, Ketzerhist. Bä. X. Hefe'le CG. IIP, 
366ff. Harnack, DG. IP, 478ff.^ K. S ch warzlose, Der Büd erstreit 1890.. 
Seeberg DG. IP, 323 ff. N. Bon w et seh PRE. IIP, 222 ff. E. v. Dob- 
schütz, Christusbilder 1899. K. Hell, Der Anteil der Styliten am Auf- 
kommen der Büderverehrung (Philotesia für Kleinert 1907 S. 51 ff.). 

1. Die Bilder waren aus Anschauungsmitteln allmählich zu Trägern 
und Mittlern der göttlichen Gegenwart geworden. Kaiser Leo deif- 



§ 25. Augustins religiöse und theologische. GesamtanschaTiung. 63 

I Saurier, verbot 726 die Verehrung der Bilder. Germanu3 von Kon- 
stantinopel, Grregor H. von Rom und Johannes von Damaskus wider- 
sprachen energisch. Letzterer meinte, alles Irdische sei ein Bild Gottes. 
zlia acoi.iaTiyifjg -d-ecogiäg £Q%6fÄ€&a STtl xrjv 7tvsvf.iaTixrjV S-scüQiav. — 
Esßco de ov% wgS-ebv aXX^ ojq d-eiag, ivsQyelag 'Aal %dQLTog ef-inXecov: 
Es ist Manichäismus, _den Bildern die Verehrung zu weigern. 

2. Konstantin V. Kopronymus verbot die Verfertigung und 
Aufstellung von Bildern (Synode zu Konstantinopel 754). Leo IV. 
folgte dem Vorbild des Vaters. Seine Gemahlin Irene aber stützte 
sich nach seinem Tode auf die Bilderfreunde. Die 7. ökumenische 
Synode zu Nicäa (787) dekretierte das E.echt der Bilderverehrung: 
oacp yäq awey^wg dC etzoi'r/t^g avatvTtwoecog OQCovraL, togoBtov 'Aal 
ol tavxag S-Ecüf.i£voi, öiavlaravTai Ttgog Tr]v tG)v TtQcoTOTVTtcov f.ivi]i.irjv 
TS ycal STCLTtö^rjacv xal tavtaig aoTtaafibv '/.al zif.irjtiycrjv tcqog/.v- 
vipiv aTtovif-ieiv, ov firjv-triv '/.axa nloiiv '^f.iwv alrj^Lvr]v XaTQEtav, 
fj TtqeTCEL {.lövTj rji S-eicc cpvoei, aXk^_ ov xqonpv %(j} rvrtip rov t^iIov 
'jial ^woTVoiov GtavQov -/.ai tolg ayioig svayyeXioig '/.al Tolg Xoirtolg 
IsQoZg ava&t]f.iaoi, 'Aal S^^ua(.idTcov 'Aal (fcoTtüv TtQoaaywyrjv Ttqog 
TTjV TOvTcov Tif.ir]v nQielad^ai., 'Aad-cog 'Aal roZg ccQxaioig svasßcjg 
si&iaTaf r] yaq Tfjg sl'AÖvog Ti{,ii] ercl %o tcqcototvtcov öiaßalvei. 



Viertes Kapitel. 

Die unter Augustins Einfluß stehende Fortbildung der Kirchen- 
iehre im.Äbendlande (Kirche, Sünd6 und Gnade). 



§ 25. Augustins religiöse und tbeologiselae Gesamtanscliauung. 

Die Schriften der lat. Yäter des ,4. u. 5. Jahrh. s. bei Bardenhewer 
Patrologie^ S. 349 ff. Die WW. Augustins (f 430) in der Maurinerausgabe 
11 Bde. Paris 1679 ff. ; Nachdruck edit. tert; Veneta, wonach ich zitiere; bei 
Migne lat. 32— 46. Vgl. Th. Förster, Ambrosius 1884. G. Grützmacher, 
Hieronymus 3 Bde. 1901 ff. P. Wieg and. Die Stellung des apost. Symbols 
im kirchl. Leben des MA 1899, S. 39ff. A. Dorn er, Aug.; sein theol. System 
u. s. rel.-phil. Anschauung 1873; H. Reut er,, Augustin. Studien 1887. Loof s, 
PEB. IP, 257ff. Harnack, DG. IIP, 59ff. Seeberg, DG. IP, 357ff. 
0. Scheel, Die Anschauung Augustins über Christi Person u. Werk 1901, 
sqwie Zu Äug. Anschauung v. d. Erlösung in Stud. u. üKiit. 19Ö4. J. Gott- 
schick,' Aug. Anschauung von den Erlöser Wirkungen Christi in Ztsehr. f. 
Theo!, u. K. 1901, 97ff., Müller- v. Schubert KG. I, 603ff. K. Scipio, 



64 § 25. Augustins religiöse und theologische Gesamtanschaining. 

Des Aur. Aug. Metaphysik im Eahmeu s. Lehre v. Übel 1886.__H. Leder, 
Untersuchungen über Aug. Erk.-Theorie. 1901. W. Kahl, Die Lehre vom 
Primat des Willens bei Aiigustin etc. 1886. 0. Zänker, Der Primat des 
Willens vor dem Intellekt bei Aug. 1907. J. Maus b ach, Die Ethik d. h. 
Aug. 2 Bde. 1909. H. Wein and, Die Gottesidee . . . Aug. 1910. H. Scholz, 
Glaube u. Unglaube in der Weifcgesch. 1911. E. Tröltsch, Aug., die christl: 
Antike u. das Mttelalter 1916. 

1. Die Differenz in dem Yerständnis des Christentums bei Morgen- 
und Abendländern reicht weit- zurück. Sie trat . uns bei Tertulüan," 
Cyprian und Clemens, Origenes, Metbodius deutlicb entgegen. Im 
Abendlande verstand man die Religion als Rechtsverhältnis zu Gott. 
Im Älittplpunkt des Interesses standen die Fragen nach der Sünde als 
Schuld, der Gnade und Vergebung, nach der Einheit und Heiligkeit 
der Kirche. Die orthodoxe (tertullianische) Trinitätslehre und Christo- 
logie war als selbstverständliche Voraussetzung anerkannt (§ 19, 5). 
Gott ist der Herrscher und Regent der Welt, dem die Menschen in 
humiliias gehorchen sollen und auf dessen Hilfe sie vertrauen dürfen. 
Subier creatura omnis, supra divinüas pains\et füii et spiriius sancÜ. 
lila servd Jiaec regnat, illa subiacet isla äominaiur, illa opus haec aucior 
est operis (Ambros. de spir. I, 3, 46). Gott rechtfertigt den Sünder in 
Taufe und Buße (s; § 27, 1). "Dies geschieht aber in der Gemeinschaft' 
der Kirche, "diese bedarf der priesterlichen Leitung : uhi enim est ecclesia, 
nisi virga et gratia floret sacerdotalis (Ambros. delsaac et anima 8, 64). — 
Der Glaube ist von ait'ersher, überliefert in den aposfolica et^'dominica 
iesiimonia der Schrift sowie in dem von den Aposteln hergestellten und 
von Petrus nach Rom gebrachten Taufbekenntnis. Sequere seripturas, 
ut errare non possis (Ambros. in Luc. II, 12). Doch kommt dabei 
auch in Betracht, ut rationi copuletur auctoritas (Ambr. de spir. 
I, 3, 45). Die Vernunft hilft zur Erkenntnis der autoritativ über- 
lieferten Wahrheit, indem sie sie dialektisch zu erfassen und zu 
erweisen lehrt, sodann ab^r auch sofern die ihr anerschaffene lex naturalis 
auf Ergänzung durch die offenbarte Wahrheit angelegt ist. 

2. Die Eortschritte der lateinischen Theologie des 4. Jahrhunderts 
wurden ermöglicht durch die Einwirkungen der griechischen Renaissance- 
bewegung des 4. Jahrhunderts auf das Abendland. Eine feinere 
Psychologie, positive Kenntnisse, die dialektische Kunst sowie gewisse 
mystische Neigungen empfing -das Abendland jetzt vom Morgenlande, 
ohne aber darum seine religiöse Richtung zu verändern (Hilarius, 
Hieronymus, Ambrosius, Victorinus Rhetor). 

3. Das abendländische Verständnis des Christentums hat Augustin 



§ 25. Angustins religiöse und theologische Gesamtanschanung, 65 

auf Grund der von ihm persönlich erlebten B-eligion vertieft und fort- 
..geführt, a) Drei Momente haben seine religiöse Entwicklung zum 
Abschluß gebracht, die Autorität der katholischen Kirche, der neu- 
platonische Idealismus und das mönchische Lebensideal. — b) Hieraus 
verstehen sich die Grundlagen der Weltanschauung. Augustins. Er 
iiat zunächst Gott in der Weise des Neuplatonismus angesehen als 
die alleine absolute Substanz, die dem konkreten Sein und Werden 
augrunde liegt, aber schlechthin verschieden von ihm ist. Der ästhe- 
tische Genuß und die kontemplative Anschauung dieser absoluten 
■-Substanz erschien ihm als das Ziel. Die persönliche Anlage Augustins 
«owie die biblischen und kirchlichen Gedanken von Gottes Wesen und 
Wirken führten ihn aber -weiter zu dem Voluntarismus : Gott ist der 
-absolute Wille, Herr und König, der alles schafft und gibt, diesem 
Willen soll der menschliche Wille sich in demütigem Gehorsam unter- 
werfen. Et hoc erat iotum, nolle quod volebam et velle quod volebas 
(conf. YIII, 1) ; der gute Wüle ist volunias deo fideliter subdita (de 
pat. 25, 22) ; eui regenii (Gott) esse suMüum (de trin. XIV, 9, 12) ; 
:ut velimus, quia ille vult (ep. 80, 1). — c) Dieser Auffassung ent- 
■sprechend lehrt Augustin, daß der Wille alle seelischen Kräfte und 
Vorgänge im Menschen bestimmt (de civ. XIV, 6; 8, 3). Deus 
-dedit liberum arbitrium, sine quo nee male nee bene vivitur (de spir. 
•«t litt. 33, 57). Der Wüle ist seinem Wesen nach frei: volunias 
igitur nostra noh volunias esset, nisi esset in nostra potestate (de lib. 
-arb. III, 3, 8). — d) Die neuplatonische Auffassung ist von Augustin 
nie aufgegeben worden, aber sie trat allmählich immer mehr zurück 
ihinter die voluntaristische Anschauung, die ja der kirchlichen auf das 
beste entsprach. — e) Die von der in der Kirche wirksamen aposto- 
lischen Überlieferung bezeugte Schrift ist die höchste Autorität. Ego 
•vero evangelio non crederem, nisi me catholicae eeclesiae commoveret 
■auctoritas (c. ep. Manich. 5, 6). Der Glaube nimmt diese an, auf die 
■auetoritas folgt die ratio: erede, ut inielligas (serm. 43, 4). Das ist 
•der kirchliche Positivismus Augustins. Ein „System" hat Aug. nicht 
Jüergestellt, verschiedene Elemente kreuzen sich in seiner Gedanken- 
•welt. Wie Athanasius hat er aber angeleitet, das Christentum als 
.Erlösungsreligion zu verstehen. Der böse Wille ist Schuld und wirkt 
daher das Elend. Gottes gnädiger Wüle vergibt die Schuld und be- 
freit vom Elend. Des Menschen Glück ist die Gemeinschaft mit Gott 
und ein reines Herz. Das menschliche Leben ist Gemeinschaftsleben, 
-der einzelne hat Teil am Unheil wie Heil der- Gemeinschaft. 
Seeberg, Gnindriß der Dogmengesehichte. 4. Aufl. 5 



66 § 25. Augustins religiöse und theologische Gesamtanschauung. 

<i '. 

4. Wir stellen zunächst Augustins theologische Gesamtanschauung- 
dar nach dem EncTiiridion ad Laureniium, Fiäe, spe, caritate colendum 
deum. a) Was die Schrift lehrt, muß geglaubt werden, denn ihre- 
Yerfasser -svaren inspiriert. Doch läßt sich ein Teil der christlichen 
"Wahrheiten ratione verteidigen. Der Glaube ist assensio. — b) "Wir 
glauben an Gott, die Weltursache ist die donitas ereatoris. — c) Da& 
Seiende als solches ist gut. Das Böse ist privaiio ioni. Die Ursache- 
des Guten ist die Güte Gottes, des Bösen die mutabilis voluntas des- 
Menschen. Die Sünde ist Ungehorsam und daher Schuld und Con- 
cupiscenz. In Adam -wurde das Menschengeschlecht sündig, es unter- 
liegt der ira dei iusiissima. — d) Aber Gott ist iusius und misericors. 
Gott wirkt durch Christus in uns den neuen guten Willen, nur err 
noleniem praevenif, ut velit; volentem subsequitur, ne frustra velit Dazu 
necessarius erat mediator, hoc est reeonciliator, qui Jianc iram sacrificii- 
singularis . . oblatione placaret. Sein Tod bewirkt die remissio pecca- 
ioruni, sein Auferstehen bezeichnet die iusiificaiio. Zugleich befreite- 
Christus uns vom Teufel, indem sein Fleisch diesem zur muscipula 
wurde (serm. 134, 3, 4; 5, 6). Aber Christus ist uns auch der Weg" 
zu Gott, unser Lehrer und Vorbild, der durch die in ihm offenbare 
Gottesliebe uns zur Gegenliebe anregt (de catechiz. rudibus 4, 7. 8). — 
e) Es folgt der heil. Geist und die Kirche als der Tempel des drei- 
faltigen Gottes. In ihr kann man in Frieden nur sein durch die 
Sündenvergebung. Auch de ipsis criminibus, darf man an der miseri- 
cordia dei nicht verzweifeln. Hier tritt die kirchliche Bußzucht ein,, 
sie -wird aber nur dann öffentlich gehandhabt, wenn die Sünde öffent- 
liches Ärgernis erregt hat (serm. 351, 4, 9; 82, 8, 11). Gott gegen- 
über kommt es auf die mensura doloris an. Die Kirche setzte tem- 
pora poenitentiae ein, ut fiat satis etiam ecclesiae. Das gilt von den 
peccata gravia: de quotidianis autem Irevibus levibusque peecalis ... . 
quotidiana fidelium oratio satisfacit, nämlich die 5. Bitte des Vater-' 
unsers, dazu Almosen. Aber auch zur Buße treibt uns Gottes Er- 
barmen. — f) Die Auferstehung gibt uns spiritalia corpora, die damnatio 
ist abgestuft nach dem Schuldmaß, miiissima für die Kinder. Das 
ewige Leben ist nicht Lohn, sondern Gnade : etiam ipsa liominis dona 
merita esse dei munera. Durch Meßopfer und .Almosen versucht man 
das Los der Abgeschiedenen zu bessern, nur den non valde mali dient 
es. Die civitas diaboli besteht in Ewigkeit fort neben der ewigen 
eivitas dei. — g) Das Vaterunser ist der Inhalt unserer Hoffnung: 
Ideo non nisi a domino deo petere dehemus quidquid speramus nos vel 



§ 26. Der donatistische Streit, Augustins Kirchen- xl. Sakramentsbegriff. 67 

hene operaturos vel pro lonis operibus aäepiuros.' — ii) Der Geist 
Gottes, der in uns ausgegossen wird, vernichtet die Concupiscenz in 
uns und wirkt die'Liebe. Die innere Entwicklung des Mensclien geht 
den Weg: ante legem, suh lege, sub gratia, in paee. Auf die Liebe 
zielt Gottes "Werk am Menschen ab. Cum quaerüur, uirum quisgue 
sU Jiomo lonus, non quaerüur, quid credat aut speret, sed quid amet 
.... Qui non aniat inaniter credit, etiamsi sint vera quae credit. 

5. Sowohl die Grundgedanken Augustins als die Anpassung der- 
selben ah die vorhandenen kirchlichen Formen treten in dieser Über- 
sicht hervor. 



§ 26. Der donatistisclie Streit, Augustins Kirchen- xind 

Sakramentsbegriflf. 

Optatus von Mileve De schismate Donatistarum libri 7 ed. Ziswa in Corp. 
scr. eccl. Lat. 26 (ca. 368). Synodalakten und Frgg. derselben bei Mansi IV, 
die bergehörigen Urkunden auch in Opp. Aug. XVII, 2446 H. Dazu M. Deutsch, 
Drei Aktenstücke z. Gesch. d. Donat. 1875. 0. Seeck, Quellen und Urkunden 
über die Anfänge des Donat. Ztschr. CKG. X, 505 ff. u. XXX, 181 ff. L. Du- 
chesne, Le Dossier du Donatisme in Melanges d'archeol. et d'hist. 1896, 589 ff. 
T. Hahn, Tyconiusstudieu • 1900. N. ßonwetsch, PEE. IV, 788ff. Von 
Augustins Werken kommen in Betracht: Contra epistulam Parmeniani 11. 3 
(ca. 400); De baptismo c. Donatistas 11. 7; Contra litteras Petiliani U. 3; De 
unitate ecclesiae (nach 400) ; Contra Cresconium 11. 4 (ca. 406) ; De unico baptismo 
c. PetUianum (ca. 410); Breviculus coUationis cum Donastistis (411); Ad Do- 
natistas post coUationem (412); De gestis cum Emerito (418); Contra Gaudentium 
libri 2 (ca. 420). Über Aug. Kirchenbegriff: H. Reuter, Aug. Studien 
S. 231 ff. 47 ff.. R. Seeberg, Begriff d. Kirche I, S. 38 ff. und DG. IP, 391 ff. 
Harnack DG. IIP, 140ff. 

1. In Karthago war anläßlich der Wahl des Oäcilian zum 
Bischof und der ihm von dem für einen Traditor geltenden Felix von 
Aptunga erteilten Weihe ein Schisma entstanden (312). Majorin us, 
dann Donatus der Große wurden Gegenbischöfe. Dies führte zu 
der großen Spaltung der afrikanischen Kirche. Kaiser Konstantin 
erklärte sich gegen die Donatisten. Die Synode zu Arles (314) legte 
den Gegensatz fest : bei Ordination und Taufe kommt es nicht auf die 
persönliche Würdigkeit des Spenders an. , Die donatistische Bewegung 
wuchs, von sozialen und nationalen Tendenzen unterstützt {circumcellio- 
nes, agonistici), zu einer Gefahr für Kircl^e und Staat heran, 411 
wurden die Donatisten zu Karthago in einem Beligionsgespräch über- 
wunden, Yon jetzt ab ging die Bewegung zurück. 



68 § 26. Der doüatistische Streit, Augustins Kirchen- u. Sakramentsbegriff. 

"^2. Der dogmatisclie Gegensatz bestand in folgendem. Der Dona- 
tismus verlangte, daß nur heilige Männer Biscliöfe sein dürfen, und 
erklärte die von sittlich unwürdigen Priestern (d. h. den Katholiken) 
gespendeten Sakramente für nichtig: die Katholiken nannten sie daher 
rebaptizaiores, doch haben die Donatisten auch von der Wiedertaufe 
katholischer Christen abgesehen. Diese Gedanken hielten sich im 
wesentlichen an Cyprians Auffassungsweise (oben § 14,4). Dagegen 
meinten die katholischen Theologen : Gott gibt den Sakramenten ihre 
Wirkung; Gottes Gaben und nicht menschliche Verdienste entscheiden 
über die Heiligkeit der Kirche. Sacramenta per se esse sanda, non 
per Jiomines (Opt. V, 4, 1). Das syrntolum irinüatis, die cathedra 
Petri, die fides credenUum, die praecepta Christi und die Sakramente 
machen die Kirche heilig, cuius sanetitas de sacrameniis colligitur, non 
de personarum superhia ponderatur (ib. II, 1). Die Orthodoxie der 
Donatisten sowie die Gültigkeit ihrer Sakramente wurde anerkannt, aber 
sie seien nur quasi ecclesia, da ihnen die Katholizität fehlt. Bei den 
Donatisten war die Katholizität eine Folge der Heiligkeit der Kirche, 
bei den Katholiken war die Katholizität der Erweis der Heiligkeit. 

3. Hier setzt Augustins Kirchenbegriff ein. a) Die durch die 
ganze Welt verbreitete Kirche ist die katholische Kirche. Außerhalb 
derselben ist kein Heil, nxir sie hat die Wahrheit und nur in ihr ist 
Geist und Leben. — b) Der Geist wirkt in der Kirche durch Wort 
und Sakrament. Generat deus de ecclesia filios . . ., spiritualiter -ergo 
nascimur et in spiritu naseimur verio et saeramento ; adest spiritus, 
ut nascamur (in Joh. tract. 12, 5). Die Sakramente sind Symbole i 
signaeula quidem rerum divinarum esse visibilia, sed res ipsas invi- 
sihiJes in eis honorari (de cat. rud. 26, 50). Ideo dicuniur sacra- 
menta, quia in eis aliud videtur aliud intelligitur (serm. 272). Äccedit 
verlum ad elemenium et fit saeramentum (in Job. tract. 80, 3). Aber 
wie bei dem Wort die äußere E,ede vom inneren Wort des Geistes 
zu unterscheiden ist (fruamur auditu sine sirepitu ndbis loquente in- 
irinsecus veritate in Joh. tr. 57, 3), so auch bei dem Sakrament das 
Symbol von dem innerlich wirksamen Geist: aqua igitür exhibens 
forinsecus saeramentum gratiae et spiritus operans intrinsecus heneficiiim 
gratiae (ep. 98, 2). — c). Taufe und Ordination drücken dem Menschen 
einen festen dominicus eharacter auf. Wie die nota militaris ist er 
von bleibender Bedeutung ; ein sanetum ist durch ihn im Menschen 
trotz aller Sünden. Daher ist — im Gegensatz zu den Donatisten — 
eine Wiederholung der Sakramente unmöglich. Aber die Sakramente 



§ 26. Der donatistische Streit, Angustins Kirchen- u. Sakramentsbegrii. 69 

der SchisrOjatiker sind zwar gültig, doch fehlt ihnen der effedus und 
der Nutzen ; dieser erfolgt nur innerhalb der Kirche, und zwar des- 
halb, weil durch die Heiligen die Gnade gegeben wird. Saöramentum 
gratiae dat deus etiam per malos, ipsam vero gratiam non nisi per se 
ipsum vel per sancios suos (bapt. V, 21, 29). Also sind die Sakra- 
mente unwiederholbar, aber sie werden nur in der Gemeinschaft der 
Heiligen wirksam. — d) Die Taufe bringt Vergebung der Sünde, doch 
bleibt die concupiscentia auch in dem Getauften wirksam. Dimitti 
eoneupiscentiam carnis in laptismo, non ut non sit, sed ut in peccatum 
non imputetur (nnpL et concup. I, 26, 28). Aber zugleich bringt die 
Taufe den inneren Antrieb, der Concupiscenz zu widerstreben : donat 
eiiam gratia, ut contra eoneupiscentiam cärnis Spiritus concupiscat (op. 
imperf. II, 97). Das Abendmahl fing man in unserer Zeit auch im 
Abendland an, im Anschluß an die Griechen, im Sinn einer "Wandlung 
zu deuten : per sacrae orationis mysterium in earnem transfiguraniur 
et. sanguinern (Ambros. de fide IV, 10, 124). Benedietione etiam 
natura ipsa mutatur (Ambros. de myster. 9, 50). Augustin hat es 
rein symbolisch verstanden : Non dominus dubitavit dicere : hoc est 
corpus meum, cum signum daret corporis sui (c. Adimantum 12, 3). 
Demgemäß besteht sein Nutzen in der Erinnerung an Christus und 
in der Gemeinschaft mit ihm: hoc est ergo manducare illam escam et 
illum tibere poium: in Christo manere et illum manentem in se habere 
(in Joh., tr. 26, 18). Suaviter atque uiiliter recondendum in memoria, 
quod pro nobis caro eius crucifixa et vulnerata sit (doctr. christ. III, 
16^, 24). Christi Leib befindet sich im Himmel an einem besonderen 
Orte : ubigue totum praesentem esse non dubites tanquam deum . . .. 
et in loco_ aliquo caeli propter veri corporis modum (ep. 187, 12, 41). 
Das Meßopfer wird erklärt als eine Erinnerung an Christi Opfer 
oder als die Selbstdarbringung der Gemeinde in ihrem Haupt 
Christus. — e) Durch Sakrament und "Wort, wie die praeposiii der 
Kirche sie verwalten, besteht die äußere Kirche ; sie enthält auch 
TJnheilige in sich. In ihr vorhanden, aber von ihr unterschieden, 
und bloß äußerlich mit ihr zusammengehörig {communio sacramen- 
talis), besteht die durch Geist und Liebe geeinte congregatio sanctorum, 
die invisibilis caritatis compages (de bapt. III, 19, 26), durch deren 
Gebet die Sünde vergeben und die Gnade mitgeteilt wird. Das ist 
die Kirche im eigentlichen Sinn, Weizen im Verhältnis zur Spreu, 
der innere Mensch im Gegensatz zum äußeren. Man kann also reden 
von domini corpus verum atque permixtum. Diese Unterscheidung 



70 § 27. Der Pelagianismus. Augastins Lehre von der Sünde etc. 

soll nicht zur Scheidung führen : Nos recessionem spiritualiter intelligi- 
mus, Uli (die Donatisten) corporaliter. Die Schwierigkeit, die dieser 
Kirchenbegriff aufgibt,, wächst, wenn man in Anschlag bringt, daß 
die congregaiio sanctorum an sich nicht identisch ist mit dem numerus 
praedestinatorum. Der Zusatz sanctorum eommunionem im 
Taufsymbol, der in unserer Zeit aufkommt, ist älter als Augustin 
(schon 374 — 379 ist Hieronymüs ein Symbol im Orient vorgelegt 
worden, das ihn enthielt), aber es hat dazu gedient, die Erinnerung 
an Aug. Kirchengedanken aufrecht zu erhalten. — f) In der Schrift 
De civitate dei hat Augustin die "Weltgeschichte unter dem Gegensatz 
der civüas dei und des Weltreiches zu begreifen versucht. Er leitet 
an, das "Wesen des Christenkims in seinem Gegensatz zur "Welt in 
dem geschichtlichen Gesamtleben von Kirche und Staat zu erkennen. 
An sich ist der Gottesstaat die unter Christi geistiger Herrschaft 
durch Geist und Liebe sich realisierende Gemeinschaft der Frommen 
und Heiligen. Der Staat ist dagegen die gesetzliche Regelung der 
natürlichen Lebensbeziehungen. Er dient hierdurch auch dem Zweck 
der Kirche. Die heidnischen Staaten, und besonders der römische, 
haben aber eine solche Ordnung nicht herzustellen vermocht, daher 
magna lairocinia. Aber Aug. hat doch auch der Gleichsetzung des 
Gottesstaates mit der empirischen Kirche vorgearbeitet. Die Kirche, 
die das Reich Gottes (ecclesia et nunc est regnum Christi regnumque 
caelorum) ist, übt ihre Herrschaft aus durch die praepositi, per guos 
ecclesia nunc gubernatur (de civ. dei XX, 9, 1). 

4. Der geschichtliche Eortschritt dieses Kirchenbegriffes besteht 
darin, daß einerseits der E,est besonderer chai'ismatischer Geistgaben 
(Oyprian, die Donatisten) ausgestoßen wird, auf den Objekten Größen 
des Sakramentes und Amtes ruht der Bestand der Kirche ; und daß 
andrerseits mit Energie das Wirken des Geistes in der sittlichen 
Liebesgemeinschaft der Heiligen erblickt wird, diese aber an die 
sichtbare Kirche geknüpft und doch scharf von ihr unterschieden 
wird. Auf die Frommen der Gemeinde, nicht auf die Frömmigkeit 
der Leiter kommt es an. 

§ 27. Der Pelagianismus. Augustins Lehre von der Sünde und 

der Gnade. 

Pelagius Epist. ad Demetriadem in den W W. des Hieronymüs ed. VaUarsi 
XI, 2, Iff. Ep. ad Livaniam: Pragin. bei Augustin und Hieronymüs, Marius 
Mercator in s. Commonitorium super nomine Caelestii und dem Liber subnota- 



§ 27. Der Pelagianismns. Angastias Lehre von der Sünde etc. 71 

tionnm in verba Jxdiani. Eulogiarum liber: Fragm. bei Angustin, De gestis 
Pelagii und bei Hieronymus in dem Dial. c. Pelag. Ans der Schrift des Pel. 
De natura s. Fragm. bei Augustin de nat. et grat. Aus Pelag. De libero arbitr. 
libri 4 s. Fragm. bei Augustin. Dazu sein Kommentar zu den Briefen Pauli in 
■den WW. des Hieronymus (Migne 30, 645—902) vgl. A. Souter, The commen- 
"tary of Pel. on the Epistles of Paulus 1907. Libellus fidei ad Innocentium 
hei Hahn, Bibl. der Symbole» S. 288. H. Zimmer, Pelag. in Irland 1901. 
F. Loofs PRE. XV, 747 ff. — Von den Schriften des Caelestius sind nur 
Fragmente erhalten, besona|rs aus den Definitiones bei Augustin De perfectione 
iustit.; sein Glaubensbekenntnis s. in der Append. zu Aug. Opp. XVII, 2728 ff., 
«. noch Sätze bei Marius Mercator (Migne 48, 65 ff.). — Von Julian v. Ecla- 
num, der Libri 4 und Libri 8 adv. Augustinum schrieb, Fragmente bei 
Augnstin c. Julianum U. 6 und Opus imperfectum, 's. auch bei Marius Merc. 
<Migne 48, 109 ff.). VgL A. Brückner, Jul. v. Ecl. (Texte u. Unters. XV, 3) 
1897. N. Bonwetsch PEE. IX, 603 ff. — Die dem britischen Bischof 
Fastidius beigelegte pseudoaugustinische Schrift De vita christiana (opp. Aug. 
XVII, 1941), sowie andere, vielleicht einem Briten Agricola angehörende 
Schriften (Briefe und Traktate) bei Caspari, Briefe, Abhandlungen und Pre- 
digten etc. 1890, S. 1 — 167. — S. überhaupt die Opp. des Augustin und Hieron. ; 
■des Orosius Liber apologeticus ed. Zangemeister p. 601 ff. Sammlungen bei 
Mansi Acta conciliorum IV und in dem Anhang der opp. Aug. XVII. 2649 ff. 
«owie A. Brückner, Quellen zur Gesch. des pelag. Streites 1906. — Von den 
Werken Augustins bes. Liber de 83 quaestionibus (a. 388 — ca. 396). De libero 
arbitrio (388 — 395). Quaestiones ad Simplicianum (397). Confessiones libri 13 (400). 
Aus dem pelag. Streit : De peccatorum meritis et remissione libri 3 (412). De 
«pirituet littera (412). De natura et gratia (415). De perfectione iustitiae 
hominis (415). De gestis Pelagii (417). De gratia Christi et de peccato 
-ofiginali libri 2 (418). De nuptiis et concupiscentia libri 2 (419). Contra duas 
^pistulas Pelagianorum libri 4 (420). Contra Julianum libri 6 (421). De gratia 
-et libero arbitrio (427). De correptione et gratia (427). De praedestinatione 
-sanctorum (428). De dono perseverantiae (429). Opus imperfectum contra 
-Julianum libri 6 (bis zu s. Tod). Dazu eine Eeihe von Briefen s. Opp. XIV, 
1705 ff. Vgl. Walch, Ketzerhistorie IV. V. F. Kl äsen. Die innere Ent- 
wicklung des Pelagianismns 1882. J. Mausbach, Die Ethik des h. Aug. 
2 Bde 1909. Hefele, CG. 11^ 104 ff. H. Reuter, Augustin. Studien S. 4 ff. 
'Thomasius DG. P, 456ff. Harnack, DG. IIP, 165ff. Seeberg DG. IP, 
431ff. Möller-v. Schubert KG. P, 629ff. 

1. Zu der morgenländischen Auffassung der Freiheit des Sünders 
und der Gnade (§23, 3) stand schon Ambrosius {-f 397) in Gegen- 
satz. Er lehrte, daß alle Nachkommen Adams durch die physische 
Herkunft von ihm mit Sünde behaftet sind. Fuü Adam et in illo 
Juimus omnes. Periit Adam et in illo omnes 'perierunt. — Antequam 
naseamur, maculamur contagio et ante usuram lueis originis ipsius 
-excipimus iniwiam, in iniquüate eoncipimur. — Nemo salvus esse 



72 § 27. Der Pelagianismus. Augustins Lehre von der Sünde etc. 

possit guicunque natiis est sub peccato, quem ipsa noxiae condüionis haeredi- 
tas adsirinxit ad culpam. Daher aucli ; invüi ac reluctantes ad eul'pam^ 
ducimur, und: non enim in potestate nostra est cor nostrum et nostrae 
cogitationes. Demgemäß ist die Gnade oder der Geist allein imstande^ 
den Menschen umzuwandeln: a deo praeparatur volünias Jiominum ,- 
sie tilgt die iniquitas aus und bringt spiriiualis graiiae munus, sowie 
Sündenvergebung. In der Taufe und Buße vollzieht sich diese 
"Wandlung. Das ist die Eechtfertigung : newiojactis suis iustificatur sec£ 
qui iustus est donatum habet, quia post lavaerum iustificaius est. Zur 
Rechtfertigung bedarf es des Glaubens als der Hoffnung, das zu er- 
langen, was Gott verspricht: ut. veniam tanquam ex fide speremus, 
non tanquam ex debiio, aliud est enim mereri, aliud praesumere. 

2. Pelagius, der vor 400 in Hom auftrat, fand rasch Anhang.: 
Caelestius schloß sich ihm an, seit 418 Julian v. Eclanum. Pelagiu»^ 
lehrte : a) Zum unverlierbaren Wesen des Menschen gehört das liberum 
arbitrium oder die possibilitas allzeit frei zu wählen. Volens namque- 
deus rationäbilem creaiuram voluntarii boni munere et liberi arbitrii 
potestate donare utriusque partis possibililaiem Jiomini inse- 
rendo, proprium eius fecit esse quod velit, ut boni ac mali - capax- 
naturaliter utrumque posset et ad alteruirum voluntatem deflecteret (ad 
Dem. 3). — bj Die Sünde kann hiernach nur in einzelnen actus be- 
stehen, sie ist keine res, ' nicht naturae delicium, sed voluntatis. Eine^ 
Vererbung der Sünde gibt es nicht, weil anima non est ex traduce sec£ 
sola caro. Adams Tod war natürlich, nicht Strafe ; die Kinder werden 
sündlos geboren, es gibt sündlose Menschen. — c) Die Allgemeinheit, 
der Sünde versteht sich aus dem bösen Beispiele der Sinnlichkeit und. 
dem longus usus peceandi. Neque vero alia nobis causa difficultatem- 
bene faciendi facit quam longa consuetudo viiiorum, quae nos infeeit 
a parvo paulatimque per multos corrupit annos et ita postea obligaiosr 
sibi et addictos tenet, ut vim quodammodo videatur liabere naturae. — 
d) Dem Sünder kommt die Gnade zu Hilfe, wie oft betont wird. Die 
Gnade ist zunächst eben die Ausrüstung mit dem liberum arbitrium, 
dann das Gesetz und endlich Christi Lehre und Beispiel. Durch die» 
adiutorium werden wir zum Guten angetrieben, damit wir consuetu- 
dinem consueiudine überwinden können. Doch empfängt der Glaube 
auch Sündenvergebung : Christus vere et gratis peccaia remisit et iustitiae- 
dedit exemplum. — Die Hauptgedanken wurzeln in griechischen Ideen 
(Theodor v. Mopsuestia), die nur scharf zugespitzt würden dem 
augustinischen „da quod iubes et iube quod vis^' gegenüber. 



§ 27. Der Pelagiamsmus. Augnstins Lehre von der Sünde etc. 7ä 

3. Von Anfang an stand Augustin anders. In Adam sündigte 
die Menschlieit, sie. wurde zur massa peccati, die Concupiscenz be- 
herrschtiB sie, aber die einzelnen Menseben stimmen ibrem Antrieb 
mit Lust zu. Die Sünde ist daber freie Wülenstat und somit Schuld 
(lib. arb. III, 20,' 55; 22, 64; 19, 54). Die Gnade bestebt darin, 
ui etiam ipsum velle deus operatur in nobis. . . . Vocatio ergo ante 
merüum voluntatem operatur. Aber: deus non miseretur . . ., nisi 
voluntas praecesserit; der Mensch glaubt von sieb aus, occuliissima 
merita des Sünders bedingen die Gnade (über de 83 quaest.). Aber 
dann erkannte Aug. : ante omne meritum est gratia, die Gnade be- 
wirkt unser Wollen: si enim deus miseretur, etiam volumus, aber nicht 
inviti glauben die Menschen, sed volentes crediderunt (Quaest. ad. 
Simplician). 

4. Hierbei blieb Augustin nicht stehen. Der Fortschritt erfolgte 
durch den pelagianischen Gogensatz von seinem Gottesgedanken her. 
Gott ist Wille und Macht und er ist das absolute Sein. Das Böse. 
ist willentliche Abwendung von Gott und daher Nichtsein, causa 
deficiens: a deo detortae in infima voluntatis perversitas (conf. Vn, 
16, 22). Soll der Mensch gut werden, so kann das nur durch eine 
schöpferische Tat Gottes bewirkt werden. Wenn Gott will, wollen 
auch wir. Yon diesem Standpunkt aus hat Aug. seine Sünden- und 
Gnadenlehre entwickelt, a) Der Mensch war am Anfang gut^ da das 
göttliche adiuiorium ihm zur Seite stand und ein indumenium gratiae 
ihn umgab. Es war ein posse non peccare und ein posse non mori^ 
Vermöge der Gnade hätte der Mensch sich ein meritum erwerben 
können (civ. dei XIV, 17. 27). — b) Durch Hochmut fiel Adam, im 
Ungehorsam war sein Wille böse. Das war seine Schuld. Daß die 
Concupiscenz und die Ignoranz in ihm herrschten und er aktuell 
sterblich wurde, war die Strafe seiner Sünde. — c) Omnes ill^ unus 
homo fuerunt. In Adam (Rom. 5, 12) omnes iune peccaverunt. Durch 
die Zeugung gehen daher sowohl die Schuld und Strafe Adams auf 
alle über, als auch die genannten konkreten Straffolgen seiner Sünde. 
Die Menschheit ist eine massa perditionis, Adams Schuld und der 
durch sie gewirkte Strafzustand lastet auf allen Adamssprossen, auch 
den neugeborenen Kindern. — Die Allgemeinheit der Sünde wird 
erwiesen aus den Leiden der Kinder und der Notwendigkeit sie zu 
taufen (op. imp. III, 154). — d) Das Wesen- der Sünde ist der amor 
sui: hoc est dmare se velle faeere voluntatem suam. Dieser Ungehor- 
sam ist aber Schuld des Mei^chen. Hieraus folgt — es ist zugleich 



74 § 27. Der Pelagianismus. Angustins Lehre von der Sünde etc. 

Strafe — die concupisceniia mala oder carnalis, die den Geist unter 
die Sinnlichkeit beugt, die Jiorrenda profundüas ignorantiae und der 
Tod (dieses Leben vita mortalis an mors vitalis nescio). Die Concu- 
piscenz ist sowohl Strafe des reatus der Sündentat als auch der Mög- 
lichkeitsgrund neuer Sündentaten. — e) Dem peccatum originale steht 
das honum originale gegenüber: Menschen erzeugen gottebenbildliche 
Menschen: non in eo tamen peniius extincia quaedam seintilta Talionis,' 
in qua f actus est ad imaginem dei (civ. dei XXII, 24). Die Concupis- 
•cenz des Zeugungsaktes pflanzt sich irgendwie auf die Eander fort 
und dadurch werden diese Sünder, ihre von Gott geschaffenen Seelen 
werden quasi in vase corrupto verderbt. Das liberum arlitrium zum 
Guten hat der' Mensch verloren, sofern er ja auf den Spielraum der 
. Concupiscenz beschränkt ist. Aber aus der necessitas des peccatum 
originale gehen propria voluntate die einzelnen Sünden hervor. Yolenlis 
assensus macht die Concupiscenz zur Sünde. Peccaio Ädae arlitrium 
liberum de hominum natura periisse non dicimus, sed ad peccandumv alere .:., 
ad bene autem pieque viveridum non valere, nisi ipsa volunias hominis 
dei gratia fuerit liberaia (c. duas ep. Pel. 11, 9). — f) Der neue gute 
"Wille wird dem Menschen nur durch Gottes "Willen oder die Gnade 
zuteil. Gratia dat merita, non meritis datur, sowie : si gratia dieitur, gratis 
datur. — Nolentem praevenit, ui velit, volentem subsequitur, ne frustra 
velit. — Praeparat voluntatem et cooperando perficit quod operando 
ineipit. Gottes Machtwille, seine potestas ist es, die non solum veras 
revelaiiones, sed bonas etiam voluntates (grat. Ohr. 25) wirkt. — g) Das 
Gesetz wirkt Furcht und bereitet dadurch vor zum Glauben an das Evan- 
gelium : quod operum lex minando imperat, hoe fidei lex credendo impetrat 
(spir. et litt. 13, 22). Dort heißt es : fac quod iübeo, hier da quod iubes 
(ib,). Moses lapidat ut iudex, Christus indulget ut rex (in ps. 50, 8). 
Gott wirkt durch die mit der vocatio zugleich eintretende inspiratio 
fidei den Glauben (quaest. ad. Simpl. I, 2, 10). Gott wirkt den 
"Willen zu glauben, aber der Glaubensakt ist psychologisch ein freier 
Akt des Menschen : ei ipsum velle credere deus operatur in homine . . ., 
eonseniire autem vocationi dei vel ai ea dissentire . . propriae voluntatis, 
est (spir. et litt. 34, 60). Der Glaube ist fides capax, d. h. der Wille 
und die Hoffnung das zu erlangen, was die vocatio verspricht. Er 
ist ein eonseniire verum esse quod dieitur, aber consensio volentis est 
(ib, 31, 54). Also : Spiritus gratiae facit, ut 'habeamus fidem, ut per 
fidem impetremus orando, ut possimus facere quae iubemur (grat. et 
üb. arb. 14, 28). Der Glaube will und bittet das, dessen Mangel 



§ 27. Der Pelagianismus. Augustins Lehre von der Sünde etc. 75 

das Gesetz dem Mensciien zu Bewußfsein bringt, ' nämlich die Ver- 
gebung der Schuld und den Empfang des Liebesgeistes. Die Ver- 
gebung befreit von der Sünde : hoc est enim non habere peecatum, 
reum non esse peceati (nupt. et conc. I, 26, 29). Die Eingießung 
der Liebe ist inspiratio ionae voluntatis atque operis (corr. et grat. 2, 3). 
Das ist die iusiificatio: per gratiam reparata natura (spir. et litt. 27, 47). 
Quid est enim aliud „iustificati^', quam iusti facti, ab illo seil, qui 
iustificat impium, ut ex impio fiat iustus (sp. et litt, 26, 45). — Per 
donüm spiritus operamur iustitiam. — Spiriiualiter sanol aegrum, vel 
vivificat mortuum, id est iustificat impiüm (nat. et grat. 26, 29). — 
Cum vivit anima in iniquitate, mors eius est, cum autem fit iusta, fit 
particeps alterius vitae, quae non est quod ipsa, erigendo se quippe ad 
deum et inhaerendo deo ex illo iusiificatur (in Joh. tr. 19, 11). Aug. 
ist weit entfernt davon, die Justifikation in der Sündenvergebung auf- 
gehen zu lassen: neque sola remissio peccatorum est illa gratia . ., sed 
ipsa facit, ut lex impleatur, ut natura liberetur (gr. et 1. arb. 27). 
Darin besteht also zuhöchst das Gnadenwerk, in der Gerechtmachung 
durch die vivificatio und inspiratio gratiae. Die Sünde wird vergeben 
und getilgt. Also : utroque enim modo adiuvat gratia, et dimittendo 
quae male fecimus, et opitulando, ut declinemus a malis et bona fa- 
ciamus (op. imp. II, 227). Yita, bona nostra nihil aliud est quam dei 
gratia (grat. et 1. arb. 8, 20). Dies entspricht der Gesamtanschauung 
Augustins. Aber er hat auch schreiben können : ipsa quoque nostra 
iustitia, quamvis vera sit propter veri boni finem ad quem refertur. 
tarnen tanta est in hac vita, ut potius peccatorum remissione constet 
quam perf actione virtutum. Testis est oratio iotius civitatis dei . .: di- 
mitte nobis debiia nostra (civ. dei XIX, 27). — h) Die Allmacht des 
göttlichen "Willens macht die Gnade zur gratia irresistibilis (der Aus- 
druck ist bei Aug. nicht nachweisbar). Deus operatur, ut velint. 
Seine virtus leitet indeclinabiliter et insuperabiliter unseren Willen und 
macht ihn dadurch stark. So restituiert sie uns den freien "Willen. 
Nicht alle voeati empfangen die Gnade, denn nicht 'alle sind sie electi. 
Das ist die Prädestination. Praedestinatio dei .. . gratiae est . . praeparaiio, 
gratia vero est ipsius praMdestinationis effectus (praed. 10, 19). Ein 
placitum voluntatis dei, sein hoc volo liegt vor. Er ' bestimmte eine 
feste Zahl von Menschen zur Seligkeit: ita certus est numerus, ut nee 
addatur eis quisquam nee minuatur ex eis (corr. et grat. 13, 39). Nur 
die Erwählten empfangen die wirksame electorum propria vocatio, nur 
sie erhalten das donum perseverantiae.. Quicunque ergo in dei provi- 



76 § 28. Die semipelagianisclien Streitigkeiten. 

dentissima disposüione praesciti, praedesUnati, vocati, iüstificati, glori- 
ficati sunt, non dieo etiam nondum renati, ssd etiam nondum nati, iam 
filii dei sunt et omnino perire non possunt (corr. et grat. 9, 23). Aber 
auch der Fall ist denkbar, daß Prädestinierte nie auf Erden vocati 
und iüstificati werden. Die praesciti gehen verloren. Gelegentlich 
redet Augustin auch von morti sempiternae praedestinati (z. B. in , 
Job. tr. 43, 13). Hier Gottes Gerechtigkeit, dort seine Barmherzigkeit» 
Die Willensfreiheit soll durch die prädestinatianische Gnade nicht auf- 
gehoben werden. Die Gnade bekehrt den Menschen so, daß er sich 
selbst bekehrt. Gott wirkt den guten "Willen so, daß- dieser selbst 
will. Dadurch wird er befreit, indem in die ihm naturgemäße Brichtung- 
auf Gott versetzt. Haec enim voluntas . lihera ianto erit Uberior quantcf 
sanior, tanto autem sanior, quanto divinae misericordiae subiectior (ep. 
157, 2", 8). Vermöge der Hoffnung oder Fiduciakaf Gottes Barm- 
herzigkeit und "Wahrhaftigkeit kommt der Sünder zur Gewißheit des Heils. 

5. In diesen Gedankenreihen ' erst werden die innersten Triebe 
des augustinischen Denkens offenbar: der allwirksame "Wille Gottes,, 
der unseren "Willen befreit zur Liebe. Das ist die salus animarum. 
Ein Vergleich mit § 15, 3 läßt den Portschritt erkennen. 

6. Caelestius und Pelagius waren nach Karthago gekommen. 
411 wurde Cael. hier exkommuniziert. Pelagius, von Hieronymus an- 
gegriffen, wurde von den Synoden zu Jerusalem und Diospolis 
415 für rechtgläubig erklärt. — Die Synoden zu Karthago und 
Mileve (416) forderten Innocenz I. von Bom zur Entscheidung auf. 
Er schwankte. Sein Nachfolger. Zosimus ließ zu Born 417 Pelagius, 
und Caelestius die Bechtgläubigkeit bescheinigen. Aber auf zwei 
Synoden zu Karthago 418 wui'de energisch remonstriert und der 
Pelagianismus verdammt. Der Kaiser erließ ein Edikt wider Pelagius- 
und Caelestius 418, Zosimus gab nach. Achtzehn Bischöfe mit Julian 
von Eclanum an der Spitze weigerten sich der Verdammung. Das 
Konzil zu Ephesus 431 hat die Verwerfung des Pelagianismus bestätigt. 

§ 28. Die seroipelagianiseheii Streitigkeiten. 

Johannes Cassianus(t 435) : De coenobiorum institutis libri 12. Col- 
lationum libri 24 ed. Petschenig, im Corp. scr. eccl. lat. 13. 17, Migae lat. 49. 
Pr osp er (f ca. 460): Pro Aug. responsiones ; Eesp. ad obiectiones Vincentianas; 
Liber c. coUatorem; De ingratis bei Migne 51, 155ff. "Vgl. A. Hauck PEE. 
XV, 123ff. Das Buch De voeatione gentium bei Migne 51, 647ff. ; der 
Praedestinatus Migne 58, vgl. H. v. S c h u b e r t , Der sog. Prädestinatus 1903. 



§ 28. Die semipelagianischen Streitigkeiten. 77 



^austus -y. Eeji (f ca. 495) ed. Engelbrecht im Corp. scr. lat. 21, Migne 58, 
■s. bes. die Schrift De gratia. Caesarins v. Arelate (f 542) Schriften bei 
Migne lat. 67, dazu yieJe pseudoang. Predigten. — Vincentius v. Lerinnm, 
•Commonitorinm (434) ed. Jülicher 1895 n. Migne 50. Vgl. A. Hoch, Die 
iehre Jos. Cass. von Natur u. Gnade 1894. A. Koch, Der heil. Faustus 1895. 
W. Bergmann, Studien zu einer krit. Sichtung der südgall. Predigtlit. 1898. 
.:R. Seeberg PEE. V, 782ff. u. DG. IP, öOöff. C. F. Arnold, Caesar, v. 
Arelate 1894. F. Wörter, Beiträge zur Dogmengesch. des Semipelag. 1898 
u. Zur Dogmengesch. d. Semipelag. 1898. F. Loofs PRE. XVIII, 192 ff. 
Möller-v. Schubert KG. I, 637 ff. 

1. Schon zu Augustins Lebzeiten wurde seine Prädestinationslehre 
«owie der Gedanke der yölligen Unfreiheit des sündigen "Willens an- 
-gegriffen, bes. von den Mönchen zu Hadrumetum und zu Massilia. 
Man fürchtete von der fatalis necessüas das Aufhören des sittlichen 
Strebens oder Verzweiflung und warf Augustins Lehre novitas vor. 
Lm übrigen wurde der Pelagianismus verdammt. Diese Auffassung 
•der Massilienses (erst später sagte man Semipelagia,ner) fand in Süd- 
v^aHien eifrige Vertreter. 

2. Gassian lehrt eine physische infirmitas liheri arhitni bei dem 
Sünder, Gott hilft dem Willen zum Guten : Et ita semper gratia dei nostro 
in ionam partem eooperatur arbürio atque in omnibus illud adiuvat, 
-protegit ac defendit (coli. XIII, 13). Summam salutis nostrae non 
■operum nostrorum merito, sed eoelesti gratiae depuiandum (ib. 18). 
Die G:nade ist sowohl illuminatio zum Verständnis des Gesetzes als 
■die inspiratio des ardor voluntatis. Den Anfang zur Cooperanz kann 
"Gott oder der Mensch machen. Vincenz warnte^, vor den novitatis 
inventores. — ^ Faustus lehrt: arlitrium voluntatis humanae attenua- 
iufn ... non dblatum (grat. I, 16). Dem Gefallenen blieb die possi- 
hilitas capeseendae salutis. Wenn er seinen Willen auf das Gute richtet, 
hilft ihm Gott. Aber das adiutorium divinum besteht in den Verheißungen 
und Drohungen von Gesetz und Propheten oder dem Willen als Ge- 
•schenk der Schöpfungsgnade. Faustus ist dem Pelagianismus sehr 
nahe gekommen. Prädestination und Präscienz fallen zusammen. Gott 
beschränkt die Freiheit nicht, VM^f ionum et permittit malum. 

3. Es fehlte auch nicht an eifrigen Verteidigern Augustins. 
"So Prosper., Das Buch De vocaiione gentium versucht den Partikula- 
rismus der Prädestination mit dem IFniversalismua göttlicher Liebe 
auszugleichen durch die Annahme einer gratia generalis, die an allen 
wirksam werde und die von allen, die nicht errettet werden, zurück- 

;:gewiesen sei. Die erlösende Gnade Cbristi folgt als gratia specialis. 



78 § 29. Tradition nnd Papsttum. 

4, Der Axigustiiiismus ist zum Siege gekommen, weil Rom an 
Augustins Lehre festhielt (Oaelestin I., Sixtus HI., Leo I., Gelasius I., 
Hormisda und die Klage der skytischen Mönche wider die Ortho- 
doxie des t^austus). Aber keiner der führenden Männer der Zeit hat 
sich zur Lresistibilität der Gnade und zur Prädestination bekannt. 
Caesarius von Arles j (542) setzte seine Kraft für die augustinische 
Lehre ein. Gegen ihn sprach die Synode von Valentia 529; in 
seinem Sinn entschied die Synode zu Arausiacum 529, deren Be- 
schlüsse Papst Bonifatius U. bestätigte (530 oder 531). Hier 
wurde festgestellt das. völlige Verderben durch die Sünde, B,eparationi 
des Menschen durch die Taufgnade, Gottes Wirken in den "Wieder- 
geborenen zu guten Werken. Die doppelte Prädestination aber wird 
anathematisiert. Praedicare debemus ei eredere, quod per peecatum primi 
hominis ita inclinatum et attenuatum fuerit Wherum arbitrium, ut nullus 
postea auf diligere deum, sicut. oportuit, aui eredere in deum aut operari 
propter deum quod lonum est possit, nisi eum graiia misericordiae 

divinae praevenerit. Credimus, quod accepta per laptismum graiia. 

omnes laptizati, Christo auxiliante ei cooperante, quae ad salutem animae 
pertinent, possint et deheant, si fideliter lalorare voluerint, adimplere. 
Äliquos Vera ad malum divina poiesiate praedestinatos esse, non solum 
non credimus, sed eiiam, si sunt qui tantum malum eredere velint,. 
euni omni detestatione Ulis anathema dicimus. — Ipse nohis, nullis 
praecedeniibus ionis meritis, ei fidem ei amorem sui prius inspirai, ut 
et iaptismi sacramenia fideliier requiramus, et post laptismum eum. 
ipsius adiuiorio ea, quae siM sunt plaeita, implere possimus. 

§ 29. Tradition xmd Papsttum. 

Vincenz V. Lerinum s. § 28 Lit. Dazu A. Juli eher PßE. XX, 670 ff. — 
Epistolae Eoman. pontificum ed. Coustant-Schoenemann 1796. E. v. Dob- 
schütz, Das Decretum Gelasianum 1912. K. Müller, Kirchengesch I, 263 ff.. 
Möller-v. Schubert KG. I,718ff. P. Tschakert PEE.XX, 8ff. E.Sohm,. 
Kirchenrecht I, 377 ff. C. Mirbt, Quellen zur Gesch. des Papsttums^ 1911.. 
SeeBerg DG. IP, 525 ff. • 

1. Die alte apostolische Tradition (§6, 3) ist ersetzt worden^ 
durch die inspirierte Schrift und das Taufbekenntnis, sowie die- 
Autorität des Episkopats (§ 11, 2; 12, 3). Dazu kam die Berufung- 
auf gewisse ungeschriebene Traditionen der Apostel (Epiphan. h. 61, 6.. 
Job. Damasc. de fide orth. lY, 12. 16. III, 11. Augustin bapt. 11,. 
7, 12). Wichtiger aber war die Autorität der Konzilien, zu derea. 



§ 29. Tradition und Papsttum. 79 

Auslegung und Ergänzung man sicli der „Yäter" bediente als eines 
concüium magistrorum (Vinc. 28, 39), aber nur der von der Kircke 
„anerkannten" Väter (s. das Decretum Gelasii). 

2. Yincenz v. Lerinum hat im, Commonitorium für den Traditions- 
gedanken die abschließende Formel gefunden. Die Häresie ist immer 
Neuerung, die "Wahrheit ist durch universitas, antiquitas, consensio ge- 
stützt. Sie ist in der Schrift enthalten, aber diese muß ausgelegt 
■werden secundum ecclesiastici et catholici sensus normam (2, 2). in 
ifsa item catJiolica eeclesia magnopere curandum est, ut id ieneamus 
qUod uhique, quod semper, quod ah omnilus creditum 
est (2, 3). — • Si vitanda est novitas, tenenda est antiquitas, et si 
profana est novitas, sacrata_ est vetustus (21, 26). Zwar schreitet die 
kirchliche Erkenntnis fort, aber keine permuiatio findet statt, sondern 
nur Verdeutlichung und Ausgestaltung der alten -Lehren. Die "Wahr- 
heit gehört dem Altertum an, sie erweist sich nön solum patrum 
auetoritate, sed etiam apostolicis oraeulis (Faust, ep. 7). Die kirch- 
liche Lehre ist also eine heilige Rechtsordnung, die aus der sacra 
lex der Bibel stammt oder überall und zu allen Zeiten gegolten hat, 
wie Konzilien und Väter beweisen. 

3. Einen großen Schritt weiter in der Entwicklung machte im 
5. und 6. Jahrhundert der Gedanke des römischen Primates. 445 
verordnete Valentinian ILE. : Jioc . Ulis omnilus pro lege sit quidquid 
sanxit vel sanxerit apostolica& sedis auctoritas. Die Päpste haben ihre 
Autorität wie besonders die Lehrgewalt (Innoc. I. ep. 31, 2; 30, 2; 
Leo I. s. § 21, 2 — 5) nicht auf die staatliche Gesetzgebung oder die 
Konzilien gestützt, sondern auf das göttliche Recht Matth. 16 : Christus 
hat Petrus den Primat über die anderen Apostel gegeben, durch die 
Succession geht dies Recht auf die Nachfolger des Petrus über (Leo I. 
serm. 3, 3. 4; 4, 2. 3; ep. 14, 11). Romana eeclesia nullis synodicis 
eonstitutis caeteris ecclesiis praelata est, sed evangelica voce domini et. 
salvatoris primatum oHinuit Mt. 16, 18 (Decket. Gelas. 1). Doch 
fehlte es nicht an "Widerspruch gegen diese Autorität (§ 27, 6), auch 
wenn man den principatus apostolicae sedis prinzipiell anerkannte 
("Aug. ep. 43, 7). Indessen auch Augustin meinte: iam de hac causa 
(die pelag. Sache) duo concilia missa sunt ad sedem apostolicam, inde 
etiam rescripta venerunt, causa finita est (serm. 131, 10). 



Zweiter Teil. 

Die Erhaltung, Umbildung und Fortbildung des Dogmas 
in der mittelalterlichen Kirche. 

Erstes Kapitel. 
Die Dogmengeschichte vom 7. bis iO. Jahrhundert, 



§ 30. Einleitung. Der Augustinismus Gregors des Grossen. 

Von den Schriften Gregors (-j- 604) kommen besonders in Betracht: 
Expositiö in libr. lob sive Moralin m libri 35. — Homiliae in Ezech. Hbri 2. — 
Homil. in evangelia libri 2. — Dialogi libri 4. — Eegula pastoralis libri 3. — 
Die Briefsammlung in 14 Bb. Kritisch verdächtig ist der Liber sacramentorum 
/und die Expositiö in 1. I. regum. — Gedruckt bei Migne Lat. 75 — 79. Die 
Briefe s. Greg, regist. epp. edd. Ewald et Hartmann (Mon. Germ. hist. Epist. 
t. 1. 2). Vgl. G. J. Th. Lau, Greg. I d. Gr., 1845. W. Walt her PEE. 
VII3, 78ff. Seeberg DG. III^, 34ff. H. v. Schubert, Gesch. d. ehr. Kirche 
im Frühmittelalter 1917, S. 189 ff. 

1. Es ist die Periode, in welcher der germanisclie Geist sich all- 
mählich des Erbes der antiken Kultur sowie der kirchlichen Lehre 
des Altertums bemächtigt (Isidorv. Sevilla f 636, Sententiarum seu 
de summo bono libri 3 und etwas später Tajus v. Saragossa, Sentent. 
Hbri 4 Migne 80, 727 ff. Alkuin f 804, De fide s. trinitatis libri 3. 
Hrabanus Maurus j 856, De clericorum institutione. Pascha- 
sius!Radbertus -|- 865, De fide, spe et caritate libri 3). Augustin 
ist der groi3e Lehrmeister. Prima salus est regulam redae fidei cusio- 
dire et a eonstitutis patrum nullatenus deviare (Hormisda). 

2. Das Verständnis Augustins hielt sich wesentlich in djen Bahnen 
Grregors d. Gr. a) Die vier Evangelien und die vier Hauptkonzilien, 
die Schrift und die Väter sind die dogmatische Autorität. Gregor 
vertritt eine strenge Lispirationslehre. Li der Trinitätslehre und 
Christologie ist er orthodox. — h) Bezüglich des "Werkes Christi gibt 
er die überkommenen Vorstellungen: stellvertretendes Leiden, Opfer, 
Litercession, Verdienst, tJberlistung des Teufels, vor allena aber: 
Incarnatus dominus in semeiipso omne quod nobis inspiravit ostendit, ut 
quod praecepto dieerei exemplo suaderet (Mor. I, 17). — c) Durch Adam 
sind aUe Menschen Sünder geworden. Vermittelt ist dieser Zustand 
durch die Zeugungslust : ipsa quippe propter deleeiaiionem carnis eins con- 



§ 31. Lehrstreitigkeiten: Der adoptianische Streit. 81 

cepiio immunditia est (ib. XI, 70). Aber die Sünde ist doch nicbt 
sittlicher Tod, sondern : inserto infirmitaiis viiio nascimur. d) Die 
Grnarde als gratia praevehiens et subsequens befähigt den Menschen zum 
Guten. Sie bringt (in der Taufe) den Glauben und die Yergebung der 
früheren Sünden, sie teilt als gratia Spiritus infusi den guten "Willen 
oder die Liebe mit. "Wir wirken dann zum Guten mit, und : Jioc quod 
omnipotentis dei donum est fit merüum nostrum. Das occuUum con- 
süium' dev Prädestination wird zwar anerkannt, aber: quos et electos 
mminai (Matth. 24, 24), quia cernit, quod in fide et lono opere per- 
sistant (Ez. I h. 9, 8). e) Die Sünden, _die der Ohrist begeht, werden 
ihm vergeben auf Grund seiner compunctio oder contritio. Sind die 
Sünden öffentlich geschehen, so bedarf es der confessio und absolutio 
sowie der von dem Priester aufgelegten poena. Dies macht die satis- 
faetio axLS. f)' Stark hervorgehoben wird das- Opfer der hostia placa- 
iionis, die gegeix alle Nöte Leibes und der Seele, auch in dem ignis purga- 
torius, kräftig ist, wie auch die Fürbitte der Heiligen, g) Die Kirche 
als congregatio sanciorum ist das regnum caelorum (Ev n h. 38, 2). 
In.der konkreten Kirche sind immer Gute und Böse beieinander. Nur 
in der Kirche ist Wahrheit, Liebe, die Lösegewalt, das rechte Opfer etc. 
zu finden. Die regentes sollen die subditi leiten. 

3. Die Ideen Gregors stammen aus Augustin, aber sie sind verkürzt 
und vergröbert durch die Vereinigung mit wüstem Aberglauben, Priester- 
gewalt und sakramentaler Magie. Die Stimmung zeigt das "Wort an : 
Sic namque sanda ecclesia fidelihus suis de pietate et iustitia redemptoris 
in praedieationis serie spem miseet ei metum, quatenus tiee ineaute 
de misericordia coftfidant nee desperate iustitiam ti'Meant (M, XX, 5, 13). 

§ 31. Lehrstreitigkeiten: Der adoptianisclie Streit. 

Die Briefe des Elipandus Migne Lat. 96. Etherii et Beati adv. Eli- 
pandüm libri 2. Alcuinus adv. Elipandüm: adv. Eelicem (Migne 100. 101). 
Paulinus Libri 3 c. Felicem (Migne 99). Benedikt v. Aniane Testi- 
moniorum nubecola, Mi. 103. A g o b a r d Liber adv. dogma Felicis, Migne 104. — 
Vgl. aansi XII. XIII. Hefele, CG. IIP, 642 ä. K, Werner, Alkuin 1881, 
S. o4ff. W. Möller, PEE. I^, 180 ff. A. Hauck, KG. Deutschlands II, 251ff. 
J; Bach, DG. des MA. I, S. lOSff. Harnack DG. IIP, 275ff. Seeberg 
DG. IIP, 53 ff. W. Schulz, Der Einfluß Augustins in der Theologie u. 
Christologie des 8. u. 9. Jahrb. 1913. H. v. Schubert, Gesch. d. ehr. Kirche 
im Frühmittelalter 1917, S. 378 ff. 

1. Gegen den rohen Sabellianismus des Migetius erklärten sich 
Elipandus v. Toledo und Felix v. TJrgel. Sie meinten, daß 
Seeljerg, Grundriß der Dogmengeschichte. 4. Aufl. 6 



82 § 32. Die Bilderverehniiig u. das filioque. — § 33. Die Prädestinationslehre- 

Christus als zweite trinitarische Person ex faire unigenitus sine adop- 
tione war. Dagegen sei der von Chiistus adoptierte Mensch nur 
adoptivus und nuncupaiivus deus " {adopiio nach der mozarabischen 
Liturgie). Das Leiden gilt nur vom homo adoptivus. 

2. Dawider erhoben sich die Asturier Beatus und Heterius. 
sowie die fränkische Kirche, besonders Alkuin. Es wurde hierin 
Nestorianismus und Leugnung der Gottheit Christi erblickt. Li Wirk- 
lichkeit ist Christus als jilius proprius von Maria geboren: si autem 
voluit ex virginali utero proprium sibi creare filium, quis ausus est 
dicere eurn non passe (Ale. adv. haer. Felic. 13). In adsumptione nomqm 
carnis a deo persona perit hominis, non natura (adv. Fei. II, 12)^ 
Zu Regensburg 792, Frankfurt 794, Aachen 799 wurde der- 
Adöptianismus verdammt. 

g 32. Die Bildervereliruiig und das filioque. 

Libri Cardllni ed. Heumann 1731; bei Migne 98, 999 ff. Alcuin de proces- 
sione spiritus sancti Migne 101, 63ff. Dazu Hefele, CG. IIP, 694ff.- 749fiV 
Hauck.-KG. Deutschi. II, 276 ff." 299 ff. H. v. Schubert, Gesch. d. ehr. 
Kirche im Frühmittelalter 1917, S.^ 382 ff. . 

1. Die Libri Carolini unterziehen das vom , Papst anerkannte 
2^icänum von 787 einer scharfeii KJritik. Gott allein ist adorandus, 
die Bilder sind Erinnerungsmittel, aber es ist Torheit, ihnen Ver- 
ehrung zu erweisen. Zu Frankfurt 794 wurde entschieden, daß 
den Bildern adoratio und servitits zu weigern und die 2. nicänische 
Synode zu verdammen sei. 

2. Die Formel a paire filioque procedens ist augustinisch. Sie war 
allmählich in Aufnahme gekommen. Karl der Gr. ließ sie durch Alcuin 
und Theodulf v. Orleans verteidigen, und eine Synode zu Aachen 
809 vertrat sie. Leo III. naißbilligte die Erweiterung des Symbols 
(Constantinopolitanum), aber sie hat sich auch in B,om durchgesetzt- 

§ 33. Die Prädestinationslehre. 

Gottschalks (7868) Äußerungen sind gesammelt bei' Migne 121, 345 ff_ 
Im übrigen s. bes. Hrabanus; die Briefe ad Noting., Eberaid., Hincmar.. 
Migne 112. Hinkmar De praedest. dei et lib. arb. Migne 125. Job. Scotus 
Erigena De- div. praedest. Migne 122. Florus Sermo de praed. Migne 119. 
Amolo ep. 2 bei Baluzius Opp. Agobardi II. — PürGottsch. : EemigiusDe 
tribus epistolis und: Libell. de teuenda immobüiter scriptnrae veritate Migne 121> 
Prudentia"s Ep. ad Hincm. Migne 115. Servatus Lupus Libell. de tribus 
quaestionibus Migne 119. KatramnusDe praedest. Migne 121. Vgl. H e f ei«- 



§ 34. De partu, virginis/ § 35. Das Abendmahl. ' 83 

CG. IV2, 130ff. A. F'reystedt, PKE. VII, 39ff: H. Schrörs, Hiikma'r 1884. 
J. Bach, DG. des MA. I, 220 ff. H. Eeuter, Gesch. d. rel. Aufkiänmg im 
MA. 1875 I, 43 ff. Harnack DG. III*, 290 ff. Seeberg DG. IIP, 60 ff. 

1. Nach.' gelegentlichen Äußerungen Augustins schrieb noch 
Isidor von Sevilla: Gemina est praedestinaiio sive electonim ad reguiem 
sive reproiorum ad mortem. Der Mönch Gottschalk v. Orbais 

• hatte die Prädestination erlebt. Er lehrte : Credo et eonfiteor . . ., 
quod gemina est praedestinatio sive electorum ad requieni, sive repro- 
iörum ad mortem, quia sicut deus incommiutabüis ante mundi con- 
stitutionem orrtnes eledos suos incommutabiliier per gratuitam- gratiarii 
suam praedestinavit ad vitam aeternam, similiier omnino omnes reprohos, 
qui in die iudicii damnäbuntur propter ipsorum mala meriia, idem 
ipse incommutabüis deus per iustum iudieium suum incommutabiliter 
praedestinavit ad mortem merito sempiiernam. 

2. Die Gegner deuteten das: dei praedestinatio invitum hominem 
facii peccare, Gott Urheber des Bösen, Sakramente und Sittlichkeit ver- 
nichtet (Hraban, Hinkmar, Amolo, Plorus Mag.). Andere traten zwar 
für das E,echt des augustinischen Gedankens der gemina praedestinatio 
ein, aber auch sie gründeten die Prädestination auf die Präscienz und 
sahen alle Gläubigen für prädestiniert an (Prudentius, Katramnus, 
Remigius, Servatus Lupus). Man verstand Augustin nach Gregor. 

3. Zu Mainz 848 wurde Gottschalk als Ketzer verurteilt. Zu 
Quiersy (853)' und zu Valence (855) wurde, dort im Sinne 
Hinkmars, hier im Sinne sieiner Gegner entschieden. Zu Toucy 860 
wurde dieser Gegensatz beigelegt, nicht entschieden. 

§ 34. De partu virginis. 

Ratramus De eo quod Christas ex virgine natus est, Migne 121. 
ßadbertus Pagchasius De parta virginis, Migne 120. Vgl. Bach DG. 
I, 152 ff. Steitz PEE. XVI, 402. 

B-atramnus meinte, daß die leibliche Jungfräulichkeit -der Maria 
während der Geburt Jesu gewahrt blieb, daß Jesus aber durch nasci, 
nicht er umpi zur Welt gekommen. Badbert sagt: Christus sei 
nicht nach dem allgemeinen ISTaturgesetz geboren, solch ein Gebären 
stehe unter dem Sündenfluch, Maria blieb aber frei von Erbsünde. 

§ 35. Das ATsendmahl. 

. Eadbertus Pasphasius Liber de corpore et sangnine domini (831) 
und Comment. zu Matth. 26 (bei Migne 120). Eatramnus De corpore et 
sangnine domini (Migne 121). Vgl. Steitz-Hauck PEE. XVI, 39?ff. 464 ff. 

6* 



84 ■ "' §35. Das Abendmahl. 

L, J. Rück er t, Der Abendmahlsstreit des MA. in Ztschr. f. wiss. Theol. 1858, 
S. 22ff. Bach DG. 1, 159ff. Seeberg DG. IIP, 68 ff. Harnack DG. III*. 
SlOff. J. Ernst, D. Lehre d. h. Pasch. R. v. d. Eucharistie 1896. A. Naegle, 
Ratramnüs u. die heü. Eucharistie 1903. 

1. Von der alten Kirclie hatte man kein Dogma vom Abendmahl 
erhalten. Die Steigerung des Opfergedankens besonders bewirkte eine 
immer massivere Auffassung des Sakramentes. Andrerseits bestanden 
in der Theorie Augustins !Formeln fort. Noch Gelasius I. lehrte, daß 
zwar durch den heü. Geist die Elemente imnseunt in divinam suh- 
stantiam,d8iß ater esse non desinit substantia vel natura 'paniset^vini. 

2. Radbertus Pascliasius lehrte; im Abendmahl -findet ein 
creari des Leibes Christi statt: ijise panis ae vini substantia carneni 
Christi et sanguinem invisihili poieniia quotidie per « sacramenti sui 
sanctificationem operatur. Daher: substantia panis et vini in Christi 
carneni et sanguinem efficaciter interius commutatur. Christi Leib ist 
also wirklich vorhanden, doch fehlen Geschmack, Farbe, Form. Die 
"Wirkung ist Stärkung des Glaubens, "Befreiung von den leichteren 
Sünden und Reparation unseres Fleisches zur Unsterblichkeit. ^ — Aber 
nur der Gläubige erfährt diese "Wirkung: Nisi per fidem et intelligent 
tiam quid praeter panem et vinum in eis gustantibus sapit? Die figura 
des Sakramentes sieht jeder, die veritas ex"faßt nur der Glaube. Nur 
dieser empfängt den Leib des Herrn. — ßadbert hat als erster eine 
Theorie vom Abendmahl aufgestellt. 

3- Hraban sagt, daß aus dem Brot täglich Christi wahrer Leib 
consecratione Spiritus sancti creatur. Dieser ist mit dem geschichtlich- 
himmlischen Christusleibe substanziell identisöh , der Form nach 
(specialiter) different. 

4, Ratramnüs wai'en von Karl dem Kahlen zwei Fragen voi'- 
gelegt : ob das Abendmahl ein nur dem Glauben -wahrnehmbariBS 

-Mysterium enthalte, ob es den histoi-ischen Leib Jesu darbiete? Die 
erste Frage wird bejaht, die commuiatio- in melius, die mit Brot und 
Wein stattfindet, ist spiritualii-er und figurative zu verstehen. Eine 
geistige Gegenwart Christi ist anzunehmen. Figurae sunt ' secundum 
speciem visibilem, at vero secundum invisiMlem substantiam id est divini 
potentiam^Verbi (d. h. des Logos) vere corpus et sanguis Christi existunt. 
Die zweite Frage wird verneint. Exterius igitur quod apparet, non est 
ipsa res, sed imago rei, mente vero quod sentitur et intelligitur veritas rei. 

5. Beide Betrachtungsweisen bestanden zunächst nebeneinander 
fort, aber die Zukunft" gehörte der „realistischen" Theorie. 



36. Kirche und Buße. 85 



§ 36. Kirclie und Bufse. 

Decretales pseudoisidorianae ed. Hinschius,. 1863; Donatio Con- 
stantini (ca. 754). - Vgl. E. Seckel PEE. XVI, 265 ff. Seeberg- DG. IH^, 
77ff. H. Wassersclileben, Die Bußordnungen der abendl. Kirche 1851. 
Regino De synodalibus causis et disciplinis ecclesiasticis 11. 2 ed. Wassersch- 
ieben, 1840. Ps.-Augustin De vera et falsa poenitentia (ca. 1000), Aug. opp. 
XVII, 1849 ff. H. J. Schmitz, Die Bußbücher u. die Bußdisziplin d. K. 1883. 
1898. J. Mo r in. US, Comment. hist. de disciplina in administri sacr. poenit. 
Paris 1651, auch Venet. 1702. K. Müller, Der Umschwung in d. Lehre v. 
d. Buße während des 12. Jahrh. in den Abhandl. f. Weizsäcker 1892, S. 289 ff. 
Th. Brie g er, Indulgenzen PEE. IX, 76 ff. A. Gottlob, Kreu^ablaß u. 
Almosenablaß 1909. N. Paulus, Die Anfänge des Ablaßwesens in Hist. poHt. 
Bl. 1906, 550 ff. Die Anfänge des Ablasses in Ztschr. f. kath. Theol. 1909, 281 ff. 
Hauck, KG. Deutschi. I, 212 ff. 252 ff. II, 223 ff. 664 ff. Funk- im kath. 
-Kirchenlexikon II, 1561 ff. Loofs DG.^ S. 475 ff!. Seeberg DG. IIP, 82 ff. 

1. Kirche und Buße sind die beiden Zentralbegriffe des abend- 
ländisphen Christentums. Beide haben in unserem Zeitraum eine 
Weiterentwicklung erfahren. 

2. In den pseudoisidorischen Dekretalen (ca. 860) sind die Ideale 
des Hierarchismus zu Hechtsurkunden geworden. Die Bischöfe sind 
die Vertreter Christi auf, Erden. Die subcUti sollen den praelati ge- 
horchen. Daher sollen auch die Fürsten sich vor ihnen beugen. Der 
Papst hat das Regiment der Gesamtkirche, nur er darf Bischöfe richten. 
Huius sanctae sedis auctoritate omnes ecclesiae deor disponente reguntür. 

3. Die Wiederholbarkeit der Buße ist jetzt fast allgemein anerkannt. 
Das altkirchliche öffentliche Büß verfahren ist auf germanischem Boden 
nie zur Blüte gekommen. Man erreichte kaum die Durchführung des 
Grundsatzes-: quorum'peccata in puUico sunt, in publieo debet esse poeni- 
tentia. Von alters her war es daneben üblich, für leichtere Sünden 
durch die cotidicma poenitentia Vergebung zu erwerben. Auf eine 
derartige bußfertige Gesinnung rechnet auch die Sitte der „offenen 
Schuld" und der absolutio generalis. Diese beiden Formen werden 
aber allmählich (von 700 — 900) verdrängt von der in den Klöstern 
üblichen Privatbeichte, das heißt einer freiwilligen confessio aller 
schweren Sünden vor dem Priester. Das Hinzutreten der neuen 
Kapitalsünden zu den alten Todsünden erforderte auch für erstere 
eine besondere Form der Zusicherung der Vergebung, zumal im Hin- 
blick auf die Kommunion. Die Absolution folgt (in der Regel depre- 
kativ) der Beichte. Die Leistung der satisfaktorischen Werke bezeugt 

.V. 

den Ernst der Bußgesinnung, ihre Leistung wird bei der Absolution 



8ß § 37. treschichte der Theologie von Anselm bis Petrus Lömbardüs. 



vorausgesetzt. Der Sünder hat darnach ein doppeltes zu leisten: 
ahluat confessione, deleat 'poenitentia (Alcuin ep. 13). 

4. Das System ist dies (s. bes. De vera et falsa poenit). Die Sünde 
beleidigt Gott. Veniale Sünden werden durch das Vaterunser gelöst, 
für Todsünden soll man 2^6?" condignam poenitentiam satisfacere; sind sie 
aber im Verborgenen geschehen, so genügt die Beichte, vor dem 
Priester. Poenitere est poenam teuere. Diese Selbstbestrafung, die dem 
Gericht Gottes zuvorkommt, besteht in dolor, confessio aind der Aus- 
führung der vorgeschriebenen Bußwerke.. Das ist die Satisfaktion. 
Ihr resp. der Buße wesentlicher Bestandteil ist die confessio. Sie 
wandelt das peccaium mortale um in ein veniale. Wer aber die satis- 
f aktorischen Werl^e nicht leistet, verfällt dem ignis purgatorius. 

5. Die von den Bußbüchern angegebenen Bußwerke konnten aber 
vertauscht, durch Geld abgelöst (Eedemptio, Compositio) oder auch 
vertretungsweise von einem iustus geleistet werden. Eine andere Form 
der Ablösung der kanonischen Bußstrafen ist der Ablaß (indulgentia), 
d. h. ein teilweiser oder ganzer Erlaß dieser Strafen im Hinblick auf 
Erfüllung gewisser von der Kirche generell hierzu festgesetzter 
Leistungen oder Zahlungen. Voraussetzung sind dabei stets Beichte 
und Absolution. Man kann die Kreüzablässe von den Almosen- und 
Devotionsablässen unterscheiden. 



Zweites Kapitel. ^ 

Die LeHranschauungen während der ersten Periode der Sciiolastiic. 



§ 37; Einleitung. Geschichte der Theologie von Anselm bis 

Petrus Iiombardus. 

H. E, e u t e r , Gesch. der relig. Aufklärung im MA. 2 Bde 1875/7. A. H a u c k , 
Kircliengesch. Deutschlands III. IV. A. Neander, Der h. Bernhard u. s. 
Ztalter ed. Deutsch 1889f. ,J. v. Walter, Die ersten Wanderprediger Frank- 
reichs, 2 Tle 1903/6. E. Eichmann, Quellensammlung zur kirchl. Kechtsgesch. 
I. 1912. C. Mirbt, Die Publizistik im Zeitalter Gregors VII., 1894. ,— 
B. Haureau, Eist, de la Philosophie scolastique 3 Bde., 2. A. 1880. ,R. See- 
berg,' Art. Scholastik PRE. XVII, 705fi. C. Prantl, Gesch. d. Logik im 
Abendlande 4 Bde. 1855 ff. F. Überweg-M. Baumgärtner, Gesch. d. Philbs. 
111°, 1915. E. Erdmann, Gesch. d. Philos. P (1896). A. Stöckl, Gesfeh. 
d. Philos; d. MA. 2 Bde. 1864 ff M. de Wulf, Gesch. d. mittelalterl. Phüo&.^ 
übersetzt von Eisler 1913. J. A. Endres. Gesch. der mittelalti Philos.;' 1908. 



§ 37. Gesehich^ der Theologie von Anselm bis Petrus Lombardus. 87 

•CI. B ä u m k e r in Kultur der Gegenw. I 5, 290 ff. M. Gr a b m a nn , Die Gesell, 
der seholastischen Methbde I, 1909. II, 1911. F. E. Hasse, Anselm 184B/52. 
J. Kunze, Anselm PEB. I, 562 ff. E. Lohmeyer, Die. Lehre vom Willen 
bei Anselm 1914. P. Nitzsch, Abälard PJ?,E. I, 562ff. E. Seeberg, Petr. 
' Lombardus PEE. Xlf 630 ff. S.M.Deutsch, Peter Abälard 1883. H D e n i f 1 e . 
Ab. Sentenzen u. d. Bearbeitungen s.-Theol. im Archiv f. Litt; u. KG. des MA. 
I, 402 ff. 584 ff. 0. B a 1 1 z e r , Die Sentenzen d. Petr. Lomb. 1902. J. S c.h w a n e , 
DG. d. mittleren Zeit 1882. Harnack DG. III*, 330ff. Seeberg DG. m^, 
107 ff. 185 ff. Loofs DG.* S. 497ff. 

1. Die Keformation von Cluny hat einerseits den Anstoß zur 
Durchsetzung der pseudoisidorischen Ideen — in der E,ichtung der 
Idee der päpstlichen TJniversalmonarchie — gegeben (Gregor Vli.), 
iat aber andrerseits das religiöse Volksleben gekräftigt und die . 
Frömmigkeit vertieft. 

2. Letztei'es wird, vor allem durch das Christentum Bernbards 
T^on Clairvaux (-J- 1153) bezeugt. Bernhard leitet an zu Christi vulne- 
7\im sedula meditatio (Sermones in Cant. cant, Migne 182). In dem 
Menschen Jesus tritt uns Gott als Verbum rex nah. Ein sentire und 
experiri der Liebe Gottes tritt ein und entflammt zur Gegenliebe. 
"Weiter kommen wir zur seligen Vereinigung mit Gott in der mystischen 
■Scbauung, Braut und Bräutigam. Aber das Ziel erreicht nur der, 
dem es ernst ist mit der imitatio Christi in einem frommen Leben der 
täglichen Buße. Das Hecht des aktiven Lebens ist gewahrt neben 
der Kontemplation^ Aber alles ist ein Geschenk der Gnade: gratia 
reddit me mihi iustificatum gratis et sie liberatwm a Servitute- peccati. — 
Bernhard lehrt mit Augustin, daß der Mensch Jesus der Weg zu Gott 
ist (§ 19, 5), aber er betont kräftig die Unmittelbarkeit der Gottes- 
empfindung. Er hat die für die mittelalterliche Erömmigkeit maß- 
gebende Form der imitatio Christi aufgestellt. 

3. Mit der Steigerung des religiösen und geistigen Lebens hängt 
auch der Aufschwung der philosophischen und theologischen Studien 
in diesem Zeitalter zusammen. Die patristischen Florilegien sowie die 
kanonistischen Sammlungen (Ivo, Gratian) boten den Stoff. Das Studium 
des Aristoteles führte zur dialektischen Methode, die ITnantastbarkeit 
<ier Autoritäten und des Dogmas begünstigte die Anwendung dieser 
auf die religiösen Probleme. Man versuchte zunächst durch dfe ratio \ 
den richtigen Verstand des Dogmas zu gewinnen (Berengar f 1088). 

4. Als Begründer der Scholastik können Anselm von Canter- 
bury (-J- 1109) und Peter Abälard (-{■ 1142) bezeichnet werden. 
Die differente Methode beider Männer hat in der Geschichte der 



88 § 37. Geschichte der Theologie von Äjiselm bis Petrus Lombardus. 

Scholastik fortgewirkt. A n s e 1 m (Monologium, Proslogimn, De ven- 
iate, Äpologeticus contra Gaunilonem, Cur deus Jiomo? De fide trinitatis. 
De conceptu virginali. De casu diäboli, De concordia p-aescientiae et 
praedestinationis et gratiae dei cum libero arbitno etc. Migne 158. 159) 
hat die Kirchenlehre spekulativ zu entfalten gestrebt, er versuchte 
Augustin selbständig zu reproduzieren und rang nach modernen 
Formen für die alte "Wahrheit. Der Glaube ist in den drei Symbolen 
(Apostolic, Oonstantinopolit. Athanasian. ; Ep. II, 41) gegeben. Die 
Grnade wirkt im Menschen den Willen sich der Kirchenlehre zu unter- 
werfen: die experientia eignet sie sich dann innerlicb an, aus ihr er- 
wächst das intelligere (de fide trin. 2) ; an der fides ist festzuhalten, 
auch wenn das intelligere versagt bleibt (Monolog. 64). Bei ^seinem 
Unternehmen wurde Anselm von der Überzeugung der objektiven 
Existenz der üniversalia (Realismus) geleitet. So meinte Anselm das 
kirchliche Dogma ratione ac necessitate, non solum ludaeis sed etiani 
paganis sola ratione beweisen zu können. — Anselm verfocht seinen 
Realismus wider den lyTominaüsmus des Roscelinus v. Compiegne. 
nacb dem die Universalien nur subjektive flatus vocis sind. Das 
Problem knüj)fte sich an eine Stelle in Boethius Übersetzung der 
Isagoge des Porphyrius (Migne 64): de generihus et specielus illud 
quidem sive subsistant sive in solis nudis intellectihus posita eint, siw 
subsistentia corporalia sint an incorporalia, et utrum separata a sensi- 
dilibus an in sensibilibus posita et drca haec consisteniia, dicere recusaho. 
Boethius selbst hatte die objektive Existenz der Universalien (species 
und genera) in den Dingen angenommen ; sie werden aber von uns aus 
der Ähnlichkeit der Dinge abstrahiert imd so bezeichnet, als existierten 
sie für sich. Maßgebend wurde die Lehre des Grilbert de la Porree 
(Y 1154, Migne 64): jedes subsistens hat eine dreifache subsistentia 
(singularis, specialis, generalis). Diese Subsistienten (d. h. die Uni- 
versalien) existieren als formae suhstantiales nicht für sich, sondern in 
den einzelnen res subsistentes. Den Begriffen korrespondieren Realitäten. — 
5. Abälard (ßic et non; Introductio ad tlieologiam, Theblogia- 
christiana, Komm, zum Römerbrief. Dialogus etc. Migne 178) hat die 
scholastische Denkmethode für den Schulbetrieb hergestellt. In Sic 
et Xon werden einander widersprechende Aussprüche von: Autoritäten 
nebeneinandergestellt ; es ist nötig, die Widersprüche auf dialektischem 
Wege auszugleichen. Die Aufgabe der Theologie ist es, den (trini- 
tarischen) Glauben der Vernunft einleuchtend und wahrscheinlich zu 
machen. Die Väter sind nicht cum credendi necessitate. sed' cum ixidi- 



§ 38. Christologische Gegensätze. 89 



candi libertate zu 'lesen. Sichere Wahrheit bietet uns die excellentia 
canonicae audoritatis veteris et novi testamenti (nach Augustin ep. 82, 1, 3). 
Dieser Grundsatz blieb hinfort theoretisch in Geltung. Abälard hat 
weiter der Sakramentslehre die der katholischen Dogmatik entsprechende 
Stellung und Ausbildung gegeben, indem er von fides, sacramentum, 
Caritas handelte (vgl. § 25, 4 init.). In der Erkenntnislehre scheint 
Abälard sich dem ISTominalismus zugeneigt zu haben, ohne aber 
daraus Konsequenzen für seine Theologie zu ziehen (gegen "Wilhelm 
von Champeaux). 

6. Von Schülern Abälards sind zu nennen die Verfasser der 
Epitome theol. christianae (Migne 178) und der (ungedruckten) Sen- 
tenzen der Stiftsbibliothek zu St. Florian, Mag. Omnebene (ungedruckt). 
E.oland (Papst Alexander III. Sentenzen ed. Gietl 1891). 

7. JDie neue Richtung" drang, trotz scharfer Bekämpfung (Bern- 
hard wider Abälard, Johannes v. Salisbury, "Walther v. St. Viktor, 
Gerhoh und Arno v. B,eichersberg), schnell vor. Doch verband sich 
andrerseits die Methode Anselms mit einer straffen Orthodoxie, so 
etwa Honorius Augustodunensis (ca. 1120, Octo quaestiones vgl. 
Elucidarium), bes. aber Hugo v. St. Viktor (-j- 1141, De sacramentis. 
Summa sententiarum, vielleicht von einem Schüler Hugos herrührend. 
Migne 176), Bobert v. Melun (f 1167. Sentent.) ; Sententiae 
divinitatis (ed. Geyer 1909; aus Güberts Schule), BobertPullus 
(-J- ca. 1150, Sententiarum libri octo, Migne 186). 

8. Petrus Lombardus (f 1160 oder 1164), ein Schüler 
Abälards, schuf in den Quatuor libri sententiarum das dogmatische 
Lehrbuch des MA. ; er schloß sich gern Hugo an, befolgte aber die 
Methode Abälards: orthodox aber dialektisch, audoritas und ratio. 
Er verwirft ein novellum sui desiderii dogma und schreibt sein "Werk,. 
in quo maiorum exempla dodrinamque reperies. Der Damascener 
wirkte mit ein auf die Einteilung des B.uches : Gott, der Mensch, 
Christus, die Sakramente. 

§ 38. Christologische Gegensätze. 

■ J. B a c h DG. d. MA. II, 390 ff . 0. B a 1 1 z e r , Beitr. z. Gesch. des christolog. 
Dogmas im 11. u. 12. Jahrh. 1898. A. Hauck, Kirchengesch. Deutschlands 
IV, 434.Ö.- Seeberg DG. IIP, .239ff. 

1. Abälard vertritt die augustinische Christologie, er betont stark 
die Selbständigkeiit des menschlichen Seins Christi. Er ist Jiomo 



"90 § 39. Die Lehre von der Versöhnung. 



■assum'ptus a Verbo (ygl. § 19, 5) und er erfüllt Gottes "Willen: Quod 
nunquam homo ille assumpius aliquid facere dppetivit, quod lioe sibi 
■suave esse speravit, sed quia Jioe deo placere credidit. Als Gottes ewige 
Weisheit unterweist er die Menschheit durch Wort und Wandel. 

2. Der Lombarde schließt sich auch hier, mit Wahrung der 
orthodoxen Formeln, wesentlich Abälard an. Die unwandelbare Logos- 
person nimmt die (unpersönliche) Menschennatur' an : Gott ist Mensch, 
quia est Jiabens liominem. In dieser unüas personal allein besteht die 
menschliche Natur, an sich ist sie daher kein aliquid (Nihilianismus); 

3. Diese Auffassung wurde von Gerhoh v. Rpichersberg als 
^^estorianismus und Adoptianismus bekämpf t. Er vertrat die konkrete 
Einigung von Gottheit und Menschheit in Christo, indem das Endliche 
fähig sei, das Unendliche in sich zu fassen. Der Mensch Jesus ist 
Oott, sofern Gott ihn durch den heil. Geist erzeugt hat. So durch- 
dringt der eine Christus, in dem Gottheit und Menschheit unlöslich mit- 
einander geeint sind, wie ein Feuer die Menscheit, Wahrheit und Leben 
ihr gebend und zugleich durch sein menschliches Beispiel sie leitend. 

4. Hinsichtlich der Maria nahm man an, daß sie zwar in Sünden 
■empfangen, sei, aber schon im Mutterleibe von dem.^ fomes der Erbsünde 
gereinigt worden sei. Hierdurch über alle Menschen erhaben, wird 
sie als coeli regina, domina mundi, mediatrix und rejjaratrix humani 
generis gefeiert. 

§ 39. Die IiiBhre von der Versöhnimg. 

A. E i t s c h 1 , Rechtf ertigmig und Versöhnung I-, 33 ff . H. C r e m e r , Die 
Wurzeln der ans. Satisf. begr. in Stud. u. Kritiken 1880, 7 ff.: 1893, 316 ff. 
E. V. Möller ib. 1899, 627 ff. L. Heinrichs, Die Genugtuungslehre des 
h. Anseimus 1909. B. Seeberg DG. IIP, 207 ff'. J. Gottschick, Studien 
z. Versöhnungslehre des MA. in Ztschr. f. KG. 1901, 378 ff.: 1902, 35 ff. Har- 
nack DG. in*, 388ff. Loofs DG.* S. 506ff. 

1. In „Cur deus homo?" hat Ans e Im den Versuch eines neuen 
religiösen Nachweises der Gottheit Christi unternommen. Nicht aus 
den Wirkungen auf die Menschheit (Athanasius oben § 16, 5 b), sondern 
aus den Wirkungen Christi auf G^jtt soll der Beweis entnommen 
werden. Die Bußpraxis bot die Grundlage zur Beurteilung des Ver- 
hältnisses zu Gott dar. — Die Sünde ist ahsentia iustitiae debUde. 
Wie aber der Mensch dauernd dem dehitutn iustitiae integrae Untersteht, 
hat er als Sünder zugleich das debüum satisfaciendi. Sofern er wollend 
diese Pflichten nicht erfüllt, hat er Schuld. Der Schuld entspricht 



§ 39. Die Lehre von der Versöhnung. 91 



die Strafe der physiscBen Korruption mit ihrer neeessiias -peccandi 
sowie die ewige Verdammnis. So fordert es die göttliche Gerechtig- 
keit, es sei denn daß die Strafe durch Satisfaktion (satisf actio aut 
foena) abgelöst wird. "Wie ist diese möglich ? Gott wollte eine superna 
civitas, die aus einer bestimrnten Zahl von Erwählten bestehen, soU. 
Es fielen die Engel, die Menschen sollten die Lücke ausfüllen. Aber 
auch sie fielen. Ist es Gottes Jionor, daß dieser sein Wille verwirklicht 
wird, so ist die Sünde Verletzung des göttlichen lionor. Die Satis- 
faktion besteht nicht bloß in der Erfüllung des debitwm iustiUae, sondern 
in der Wiedergutmachung der Gott angetanen iniuria durch eine 
darüber hinausgehende Leistung. Diese ist die Realisierung des Gottes- 
stäates in der durch die Sünde gewirkten Lage, die aber schwieriger 
ist als die Adams. Von^dieser gilt: quam nee polest facere nisi deus, 
nee debet nisi Tiomo : necesse est, ut eam fäeiat deus-liomo (II, 1), Indem 
Christus diese satisf aktorische Leistung durch Hingabe seines Lebens 
in den Tod erfüllt, ermöglicht er die Wiederaufrichtung des Gottes- 
staates und st^t dadurch die Ehre Gottes wieder her. Deshalb kann 
Gott nach seiner Güte, unbeschadet seiner Gerechtigkeit, Sündenver- 
gebung eintreten lassen. Ecce iam vides, quomodo rationäbüis necessitas 
ostendat, ex liominibus perficiendam esse supernam dvitatem nee lioe posse 
fieri nisi per remissionem peecatorum, quam nullus Jiomo Jialere potest 
nisi per Jiöminem, quiidem ipsesit.deus atque sua morte liomines pecea- 
iöres deo reconciliat (H,' 15). Ergänzend ist zu sagen, daß Christus 
als schuldlos nicht zum Tode verpflichtet war, sondern sich ihm libera 
voluntate unterzog. Dadurch erwarb er ein meritum, welchem Gott 
eine retributio folgen läßt, die Christus aber selbst nicht braucht und 
daher der Menschheit zuwendet. Sie empfängt die erneuernde Gnade 
sowie die sie ermöglichende Vergebung. So erweist sich Gottes 
Gerechtigkeit wie seine Barmher^gkeit. 

2. Abälard (Komm, zu Rom. 3, 22 ff., Migne 178, 833) ver- 
wirft sowohl die alte Theorie vom Recht des Teufels als Anselms Ge- 
danken: wie kann Gott am Tode eines Unschuldigen Gefallen finden, 
welche Sühne fand der Mord Christi? Vielmehr sandte Gott der 
sündigen Menschheit seinen Sohn, der lehrte, litt und starb, zur 
Offenbarung der Liebe Gottes, zur Anregung der Gegenliebe in uns 
und der Befolgung seines Beispiels. Diese. so in tms erzeugte Gegen- 
liebe wird der Grund zur Vergebung unserer Sünden: ut per liano 
iustitiam, id est caritatem.. remissionem peecatorum assequamur. Aber 
unsere unzulänglichen Verdienste werden ergänzt durch Christi Ver- 



'92 ' § 40. Die Lehr^ vom Abendmahl. 

dienst und Unterweisung, sowie dadurch, daß er betend für uns bei 
dem Vater eintritt. — Die beiden Formen, die der Erlösungsgedanke 
von Anfang an angenommen hat, treten in Ans. und Ab. einander 
scharf entgegen. 

3. Besonders Bernhard (ep. 190) bekämpfte Abälard: nicht 
■nur institutio, sondern restitutio; nicht nur Jiumilitatis exempia oder 
caritatis insignia, sondern das sacramentum redemptionis ist nötig. Christi 
Blut ist das pretium redemptionis : nisi amasset dulciter, tion me in carcere 
requisisset illa maiestas. 8ed iunxit affedioni sapientiam, qua tyrannum 
deciperet, iunxit et patientiam, qua placaret offensum deum patrem. 

4. Die Vereinigung beider Gedankenreihen findet man auch bei 
dem Lonibarden (Sent. HI dist. 18 — 20).. Christus erwarb sich 
ein meriium, sein Leben genügte zxi seiner eigenen Verklärung, sein 
Tod geschah pro ie, noti pro se. Also: Christus Jiomo sufficiens et 
perfecta fuit liostia. Dadurch verdiente uns Christus redemptio von 
der Sünde, dem Tode und Teufel. Damit verbindet sich aber eine., 
psychologische Erneuerung : mors ergo Christi nos iustifieat, dum per 
eam Caritas excitatur in cbrdibus nostris. Die Strafe Christi wirkt auch 
mit den Bußstrafen zusammen zur Erlassung der zeitlichen Strafe der 
Sünde: non enim sufficeret illa poena, qua poenitentes ligat eeclesia. 
nisi poena Christi cooperareiur, qui pro ndbis solvit. 

§ 40. Die Lehre. vom Abendmalü. 

Be rengar (f 1088) Epistola ad Adelmannum und Liber de Sacra coena 
adv. Lanfrancum (ed. A." F. u. F. Th. Vischer 1834). Lanfrank (f 1089) 
De corp. et sang, domini adv. Ber. Tur. bei Mgne 150, 407 ff. Über Lanfrank 
11. Guitmund v. Aversa s. H. Böhmer PEE. XI, 249 ff. VII, 234. Vgl. 
J.Schnitzer, Berengar v. Tours 1890. E e u t e r , Gesch. d. r el. Aufklärung im 
MA. I, 91 ff. L. Schwabe, Studien ziuf Gesch. des 2. Abendmahlsstreites 1886. 
Seeberg DG. IIP, 196 ff. Hanck, KG. Deutschlands III, 953 ff. 

1. Berengar lehrte: Brot und "Wein bedeuten (signifieant) 
Christi Leib und Blut. Die Konsekration fügt zu den Elementen 
nur eine neue geistige Bedeutung. Diese Lehre habe die Tradition 
und Vernunft für sich. Die Gegenlehre ist vecordia. 

2. Die multiduto ineptorum ertrug diese Lehrweise nicht. Berengars 
Lehre wurde verdammt ; er blieb bei seiner Lehre, widerrief sie aber ^ 
mehrfach (Rom und Vercelli 1050. Tours 1054. Eöm 1059. Eom 1079). 

3. Seither wurde viel über das Abendmahl diskutiert, aber in 
Rova war 1059 festgesetzt worden : paneni et vinum , . post conse- 



§ 41. Die Bußlehre. 93 



crationem ... verum corpus et sanguinem domini nostri Jesu Christi esse 
et sensualiter, non solum sacramento sed in veritate manibus sacerdotmn 
iractari, frangi et fidelimn äentibus atteri. Lanfrank (s. oben), Hugo 
V. Langres (De corp, et sang. Christi c. Berengar. Migne 142, 1325ff.), 
Alger V. Lüttich (De saeramentis corp. et sang. dorn. Migne 180, 743 ff.), 
Durand von Troam (De corp. et sang. dorn. Migne 149, 1375 ff.), 
und bes. Guitmund v. Aversa (De corp. et sang. Christi veritate 
in euchar. Äligne 149, 1427ff.) verteidigten die alte oder neue Lehre. 
Eine objektive mutatio findet mit den Elementen statt. Das beweisen 
die Einsetzungs Worte, die Tradition und manche kirchlichen AVunder. 
Nach der "Wandlung bleiben aber die Qualitäten der irdischen Elemente 
am Leibe erhalten. In jeder Hostie ist der ganze Christus gegen- 
wärtig, Gläubige und "Ungläubige empfangen ihn. Die Lehre von einer 
impanatio oder companatio des Leibes Christi im Abendmahl wurde 
verworfen. Die Ausdrücke transsubstantiari, transsubstantiatio zuerst 
bei Stephan Augustodunensis (ca. 1139) und später bei Petrus Comestor 
<t c. 1170), s. Migne 172, 1293; 171, 776. 

4. Die Transsubstantiation ist jetzt allgemein rezipiert worden.:^ 
constat verum corpus Christi et sanguinem in altari esse,-immo integrum ' 
Christum ibi sub utraque specie, et substantiam panis in corpus vinique 
substantiam in sanguinem converti (Petrus Lomb, IV ~dist. 10). Zum 
Dogma wurde sie erhoben durch Papst Innocenz HI. auf dem'4. Lateran- 
konzil (1215): corpus et sanguis in sacramento altaris sub speciebus. 
■panis et vini veraciter eontinentur, ^ranssubstantiatis pane in corpus et- 
vino in sanguinem potestate divina ... Et hoc utique sacramentum memo, 
■potest con'jicere,msi sacerdos, qui rite fuerit ordinatuß. 

§ 41. Die Bufslehre. 

K. Mü.ller s. § 36 Litt. -P. Schmoll, Die Bußlehre der Frühscholastik. 
a909. Seeberg DG. IIP, 2o6ff. ] 

] 1. Der § 36, 4 bezeichnete tJmschwung hat Abälards Bußlehre 
bestimmt. JTach Ab. besteht die Buße in der aus der von Gott ein- 
gegossenen Liebe hervorgehenden contritio cordis ; dieser folgt die 
göttliche Vergebung. Die confessio vor dem Priester ist ein Haupt- 
teil der satisf actio. Jene Vergebung erstreckt sich aber nur auf die 
ewigen- Strafen der Sünde; zur Ablösung der zeitlichen Strafen (in 
diesem Leben Wie im Purgatorium) bedarf es der satisfaktorischen 
"Werke. Damit war das Becht dieser "Werke, das durch die neue 



94 §42. Die sieben Sakramente. — §43. Die Theologie d. 13. Jahrhunderts. 

Praxis schwankend geworden war, erwiesen. Es erhob sich aber ein- 
neues Problem, welche Bedeutung dann der Beichte und Absolution 
noch zustehe, s. § 48, 9. 

2. Der Lombarde (IV dist. 14 ff.) ergänzte Abälards Theorie, 
indem er, Hugo folgend, die eonfessio mit der contriUo verhindet und 
dadurch der absolutio ihren Platz sichert. Die Buße ist also einerseits 
eine innerliche virtus mentis,^ andrerseits ein ävSeres sacramenium. Beides 
zusammen^ gibt die iustifieatio. Grott allein vergibt die Sünden, aber 
die Priester zeigen, daß der Sünder in fade ecdesiae solutus Jiahetur. 
Die Satisf actio operum dient zur Tilgung der zeitlichen Strafe. 

§ 42. Die sieben Sakramente. 
F. KattenbuBch PßB. XVII, 357ff. Seeberg DG. IIP, 268fi. 

1. Das Schwanken des Begriffes sacramentum hinderte die Theorie. 
Seit dem 12. Jahrh. beginnt der SakramentsbegrifE an bestimmten 
Handlungen zu haften. Hugo v. St. Yiktor und B,oland scheinen die 
ersten zu sein, die sieben Sakramente zählen. Ganz deutlich, ist 
diese Zählung dann bei dem Lombarden. 

2. Die Sakramente sind Zeichen, nicht nur significandi gratia^ 
sed etiam sandificandi eingesetzt (Lomb.). Diesen Zeichen wohnt die 
Gnade als wirksame Kraft ein: Sacramentum est corporate vel mate- 
riale elementum, foris sensibiliter propositum ex similitudine repraesen- 
tans et ex institutione significans et ex sanctificatione continens aliquam 
invisibilem et spirüalem gratiam (Hugo de sacramentis I, 9, 2). 

3. Die sieben Sakramente sind : Taufe, Konfirmation, Abendmahl^ 
Buße, letzte Ölung, Ordination, Ehe. 



Drittes Kapitel. 
Die kirchliche Lehre während der Blütezeit der Scholastik. 



§ 43. Die Theologie des 13. Jahrhunderts. 

S. die Literatur zu § 37, dazu F. Ehrl e im Archiv f. Lit. und KGesch. 
des MA. V, 608 ff. E. Seeberg DG. nP, 308 ff. sowie PKE. XVII, 7llf. 
Gl. Bäumker, Der Platonismus im MA. 1916. E. Krebs., Theol. u., Wiss., 
nach der Lehre der Hochscholastik 1912. M. Grabmann, Forschungen über 
die lat. Aristotelesübersetzungen des 13, Jahrh. 1916. K. Werner, Der h. 



§'43. Die Theologie des 13. Jahrhunderts: . 9^ 

Thbitf. V.- Aquino 3 Bde. 1852ff: L. Schütz, Thomas-Lexikoii 2. Aufl. 1895. 
El' S e feb erg ,; Art Thomas PEE. XIX, 704 ff. J. A. En dr e s , Thomas v. Aq, 
191;0.' H. Felder, Gesch. der . wiss. Studien im Eranziskanerorden 1904. 
Harnack DG. III* 497 ff. Loofs DG.* S. 532ff. G. Hoffmann, Die Lehre 
von, der Fides implicita in der kath. Kirche 1903. K. Heim, Das Gewißheits- 
prbhlem in der syst. Theol. 1911. — U. Stutz, Kirchenrecht in Holtzendorff- 
EcMers. Enzyklopädie der Eechtswiss.y, 322 ff. 

'1. Das 13. Jahrhundert charakterisiert sich durch, die höchste 
Steigörung der päpstlichen Gewalt, wie sie ihren schärfsten Ausdruck 
in. "deir Bulle Bonifätius' YllE: ' „ükam sarictam^'' (1302) gefunden hat. 
Unam sänctam ecclesiam catliolicam . . . ^de credere eogimur . . . 
exira quam nee salus est nee remissio peceatorum . . . In qua unus 
dörüinus, una fides, ununi iaptisma . . . Igitur ecelesiae unius et uyiicae 
m/ium corpus, ' unüm caput, non duo capita quasi monstrum, Christus 
seül et Christi vicarius, '^Petrus Petrique successor . . . In hac eiusque 
pötistate duos esse gladios, spiritualem videl. et temporalem \ •. . Uterque 
ergo est in potestate ecelesiae, spiritualis seil, gladius et maierialis. Seä 
is quidem pro ecclesia, ille vero ai ecclesia exercendus. Ille sacerdoiis, 
is manu regum et 'militum, sed ad nutum et patientiam sacerdotis. 
Oportet autem gladium esse sub gladio et temporalem auctoritatem spi- 
rituali subiici potestati .'. : Spiritualem autem et dignitate et noMlitate 
terrenam quamlibet praecellere potestatem . . . Nam veritate testante 
spiritualis . potestas terrenam potestatem instituere habet et iudieare, si 
bona non fuerit . . . Quicunque. igitur huie, potestati a deo sie ordi- 
natae resistit, dei ordinationi resistit, nisi duo, sicut Manichaeus, fingas 
esse prineipia .^ -. Porro subesse romano pontifici omni hu- 
man ae creaturae dedaramus, dicimus, definimus et pronunciamus 
omnino esse de necessitate salutis. 

2. Sodann gehört zur Charakteristik des Jahrhunderts die Hebung^ 
der Frömmigkeit. Franz v. Assisi lehrte in der Nachfolge Jesu 
die Nähe Gottes und die Seligkeit persönlich zu empfinden. — Auch 
in Läienkreisen erfuhr das religiöse Leben in unserem Zeitalter eine 
Vertiefung. - 

3. Die Häretiker der Zeit (Waldenser und Katharer) setzten mit 
Kritik tmd Propaganda dort ein, wo das Leben des abendländischen 
Christentums pulsierte, bei der Kirche und der Buße. 

4. Der großen geistigen Bewegung kam die antike "Wissenschaft 
zu Hilfe. Man lörnte den ganzen Aristoteles (seit dem 12. Jahrh. 
das ganze Organon, seit Anfang des 13. Jahrh. durch Vermittlung^ 
der arabischen Philosophie allmählich die übrigen Werkei) kennen. E& 



96 § 43. Die Theologie des 13. Jahrhunderts. 



eitstanden die gr^jßen Systeme, in denen die peripatetische Welt-' 
anschauung mit dem üogma zur Einheit zusammengefaßt werden 
sollte. Hierbei lassen sich aber zwei Gruppen Unterscheiden. Die 
erste ("Wilhelm von Auvergne um 1128, "Wilhelm v. Auxerre, 
-j- zwischen 1231 u. 1237, Robert Grosseteste, -f 1253, 
Alexander v. Haies -j- 1245, Dr. irrefragabilis. Summa universae 
theologiae. Bonaventura -f 1274, Dr. seraphicus, in Sentent. 
libros 4; Breviloqaium. Richard von Middleton, um 1283, Dr. solidus,, 
in Sent. libros 4; Quodlibeta. Johannes Peckham, Heinrich 
V. Gent -J- 1293, Dr. solemnis, Quodlibeta, Summa theol.) vertrat den 
Realismus der Ideen und den Primat des "Willens und suchte die 
Theologie, trotz reicb entfalteter Dialektik und ausgiebiger Benutzung 
des Aristoteles, möglichst von der peripatetischen Umklammerung 
freizuhalten. Die platonischen und augustinischen Elemente der älteren 
Theologie bestimmen sie. Die zweite Gruppe umfaßt die Modernen 
jener Zeit, die unbedingten Anhänger des Aristoteles, die den Primat 
des Intellekts und einen gemäßigteren Realismus 'verfochten : Albert 
der Gr. (y 1280, Dr. universalis; In quatuor libros magistri Senten- 
tiarum; Summa theologiae).- Thomas v. Aquino (-|- 1274, angelus 
ecclesia, s. bes. in quatuor Sententiarum libros, Summa c. gentiles, 
Summa totius theol., Expositio symboli; Oompendium theologiae; 
Quaestiones di^putatae ; Quaestiones quödlibetales). Hugo v. Straßburg 
(Comp, theologiae veritatis) , Aegidius v. Oolonna (■{- 1316), 
Hervaeus Natalis (j 1323), Gottfried v. Fontaines (ca. 1280) etc. 
Die erstere, d. h. die Eranziskanerschule unterscheidet sich von der 
zweiten , d.h. der Dominikanerschule hauptsächKch in folgendeil 
Punkten: Kräftigere Betonung des Realismus Piatos und Augustins 
gegenüber Aristoteles, die voluntaristische Grundanschauung, die Auf- 
fassung der Theologie als praktische affektive Ei-kenntnis vermöge 
einer schöpferischen Erleuchtung, der kirchliche Positivismus gegen- 
über den rationalen Tendenzen der Aristoteliker, die Hervorkehrung 
jder Beteiligung des menschlichen Willens im Heilsprozesse (meritum. 
de congruo, aüritio s. u.), die Auffassung der sakramentalen Elemente 
als Signa (s. u.). x 

'5. a) Das Objekt der Theologie ist der von der Offenbarung ge- 
botene Glaube. Die Offenbarung ist in der heiligen Schrift enthalten : 
auctor sacrae scripturae est deus (Thomas). Daher ist die heilige Schrift 
die einzige sichere Lehrautorität. Audoriiatibus autem canonicae scrip- 
turae Vitüur proprie et ex necessitate argumentando, auctoritatibus autem 



§ 43. Die Theologie des 13. Jahrhunderts. 97 



aliörum doctorum ecclesiae quasi argumentando, ex propriis, sed prdba- 
iiliter. Innüüur enim fides nostra revelationi apostölis et prophetis fadae, 
qui canonicos libros scripserunt, non autem revelationi, si qua fuit, aliis 
doctoribus factae (Summ. I -quaest. 1 art. .8). — Ebenso Bonaventura:, 
auetoritas principaliter residet in s. scriptura, quae per spiriium s. est 
'Condita tota ad dirigendam' fidem catholieam (Brevil. 5, 7). b) Der 
Inhalt der Schrift ist kurz und unmißverständlich in den drei Symbolen 
'^er alten Kirche zusammengefaßt. Der Papst kann aber ein neues 
Symbol ausgeben. Dadurch stellt sich aber die kirchliche Autorität 
neben die Schrift, c) Die Offenbarung resp. die Kirchenlehre bietet 
•den Glaubensstoff dar? Die fides informis gewinnt eine natürliche 
Erk^ntnis von ihm. Diese genügt nicht. Nach Alexander findet 
■eine schöpferische informatio des Bewußtseins statt, wodurch dieses 
■ardatur et cogitur consentire veritati primae propter se. Dieser praktischen 
Erkenntnis eignet absolute Gewißheit. Zugleich aber aähaeret fides 
^ummae veritati et vult eam habere (III quaest. 68 membr. 9 art. 1 ; 
membr. .6 art., 2). So gewinnt der Glaube die Art unmittelbarer 
affektiver Erfahrung. Fides qua creditur est in affedione, quod vero 
■creditur iri cognitione (III quaest. 68 membr. 3). Nach Thomas 
bedarf die menschliche Erkenntnis wegen ihrer Beschränktheit der 
revelatio. Diese erregt durch den in Aussicht gestellten ewigen Lohn 
den WiUen. Die Fähigkeit zur Erkenntnis des Übernatürlichen wird 
dem spekulativen Intellekt durch den hahitus fidei divinitus infusae 
mitgeteilt . (summa II. II quaest. 1 ff.). Ädus fidei consistit princi- 
jpalMer in cognitione et ihi est eius perfedio. Die Vollendung des 
Glaubens ist in der .perfeda dei cognitio in der Ewigkeit gegeben 
(Thom.). Hienieden empfängt der Glaube seine Eorm durch die 
Liebe: a caritate fides informatur. Der Laie soll davon fides expli- 
hita hshen, de quibus ecclesia festa facit, im übrigen: ■ implicite credit 
■singula, quae sub fide ecclesiae continentur (Thom.). d) Die Aufgabe. 
.. der Theologie ist nach Thomas den Glauben zu erläutern und seine ^ 
Wahrscheinlichkeit durch die ratio dialektisch zu erweisen. — e) Das 
Universale ist nach Thomas real nur in den Dingen (universale in re), 
aber es präexistiert als. göttliche Idee (univ. ante rem), wird aber 
von uns nur aus der Anschauung der einzelnen Dinge abgezogen 
(univ. post rem): So Albert und Thomas. Nach den Franziskanern 
verarbeitet die . cognitio innata . die Eindrücke der Erfahrung, aber 
ieine- besondere Erleuchtung durch das unerschaffene göttliche Licht 
läßt .die Seele Gott und. die ewigen Ideen erkennen. 

Seeberg, Grundriß der Dogmengeschichte. i. Anfl. ( 



s' 



98 § 44. Die einzelnen Lehren: Gott und Christus. 



5? 44. Die einzelnen Lehren: Gott und Christus. 

F. Ch. Baur, Die Lehre von der Dreieinigkeit etc. II, 1842. A. Eitschl> 
Geschichtl. Studien zur^'Lehre v. Gott in Jahrb. f. deutsche Theol. 1865, 279 ff. 
Th. de Eegnon, ;^tndes de theologie positive sur la sainte trinite Bd. JI, 1897.. 
J. A. D r n e r , Lehre v. der Person Christi 11^, 399 ff . S e e b e r g DG. IIP, 356 ff. 

1. Die Gotteslehre hat in diesem Zeitalter einen Fortschritt ge- 
macht, indem das persönliche Wesen Gottes schärfer gefaßt wurde. 
Anselm betonte, daß ereairix essentia denkender Geist und der waltende 
Herr ist. Alexander und Bonaventura fassen Gott als die absolute- 
Kausalität, die sich als geistiger, gerechter und gnädiger Wille offen- 
bart. Er wirkt als tota causa wie . auch cum aliis causis und will auch 
freie Wesen. Thomas v. Aquino (Summa theol, I q. 2 — 26) lehrt: 
Gott ist primum movens, also actus purus dbsque alicuius 'potentialüatis 
permistione. Gottes Wille realisiert seinen Selbstzweck in der Welt 
und zwar als Liebe, d. h. er verhält sich zur Welt wie zu sich selbst^ 
Amor est honum velle. Amor dei est infundens et creans honum in rehus. 
Dies Grundyerhältnis zur Welt faßt in sich die Gerechtigkeit und 
Barmherzigkeit Gottes. So führt Gott das ordinäre res in finem in 
der Welt durch, das für alle ein honum in fine in sich schließt. Gott 
wirkt durch die causae secundae, nicht mit ihnen. Dabei soll aber 
die Freiheit gewahrt bleiben, da Gott freie Wesen frei an ihr Ziel 
kommen lassen will : quod itä agitw, quod etiam- agit. Diese allgemeine- 
providentia faßt in sich die Prädestination, die als actus lediglich in 
Gottes Güte begründet ist, als effectiis aber unter Mitwirkung der 
Prädestinierten sich realisiert. 

2. In der Trinitätslehre wird Augustin wiederholt (B-ichard.v. St. 
Viktor Libri 6 de trinitate). Joachim v. Ploris (f 1202) lehrte: die 
drei Hypostasen haben zur Einheit die Gottheit (wie unus grex, unus 
populus). Dem gegenüber stellt' das 4. Laterankonzil (1215) die 
augustinische Lehre fest: Credimus et confitemur cum Petro Lombardo, 
quod una quaedam summa res est incomprehensibilis quidem et ineffahilis. 
quae veraciter est pater et filius et spiritus, tres simul personae, ac singu- 
latim- quaelibet earundem. Et ideo in deo irinitas est solummodo, non 
quaternitas, quia quaelibet trium. personarum est illa res videlieet substantia, 
essentia sive natura divina, quae sola est universorum principium, praeter 
quod aliud inveniri non potest. Et illa res non est generans neque genita, 
nee procedens, sed est pater qui generat, filius qui gignitur et spiritus- 
s. qui procedit, ut distinctiones sint in personis et unitas in natura. 



§ 45.. Urständ und Sünde. 99 

3. DiBr Gegensatz § 38 ist' nicht zum Austrafg gebracht worden. 
Die Lehrer tragen die überlieferte Christologie vor: die Logosperson 
nimmt die menschliche Natur an, nicht die menschliche Person, daher 
nicht filius adoptivus. Unio . . est relatio guaedam, quae consideratur 
infer divinam naturam et humanam secundum quod conveniunt in una 
■persona filii dei (Thomas III q. 2 a. 7). Filius dei ,univit sibi carnem 
mediante anima (ib. III q. 6 a. 1). Zu dieser Vereinigung war die 
menschliche Natur prädestiniert (III q. 24 a. 2). Sie empfängt von 
dem Logos eine gratia liäbitualis, aus der alle Kräfte zur YoUendung 
ihrer Erkenntnis und Macht hervorgehen (HI q. 7 a. 1. 2). Zwischen 
den Ooncreta Gott und Mensch besteht eine communicatio idiomatum. 



§ 45. Urständ und Sünde. 
■ Schwane, DG. der mittleren Zeit S.334ff. Seeberg DG. IIP, 380ff. 

1 . Nach Alexander und Bonaventura ist der Mensch er- 
schaffen bloß in naturalibus. Hierzu fügte Gott (donum superadditumj 
die gratia gratis data, durch die er sich die vollendende gratia gratum 
faciens zu verdienen vermochte., Dieses beides macht die iußtitia ori- 
ginalis aus. Nach Thomas hat der Mensch von Anfang an die 
iy,stitia originalis ergriffen, die sich aber- als ein accidens naturae logisch 
von dem Naturzustand unterscheidet. Auch in dem Sünder bleibt aber 
die Syrideresis wirksam als der habitus naturalis primorum principiorum 
operäbilium, quäe sunt naturalia principia iuris naturalis . . ., cuius 
officium est renlurmurare malo et inclinare ad bonum (Thom.). 

2. Die Erbsünde befaßt zweierlei in sich: culpa als carentia debitae 
iustitiae sive deformitas quaedam, d. h. eine macula, Sündhaftigkeit, nicht 

.„Schuld" und poena -als eoncupiseentia samt dem reaius poenae (Alex.). 
Also : peccatum originale materialiter quidem est eoncupiseentia, formaliter 
vero est\defeetus originalis iustitiae (Thoin. H, I q. 82 a. 3). Dieser 
Habitus zeigt sich in dem languor oder der vulneratio naturae, d. h. 
ignorantia, malitia, infirmitas, eoncupiseentia- immoderata. An sich ist 
diese Unordnung im Menschen nicht widernatürlich, aber im Urständ 
wurde sie überwunden von dem donum superadditum. Die Sünde 
Adams wiirde aller Sünde, da er- das Haupt der Menschheit war und 
wegen der befleckten Zeugung. Per virtutem seminis traducitur humana 
natura et simul cum natura naturae infectio (Thomas II. I q. 81 a. 1). 

Übrigens lehren die' Scholastiker den Kreatianismus. 

. ■ , • 7* 






iOO § 46. Das Werk Christi. — § 47. (jnade und Freiheit. 

§ 46. Das Werk Christi. 

Eitschl, Eechtf. u. Vers. P, 64ff. Seeberg DG. IIP, 390ff. J. Gott- 
schick in Ztschr. 1 EG. 1902. 1903. 

1. Alexander und Bonaventura lassen den Gottmenschen die nach 
Gottes Gerechtigkeit erforderliche Satisfaktion leisten. Als Haupt der 
Menschheit erwirlft er ihr durch sein meritum yergehung oder die 
Befreiung von der ewigen Strafe. Zugleich mit dieser remissio poenae 
erwirbt er aber auch die remissio culpae, das heißt die reale Tilgung 
der culjM durch die Eingießung der (sakramentalen) Gnade. 

2. Thomas sagt: Inquantum etiam est Iwmo, competit ei coniungere 
Jiomines deo, praßcepta et dona hominibus exhibendo ei pro liominibus ad 
deuni satisfaciendo et interpellando (Summ. JII q. 26 a. 2). Christus "das 
Haupt der neuen Menschheit läßt seine perfectio und, virtiis durch die 
vermöge seiner Satisfaktion erworbenen Sakramente in diese einströmen 
und erweckt in ihr die Liebe, die nach Luk, 7, 47 Sündenvergebung 
bewirkt. So erhalten die Menschen remissio peccatorum im Sinn der 
Sündentilgung. Aber zugleich nimmt Gott, wiewohl von einer abso- 
luten Notwendigkeit der Satisfaktion nicht die E,ede seih kann, das 
Leiden Christi als Satisfaktion an zum Erlaß der Strafe der Sünde. 
Passus est ex earitate et oledientia. Das war Christi meritum und Opfer 
als eine superdbundans satisf actio. Die Erlösung besteht also wie in 
der für uns geschehenden Erwerbung der Vergebung der Strafe so auch 
in der in uns sich vollziehenden Tilgung der Sünde. Diese beiden 
Effekte der Erlösung werden in der Regel einander koordiniert. Sie 
entsprechen dem doppelten Schaden der Sünde, § 45, 2. 

3. Es wird also die abgeschwächte anseimische Theorie vom 
oneritum und der satisf actio mit dem zuletzt von Abälard vertretenen 
Gedanken verbunden. - . 

• 
§ 47. Gnade und Freiheit, Rechtfertigung und Verdienst. 

Seeberg DG. IIP, 402ff. Harnack DG. im 621ff. L o o f s DG.* S. 539 ff . 

1. Die Gnade kann unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet 
werden. Die gratia increata ist gratuita dei motio. Die grdtiä ereata 
ist der übernatürliche haiiius infusus, der der essentia animae und 
dadurch deren einzelnen Kräften gualitates supranaturales oder eine altior 
natura einflößt. Das ist die gratia gratum faciens, von der untersc^iieden 
wird die gratia. gratis data,, welche dem Menschen die vernünftigen 
Kräfte sowie die Anregungen . der vocatio mitteilt. Denkt man bei der 



§ 47. , Gnade und Freiheit. Eechtf ertigung ^und Verdienst. 101 



Gnade nur an die göttliche Kausalität, so ist sie gratia opei'cms, .denkt 
man an den menschliclien Konsens bei dieser Bewegung, so wird sie 
als gratia eooperäns bezeichnet. 

2. Die Vorbereitung zur Mitteilung der gratia gratum faeiens ge- 
schieht durch die vocaiio der lex evangelica. Diese moralia praeeepta 
beleben die lex naturalis in der Seele. Durch diese gratia gratis data 
entstehen nach den Franziskanern die -fiäes injormis, . die spes informis, 
die attritio und der ti7nor servilis. Hierdurch kann sich der Mensch 
die sakramentale ,gratia gratum faeiens, de eongruo verdienen. Thomas 
sagt dagegen : praeparatio hominis, ad gratiam est a deo sieut a movente, 
a liiero autem arhitrio sieut a moto und schließt ein „Verdienen" in 
diesem Stadium aus. 

3^ Die Eingießung der gratia gratum faeiens teilt dem Menschen 

die Liebe mit, durch welche die Anfangsregungen informiert werden, 

sodaß diej attritio contritio, die fiäes informis fides formata wird. Das 

ist die iustifieatio als expulsio eulpae und remissio peeeati (vgl. § 46, 1). 

Dies hat zum Erfolg die Befreiung vom reatus poenae aeternae. Jetzt 

* . ... 

vermag der Mensch merita de condigno zu erwerben und sich die glori- 

ficatio zu verdienen. So Alexander und Bonaventura. 

4. Nach Thomas besteht die Rechtfertigung in einer transmuiatio 
animae humanae, die durch infusio gratiae geschieht. Ita infunäit donum 
gratiae iustifieantis, quod etiam simul cum lioc movet Hierum UrMtrium. 
ad donum gratiae acceptandum. Dazu: gratiae infusio fit ^ in instanti 
äbsque successione. Dies bewirkt die fides caritate formata und hiermit 
sowohl die remissio eulpae (== reale Sündentilgung) wie auch die Nicht- 
anrechnung der noch vorhandenen Sünde. Hierdurch wird der Mensch 
zu merita befähigt. Als Produkt der Gnade sind sie merita de condigno, 
als durch menschliche Mitwirkung entstanden merita de eongruo. 

5. Die Heilsgewißheit ergibt sich einerseits aus "dem Rückschluß 
von der inneren Erfahrung auf die wirksame Gnade, andrerseits aus 
der Hoffnung, oder fiducia auf .die künftige Vergebung im letzten 

'Gericht. Wie jenes, so schließt dieses eine Beziehung auf das ver- 
dienstliche Tun des Menschen in sich. 

6. Der Mensch kann, wenn er die consilia evangelica befolgt oder 
in den Status perfeetionis einer religio (eines Mönchsordens) eintritt, 
mehr Verdienste erlangen, als er selbst braucht. Die perfedio super- 
erogationis der Heiligen , im tJiesauriis . ecclesiae gesammelt , kommt 
solchen zugute, die zu wenig Verdienste erwarben. -^ Das Mönchtum 
repräsentiert die christliche Vollkominenheit oder das Lebensideal. 



102 § 48. Die Sakramente. 



7. Der augustinische Gedanke des sola gratia (infusa) xmd der 
altlateinische Verdienstgedanke beschränken und ergänzen einander. 
Die Doppelheit. der Heilsgabie stimmt genau zu dem doppelten Erfolg 
des "Werkes Christi, § 46. - 

§ 48. Die Sakramente. 

G. L. Hahn, Die Lehre von den Sakramenten 1864. F. Eenz, Die 
Gesch. d. Meßopferbegriffs I (1901) S. 725ff. 5t. Buchberger, Die Wirkungen, 
des Bußsakr. nach d.- Lehre des h. Thomas 1901. N. Paulus, Der Ablaß f. 
die Verstorbenen im MA. in Ztschr. f. kath. Theol. 1900, Iff. F. Brommer, 
Die Lehre v. sakr. Charakter 1908. Schultes, Eeue u. Bußsakr. 1909. 
Hauck, Kirchengesch. Deutschlands IV, 904 ff. Seeberg DG. IIP, 453 ff. 
Harnack DG. ni*,|543ff. Loofs DG.* S. 567ff. Steitz-Eattenbusch 
PEE. XVII, 349ff. 

1. Papst Eugen IV. hat auf dem Florentiner Konzil 1439 durch 
die Bulle „Exultate deo" die scholastische Saki-amentslehre als Kirchen- 
lehre promxdgiert. 

2. Das Sakrament ist Signum rei sahctae inquantum est sancUficans 
honiinem (Thom. Summ. HI q. 60 a. 2). Die Sakramente sind der 
Ertrag des Heilswerkes Christi. In ihnen wird die inrtus iustificativa 
zur Tilgung der Sünden wirksam. Die res sensibilis sind die materia, 
die Einsetzungsworte die forma saeramenti. Zum Sakrament gehört 
noch die Intentio. Eugen IV. definiert: haec omnia sacramenta tribus 
■perficiuntur, videl. rebus tanquam materia, verlis ianquam forma et 
persona ministri conferent^is sacramentum cum intentione faciendi quoä 
facit ecclesia, quorum si aliquod desit, non perficitur sacramentum. 

3. Das Verhältnis des Zeichens zu der göttlichen Wirkung wird 
entweder so gedacht, daß eine virtus spiritualis dem Zeichen einwohnt, 
bis sie die Seele erreicht (Thom.), oder so, daß vermöge einer, pactio 
divina die Zeichen begleitet werden (concomüari) von einer direkt auf 
die Seele gehenden Einwirkung Gottes (Alex,, Bonav.. Richard, Duns 
Scotus, Biel) : z. B. Biel über die Taufe : • mundationem vero animae a. 
peccato, quam certe significat, repraesentant .ex institutione divina, ex quo 
deus qui haptismmn instituit, suo signo assistit ad produeendum effectum 
repraesentatüm (Sent. IV d, 1 q. 1 a. 1). — Eugens IV. Definition in 
ersterem Sinn : illa (die atl. Sakr.) non causabant gratiam, . . . haec vero 
nostra et conti nent gratiam et ipsam digne suscipientibus conferunt. 

4'. Die Sakramente führen dem -Menschen die gratia iustificans 
oder gratum faciens zu. Effectus secundarius ist der chm-acter spiritualis 



§ 48. Die Sakramente, 103 

(§ 26, 3 c), der durch Taufe, Konfirmation und Ordination der Seele 
mdelebilüer einwohnt. Der „Charakter" ist nicht Gnade, sondern 
disponiert zum Gnadenempfang und zur Sakramentsspendung. Diese 
<3rei Sakramente sind, im Unterschied von den übrigen, non üerabilia. 
Eugen IV.: Infer liaec sacramenta tria sunt, quae characteremi. e. 
Sfirituale quoddam signum a ceteris distindivum- imprmunt in anima 
indelebüiier. Unde in eadem persona non reiteranim: 

5. Die neutestamentlichen Sakramente wirken im Unterschied zu 
-den alttestamentlichen ex opere operato, wenn nicht der o6ex einer Tod- 
sünde dieser Wirkung entgegensteht. Die fromme Vorbereitung auf 
•das Sakrament -s^erdient eine besondere Gnadenwirkung ex opere operante. 

6. Die Tauf e" teilt die gratia graium faciens mit, d. h. sie wirkt 
■die iustificatio oder regeneratio und damit die Sündenvergebung. Es 
"bleibt dem Getauften die concupiscentia als ein fernes peccati, sie wird 
aber nicht als Schuld angerechnet. Eugen IV. bezeichnet als Effekt : 
remissio omnis culpae originalis et actualis, omnis quoque poenae, quae 
pro ipsa culpa debetur. 

1. Von der. Firmung sagt Eugen IV., die materia sei das 
Chrisma, die forma die "Worte: signo te signo , crucis et confirmo te 
chrismate salutis in nomine patr. etc. Der Ordinarius minister ist der 
Bischof. Effeetus autem huius sacramenti 'est, quia in eo datur spiritus 
-S. ad robur. 

8. Eür die Abendmahlslehre war die Transsubstantiation 
Voraussetzung, a) Und zwar: in termino prolationis veriorum incipit 
esse sacramentum (Duns). b) Durch die Verwandlung wird Christi 
Leib und Blut auf dem Altar gegenwärtig, die Seele und die Gottheit 
nur ex reali coneomitantia. Neben der Transsubstantiation wird aber 
auch die Consubstantiation oder adduktive Transsubstantiation gelehrt, 
nach welcher die Brotsubstanz erhalten bleibt, in sie aber der Leib 
Christi eingeht (Duns und die Späteren vgl. § 40, 3). c) Von der 
Brot- und "Weinsubstanz ist ein non manere, nicht annihilatio, auszu- 
sagen; die Accidentien der irdischen Elemente bleiben aber erhalten, 
•d) Der Leib ist der unsterbliche Verklärungsleib. Dieser ist aber, im 
Himmel an einem Ort vorhanden (August, oben § 26, 3 d), wie kann 
«r überall im Abendmahl gegenwärtig sein ? Thomas antwortete : quod 
^Wpus Christi est in lioc sacramento per modum substantiae et non per 
modum. quantitatis (TU q. 76 a. 1). Duns Scotus meinte, die Be- 
ziehungen eines Dinges zum Haum könnten sehr wohl vervielfältigt 
werden. .Ockam und Biel sagten, daß der quantitative Leib Christi 



104 , § 48. Die Sakramente. 



im Abendmahl vorhanden sei ohne als Quantum zu existieren, .e) Der 
Effekt des Sakramentes besteht in der Stärkung des geistlichen Lebens 
und der Vergebung der venialen Sünden, f) Dazukommt das Opfer: 
in Jioc sacramento repraesentatur passio Christi, ' qua Christus dbtulit se 
hostiam deo. Indessen vermöge der Transsubstantiation ist es der 
wirkliche Ghristusleib, der dargebracht wird. Aber effedum non habet 
nisi Ulis, qui passioni Christi coniunguntur per fidein et caritatem (Thomas- 
Summ, in q. 79 a, 7; q. 83 a. 1). Später sagt Biel: licet jrudus 
eudiaristiae efficacior est ut sacramentum, est tarnen generalior ut saeri- 
ficiiim . . quia ut sacramentum solum operatur in sumentibus ipsum, sei 
ut sacrificium effectum habet in omnibus, pro quibus offertur. Offertur 
autem non tanium pro participantibus per sumptionem, sed etiam- pr& 
circumstantibus omnibus, imo et absentibüs, vivis et defunctis , . . Licet- 
peccatores arceantur a perceptione eueharistiae, non tarnen ab auditione 
missae (sermo 46). — Einige Sätze aus Eugens IV. 'Bestimmung t 
saeerdos enim in persona Christi loquens hoc conficit sacramentum, nam 
ipsorum veriorum virtute substantia panis in corpus Christi et substantia- 
vini in sanguinem convertuntur,- ita tamen quod totus Christus, continetur 
sub specie panis et totus sub specie vini, et sub qualibet quoque parte- 
hostiae consecratae et vini consecrati, separatione facta, totus est Christus, 
9. Die Buße ist das Sakrament zur Tilgung der Todsünden- 
Sie ist aber zugleich auch die christliche Tugend der Selbstbestrafung, 
a) Innocenz III. hat verordnet (1215): omnis utriusque generis fidelis^ 
postquam ad annos discretionis pervenerit', omnia sua solus peccata 
fideliter confiteatur saltem semel in anno proprio sacerdoti et iniunctam. 
sibi poeniteniiam studeat pro viribus adimplere, suscipiens reverenter ai 
minus in Pascha eucharistae sacramentum \ . . Saeerdos sit discretus et 
cautus . . .; diligenter inquirens et peccatoris circumstantias et peccati, 
quibus pruäenter intelligat, quäle debeat ei praebere consilium et cuius- 
modi remedium adhibere (c. 21 Mansi XXII, 1007). b) Die Buße hat 
zur Materie die actus poenitentis, zur Form die Worte : ego te absolvo^ 
c) Neben die aus der Liebe hervorgehende contritio setzte man jetzt 
die attritio: significat attritio quandam displicentiam de peccatis commissiSf 
sed non perfectam (Thom.). Das Motiv dazu ist gewöhnlich die Furcht:. 
timor servilis principium est attritionis (Alex.), d) Hat der Mensch d\& 
contritio, so ist an sich durch sie die Sünde zerstört (cf. § 41, 1), aber 
zugleich soll der contritus das propositum zu beichten haben. Im 
Hinblick hierauf wirken die claves ecclesiae die Vergebung schon vor 
der Beichte, d. h. sofern der Mensch contriius ist und die Absolution. 



§ 48. Die Sakramente. 105 



begehrt ; die vollzogene Absolution bringt in diesem Fall nur , eine 
Mehrung der Gnade (Thom.). Aber auch die bloße atiritio genügt als 
Disposition zur 'Beichte. Die Absolution gießt einem solchen attritüs^ 
die Gnade der Liebe ein und bringt Sünden tilgung [remissio peccaiorum 
non potest esse nisi per infusionem graiiae, Thom.). Oder die Abso- 
lution verwandelt die atiritio als de congruo verdienstlich in cqniriiio 
und zerstört dadurch die Sünde (Duns). Die Späteren erklären dagegen 
die coniritio für die notwendige Disposition zum Sakramentsempfang, 
sie kann vom Menschen s.uis naturalilus hervorgebracht werden (Ockam^ 
Biel). ^- Die coniritio zerstört also an sich die ^ünde, nicht aber die 
attritio ; tritt letztere , an die Spitze, dann ist die Notwendigkeit von 
Beichte und Absolution sofort evident, und somit ist das Problem 
§ 41, 1 gelöst. Die Absolutionsformel lautet jetzt: ego ie absolvo- 
(Alex. IV q'. 21 m. 1). Sie bewirkt Tilgung der Sünde und Erlaß 
der ewigen Strafe. e) Die zeitlichen Strafen der Sünde löst die 
satisf actio operum. Für . sie können indulgentiae eintreten. Die "Werke 
der Heiligen bilden den tliesaurus spiritualis ■ ecclesiae (Alex.). Die 
Päpste verteilen ihn per moclum iudieiariae potestatis an Lebende, per 
modum suffragii an Tote (im Fegefeuer). — Eugen IV. lehrt: quasi 
materia sunt actus j^oenitentis, d. h. coniritio, eönfessio, saiisfactio operum. 
Von 'der confessio heißt es : ad quam pertinet, ut peceator omnia peccata^ 
quorum memoriam habet, siio sacerdoti confiteatur integraliter. Die satis- 
f actio : praeeipue fit per orationem, ieiunium et eleemosynam. Die Form 
sind die Absolutionsworte, der Effekt absolutio a peccatis. 

10. Über die extremaunctio sagt Eugen IV.: Materia est 
oleum olivae per episcopum. henedictum. Die Ölung findet statt in- 
oculis, -in auribus, in narihus, in ore, in manihus, in pedibus, in reni- 
bus. — Forma: per isiam sanctam unctionem et suam piissimam 
misericordiam indulgeat tibi dominus qmdquid per visum etc., et simi- 
liter in aliis membris . . . Effectus vero est mentis sanaiio et, in 
quantum autem expedit, ipsius etiam corporis. 

11. Die Ordination hat zur Materie die Symbole oder Gefäße 
bei der Handlung, zur Form die "Worte. Sie gibt die gratia gratum 
faciens behufs Spendung der Sakramente. Eugen IV. bezeichnet al& 
Materie: illud .per cuius traditionem confertur ordo, sicut presbyteraiiis 
traditur per calicis cum vino et patenae cum pane porrectionem etc. . . . 
Formcf sacerdotii talis est: accipe potestatem offerendi sacrificium in 
ecclesia pro vivis et mortuis in nomine patr. etc. . . . Effectus aug- 
mentum gratiae, ut quis sit idoneus minister. 



106 ■ § 49. Der Kirehenbegriff. 



12. Das Ehe Sakrament beriilit auf dem mutuus consensus, der 
seine Form bildet, die Matexie sind die actus derer, die in die Ehe 
treten (Thom.). Der Effekt : gratia adiuvans ad illa opera, quone in 
matniy,onio requiruntur (Thom.) oder gratiosä coniunctio ßnimarum 
{Duns), ferner proles, fides, sacramentwn. — Eugen rV. bezeichnet als 
musa efficiens den mutuus consensus per verha de praesenti expressus. 
Als Güter der Ehe führt er auf : proles suscipienda et educanda, fides, 
quam unus coniugum alteri servare debet und indivisibilitas- matrimonü 
propter Jioc, quod significat indivisibilem coniundionem Christi et ecclesiae. 

13. Die Sakramentslehre ist der wesentliche Beitrag, :den das 
Mittelalter für die Dogmengeschichte geliefert hat. • 

' 5? 49. Der Kirehenbegriff. 

Harnack DG. IIP, 455ff. Seeberg DG. IIP, 2760. 501ff. Hauck, 
Xirchengesch. Deutschlands IV, 685 ff. 703 f. 725 f. 730f. 741. 743 f. 

1. Schon Hugo V. St. Yiktor hat den praktisch wirksamen 
Kirchengedanken theoretisch richtig formuliert. Die Definition : quid 
est ecelesia nisi multitudo fidelium, universitas christianorum schließt 
nicht aus die Abstufung in praelati und subditi und die tJberordnung 
des geistlichen über den weltlichen Staat. 

2. a) Die übliche Definition congregatio, universitas oder com- 
munitas fidelium führt auch später nicht weiter. Die fideles bedürfen 
der Sakramente, die Priester haben Macht über diese, also sind sie 
die rectores den suhditi gegenüber, b) Auch unter den E.egiereiiden 
ist eine Abstufung vorhanden, indem bestimmte Sakrameüte dem 
Bischof reserviert bleiben. Ebenso steht dem Bischof die clavis iuris- 
didionis zu, während die Priester an . sich nur über die clavis ordinis 
verfügen : sacerdotes, qui plebihus ■2)'>'üeficiu7itur, non sunt simpliciter 
inaelaii sed quasi coadiutbres (Thom.). c) Die kirchliche Grewalf gipfelt 
im Papst. Summus jjontifex est taput totius ecclesiae, die plenitudo 
■potestaiis super res ecclesiasticas steht ihm zu ; die Bischöfe nimmt er 
an in partem solliciiudinis. Er regieii: die ganze Kirche (Synoden, 
Glaubenssymbole, Ablässe etc.) und ist als Statthalter Christi allen 
Pursten vorgesetzt: papa, qui ütriusque potestatis apicem tenet, seil, 
spiritualis et seeularis (Thom.). — Diese Gedanken des Thomas liegen 
der Bulle „TJnam sandam'' (§ 43, 1) zugrunde. 

3. Das natürliche Gesetz weist sowohl den einzelnen Personen 
besondere Berufe ' zu als es auch eine autoritative Leitung des Gemein- 



§ 50. Kirche und Leben. 



107 



lebens fordert. "Wegen der Sünde muß die leitende Staatsgewalt die / 
positiven Gesetze herstellen und sie zwangsweise durchsetzen. Auf 
diesem Wege wird das Gremeinschaftsleben befähigt, die Einwirkungen 
der Ghade in sich aufzunehmen; s. bes. Thomas De regimine prin- 
•cipum und den Komment, zu Aristotel. Politik. 



Viertes Kapitel. 

■ \ ' ■ ■ ■ 

Der Zerfall der scholastischen Theologie und die kirchliche 
Krisis im ausgehenden Mittelalter. 



§ 50. Eirclie und lieben. 

Hefele CG. VI. Vn. Schwab, Gerson 1858. P. Tscfractert, Peter 
V. Ailli 1877. A. Dorner, Staat u. K. nach Occ. Stud. n. Krit. 1886, S. 672 ff. 
K. Müller, D.Kampf Ludw. d. Bay. mit der Kurie, 1879f. J. Haller, 
Papsttum u. Kirchenreform I, 1903. P. T seh ackert PEE. II, 427 ff. (Basel). 
B. Beß PEE. XI, 30 ff. (Konstanz). K. Hirsch, Die Aitsbüdüng der kon- 
ziliaren Theorien im 14. Jahrh. 1903. V. Hasak, Der christl. Glaube d. 
deutschen Volkes b. Schluß desMA. 1868. A. Lasson, Meister Eckhart 1868. 
E. S e e b e r gl, H. Sense, der Gottesfreund (Aus Eel. u. Gesch. 1, 188 ff.). E.Krebs, 
Meister Dietrich 1908. G. V. Lechler, Wiclif u. die Vorgesch. d. Eeformat. 
2 Bde. 1873, dazu J. Loserth PEE. XXI,'225fi[. W. iPreger, Gesch. d. 
deutschen Mystik, 4 Bde. 1874 ff. H. Denifle im Archiv f. Lit. u KGesch. 
d. mA. II, 417 ff. E. B e r^ e r , Die Kulturaufgaben der Eef.^ 1908. S e e b e r g 
DG. HP, 512ff. Loofs DG.* S. 621ff. 602ff. F. Kropatscheck, Das 
Schriftprjbizip der luth. Kirche I, 1904. 

1. Die Krisis in der Religion und Kirche des ausgehenden Mittel- 
alters beruht auf der Diskrepanz der kirchlichen Theorie und Praxis zu 
den Bedürfnissen und Zielen der damals erreichten geistigen Entwick- 
lungsstufe (Personalismus, Nationalismus, Kapitalismus, Sozialismus). 

2.' Demgemäß erging die Forderung nach einer Reformation, die 
Heformkonzilieu (Pisa 1409, Konstanz 1414—17, Basel 1431—47). 

3. Vorhergegangen war die Kritik des Papsttums durch Mar- 
silius V. Padua (Defensor pacis) und Wilhelm Ockam (Octo quae- 
stiones, Compend. errorum papae, Dialogus, Op.XOdienim, bei Goldast, 
Monarchia II). Kirche und Staat sind scharf auseinander zu halten, 
i^^icht herrschen, sonderii lehren und die Sakramente spenden soll das 
geistliche Amt. Die hierarchische lOrdnung der Kirche hat nur histo- 
Tischen, aber nicht religiösen Sinn. Papst und Klerus sind fallibel. 



108 §51. Duns Scotus.. 

Papa errare potest, aber scriptura saera errare . non potest (Dial. p. 843). 
In weltlichen Dingen 'u^ntersteht der Klems der weltlichen Obrigkeit. 
Die Laien ita sunt de ecclesia sicut cleriei. — Die Autorität zur Be- 
gründung dieser Gedanken war das mit dem göttlichen Recht der 
Schrift übereinkommende ms naturale (resTp. ratio reeta). 

. 4. Wiclif erklärte das Gesetz Christi für die allein maßgebende- 
Autorität in Staat und Kirche. Die Geistlichkeit soll nicht herrschen, 
sondern die Kirche nach der lex evangeliea leiten. Dazu soU die- 
Obrigkeit sie anhalten. Eine biblisch normierte Theokratie ist das Ideal. 
• 5. Die Yeräußerlichung des kirchlichen Lebens (bes. im Bußsakra- 
ment) erhielt die kritische Stimmung und die- innere Unruhe mit ihrer 
Sehnsucht nach Buße und nach "Wundern wach. Andrerseits trug die 
Popularisierung ,der thoinistischen Theologie durch die deutsche Mystik 
eine Vertiefung des religiösen Lebens in weitere Kreise. Hier wurden 
die Dogmen praktisch gemacht und dadurch vereinfacht und das ganze 
Christentum auf den Heilsweg und die "Wiedergeburt konzentriert. 
(Dietrich v. Freiburg f nach 1310, Meister Eckhart f 1327, ed. 
Pfeiffer. J. Tauler f 1361, Predigten Basel 1521. H.>Seusfr 
t 1366, ed. Bihlmayer 1907. Theologia deutsch ed. IJhl 1912.. 
Das Buch V. geistl. Armut ed. Denifle 1877. Buusbroec -f- 1381,. 
W W. Gent 1858 ff., Thomas v. Kempen, De imitatione Christi 
libri 4, ca. 1410 etc.). Der Weg der Nachfolge Christi, der durch, 
die Askese zur ekstatischen . Schauung führt, wird geschildert. Die 
drei Stufen sind : Beinigung, Erleuchtung, Yereinigung. Ihren Inhalt, 
gibt Seuse an : Ein gelassener Mensch muß enfbildet werden von der 
Kreatur, gebildet werden mit Christo imd iiberhildet in der Gottheit.^ ^ 

6. Auch die sozialen Mißstände riefen neue Gedanken hervor:.. 
die „evangelische Freiheit", die Anwendung des nat'urrechtlichen und 
kanonistischen Ideals des Kommunismus. Communis qmnis omnium 
possessio et omnium una libertas (Ockam). "Wiclif (de civili dominio- 
ed. Poole 1885) lehrt, daß von Gotteswegen alle Güter den Gerechten 
oder Prädestinierten gehören. Aber: vitam Christi et suorum aposto- 
lorum debemus quantuni sufficimus imitari. Das Husitentum versuchte 
diese Ideen zu realisieren. 



§ 51. Duns Scotus. 

J. Duns Scoti opp. ed. Wadding, 13 voU. 1689; Pariser Ausg., 1891 ff.,. 
26 Bde. S. bes, den großen Sentenzenkommentar Opus Oxoniense genaknt- und 
die verkürzte Wiedergabe desselben in den Eeportata Parisiensia. Vgl. 



§ 51. Buns Scotus. 109 

K: .Wjerrner, Dans Scot: 1881. E. Seeberg, Die Theol. des Dans Scotus 1900 
and DG. III^, 568 ff. P. Minges, Das Verhältnis zw. Glauben n. Wissen, Theol. 
u. Philos. b. D. Scot. 1908. J. Klein, Der Gottesbegriff des Job. Dans Scot. 1913. 

' 1. Die Theologie des späteren Mittelalters ist positiv und negativ 
bedingt durcli die Anschauungen des Joh. Duns Scotus (-{-1308),-' Er 
ging aus der Oxforder Schule (Robert Grosseteste, Adam Marsh) hervor. 

2. Geschichtlich betrachtet ist Duns Vertreter und Portbilder der 
älteren platonisch-augustinischen Theologie gegenüber dem Peripate- 
tiamus des Thomas (vgl. § 4^, 4). Er ist strenger Realist, aber der 
Realismus empfängt eine Besondere Färbung durch den Empirismus 
und die Hochschätzung der haecceitas als des eigentlichen Zwecks der 
J^atur. Duns vertritt den Primat des Willens. Der Wille ist frei, 
indem nihil aliud a voluntate est causa totalis volitionis in voluntate 
(TL dist. 25 § 22)» Eerner charakterisiert ihn der streng wissen- 
schaftliche kritische Sinn , dem aber entgegensteht der kirchliche 
Positivismus, der jede kirchliche- Lehre als solche akzeptiert. Die 
Theologie ist eine positive Wissenschaft, indem sie es mit einer bes. 
Offenbarung resp. der Kirchenlehre, d. h. mit kontingenten Taten 
und Ordnungen Gottes, zu tun hat. Sie hat also andere Prinzipien 
als die Metaphysik. In der Religion und Theologie handelt es sich 
um praktisches, nicht spekulatives Erkennen. Es ist eine cognitio 
■practica, die es mit dem von Gott offenbarten finis ultimus und der 
dadurch bedingten volitio recta des Menschen zu tun hat. Soll es zu 
•einer Gewißheit der transcendenten Glaubensobjekte kommen, so bedarf 
ßs der fides infusa: ille JiaMtus immediate inclinat in articulos fidei. 

3. Auch Duns bezeichnet Gott als ens infinitum. Aber der 
Hauptgedanke ist der, daß Gott der ' die Welt ,und ihr Werden be- 
herrschende Wille ist. Dieser Wille ist absolut frei (huius quare 
voluntas voluit hoc, nulla est causa, . nisi- quia voluntas voluntas est, 
I d. 8 q. 5, 24). Er hätte auch anderes wollen können (potentia 
absoluta), als er wirklich gewollt hat und daher will (potentia ordi- 
nata). Die absolute Kontingenz des göttlichen WoUens ermöglicht 
koiitingente Erscheinungen in der Kreatur,, die aber, von Gott her 
betrachtet, notwendig geschehen. Gottes Wille ist Liebe, d. h. Gott 
will sich als Zweck, er will zugleich alle, die zu ihm in Beziehung 
stehen sollen (Prädestination) und er will die näheren und ferneren 
Mittel zur Verwirklichung dieses Zweckes. Das praktische Verhältnis 

- äzur Menschheit läßt die Formel • dominatio — suhiectio erkennen. 
•' •4.- Die Sünde ist lediglich carentia- iustüiae (originalis) deiitae. 



110 § 52. Die theologische Arbeit der ausgehenden Scholastik, 

nicht Concupiscenz. Eine physische Vererbung der Sünäe ist undenk- 
bar, die Yerpflichtung Adams zur Gerechtigkeit erbt fort. — - Duns 
hat die immaculata conceptio der Maria für passend erklärt, aber nur 
in hypothetischer Weise. Fast alle Theologen vor ihm haben die 
Erbsünde Marias angenommen. 

5. Anselms Versöhnungslehre wird kritisch aufgelöst. ' Christi 
Passion ist wirksam zu unserer Erlösung, nur sofern Gott sie dazu 
bestimmt bat und also als wirksana akzeptieren .wiU zur Verleihung^ 
der Gnade, d. h. zur Einsetzung der . Sakramente. Das Tun und 
Leiden Christi hat andrerseits die Wirkung, daß es die Sünder zur 
Liebe und Dankbarkeit gegen Gott anregt (IH d. 19. 20). 

6. Den Habitus der gratia creata hat D uns scharf kritisiert. Er 
wird verflüchtigt zu einem principimn eooperans, durch das die freie' Hand« 
lung des Menschen ihre E.ichtung erhält und so Gott wohlgefällig wird. 
Der absoluten Freiheit des göttlichen Willens tritt für die praktische An- 
schauung die unbeschränkte Freiheit des menschlichen Willens entgegen. 

7. Die Gnade wird den Menschen mitgeteilt durch die Sakra- 
mente. Diese sind an sich Symbole, aber Gott begleitet sie durch 
eine direkte Einwirkung auf die Seele (,vgl. § 48, 3). Über die 
Abendmahlslehrte s. § 48, 8 b. d. . • 

8. Der. Vorgang der iustificatio vollzieht sich im Bußsakrament J 
Die attritio begründet ein meritum de congruo. Das belohnt Gott dürcli 
die ideelle Veränderung der Sündenvergebung und die reale Verände- , 
rung der Gnadenein gießung (vgl. auch § 48, 9d): prius natura deus 
remütit offensam quam dat ei gratiam, umgekehrt Thomas s. § 47, 4. 

9. Von Duns. Scotus lernten die folgenden Generationen nicht 
nur Kritik und Skepsis, sondern auch den kirchlichen Positivismus ^ 
nicht nur den Pelagianismus der Sünden- und Freiheitslehre, sondern 
auch den absoluten göttlichen Willen. Der hellenische Intellektualis- 
mus ist von Duns durch den Voluntarismus ersetzt. Das griJBf auf 
Augustin zurück und bahnte die Neuzeit an. Die Verquickung von 
philosophischem und religiösem Erkennen ist im' Prinzip aufgehoben. 
Das hat aber zur Folge, daß die einheitliche, die Kirchenlehre mit 
dem aristotelischen Welterkennen kombinierende, Weltanschauung des 
Thomas auseinanderfäUt. .. 

§ 52. Die theologische Arbeit der ausgehenden Scholastik:. 

K. Werner, Die nachscot, Scholastik, 1883. Ders., Der Endausgang 
der mittelalt. Schol., 1887. C. Prantl, Gesch. d. Logik III (1867), S. 327 ff. 



§52. Die theologische Arbeit der ausgehenden Scholastik. 111 

Eine, kurze Übersicht über die Spätscholagtik bei E. Seeberg PRE. XVII. 
724ff. über Oekam s. E. Seeberg PEE. XIV, 260ff. H. Siebeck, Occ, 
Erk-lehre, Archiv f: Gesch. d. Philos., ,1897, S. 317 ff. ÜberBiels. P. X. Linsen- 
mann in theol. Quartalschr. 1865. Über Thomas Netter s. E. Seeberg PEE, 
XIII, 749 ff. C. Ullmann-, Eeformatoren vor der Eeformation ,• 1841/2. 
A. Eitschl, Eechtf. u. Vers. P, 129 ff. Th. Kolde, Die deutsche Augustiner- 
kongregat. u. Staupitz , 1879. 0. Giemen, Joh. Pupper v. Goch, 1896. 
M, van Ehijn, Wessel Gansfort 1917. Th. Brieger, Das Wesen des Ab- 
lasses am Ausgang des MA. (Leipziger Progr.) 1897. H. Hermelink, Die- 
Iheol. Pak. in Tübingen vor d. Eef. 1906. Seeberg DG. III^ 592 ff. 

■^ ' •-■ • ' ■ ' 

1. Folgende I Gruppen und -Schulen sind zu unterscheiden : a) Die 

Nominalisten: Wilhelm von Ockam y 1349: Super quatuor libros 
Sententiarum und Centilogium theologic. Lyon 1495; Quodlibeta. 
und De sacr. altaris Straßburg 1491. Adam Goddam, Hob. Hol- 
kot, Johann Buridan, Petrus d'Ailli (f 1420), Gabriel Biel 
■j- 1495 : Colle,ctorium sive epitoma in Sent. 11. 4, Tüb. 1501, Ex- 
positio caiionis missae Basel 1510. — b) Daneben bestanden die 
älteren Schulen fort, so die Thomisten: Petrus de Palude -|- 1342, 
Durandus de St. Portiano ^ 1334: In IV libros mag. Sent, Paris 1508,. 
mit starker Hinneigung zum Nominalismus. Joh. Oapreolus (princeps 
Thomistaruip -|- 1444): .Defensionum theol. div. doctoris Thomae 11. 4, 
(Turin 1901 — 4), leitet die thomistische Reaktion des 15. Jahrhunderte 
ein. Dioysius B,ickel genannt Carthusianus (-f 1471) hat in seinem 
Sentenzenkommentar (Bd. 19 ff. der neuen Ausgabe seiner Opera 1896ff.) 
eine ähnliche, aber thomistisch gefärbte Zusammenfassung der Lehre ge- 
boten, wie sie später mehr von nominalistisch-scotistischem Standpunkt 
her Biel verfaßte. Thomas del Yio oder Cajetan (-j- 1534), Sil- 
vester Ferrariensis (-|- 1528). ^ — Die scotistische Lehre vertraten 
Franciscus Mayronis (f 1325), dann später "Wilhelm Vorillon 
(-}-1464),Franciscus Lychetus, Stephan Brulef er (fca. 1496). — 
c) INllystische und averroistische Ideen bei Petrus Aureoli (-{- ca. 1322), 
Joh. V. Baconthorp (f 1346), Joh. de Jaliduno, die Paduanex- 
Schule. — d) Die Augustinereremiten (Aegidius Bomanus 
-|- 1316, Thomas v. Straßburg -J- 1357, Gregor v. Bimini 
-|- 1358). Dieser .hat die augustinische Gnadenlehre mit. dem Nomi- 
nalismus verbunden (Lectura in I. et II. librum Sent., Paris 1482). — 
e) Strenge Augustinianer : Thomas v. Bradwardina 7 1349: 
De causa dei c. Pelagium, London 1618. Joh. Gerson •\ 1429.-, 
die sogen. Vorreformatoren: Joh. Wiclif -{- 1384, Joh. Hus . 
\ 1415, Joh. Pupper V- iGroch •]- nach 1475, J. Buchrath v. Wesel 



112 § 52. Die theologische Arbeit der ausgehendea Scholastik. ; 

-f 1481, Joh, Wessel j 148& etc. Wiciifs Hauptgegner Thomas 
Ijfetter (j 1431, Doctrinale antiquitatum fidei ecclesiae cath. 3 Bde 
Venet 1571) versucht die Autorität der Kirche und die Sakraments- 
lehre auf biblischem und patristischem Weg zu erweisen. — Es ist 
weiter zu untersuchen, in welcher ^Richtung die bezeichneten Schulen 
zur Fortbildung der kirchlichen Lehre wirksam wurden. 

^ 2. Der Nominalismus oder Terminismus übernahm zunächst die x 
geistige Führung. Die Erkenntnis entsteht aus der unmittelbaren 
Erfahrung und dem sie aktiv zu mentalen Zeichen oder Begriffen 
(concejAus, fermmt/ umbildenden Intellekt. Diese sind der Gegenstand 
der "Wissenschaft. Die TJniversg.lien sind demnach subjektive 
Gebilde (fieta) des Geistes, die dieser, aber auf Grund des Eindruckes 
der Objekte mit Notwendigkeit, herstellt. Universale non est figmentum 
iale, cid non 'correspondet aliquid consimile in esse subiectivo (d. h. dem 
gegenständlichen Sein), quäle, illud fingitur in esse öbiedivo (d.h. dem 
vorgestellten Sein). So Ockam. Hieraus ergab sich eine ungemessene,- 
Skepsis und Kritik der Kirchenlehre gegenüber. Als natürliche Er- 
kenntnis betrachtet sind die Dogmen fallacia fidei. Aber trotzdem 
wird die Kirchenlehre als gültig anerkannt : . haee est mea fides, quoniam 
■est . catJiolica fides : quidquid enim romana ecclesia credit, hoc solum et - 
non aliud vel explicite vel implicite credo (Ock. de sacr. alt. 1). Die 
einzelnen Lehren werden angenommen durch die fides infusa. .Ihr 
Inhalt ist: omiie revelatum a deo est verum sicut revelatur esse verum. 
Durch diese innere Voraussetzung werden die Erkenntnisse der fides 
■acquisita erst zu Glaubensakten. Auch der Theologe läßt es jetzt 
■an der fides impUcita genug sein, dagegen § 43, 5 c. 

3. Auf allen Seiten wird die Autorität der Schrift enei-gisch 
in den Vordergrund geschoben. Christianus de necessitate sälutis non 
tenetur ad eredendum nee credere quod nee in MUia continetur nee ex 
soUs conteniis in iiblia potest consequentia necessaria et manifesta in- 
ferri (Ock. dial. p; 411). Maioris auctoritatis est assertio scripiurae 
canonicae quam assertio ecclesiae christianae (d'Ailli). Zur Begründung 
dieser kirchenrechtlichen Autorität der Schrift wird die Inspiration 
stark betont. Biel : scripiura autem canonica, utrumque. videl. testa- 
mentum sjjiritu sanct.o diciante et inspirante scripta creditur. 
Ebenso d'Ailli: omnes scr.ipturae cananicae sint ab eodem autore.in- 
fallibili- sc. a deo revelatae. . Aber praktisch blieb man doch \ bei der 
Gleichstellung der Schrift- und Kirch enlehre; , . : 

4. Der Glaube ist die Anerkennung der von den .drei altkirch- 



§ 52. Die theologische Arbeit der ausgehenden Scholastik. 113 

iicilen Symbolen zusammengefaßten Lehre. Fides est notitia aähaesiva 
eerta et firma veritatis ad religionem pertineniis per revelationem accepta, 
und : credere est actus intelledus vere> assentientis, procedens ex voluntatis 
imperio (Biel, vgl. § 43. 5 c). Die Heilsgewißheit ist Sache der Hoff- 
nung oder fiducia, daß Gottes Gnade unendlich ist und die mensch- 
licKen Verdienste nicht unbelohnt lassen wird (Biel). 

5. Die I^ominalisten stehen in fast allen Punkten der theologischen 
Lehre unter den Anregungen des Duns Scotus. Die strenge Orien- 
tierung an der Erkenntnislehre, die Betonung des positiven irrationalen 
Charakters der E,eligion und die Scheidung von Theologie und Philo- 
sophie, die KJritik, der Voluntarismus sowie der kirchliche Positivismus 
weisen auf Duns zurück. 

6. In der Letre von der Sünde und Freiheit folgten die 
^ominalisten Duns. Die Erbsünde ist originalis iustitiae privatio de- 
hitae inesse (Biel). Die'Sünde besteht nur in einzelnen bösen Akten. 
Die natürliche "Willensfreiheit bleibt trotz der Sünde durchaus 
intakt : rectüudo naturalis voluntatis eius seil, libertas non- corrumpitur 
per peccatum, _ illa enim est realiter ipsa volüntas nee ai ea separaMlis 
(Biel II d. 30 q. 1 a. 3 dub. 4) iind per peccatum mortale nihil corrum- 
pitur nee tollitur in anima (Ock.). Aber die Zeugungslust der Eltern 
infiziert irgendwie die Kinder (Biel). 

7. Das Heil gründet in der göttlichen Prädestination. Christi 
Verdienst empfängt Geltung durch die acceptio divina. Die Gnade ist 
Mitteilung einer qualitas absoluta, aber gratia non esP substantiälis sed 
aecidentalis forma animae infusa (Biel II' d. 26 a. 2 conöl. 2). Zum 
Empfang der Gnade bedarf es unsrerseits eines meritum de congruo. 
Daher: licet Christi passio sit principale meritum, propter quod con- 
fertur gratia, apertio regni^et gloria, numquam tamen est sola et totalis 
causa meriioria. Patet, quia semper cum merito Christi concurrit aliqua 
operatio tanquam meritum de congruo vel de condigno recipientis gratiam 
-vel gloriam (Biel IH d. 19 a. 4 concl. 5, vgl. oben § 39, 4). Anselm 
■wird nach Duns widerlegt. Christus regt uns einerseits zur Liebe 
an, andrerseits verdient er durch das meritum seines Gehorsams, daß- 
Gott die Medizin der Sakramente einsetzt. 

8. Während die Nominalisten die Forderung einer mit eigenen 
Ejäften zu erzeugenden contritio erheben (§ 48, 9 d), bestand in der 
Praxis auch der Attritionismtis fort : talis attritio in vulgari non potest 
■melius exprimi quam „galgenrew^' (Joh. v. Paltz, Coelifodina Lips. 1510). 
Die Absolution steigert sie durch die Eingießung der gratia gratum 

See!) er's, Grundriß der Dogmengeschichte. 4. Aufl. 8 



114 § ö3. Augustinische Strömungen". 

faciens zur contritio. Durch diese wird die Sünde zerstört, indem der 
Mensch die Liebe oder die BJraf t zum Guten empfängt. Mit dieser Gerecht- 
machung erhält der Sünder die Sündenvergebung. Dies beides ist die- 
Justifikation. Als göttliche mutatio sine motu angesehen: fit iustificatio 
in instanii; als motus aä iustitiam vollzieht sie sich, successive (Paltz). — 
Der Gerechtfertigte tut gute Werke, und zwar sind diese jetzt merüa 
de eondigno, während das facerej^uod in se est vor Empfang der Gnade^ 
als meritum de congruo bezeichnet wird, vgl. § 47, 2, — Der Ablaß, 
der Jetzt offiziell auf die Verstorbenen ausgedehnt wird, befreit, unter 
Voraussetzung der Absolution von der ewigen Strafe, von der zeitlichen 
Strafe resp. den satisf aktorischen Werken. Theoretisch gilt der Ablaßt 
nur für contriti et confessi, doch erhielt sich die irreführende Formel 
dbsolutia a poena et eulpa (Jubiläumsablaß seit 1300) in der Praxis. 

9.' In der Abendmahlslehre wird die Gonsubstantiations-, 
theorie in immer weiteren Kreisen anerkannt. Ockam nennt sie i 
multum rationahilis, nee contrarium illius habetur in eanone hibliae, nec- 
includit aliqumn contradiäionem, corpus Christi plus coexistere substantia^ 
panis quam eius aceidentihus, nee repugnat rationi (Quodlib. IV, 35)^ 
Trotzdem will er bei der Transsubstantiation stehen bleiben. Nach- 
drücklich vertrat auch d'Ailli jene Theorie : quia valde possibile est' 
substaniiam panis coexistere substantiae corporis. Ille modus est possi- 
hilis nee repugnat rationi nee auctoritati hibliae, immo est facilior ad 
intelligendum et rationahilior (Sent. IV q. 6 E).' — Hinsichtlich der 
Frage nach der Art der Gegenwart des Leibes Christi im Abendmahl- 
(vgl. § 48, 8d) lehrte Ockam, daß ein Ding, ohne "substanziell ver- 
ändert zu werden, doch quantitätlos werden könne. Wie die Seele- 
den Teilen des Leibes gegenwärtig ist, so Christi Leib auf vielen 
Altären. Der Leib korrespondiert als quantitätlos nicht deii einzelnen 
Kaumt eilen. Also : corpus Christi potest esse uhique, sieut deus est libique,. 
Doch existiert an sich der Leib im Himmel "aij einem Ort. 

10. Die Steigerung der dialektischen Kunst zur Haarspalterei, die 
Unfruchtbarkeit der Negation gegenüber dem kirchlichen Positivismus^ 
ebenso wie die positiven Gegenströmungen der Zeit ließen die Scho- 
lastik immermehr in Mißkredit geraten. 



§ 53. Augustinische Strömungen. 

S. die Lit. zu § 52 — dazu K. Werner, Der Augustinismus in der 
Scholastik des späteren MA. 1883. Über Bradwardiua s. Seeberg PEE. III,. 



§53. Angustinische Strömungen. 115 

350ff. S. Hahn, Thom. Bradwardinus u. seine Lehre v. d. menschl. Willens- 
freiheit 1906. — Loofs DG. § 72. Seeberg DG. IW, 648 ff., 669 ff. u. Begriff 
der Kirche I (1884), 65 ff. J. Gottsehick, Ztschr. f. KG. 1886. F. W i e g a n d , 
De ecclesiae notione quid Wicüf docuerit 1891. 

1. Es handelt sich um die § 52, 1 "e erwähnte Gruppe von Theo- ' 
logen. Augustin und auch die deutsche Mystik wirken in diesen 
Kreisen und halten die Forderung nach einer praktischen kirchlichen 
Theologie aufrecht. 

2. Die katholische Gnädenlehre wird zwar nicht aufgegeben, 
wohl aber dem Pelagianismus der Späteren gegenüber vertieft. So 
vor allem Br ad war di na (j- 1349), der gegen sein Zeitalter die 
Anklage auf ^pelagianismus schleuderte und die Prädestinationslehre 
kräftig erneuerte. Die Prädestination ist praeordinatio voluntatis divinae 
circa ereaturam rationalem, und zwar als gemina praedestinatio. An ihr 
haben alle Gnadengaben ihren Grund: pr.aedestinationis effectus sunt 
collatio gratiae in praesenti, iustificaUo a peccato, hona merita, finalis 
perseveraniia. Die Gnade ist ein JiaMtus animae a deo gratis infusus. 
Nach Gregor v. Himini (-j- 1358) besteht die Erbsünde nicht in 
der carentia iustitiae originalis, sed ipsam concupiscentiam esse originale 
peccaiuvn, sie ist eine realis qualitas in der Seele (in Sent. II d. 30 — 33 
q. 2 a. 2). Der Sünder ka,nn. nicht durch eine generalis influentia dei 
sich selbst de congruo die prima gratia verdienen. Das wäre Pelagianismus. 
Die Gnade ist dei speciale adiutorium ad iene operandum (II d 26 — 28 
q. 1 a. 1—3). Die alleinige Ursache des Heus ist die Prädestination, 
die das vocare et iustijicare in sich faßt (I d. 40 et 41 q. 1 a. 1; 2). 

3. Auch "Wiclif (-}■ 1384) machte den Prädestinationsgedanken 
zu einem wirksamen Lehrfaktor. Gottes Wille bestimmt alles, also 
auch gloria und poena: Deus necessitat creaturas singulas activas ad 
quemlibet actum suum, et sie sunt aliqui praedestinati, hoc est post 
Idborem ordinati ad gloriam, aliqui praesciti, hoc est post vitam mise- 
ram ad poenam perpetuam ordinati (Trial. p. 122). Doch soll das 
die Freiheit nicht ausschließen: deus autem non polest velle me mereri 
vel demereri, nisi etiam ego velim. Die Gnade wird in bekannter 
"Weise als gratia increata und gratia creata gedacht. Letztere als 
hona qualitas ist die Bedingung für die acceptatio, qua deus acceptat 
hominem. Da Gott alles Handeln wirkt, so sind unsere Verdienste 
nur merita de congruo. 

4. So wenig als einer dieser Männer haben die übrigen sog. „Vor- 
reformatoren" den katholischen Gnadenbegriff überwunden. Wessel 

8* 



116 § 53. Augustiuische Strömuugeu. 



z. B, sagt : 7iihü aliud est peccata tolli quam iustificantetn cantatem 
habere, quam qui non häbßt, in peccato manet. Ut ergo peccata toUat, 
oportet iustitiam infundere (Opp. 1614, p. 466). — Wiclat die Er- 
/ kenntnis der Art der G-nade , sondern die Emijfindung von ihi'er 

Kraft und Notwendigkeit ist das Bedeutsame. 

5. Yon hier aus wurden aucli die Buße und der Ablaß scharf 
angegriffen. Wiclif leugnet die Notwendigkeit der Beichte und ver- 
•vvirft den Ablaß. Joh. v. "Wesel hält die Ablässe für piae fraudes. 
"Wessel meint, da Gott allein die contritio wirke und die Sünden 
vergebe, sei es nichts mit der judiciellen Absolution der Priester ; die 
zeitlichen Strafen würde Gott selbst vergeben, oder er will, daß sie 
bleiben. Das ganze Sakrament wird also angefochten. 

6. In der Abendmahlslehre hat Wiclif die Transsubstan- 
tiation verworfen (De eucharistia ed. Loserth 1892): Credunt paganis 
deterius, quod Iwsiia illa consecratä sit deus illorum. Er selbst folgt 
Augnstin, die Einsetzungsworte iröpice und figurative deutend. Die 
Gegenwart des Leibes Christi ist also auf die Erinnerung zu be- 
ziehen. Non quod ^^^Lnis destruitur, sed quod significat corpus 
domini ibi praesens in sacramento. Quod corpus Christi est ibi vir- 
iualiter et in ,signo, non corpus Christi ut 'est in caelo, sed Signum 
eius vicarium. — Bei Wessel steht neben der Gegenwart Christi, 
der corporaliier cominus esse voluit desideraniibus, auch der Fortbestand 
des Brotes fest. 

7. Schließlich ist es der Kirchenbegriff, der in anti- 
hierarchischer Tendenz in diesen Kreisen umgearbeitet wurde. 
"Wiclif (De ecclesia ed. Loserth, vgl. Hus De eccl.) definiert die 
Kirche als congregatio omnium praedestinatorum. In diesem Sinn um- 
faßt sie Menschen aller Zeiten und Bäume und ist Glaubensobjekt. 
Von hier aus ließ sich dann die Hierarchie ebenso scharf kritisieren, 

"wie durch die Anwendung des anderen Grundgedankens Wiclifs, des 
Gesetzes Christi samt der imitatio Christi (vgl. § 50, 4). Wesel 
erklärt die hierarchische Ordnung für a genitilitate sumpta et Christi 
verbo vetita.- Wessel wendet die Vertragstheorie auf die Kirche an, 
die schlechten Prälaten seien abzusetzen. Das Wesen der Kirche 
verwirklicht sich in der communio sanctorum. — Der Fortschritt der 
Definition congregatio praedestinaiorum- über die landläufige : congregatio 
fidelium (s. § 49, 2 a) besteht in der Erkenntnis des geistlichen 
Wesens der Kirche. 



§ 54. Renaissance und Humanismus. 117 



§ 54. Benaissaixce und Hiunanismus. 

J.Bucckhardt, Die Kultur der Eenaissance in Ital. 4. A., 1885. 
L. Geiger, Eenaiss. u. Humanism. 1882. Gr. Voigt, Die Wiederbelebg. des 
klass. Altert. 2 Bde. 2. A. 18801 F. Lezius, Zur Char. d. rel. Standpunktes 
d. Erasm. 1895. Kampschulte, Die Univ. Erfnrt in ihrem Verh. z. Huma- 
nism. u. z. Eef. 2 Bde. 1858. H. Hermelink, Die rel. Eeformhestrebungen 
d. deutschen Humanism. 1907. 

1. Zu der Skepsis der Theologie und dem Individualismus der. 
Frommen trat, die Krisis steigernd, die "Wiedererweckung des klassischen 
Altertums. Besonders in Italien machte die Antike der Kirche die 
Führung der Geister streitig. 

2. In England und Deutschland nahm der Humanismus vielfach 
religiöse Färbung an (J. Colet f 1519, Th. Morus f 1535, Faber 
Stapulensis f 1537, E,euchlin -j- 1522, Erasmus -|- 1536). Historische 
Kritik (Lorenzo Yalla über das Apostolikum, den Areopagiten, die 
Donatio Oonstantini), der Spott über die Geschmacklosigkeit der 
scholastica dogmata, der B-ückgang zu den Quellen (Erasmus ediert das 
N. T. und viele Kirchenväter) verband sich mit der Forderung prak- 
tischer Frömmigkeit. Gegen das scholastische Dogma berief man 
sich auf die Lehre Jesu und die imitatio Christi. Haee tibi sit . . 
regula, ut totius vitae tuae Christum velut unicum scopum praefigas, 
ad quem unum omnia studia, omnes conatus, omne otium ae negotium 
conferas. Christum vero esse puta non vocem itimiem, sed nihil aliud 
quam caritatetn, simplicitatem, patientiam, puritatem, hreviter quidguid ille 
docuit . . . Ad Christum tendit qui ad solam virtutem fertur (Erasmus). 

3. a) Das Besultat der Entwicklung ist deutlich. Der großartige 
Versuch der Kirche und der Scholastik, Beligion und öffentliches Leben, 
Dogma und Philosophie zu einem System zu vereinigen, ist gescheitert. 
Das kirchliche System, dessen Hecht die Scholastik bewies, genügte 
den frei, „modern" gewordenen Individuen nicht mehr. Der ger- 
manische Geist hat die romanischen Formen des mittelalterlichen Kirchen- 
tums gesprengt. Der Augustinismus Gregors des Großen hatte den 
echten Augustin immer mehr verdunkelt, bis dieser aus seinen Hüllen 
wieder befreit wurde. — b) Aber die Entwicklung hat doch auch 
positiv bedeutsame Elemente zurückgelassen : die immer schärfer zuge- 
spitzte Erkenntnis: Schrift, nicht Tradition; die Konservierung und 
Verarbeitung des altkirchlichen Dogmas; das Verständnis des positiven 
und praktischen Charakters der Beligion ; den Individualismus und 



.118 § 54. Eenaissance^ und Humanismus. 



Voluntarismus: die Einsicht, daß Gott waltender Herr und geistiger 
Wille ist. — c) Aber der Knotenpunkt der Entwicklung, an dem 
man angelangt war, bedeutet nicht nur den Abschluß der mittelalter- 
lichen, sondern auch der altkirchlichen Greistesentwicklung. Von den" 
Anfängen der Dogmengeschichte an war Jene griechische Seelen- 
stellung maßgebend,- die den Glauben als die Anschauung . der Über- 
welt, als avyy.aidd'SGig und assensus — darüber hinaus liegt die 
Coniemplatio — auffaßte, und die die Liebe auf innerweltliche Ziele 
hinrichtete: der Punkt der Entwicklung ist erreicht, wo diesb zurück- 
biegt in die urchi'istliche Stellung zu Gott und der Welt. Als Vorbe- 
reitung hierauf erscheint dem Rückblick die Gedankenarbeit Augustins 
und des Duns S'cotus, 



Dritter Teil. 

Die Fortbildung des Dogmas durch die Reformation und 
die entgegengesetzte Lehrlixierung des Katholizismus. 

Erster Abschnitt. 
Die Entstehung des protestantischen Lehrbegriffes. 

Erstes Kapitel. 
Die Lehre^ Luthers. ' 



§ 55. Iiuthers dogmengeschiclitliclie Stellung. 

Luthers "Werke sind in der Weimarer Ausg.. (=.W), femer nach der 
ilrianger Ausg. (deutsche Werke = E) und zwar 1. Aufl., zitiert; Br. = Luthers 
IBriefwechsel ed. Enders 14 Bde. 1884 ff. P. D r e w s , Disputationen Dr. M. Luthers 
1895 (= Di). Vgl. G. T. Below, Die Ursachen der Kefr 1917. J. Köstlin, 
14. Luther 2 Bde.^ 1903. Th. Kolde, M. L. 2 Bde. 1883 ff. A. Hausrath, 
L. Leben 1904. 0. Scheel, M. Luther 1916. 1,7. H. Hermelink, Eefor- 
Tuation u. Gegenreformation (Krüger KG. III) 1911. J. Köstlin, Luthers Theo- 
logie 2 Bde.- 1901. Th. Harnack, L's Theol, 1862-86. S. Lommatzsch, 

• L's Lehre v. eth. rel. Standp. aus 1879. Th. B rieger, Luther u. wir 1916. 
H. Böhmer, Luther im Licht der neueren Forschung* 1917. K. Holl, Was 
verstand L. unter Keligion V 1917. Loofs DG.*, 684 ff. Harnack DG. IIP, 

^08ff., vgl. K. Kübel, Neue Mrchl. Ztschr. 1891, 13ff. Seeberg T>Q. 17 1^. 
W. Walt her, Das Erbe der Eeforination 3 Hefte 1903 ff; W. Braun, Die 
Bedeutung der Concupiscenz f. Luthers Lehen u. Lehre 1908. Denifle- 
Weiss, Luther u. Luthertum in der ersten Entwicklung 3 Bde. 1904 ff. 
O. Eitschl, DG. des Protestantismus L II 1909/12. 

1. In Luther kommt die Kritik des deutschen Geistes an dem 
Tomanisclien System zum Abschluß. Luther hat unter der Leitung 
des paulinischen Geistes den reinsten Ausdruck für das deutsche Ver- 
ständnis des Christentums als Erlösungsreligioa gefunden. Dabei sind 
mit ebenso gi'oßer Sicherheit der lateinische Legalismus und der 
griechische Intellektualismus überwunden, wie gegenüber den spiritua- 
listischen und rationalisierenden Tendenzen der Zeit der geschichtliche 
Zusammenhang mit . der Vergangenheit innerlich behauptet ist. 

2. Den Anstoß zu einer eigenartigen religiösen Erfahrung hat 
Luther an dem Bußsakramente empfangen. Indem Luther die con- 
iriUo suchte, ist er in der attritio stecken geblieben (§ 52, 8) und hat 



120 § ö6. Luthers Lehre in ihrer ursprünglichen Gestalt. 

* 
an der Seligkeit verzweifelt. Der Hinweis auf das Sferare ' und die^ 

in Christus offenbare göttliche Güte half ihm. Im Gegefisatz zu der 

im Bußsakrament beschlossenen katholischen Heilsordnung hat er dann 

den evangelischen Heilsweg gefunden. Seine Theologie ist in diesem- 

Rahmen zu verstehen. Das sagt schon Melanchthon (Corp. E,.ef . XI, 728) ^ 

Lutherus veram et necessariam dodrinam patefecü, fuisse enim tenebrm 

in dodrina de 'poenüeniia 'densissimas, manifestum est. Bis diseussis- 

ostendit, quae sii vera poenitentia. Das Werk Luthers hat dem Problent 

der abendländischen Dogmengeschichte, der Salus animarum (§ 15);|. 

gegolten, und es hat sich auf die Grundmotive der abendländischen 

Dogmengeschichte, die Buße und die Kirche, gerichtet (vgl. § 14. 36)^ 

3. Als Theologe ging Luther von dem Nominalismus aus. Seine 

scharfe Kritik der Scholastik richtet sich nicht gegen die Form, auch 

nicht gegen die altkirchliche Lehre, sondern gegen die Verkehrung des 

Heilsweges (Freiheit, Gnade, Glaube, Gerechtigkeit, Werke, Yerdienst). 

Daher ist die Scholastik carnifex illa theologistria. Der scholastische- 

Begriffsapparat behielt seine Bedeutung für Luthers Denken. 

§ 56. Luthers Lehre in ihrer ursprünglichen Gestalt. 

Die Psalmenerklärungen, sowie die Schrift über die Bußpsalmen, die 
Predigten und Traktate bis 1517 in der Weim. Ausg. Bd. 1. 3. 4. J. Ficker f. 
Anfänge der ref. Bibelauslegung (Luthers Vorlesung über den Römerbrief 1515/16) 
2 Tle. 1908 (= Eö). Vgl. A. W. Dieckhoff, L.'s, Lehre in ihrer ersten: 
Gestalt 1887. F. Kro patscheck, Die natürl. Kräfte d. Menschen in Luth. 
vorref. Theol. 1898. W. Braun, Die Bedeutung d. Concui). etc. 1908. 
A. W. Hunzinger, Lutherstudien I, II, 1906. K. Holl, Die Kechtferti- 
gungslehre in L.'s Vorlesg üb. d. Bömerbr. in Ztschr. f. Th. u. K. 1910, 245ff> 
Seeberg DG. IV. 1, 80ff. 

1. Die Hochschätzung der heiligen Schrift in dieser Zeit greift 
nicht über das im späteren Mittelalter IJbliche hinaus, Luther hat 
sich vom Studium' der nominalistischen Scholastik herkommend die- 
Impulse Augustins und der deutschen Mystik mit persönlichem Heils- 
interesse angeeignet und sie dann an der Hand des Paulus allmählicn. 
umgebildet. Dadurch wurde sein Interesse konzentriert auf das Ver- , 
ständnis von Sünde, Gnade und Rechtfertigung. Von Augustin über- 
kam Luther die genaue Unterscheidung von Gesetz und Evangelium.. 
Das Gesetz demütigt und zerschlägt, aber kann nicht Glaube und, 
Liebe hervorrufen, das Evangelium ist Kraft und Trost, nicht ohne 
daß es das Gesetz vertieft und den Sünder unterdrückt. ■Humilitat& 
ei fide opus est (Rö 2, 57). 



§'06. Luthers Lehre in ihrer ursprünglichen Gestalt. 121 

2. Die Erbsünde ist niclit nur carentia iustitiae originalis, aondem 
als das peceatum radicdle ist sie universa ipsa concupiscentia (E.ö 2, 143 f., 
vgl. § 45, 2; 53, 2) oder selbstsüchtiger Eigenwille und Unglaube, 
Der Sünder kann ohne die Gnade keinerlei verdienstliche Werke leisten,. 
da die Sünde ipsa corruptio naturae, ist und experimur omnes 'invinci- 
hilem esse coneupiscentiam penitus (W 1, 35). Mit Recht lehre Augustin 
servum potius quam liberum arhürium (Rö 2, 212). Gott imputiert den 
Menschen diese Concupiscenz zu Schuld und Strafe. 

3. Christi Gottheit lehrt Luther in der Erfahrung des barm- 
herzigen Willens CHristi ergreifen. Christum deum confiteri est omnia 
hona al) ipso aecepta reädere et in eum referre . . ., omnia bona ah ipso- 
sperare et in nullam ereaturani ^confidere (W. 1, 123. 140). Seine 
Gottheit ist ein gnediger wille zu erlarmen und helffen (1, 203). Miserer i 
arguit ,eum esse deum et distinguit ab aliis, qui non possunt misereri. 
cum sint miseri. Igitur qui miseretur et bonus est, deus est (4, 248), 
Die . Gottheit Christi ist verborgen in dem Menschen Jesus. Nirgend 
anders kann aber Gott zum Heil erkannt werden als in Christi 
Menschheit. Omnis ascensus ad cognitionem dei est periculosus praeter 
eum, qui est per JiumilHatem Christi, quia haec est scala lacöb. — 
— ' Quare ad_ desperationis baratrum festinat qui per seipsum ad divini- 
tatis cognitionem properat. — — In aliis operibus eognoscitur deus 
seeundum magnitudinem potentiae, sapieritiae et iustitiae et videntur ibi 
opera eius terribilia nimis ; hie autem videtur eius suavissima miseri- 
cordia et charitas, ut sie eum fiducia possint sustineri opera potentiae 
et sapientiae suae (4, 647 f.), ' , . • 

4. Der Christ .wird im Glauben der Erlösung durch Christus inne, 

a) Der Christus, dessen göttliche Kraft er empfindet, macht Wohnung 
in ihm und bewegt seinen Willen zu dem neuen Leben des Glaubens 
und der Liebe. Et ita vere fit, ut vita Christi in suo fideli non quiescat, 
quia nee ipsa quievit, sed semper vivit et agit . . . ; non vivimus, loqui- 
mur, agimus nos, sed vivit et agit et loquitur .in nobis Christus, quia 
quod agimus et loquimur 'ipso intus agente et movente efficitur (4, 645). 

b) Derselbe Christus wird durch seine Gesetzeserfüllung und sein 
Leiden und Sterben satisf actio sufficientissima zur Erwirkung der 
Süüdenvergebung : Tu domine lesu es iustitia mea, ego autem sum 
peceatum tuum; tu assumsisti meum et dedisti mihi tuum, assumsisti 
quod non eras . .. Igitur non nisi in illo per fiducialem • desperationem 
iui et operum tuorum pacem invenies (Br 1, 29). 

5. Die Gnade ist favor dei als wirksamer göttlicher Geist. Sie wirkt 



122. § 56. Luthers Lehre in ihrer tirsprüiiglichen Gestalt. 

die vivificatio und iustificatio. Die iustificatio ist die allmähliclie innere' 
Erneuerung des Menschen. Der Geist erneuert den Menschen innerlich, 
der Mensch verhält sich demgegenüher absolut passiv (ßÖ. 2, 206). 
Infusio est inferior illuininatio mmtis et inflammatio voluntatis . . , liaec 
est necessaria pro concupiscentiae exstirpatione, usqm dum perfede exstir- 
petur (W 1, 66). sie bringt den guten willen strack zu got geriehtet, allein 
got suchend (1, 191) und gießt die Liebe ein (1, 115), besonders, aber 
den Glauben. Das Ohristenleben steei meer ynn nemen von got dan in 
geben, meer in legeren dan yn haben,, meer in frum iverden dann ynn 
jrum sein (1, 212). Der Glaube ist die vom Geist gewirkte persönliche 
Erfahrung von der Gnade : : ut Spiritus faciat te lioc credere, quid per 
ipsum peccata tibi donantur (Rö 2, 198). Er ist aber auch die de- 
mütige Unterwerfung unter Gott, die sich jedes seiner Worte gesagt 
sein läßt (Rö 2, 89 f.). Nun bleibt aber die concupiscentia auch in 
dem gläubigen Menschen als Sünde wirksam:- aber der. Sünder, der 
glaubt, ist iustus ex reputatione et promissione dei certa, wiewohl er in 
"Wirklichkeit nur ein iniiium iustitiae hat (Rö 2, 108). lustitia dei 
non ea debei accipi, qua ipse iustus est, sed qua nos ex ipso iustificamur 
{Rö 2, 98). Diese von Christus in die Seele eingeführte Gerechtigkeit 
bewirkt ein allmähliches reales Gerecht werden, aber zugleich gibt 
sie als ein neues Prinzip dem Menschen das Bewußtsein vor Gott 
gerecht zu sein. Um der realen Gerechtmachung Christi willen findet 
«ine non-iniputatio der Sünde statt, sed ex sola dei reputatione iusti 
sumus. Also: re vera peccatores, sed reputatione miserentis dei iusti . . ., 
peccatores in re, iusti autem in spe (Rö 2, 113. 104 f.). Tali enim 
non imputat peceatum, quia reputat ei iustitiam (W. 3, 175). In diesem 
Zusammenhang kommt der Glaube in Betracht als spes oder fiducia 
{vgl. § 47, 5 : 52, 4), aber diese gründet sich nur auf Christi "Wirken, 
nicht auf des Menschen Verdienste.. — Also: Christus wohnt in uns, 
ein neues Leben zusammen mit dem Bewußtsein der Sündenvergebung 
anregend. lustitia enim dei est, quando iusti sumus ex deo iustificante 
et imputante (1, 84). . '^ 

6. Im übrigen ist Luther in dieser Zeit, trotz mancher kritischer 
Äußerung, noch ganz konservativ (Heilige, Transsubstantiation, Meß- 
opfer, sieben Sakramente, Autorität der Kii'che etc.). Die Gedanken 
von der Sünde, Gesetz und Evangelium, Christus, Glaubfen, Recht- 
fertigung sind das Neue. Es ergab sich ihm aus der Erkenntnis der 
evangelischen Buße. Die Grundlinien seiner Auffassung hat Luther 
jetzt schon gezogen. 



§57; Das neue Verständnis des Evangeliums etc. 123 



§ 57.' Das neue Verständras des Evangeliums' aus dem Gesiclits- 
punkt der evangelischen Bufae (Glauben, Werke, Gesetz, Evan- 
gelium, Sünde, Gnade, RecMfertigung, Versöhnung). 

A. W. Dieckiioff, Der Ablaßstreit 1886. E. Bratke, Luthers 95 
Thesen 1884. W. Köhler, Luthers 95 Thesen samt s. Eesolutionen u. den 
Gegenschriften 1903. Th. Brieger , Das Wesen des Ablasses (Lpz. Programm") 
1897 .u. PßE. IX. 76 ff. W. Herr mann, Die Buße d. ev. Christen in Ztschr. 
f. TheoL u. K. 1891, 28ff. E. A. Lipsius, L. Lehre v. d. Buße 1892. 
AI Galley, Die Bußlehre Luthers 1900. E. Katteubusch, L. Lehre v. 
unfreien Willen 1875. K. Zicken draht, Der Streit zw. Eräsm. u. L. 1909. 
3. V. Walter, Das Wesen der Religion nach Erasm. u. L. 1906. Erasmus 
Schrift De lib. arbitr. ed. v. Walter 1910: K. Thieme, Die sittl. Triebkraft 
des Glaubens 1895. Seeberg DG. IV. 1-, 126 ff. Loofs DG.* S. 7i4ff. 

, 1. In den 95 Thesen (1517) hat Luther das römisclie Bußsakra- 

ment und den Ablaß zwar im Prinzip anerkannt, doch erstrecke sich 
die Bußgewalt des Papstes nur auf die ijoenae canonicae. Dazu liat 
Luther die Mißbräuche des Ablaßwesens scharf angegriffen, als wenn 
man sich die Heilssicherheit erkaufen könne. Sodann hat er die Er- 
kenntnis zum Ausdruck gebracht, daß, da das ganze Leben der 
Gläubigen eine Buße im Sinne der vera poenüentia interior sein soll, 
die carnis mortificationes nicht zu fliehen^ sondern zu suchen, d. h. 
dem Ablaß vorzuziehen sind. Dieser ist nicht nötig, sondern gefähr- 
lich. Die Hierai'chie kann nur die declaratio der Sündenvergebung, 
nicht diese selbst vollziehen. Quüibet cliristianus vere conipundus 
habet remissionem plenariam a poena et culpa etiam sine lüieris veni- 

'arum sibi dehitam. 

.2. Von diesen Anschauungen her ist das Bußsakfament aufgelöst 
worden. Luther kommt zu folgenden Gedanken: a) die Buße ist 

' wesentlich coniritio. Nicht dui'ch timor poenae — dadurch kommt 
man zur Attrition — , sondern dm-ch die Liebe zum Guten entsteht 
die coniritio. Das gilt von der aus Glaube und Liebe hervorgehenden 
Ghristenbuße (habitualis poenitaniia) . Dazu kommt noch die Ein- 
wirkung des Gesetzes, zunäal bei der Anfangsreue. Concedo, quod, lex, 
■recordatio peccaiofum, intuitus poenaruni possuni terrere peccatorem, sed 
nunquam fdciunt poenitentem (W 2, 362). Daher: Haiita caritate 
simul moveri Jiominem ad timor em dei et sie incipi poenitentiam a timor e 
im, caritate (W 2, 362). Es kommt also auf die Contrition an. b) Die 
, Beichte wird als kirchliche Satzung erkannt, aber die freie Privat- 
beichte empfohlen. Der Glaube (an das "V^ort in der Absolution) ist 



■ t ■ 

124 § ol. Das neue Verständnis des Evangeliums etc. 



das zweite Hauptstück. Remissa esse peccata, si.eredis remissa (W 1, 631). 
c) Die "Werksatisfaktion kann ebensowenig wie der Ablaß aus der 
Schrift erwiesen werden. Aber: deus mutai ijoenam aeternam in tem- 
poralem seil, crueis porfandae (W*'2, 161).- — Das Bußsakrament ist 
„erdicbteter Tand« (E 9, 299). Es bleibt die Ohristenbuße. die aus 
Contrition. Glauben und Werken besteht. 

3. Das Wesen der Sünde besteht einerseits im Unglauben: Und 
ist also kurz und dürre in diess Wort Sünde hescMossen loas man lebt 
und thut ohn und ausser dem Glauben an Christum (E 12, 111). Dazu 
kommt andrerseits die concupiscentia : non est quieseens qualHäs, sed 
inquietum malum (Di 60). Gegen Pelagius wird mit Augustin die 
Erbsünde gelehrt als die rechte Hauptsünd (E 10, 305), eorruptio naturae, 
radicale fermentum. Darurn ivie der Zeug in Vater und Mutter verderbet 
ist, also bleibet er auch in den Kindern (E 11, 246). Die menschliche 
Natur ist eine böse geneigte Natur (E 7, 289), verderbte Natur (E 9, 234) : 
das zeigt sich in Blindheit, Ungehorsam, Begierde, vor allem aber im 
Unglauben : Die Hauptger ecMigTceit ist der Glaube, wiederum die Haupi- 
bosheit ist der Unglaube (12, 178). Aber der Mensch bleibt trotzdem 
zu nützlichen Werken in dem sozialen und staatlichen Leben befähigt 
(Naturrecht). 

4. Aus dieser Sündenlehre ergab sich die Konsequenz des servuno 
arbitrium (De serv. arb. 1525; AV 18). Luther hat sie in einen 
Aveiteren, streng deterministischen Zusammenhang gestellt. Gottes 
Wesen ist an sich unerkennbar, die Vernunft biingt es nur zu einem 
sdieusslichen potzman (W 37, 458). Der grundlose Gotteswille wirkt 
alles, daher geschieht alles mit absoluter Notwendigkeit. Doch soll 
die psychologische Freiheit dem Menschen ebenso bleiben wie die 
lebendige Wii'ksamkeit der übrigen Kreatur. Das ist die occulia et 
metuenda volunias des d^eus absconditus. - Hieraus folgt die schlechthinige 
Unfreiheit des Menschen und der Ausschluß aller Verdienste. Deum 
in nobis operari bona et mala, nosque mera necessitate passiva subiici 
deo operanii (W 18, 610). Sodann die Prädestination. Aber in 
Christus offenbart sich der verborgene Gott (s. n, 8). 

5. Dem Sünder zürnt Gott, d. h. der Sünder ist von Gott ge- 
schieden und fühlt sich von ihm verlassen. Daran kommt ihm die 
Sünde als Schuld zu Bewußtsein. Aber der Christ erfährt im Glauben 
Gott als eitel Liebe. Also ist auch bei Gott' kein Zorn noch Ungnade 
und sein Herz und Gedanken nichts denn eitel Liebe, loie man alleni- 
hallen an allen Werken vor Augen siehet (E 19, 369 f.). 



§ 57. Das neue Verstäiidnis des Evangeliums etc. ^ 125 

6. An dem sündigen Menschen wirkt Gott durcli sein Wort, d. h. 
durch Gesetz und Evangelium, a) Das Gesetz offenbaret, loas der 
Mensch sey, was er gewesen ist und was er wieder icerden soll (E 14, 151), 
Das Gesetz wird bestätigt durch das Gewissen. Sofern das Gesetz 
der Juden SaeJisenspiegel oder positives Recht ist, hat es für die 
Christenheit keine Geltung ; wohl aber sofern es mit dem I^aturrecht 
übereinkommt: Wo nu Moses gesets und naiur-geseize eyn ding sind, 
da lleybt das gesetze und icird nicht auffgehaien eusserlich on durch den 
Rauben geystlich (W 18, 81). Das Gesetz belebt nicht, sondern tötet. 
Es gibt nicht die Kraft zum Guten oder die Wiedergeburt, denn ist 
Gesetze da, so ist der Heilige Geist nicM da (E 52, 297). b) Daher 
soll mit dem Gesetz das Evangelium gepredigt werden. Das Gesetz 
ist das vorgiebet was man thun soll, das Evangelium- wo man's nehmen 
soll . . , Das Gesetz entdecket die KranJcheit, das Evangelium giebt die 
Arznei (14, 14), Der Wiedergeborene als solcher braucht kein Gesetz, 
denn das neue Leben in ihm treibt zum Guten, lustus non deb 
hene vivere, sed bene vivit, nee indiget lege, qiiae doceat eum bene vivere 
(W 2, 596), — c) Also soll die Predigt mit dem Gesetz anheben, 
dies wirkt die Anfangsreue : dann folgt die Predigt des Evangeliums, 
die Glauben und Liebe und dadurch die volle Christenreue oder Con 
tritio wirkt. In dieser Auffassung ist Luther nur bestärkt worden 
durch den Widerspruch Johann Agrico las, der die Reue aus- 
schließlich aus der Liebe zu Gott herleiten , woMte (1527, 1537). — 
Gelöst ist die Schwierigkeit nicht : ' wie kann der Mensch vor dem 
Glauben Gotteswirkungen empfinden und wie kann das Gesetz diese 
vermitteln ? ■ ~ 

7, a) Der Glaube ist nämlich das Organ des religiösen Em- 
pfangens und Besitzens, Das ist die maßgebende Erkenntnis Luthers. 
Glaubstu, so hasiu ; glaubstu nit, so hastu nit (W 7, 24), Erst im 
Glauben wird die religiöse Welt zur Wirklichkeit: fides est ereatrix 
divinitatis, noh in persona sed. in nobis (W 40, 1, 360), Sicut cogitas; 
istg, fit; si credis deum iratum, est (W 40. 2, 342), So ergreift der 
Glaube die Gerechtigkeit: Dass aber solche geschenkte Gerechtigkeit in 
uns sey , , . das geschieht allein durch den Glauben, denn es muss je 
von uns empfangen und angenommen werden. Nun kann es nicht anders, 
gefasset werden weder mit dem Herzen (E 42, 118), So nimmt er 
innerlich hin Gottes Wohltaten und die Erlösung durch Christum, 
auff dass also dein Glaube lauter bleibe, nichts ihue denn halte still, lasse 
ihm wohWiun und empfahe Christi Werk und lasse Christum seine Liebe 



, 1;26 § 57. Das neae Verständnis des Eyangelinnis ete. 

an ihm üben (E 10, 101). — b) Der Glaube ist ein Erfahren und 
JFühlen, Gewißheit und Sicherheit. Es mag niemant got noch gottes 
^wqH recht vorstehen, er habs denn on mittel von dem: h. geyst. Niemant 
hansz aber von dem heil, geist häbenn, er erfaresz, vorsuchs und empfinds 
denn, und yn der seihen erfarung leret der heylig geyst (W 1 , 546). 
Der artikel: ich gleube Vergebung der Sünde trifft uns und Icompt mit uns 
in die erfarung -und macht, das die andern artikel auch uns treffeil und 
mit uns in die erfarung Icomen (W 28, 272). Darum fühlen wir es 
nicht, so lasset uns Busse thun, denn Christus ist nicht unser (E 18, '7 f.). 
Der Sitz des Glaubens ist sowohl der Intellekt als der Wille, er 
besteht in einem wülentlichen^ assentiri und einer adhaesiö (W 43, 243.' 
460). Glaube ist also keine spekulative, sondern praktische Erkenntnis 
auf dem Grunde der transcendentalen Empfindung der Erlösungsgnade. 
Diese Erfahrung gibt dem Glauben die Wirklichkeitsgewißheit. - — 

c) Da nun aber der Glaube sich auf die ganze Zukunft erstreckt und 
promissio^ies zum Gegenstand hat, ist er auch die spes oder fiducia, 
daß Gott uns nach seiner Gnade und nicht nach unsern Verdiensten 
beurteilt und im letzten Gericht beurteilen wird (W 40. 2, 351). 
Vermöge dieser fiducia eignet dem Glauben die Heilsgewißheit; — 

d) Der Glaube wird von Gott gewirkt. Er ist der"^ erste und Haupt- 
bestandteil der vom heil. Geist bewirkten Wiedergeburt. Mit ihm 
zugleich ist also der heil. Geist gegeben und ein neuer Lebensstand 
gesetzt. — e) Der Glaube ist nicht bloße fides historica, wohl aber die, 
Überzeugung von der Wirklichkeit der Heilstatsachen, deren Wirkungen 
der Christ verspürt (s. die Erklärung des Apostolikums). Z. B. : Glauben 
die Äuferstehmig Christi ist nichts anders, denn glauben, dass wir einen 
Versöhner vor Gott haben (E 12, 171). Die fides implicita (§ 43, 5c. 
52, 2) ist ausgeschlossen (E 26, 301). 

8. Wir stehen im Mittelpunkt der Religion Luthers. Dem Glauben 
als dem Organ zum Empfang der Wirkungen Gottes entspricht der 
Gottesgedanke. Nicht die absolute Substanz ist Gott, sondern 
er wird uns, „im verachteten Menschen Christus verborgen", der sein 
„güldenes Buch" ist, offenbar als barmherziger Wille (E 7, 68 ff.), als 
eitel Wohlthätigkeit (7, 159), als eine ewige Macht und göttliche Kraft 
(3, 302). Gott "'ist eitel brunst und ein glüender backofen voller liebe. 
(W 36, 425). Der allwirksame Wille (n. 4) ist hiernach als Liebes- 
energie zu bestimmen. Die Prädestination zum Heil umfaßt zugleich 
mit dem Zweck das gesamte Gefüge der ihr entsprechenden Mittel. 
Wer glaubt, ist also prädestiniert. — Aber Christus kt auch selbst 



§ 57. Das neue Verständnis des Evangeliums etc. 127 



Gott, sofern er durch den mit ihm geeinten Geist die erlösende Gottes- 
herrschaft herstellt und wirksam werden läßt ; . . menscheytt Christi^ 
witche ist geweszen eyn. handgetzeug und Jiawzs der goitJieyü und ob er 
lüol voll geystis und gnaden ist alltzeytt geweszen, Jiatt yJin doch der 
geysi nit alltzeytt gleych beweget . . ., als sendete sich auch ymer mehr 
und mehr der geyst ynn yhn und bewegt yhn yhe lenger yhe mehr (W 10. 
1^ .447). Hierdurch, aher ist Christus Herr : das das wortlin Herr auffs 
einf eltigste soviel heisse als \ ein Erloser, seine Absicht war, das er uns 
gewönne und zu seiner hyrsehafft breehte (W 30. 1, 186). Dazu: von 
Christo aber kündten wir auch nichts wissen, ivo es nicht durch den 

'Heiligen Geist offenbaret were (W 30. 1, 192). 

9. Die Herrschaft Gottes als eine helffende geioalt seiner unier- 
thaneh^W 37, 49) bringt Vergebung und ein neues Leben. Der 
Glaube: empfängt Christus und damit die Kraft und die Lust zu einem 
neiien Leben, zur Hingabe an Gott oder zur Liebe. Nu ist 
glawb und liebe das gantz loesen eynisz Christlichen 
menschen . . . Der glawb em-pfehet,' die liebe gibt. Durch 
den glawben lest er yhm lool tun von gott, durch die liSbe thut er wol 
den menschen (W 8, 355). Der Glaube bringet den Menschen zu Gott, 
die Liebe bringet ihn zu den Menschen, durch den Glauben lässt er ihmr 
wohlthun von Gott, durch die Liebe thut er loohl den Menschen (E 14, 
40). In diesen Gedanken ist die urchristliche Stellung (§ 4) wieder 
erreicht und der antike Intellektualismus und Moralismus überwunden. — 

'Der Dienst der Liebe zeigt sich aber in guten Werken. Der 
Glaube bringt Leben und damit Bewegung und Betätigung. Denn 
wie dir der Glaube die Seliglceit und das eioige Leben bringet, so bringet 
er auch mit ihm gute Werke und ist unauf gehalten. Denn gleichwie ein 
lebendig Metisch sich nicht kann erhalten, er muss sich regen, essen und 
trinken und zu schaffen haben, und nicht möglich ist, dass solche Werke 
können aussen bleiben, weil er lebet, dass man ihn nicht darf heissen 
und treiben solche Werke zu tun, sondern, wenn er nur lebendig ist, so 
tut ers: also bedarf man nichts mehr dazu, dass man gute Werke thue, 
denn dass man sage: glaube nur, so wirst du alles von dir selbst thun 
(E 12, 160 f.). Dabei bleibt aber alles Verdienst des Menschen vor Gott 
ausgeschlossen. Im Zusammenhang hiermit hat Luther das mönchische 
Lebensideal aufgegeben. Er hat das E.echt des Natürlichen kräftig 
vertreten und nur die nützlichen Berufswerke als gute Werke anerkannt. 
Perfectionis Status est, esse animosa fide, contemptorem mortis, vitae^ 
gloriae et totius mundi et. fervente earitate omnium servum (W 8, 584) 



128 § 57. /Das neue Verständnis, des Evangeliums etc. v 

10. Aber wie kommt es zu diesem neuen Leben? ' Durcb Christi 
Werk und die "Wirkungen der Gnade, Die Gnade ist favor dei, 
Gottes wirksamer Liebeswille, niclit qualitas animi (W 8, 106 vgl. 
§ 47, 2). Gi'aiia est continua operatio, qua exercitamur per spiriium 
jacientes, loquenies placentia deo ; Spiritus non est res mortua jed vivax 
(W 40. 2, 422). Die Gnade wird in uns wirksam in ihren Gaben 
■oder in den Wirkungen Christi und des heil. Geistes. Der augustinisch- 
scholastische Gnadenbegrifi ist aufgehoben. 

11. a) Die Gnade wird von uns zunächst als Sündenvergebung 
■erfahren. So aber Gottes Zorn von mir genommen werden und icJiGnade 
und Vergebung erlangen soll, so muss es durch jemand ihm ai ver- 
dienet werden, denn Gott kann den Sünden nicht hold noch gnädig seyn 
noch die Strafe und Zorn aufheben, es sey denn dafür bezahlet und 
ßenug geschehen (E IJ, 290). Diesem, Zweck diente Christi Tun 
und Leiden, indem er einerseits an unserer Statt, ut placetur ira dßi, 
die Strafe für unsere- Sünden den ewigen Tod und Verdammnis trug 
und Opfer und Bezahlung für der Welt Sünde lourde (39, 48: 12, 246); 
andrerseits aber dem Gesetz genug getJian hat (15,- 57), Somit hat 
Christus die Straffolgen des Gesetzes auf sich genommen und sie an 
unserer Statt getragen, und durch seine stellvertretende Genugtuung 
dem Gesetz gegenüber, die Gesetzesordnung aufgehoben und durch 
4ies wie jenes Sündenvergebung bewirkt. Dies Tun setzt sich fort 
in der Litercession im Himmel, wo er on unterlas opffert für got 
{W 6, 369). -r- b) Sodann aber hat Christus als anderer Adam ein 
neues Leben in der Menschheit angeregt und uns den heiligen Geist 
gesandt, der uns die Gerechtigkeit bringt. Hierin verwirklicht sich 
<iie Herrschaft Gottes, die ErlösuLg ist, in dem MenschengescUecht. 
Darum hat uns Gott gegeben, zum ersten, einen Menschen, der für 
uns alle der göttlichen Gerechtigkeit allerdings genugthäte. Zum andern 
auch durch denselben Menschen solche Gnade und Reichthum ausgeusset 
{E'7, 177). — Dass heisset Gnade umb Gnade, dass . u'ir dem Vater 
umb des Herrn Christi loillen auch gefallen., vjir auch durch Christum 
den heiligen Geist bekommen und gerecht wer den (W 46, 657). c) Der 
zweite Gedanke hat den ersten bei Luther zur Voraussetzung. Warum 
aber Gott nicht auch ohne Christi Genugtuung begnadigt, kann nur 
durch Rekurs auf seinen „Willen" beantwortet werden. Ob nun wohl 
uns wird lauter aus Gnaden ■ unsere Sünde ,nieht zugerechnet von Gott, so 
Jiat er das dennoch nicht wollen thun, seinem Gesetz und seiner Gerechtig- 
keit geschehe denn zuvor allerdings und überflüssig -genug. Es mussie 



§ 57. Das neue Verständnis des Evangeliums etc. 129 

seiner Gerechtigkeit solch gnädiges Zurechnen zuvor abgeJcaufet und erlanget 
werden für uns. Darum dieweil uns das unmöglich war, hat er einen 
für uns an unsere Statt verordnet, der alle Strafe, die wir verdienet hatten, 
auf sich nähme und für uns das Gesetz erfüllete und also göttlich Gericht 
von uns wendete und seinen Zorn versöhnete (E 7, 29 9 f.). 

12. Das Werk der Gnade an uns vollzieht sich in der Wieder- 
geburt und Rechtfertigung. Der heilige Geist wirkt in uns 
den Glauben. Mit diesem beginnt ein reales Gerechtgemachtwerden 
im Menschen (§ 56, 5). lustificatio est revera regener atio quaedam in 
■novitaterti (Di 13). Der Mensch ist gleichsam der Stoff, der von 
Christus die Form empfängt (Di 372). Sofern Christus diese Gerechtig- 
keit in der Seele wirkt, ist sie Christi oder Gottes Gerechtigkeit: 
sofern Glaube sie hinnimmt, heißt sie Glaubensgerechtigkeit. Sie ist 
der Grund der aktiven Lebensgerechtigkeit. Non iusia facienda iustus 
fit sed f actus iusiüs faeit iusta ,(W 2, 492). Diese reale Gerecht- 
machung wird aber auf Erden nie vollendet : iustitia nostra non in re 
sed spe (W 40. 2, 24), eoeptus est enim iustificari et sanari (W 2, 495), 
Sofern nun aber die rechtfertigende Wirkung Christi fortdauert und der 
Sünder die Sünde bekämpft, rechnet Gott ihm nicht letztere, sondern 
die wirksame Gerechtigkeit Christi zur Sündenvergebung an. Peecatum 
ibi reliquum est, sed quia coeptum expurgari, non imputatur 
expurgatori (W 2, 414). Hierzu wird aber später häufig die seWst 
eigene Gerech^gJceit Christi (E 7, 178) nicht nur als indirekter Grund 
der Vergebung vorausgesetzt (n. IIa), sondern auch als direkter Grund 
angewandt: seine Gerechtigkeit durch den höchsten Gehorsam, gegen den 
himmlischen Vater tritt an' die Stelle unserer Genugtumig (E 4, 424). 
Das Mittlertum Christi, das an sich das Prinzip der Vergebung erwirkt, 
wird somit neben der effektiven Erneuerung durch Christus auch als 
Grund der Vergebung im einzelnen Eall geltend gemacht. Oh nu wohl 
die Gaben und der Geist in uns täglich zunehmen . . ., daß also noch 
löse Lüste und Sünde in uns überbleiben . . ., so thut doch die Gnade 
soviel, dass wir ganz und für voll gerecht für Gott gerechnet 
werden .... nimpt uns ganz und gar' au^ die Hulde umb Christus 
unsers Fürsprechers unH Mittlers willen und umb das in 
-uns d,ie Gaben angefangen sind (E 63, 124). Oder auch: das 
wir durch den Glauben ein ander new rein hertz 'kriegen und Gott umb 
Christi willen, unsers Mittlers, uns für ganiz gerech't und heilig halten will 
und hell. Ob wol die Sunde im fleisch noch nicht gar weg oder tod ist, 
so wil er sie doch nicht rechen noch wissen. . .-.,■ sondern der mensch 

Seeberg, Grundriß der Dogmengescbiclite. l. Autl. 9 



130 § ö8. Der Kirchenbegriff Luthers, Wort und Sakrament. 

sol gantz, leide nach der ferson und seinen wercken, gerecht und heilig 
heissen und sein aus lauter gnade und barmhertzigJceit, inn Christo üher 
uns ausgeschult und ausgebreitt (Schmalk. Art.). Luther hat diese An- 
schauung von Anfang an befolgt (§ 56, 4); ^ 

i? 58. Der Kirchenbegriff Lutliers, Wort und Sakrament. 

J. Köstlin, Luthers Lehre v. d. Kirche 1853 u. L. Theol. P, 221 ff. 
Th.Kolde, L. SteUg. z. Konzü u. Kirche 1876. R. Seeberg, Begriff d. 
Kirche I, 85 ff. und DG. IV 1^, 278 ff. J. G o 1 1 s c h i c k-, Ztschr. f. KG. VIII, 543 ff. 
K. Müller, Kirche, Gemeinde u. Obrigkeit nach Luther 1910. K. Holl, L^ 
u. das landesherrl. Kirchenregiment 1911. H. Jordan, Luthers Staatsauffassung 
1917, K. Thimme, Entwickig. u. Bedeutg. d. Sakramentslehre Luthers in 
Is. kirchl. Ztschr. 1901. K. Jäger, L's rel. Jnt. an s. Lehre v. d. Realpräsena 
1900. P. Graebke, Die Konstruktion der Abendmahlslehre Luthers 1908. 

1. Auf der Leipziger Disputation 1519 hat Luther mit dem 
römischen Kirchenbegriff gebrochen, d\^ei Autorität der Päpste und 
Konzilien aufgegeben. 'See potest fidelis christianus cogi ultra saeram 
scripturani, quae est proprie ius divinum (vgl. § 50, 3). Er machte 
Ernst mit diesem Gedanken. 

2. Die Schrift Von dem Papsttum zu B.om (1520) bietet die 
Grundzüge von Luthers neuem Kirchenbegriff. Die Kirche ist 
eyn vorsamlunge aller Christgleubigen auff erden (W 6, 292), und zwar 
ein vorsamlung der hertzen in einem glauben oder ein geme^ der heüigeti. 
Das ist sie durch Christus ihr Haupt. Diese Gemeinschaft ist eine 
geystUche ynnerliche Christenheit. Es gibt aber auch eine leypliche 
eusserliche Christenheit, ein euserlich wesen mit euserlichen geperden. 
Diese beiden Gemeinschaften stehen aber in einem festen Zusammen- 
hang. Nm' wo das äußere Wort und Sakrament ergehen, ist die 
Gemeinde der Heiligen vorhanden. Ihr Yorhandensein kann nicht 
gesehen, sondern nur geglaubt werden. 

3. Bei diesen Gedanken ist Luther geblieben. Je mehr ihm die 
Bedeutung des Wortes aufging, desto stärker hat er die Notwendig- 
keit der äußeren Kirche und des Predigtamtes betont. Die „rechte 
Kirche" ist die, welche die reine schriftgemäße Lehre führt. 

4. Alle Christen sind „geistlichen Standes", der Pfarrer aber hat 
^ein dienst und ampt (W 11, 271). Die Gemeinde soll ihn wählen 

und über seine Lehre urteilen (W 11, 410). Die weltliche Obrig- 
keit soll das Volk zu Bildung, Frömmigkeit und Sittlichkeit erziehen. 
Diesen ..weltlichen Nutzen" erreicht sie durch ihre äußeren Macht- 



§ 58. Der Kirchenbegriff Luthers, Wort und Sakrament. 131 

mittel, ß>ute und Schwert. Die kirchliche Ordnung braucht Wort 
und Greist zu innerer Bekehrung und Seligkeit. Daher soU der Staat 
in das innerkirchliche Leben nicht eingreifen, er hat keinen Befehl 
zu leren und geistlich zu regirn (W 26, 200). Nun fordert aber das 
Interesse am Landfrieden, daß einerlei Lehre an einem Oi*t herrsche 
und die Gemeinden eine einträchtige Landeskirche bilden. Deshalb 
muß die Obrigkeit die öffentliche Vertretung der ■ Gottes Wort wider- 
sprechenden Lehren hindern und für den äußeren Bestand der Kirche 
Sorge tragen (Kirchen Visitation 1528, Konsistorium 1539). Es war 
der Weg zur Staatskirche. 

5. Der heilige Geist, der die Kirche erzeugt, übt seine Wirksam- 
keit durch Wort und Sakrament aus. Ursprünglich unterschied Luther 
das äußere und das innere Wort voneinander (vgl. Augustin § 26, 3b). 
Die wiedertäuferischen Gedanken von unvermittelten Geistwirkungen 
haben Luther zu seiner abschließenden Anschauung geführt. So nu 
Gott seyn Jieyliges Euangelion hat auslassen gehen, handelt er mit uns 
auff zweyerley weyse. Eyn mal eusserlich, das ander mal ynnerlich. 
Eusserlich handelt er mit uns' durchs mündliche loort des Euangelii . und 
durch leypliche zeichen, als do ist Tauffe und Sacrament. Ynnerlich 
handelt er mit uns durch den heyligen geyst und glauben sampt andern 
gaben, aber das alles der massen und der ordenung, das die eusserlichen 
stuck sollen und müssen vorgehen und die innerlichen hernach und durch 
die eusserlichen kommen, also das ers beschlossen hat, keinem menschen 
die ynnerlichen stuck zu geben on durch die eusserlichen stucke (W 18, 
136). — „Mit und durch das Wort" erleuchtet der Geist, Gottes 
Kraft ist „dabei und darunter". Vom Geist gut weiter, daß er 
gegeben werde per verbum et cum verbo externo et praecedente und 
daß er mit und durch das Wort komme und sticht weiter 
gehe, denn so loeit solch Wort gehet (E 12, 300). 

6. Luther hat die Sakramente ursprünglich als efficacia signa 
graiiae definiert (vgl. § 48, 3). Später wurde die reale Wirkung der 
Sakramente an allen hinzugefügt. Mit dem größeren Teil der römi- 
schen Sakramente brach Luther in der Schrift De captivitate Baby- 
lonica 1520. Im Gegensatz zu der mittelalterlichen Auffassung hat' 
Luther als das wirksame Element in den Sakramenten das Wort an- 
gesehen und demgemäß den Glauben als Voraussetzung der Gnaden- 
wirkung im Sakrament betrachtet. Daraus ergab sich bei der Kinder- 
taufe, die Frage nach dem Kind erglaub en. 

7. Von der Taufe handelt zuerst eingehend Ein Sermon von 

9* 



132 > § 59. Luthers Stellung zu Schrift und Dogma. 

d. heil, liochw. Sakr. d. Taufe (1519). Die Taufe „bedeutet" ein 
Doppeltes: die Pflicht der Sünde abzusterben und die „geistliche 
Geburt" samt der Vergebung der Sünden. Auch hierbei ist Luther 
geblieben: die Wiedergeburt und zwai- Gottes stetige Bereitschaft uns 
zu erneuern und die Vergebung sind die Gaben der Taufe., 

8. Die ursprüngliche Auffassung des Abendmahls.bietet Bin 
Sermon v. d. hochw. Sakr. des Leichnams Christi (1519). Als „Be- 
deutung oder "Werk" des Sakraments ist die eommunio. bezeichnet. 
Dadurch werden Christi Güter unser, und wir zu Liebe und Beistand 
mit den Brüdern verpflichtet. Die leibliche Gegenwart wird ange- 
nommen und auf , ..Yer Wandlung" zurückgeführt. Aber der Zweck 
dieser Gegenwart ist die Erinnerung an die Hingabe dieses Leibes in 
den Tod. Dadurch wird der durch das Wort hervorgebrachte Glaube 
an die Sündenvergebung gestärkt. — Seit 1520 vertauscht Luther 
die Transsubstantiation mit der seit Duns viel gebrauchten Consub- 
stantiation (§ 48, 8b: 52, 9). Brot und Wein sind Zeichen, darunder 
Christus fleisch und Uut warhafßig ist: Christi Leib dient als ein 
Jcrefftiges aller edlist sigül und seychen zur Bezeugung der Wahrheit 
seiner Verheißung , in den Einsetzungsworten. Das Bewußtsein der 
leibhaftigen Gegenwart Christi stärkt uns im Glauben und der Liebe. 
üt haec 'promissio [divina nöbis omnium esset certissima fidemque, nostram 
iutissimam redderet, apj^osidt pigniis et sigillum omnium iidelissimmn ei 
pretiosissimum , seil, ipsu m m. et pr'ei i u m p r o m i ssionis , corpus et 
sanguinem proprium sub pane et vimo, quo nohis emeruit pro- 
missionis divitias donari, quod et impendii. ui pro- 
missio nem acciperemus (W 8, 440). — Die seit 1522 Luther 
bekannt werdende rein symbolische Deutung der Abendmahls worte hat 
Luther sofort verworfen. Die Messe mit ihrem velle deum placare et 
eum iratum ei implacatum credere wird als Verkehrung der christlichen 
Grundstellung verdammt. 



59. Luthers Stellung zu Schrift und Dogma. 



J. K u n z 8 , GlaubensregeL h. Schrift u. Tauf bek. 1899, S. 465 ff. 0. S ch e e 1 , 
L's Stellg. z. Schrift 1902. W. Walt her, Das Erbe d. Eeformation I, 1903. 
H. Preuß, Die Entwickig. d. Schriftprinzips bis z. Leipz. Disp. 1901. 
K. Thimme, L's Stellg. z. h. Sehr. 1903. F. Kattenbusch, L"s SteUg. zu 
den ökumen. Symbolen, Gießen 1883. Seeberg DG. 171^, 3o2ff. K. Thieme, 
L's Testament wider Rom 1900. L. Ihm eis, Das Dogma in der Predigt 
Luthers 1912. 



§ 59. Luthers Stellimg zu Schrift und Dogma. 133 

1. Der nejie Glaubensgedanke Luthers schließt eine feste Lehre 
ebensowenig aus, als die freie Anerkennung der altkirchlichen Dogmen. 
Seine Stellung zu den bisherigen Normen der Lehre ist weiter zu 
untersuchen. Die dogmatische Autorität von Papst und Konzil hatte- 
er aufgegeben (s. § 58, 1). 

2. Die "Wertung der Schrift in der Weise Ockams und Wiclifs 
als des von Gott insTpirieTten ius' divinum (§ 58, 1) bringt Luthers 
.religiöses Verständnis der Autorität der Schrift nicht zum Ausdruck, 
so sehr er sich ihrer als des kritischen Maßstabes im Kampf und bei 
dem Aufbau der neuen Kirche bedienen mußte. Der spezifische Li- 
halt der heiligen Schrift ist die Offenbarung Gottes oder Christus. 
Weyss ich aber loas ich glewh, sso iveyss ich loas ynn der schrifft stehet, 
weil die schrifft hat nit mehr denn Christum und Christ- 
lichen glaiühen ynn sich (W 8,. 236). — Auch ist das der rechte 
Prüfstein alle Bücher zu tadeln, loenn man stehet, ob sie Christum 
treiben oder nicht, sintemal alle Schrift Christum zeiget {Röva.. 
3, 21) und St. Paulus nichts denn Christum loissen loill (1. Kor. 2, 2). 
Was Christum nicht lehret, das ist noch nicht a^gostolisch, wenns gleich 
S. Petrus oder Paulus lehrete. Wiederumb, loas Christum prediget, das 
wäre apostolisch, wenns gleich Judas, Hannas, Pilatus und Eerodes thäi • 
(E 63, 157). Hieraus begreift sich die freie kritische Stellung, die 
Luther zu den Büchern des alt- und neutestamentlichen Kanons ein- 
nahm. Mcht auf äußere kirchliche Autorität hin, sondern weil die 
Schrift von der Erfahrung bewährte Offenbarung ist, ist ihr zu glauben : 
es muss eyn iglicher alleyn darumb glewben, das es gottis wort ist und 
das er ynnwendig befinde, das es loahrheyt sei (W 10.'2, 90). 
Hierhin fällt dann auch die Inspiration der Schrift. Die kirchen- 
rechtliche Auffassung der Schriftautorität hat Lubher durch die 
religiöse ersetzt. Die Schrift war ihm Maßstab, Prüfstein und Elle 
aller kirchlichen Lehre, aber sie war dies als Ausdruck der erlebten 
Offenbarung- Gottes. 

3. Luthers Stellung zum altkirchlichen Dogma (s. bes. Yon den 
Conciliis und Kirchen 1539, Die drei Symbola 1538) ist bedingt durch 
die Märe Einsicht, daß alle Konzilien der bindenden Autorität ermangelten. 
Ihre Beschlüsse sind daher nicht als solche, sondern sofern sie mit 
der heiligen Schrift übereinkommen, anzunehmen. .Also haben die 
Konzile Tceine Macht neue Artikel des Glaubens zu stellen, wol aber sollen 
sie neue Artikel des Glaubens dämpfen und verdammen nach der heil. 
Schrift und altem Glauben. So urteilt er auch über das Apostolicnm: 



1 - 

134 § 60. Die reformatorischen G-edanken Zwingiis. 

also ist diess Synibolum aus der lieben Propheten und Apostel Büchern, 
das ist aus der ganzen heiligen Schrift, fein kurz zusammen gefasset für 
die Kinder und einfältigen Christen. Dass man es hillig nennet . der 
Apostel Symholum oder Glauben (E 9. 29). 

4. Die dargelegten Gedanken über die religiösen Autoritäten 
stimmen zu dem oben entwickelten neuen Gedanken vom Glauben 
(§ 57, 7). Von hier aus hat Luther die !N^eugestaltung der Lehre aus- 
geführt, die wir kennen gelernt haben. 



Zweites Kapitel. 
Zwingli und Luther. 



i? 60. Die reformatorischen Gedanken Zwingiis. 

ZwingHs. WW. ed. Schuler und Schultheß 8 Bde., 1828 ff., neue Ausg. 
Corp. ref. 88 ff. Zusammenfassende Darstellungen bes. in: Von klarheit und 
gewüsse des worts gottes 1522; Uslegen und grund der Schlußreden 1523, Yn- 
leitung 1525, Von göttl. und menschl. gerechtigkeit 1523 (Bd. I). Archeteles 
1522: De vera et falsa relig. 1525 (Bd. III). De provident. 1530; Fid ei ratio 
1530; Fidei expositio 1531 (Bd. IV). — Vgl. R. Stähelin, Huldr. Zw. 2 Bde. 
1895/7. E. Egli, Schweizerische Eeformationsgeschichte I, 1910 u. PEE. 
XXI, 774 ff. E. Z e 1 1 e r , Das theol. Syst. Zw. 1853. C h. S i g w a r t , ü. Zwi 1855. 
A. Baur, Zw. Theol. 2 Bde. 1885/9. J. M. Usteri, Initia Zwinglü, Stud. u. 
Krit. 1885, 607 ff. 1886, 95ff. Seeberg DG. IV 1^ 355ff. Loofs DG.* 792ft-. 

1. Zwingli (geb. 1484) hat bei seinem reformatorischen Auf- 
treten (Zürich 1519) vermöge seines Zusammenhanges mit den hmna- 
nistischen Eeformideen von vornherein ein umfassenderes Ziel im Auge 
als Luther. Aber Zwingli hat den Gedanken der Rechtfertigung durch 
den Glauben, der Hebel seines Werkes. Avar, von Luther empfangen. 

2. Zwingli erblickte in der heil. Schrift die „allerlautersten 
Quellen" der Wahrheit. Sein Standpunkt ist weder mit dem Luthers 
noch mit dem spätkatholischen Ockams identisch. Es leitet ihn die 
humanistische Idee, daß die Schrift das ursprüngliche Christeiitum dar- 
stelle. Aber der rechtliche Gesichtspimkt spielt doch auch mit hinein. 

3. Die Erbsünde bezeichnet Zwingli als „MangeP und „Bresten", 
durch welche die menschliche Natur „zerbrochen" ist. An sich ist 
diese Prädisposition zum Bösen aber nicht Schuld. Obwohl er auch bei 
etlichen Heiden eine erleuchtende Wirkung des Geistes (Naturrecht) 
annimmt, liegt ihm der Gedanke einer Selbsterlösung doch fern. 



§ 60. Die reformatorischen Gedanken Zwingiis. 135 



4. Christus hat durch sein Leiden für alle unsere Sünden bezahlt 
Tind Gott versöhnt (ut iratus placstur). Er hat aber auch den 
"Willen Gottes uns offenbar gemacht. Haee enim duo Christus uhique 
inculcoi, videlieet redemptionem per se, et quod qui per eum 
redenipti sunt iam ad eins exemplum vivere deleant (111,324). 
Er ist unser Haupt, durch den Glauben an ihn empfangen wir die 

. Gerechtigkeit. 

5. Der heil. Geist bewegt den Menschen bei dem Lesen der 
'Schrift, bis er sie als Gottes "Wort „empfindet" und damit auch die 
Zuversicht zu Gottes Gnade gewinnt. Das ist der Glaube. 

6. Gottes Geist läßt aus dem Glauben gute Werke hervor- 
:gehen. Der Gläubige bedarf also eigentlich nicht des Gesetzes. Doch 
wird Christus ihm Gesetz. Die alttestam entlichen Gebote sollen er- 
füllt werden, sofern sie „Naturgesetz" sind, das Evangelium selbst wird 
zum nüwen. gesaiz. Darum Bedarf es äheines gsatzes, denn Christus 
ist sin gsatz; uf dfin sieht er allein,' ja- Christus zeigt und fürt jn 
idlein, dass es dheuies andren fürers mee bedarf, denn Christus ist das end 
.des gsatzes (I, 213). — - Aber: Der gläubig thui sy nit us siner Icraß, 
sunder gott würTct in jm die liebe, den ratschlag und das iverTc, so vil er 
ihüt (I, 311). Die Differenz zu Luther hat Zwingli selbst empfunden. 

7. Das neue Lebens ideal: soli fideles experiuntur, quam nihil 
otii det suis Christus, quamque Mlariter in negotio eius iucundeque 
versentur (IV, 152). Christiani hominis est non de dogmatis magnifice 
loqui, sed cum deo ardua semper et magna facere (158). Absolutus igitur 
^rit qui Christum unice staiuit aemulari (157). Es ist der Gehorsam' 
ijur Ehre Gottes. 

8. Yon diesen praktischen Grundgedanken aus hat Zwingli an 
-einer Reihe von Punkten die überkommene Lehre verworfen. Zunächst 
4er Kirchenbegriff. Anfangs unterschied Zwingli die Jcilchhöre 
von der allgemeinen Kirche als communio fidelium, letztere als un- 
sichtbar bezeichnend. Später stellte er der allgemeinen sichtbaren 
Kirche die unsichtbare Kirche der Prädestinierten gegenüber. ■ Die 
weltliche Obrigkeit soll als christliche das Evangelium zu predigen 
gebieten, den einzelnen Gemeinden aber die Annahme desselben über- 
lassen. Sie hat es^ an sich nur ipit den „niederen Gesetzen" zu tun. 
4ie das Volk disziplinieren zur Erfüllung des von der Kirche yer-, 
kündigten Gesetzes Christi. "Widerspricht die Obrigkeit dem biblischen 
Oesetz, so kann sie „mit Gott entsetzt werden" (I, 156). 

9. Dem katholischen Verdienstgedanken gegenüber hat Zwingli 



136 § 61. Der Kampf um das Abendmahl. 



seine Prädestinationslehre entwickelt (s. bes. De Providentia). 
Gott ist ein ewig wesend werk üben und wysen, eine nnwandelbarlicJie 
loürhung, die erst bewegend ursach (vgl. § 44, 1). .^ott als primum ^ 
movens und rerum universarum esse wirkt alles, auch das Böse und 
den Fall des Menschen. Er steht nicht unter dem Gesetz, also kann 
er nicht Unrecht tun. Von Freiheit und Verdienst kann bei diesem 
konsequenten Determinismus nicht geredet werden: cum omnia iysius 
Opera fiant, quomodo nos quidquam merebimur? Das Unheil oder Heil 
des Menschen hängt allein an der ewigen Verwerfung oder Wahl, 
Gott realisiert sie unmittelbar, nur Werkzeug ist die Predigt: Velut- 
instrumento fidem plantet, sed sua vieiniore et propria manu : . . Ipse 
iractus internus immediate operantis est spiritus (IV, 125). Electio enim 
est guae beatos facit. 

10. Die Sakramente sind „ein sicher Zeichen oder Siegel", 
Den Symbolen dürfen keine Wirkungen zugeschrieben werden, quae 
solius divinae virtutis smit. Die Taufe ist ein Erinnerungs- und 
Verpflichtungssymbol. Auf Anlaß der wiedertäuferischen Bekämpfung 
der Kindertaufe (1524) hat Zwingli besonders letzteres sowie die 
Prädestination betont, da beides auf Ghristenkinder anwendbar war. 
Über das Abendmahl s, § 61, 2. 

11. Die Differenzen, die trotz des gemeinsamen Ausgangs zwischen 
Luther und Zwingli bestehen, begreifen sich daraus, daß Zwingli an 
einer Reihe von Punkten über die Ansätze der mittelalterlichen Theo- 
logie sowie des Humanismus nicht hinausgekommen ist. Dies zeigt 
sich auch an seiner Auffassung des Verhältnisses von Kirche und 
Politik (vgl. Savonarola). 

» 
§ 61. Der Kampf um das AbencUnahl. 

A. W. D i e c k h f f , Die ev. Abendmahlsl. im Eef .ztalter 1, 1854. S e e b e r §• 
DG. IV, 376 fi, Loof s DG.* S. 807if. W. Walther, Eeformierte Taktik im 
Sakr.streit in Neue kü-chl. Ztschr. 1896, 791 ff, 917 ff. J. Haußleiter in 
Neue kirchl Ztschr. 1898, 831 ff. Th. Kolde PRE. XVII, 222 ff. A. Hun- 
isinger PRE. XX, 182ff. 

1. Die tiefsten Motive füi- den großen Streit liegen in der Diffe- 
renz der reformatorischen Absichten Luthers und Zwingiis. Man 
empfand das Bedürfnis, die Anfänge, die Luther gemacht hatte, zu 
erweitern und zu vollenden. 

2. Den Anstoß zu seiner Abendmahlslehre hat Zwingli von 
Brasmus empfangen (Corp. Bef. IV, 970). Eine Abhandlung von 



X 



§ 61. Der Kampf um das Abendiaahl. 137 



Hoen, die Zwingli 1523 kennen lernte, erklärte das ,,est" durch „signi- 
ficaP'. Damach erklärt Zwingli das Abendmahl als eine rein sym- 
bolische Handlurig.- Contemplatione fidei, nicht aber p^r essentiqm et 
realiter ist Christus im Abendmahl gegenwärtig, ist doch sein Leib im 
Himmel an einem Ort (§ 26, 3d; § 48, 8d). Das Abendmahl ist 
„ein "Wiedergedächtnis dessen, was einst geschehen". — Zwingli trennt 
die göttliche und menschliche Natur Christi scharf : wenn die Schrift die 
communicatio idiömatum aussagt, so ist das nur eine rhetorische AllÖosis. 
3. Luther geht davon aus, man müsse die in jeder Hinsicht 
einfachen Abendmahls worte nehmen, wie sie dastehen. Wie der Leib 
im Brot gegenwärtig sei (s. § 58, . 8), erklärte er, nicht zu mssen 
(W 23, 87), x4Lnders stand es mit der Frage, wie Christi Leib jtn 
vielen Orten zugleich sein könne. Göttliche und menschliche Katur 
sind in Christo „eine einige Person". Aus dem unendliclien Gott ist 
ein endlicher und heschliesslicher Mensch geivorden (E 47. 182). Der 
Gedanke Luthers, daß nur in Christus Gott „wohnt", findet hier seinen 
theologischen Ausdruck. Daraus ergibt sich die strikte Durchführung 
der Communicatio idiömatum: ivo du mir Gott hinsetzest, da mustu mir 
die menscheit mit hinsetzen : sie lassen sieh nicht sondern und voneinander 
trennen, es ist eine Person ivorden (W 26, 332 f.). Die göttliche Natur 
gibt der menschlichen ihre Eigenschaft und hinwieder die Menschheit auch 
der göttlichen Natur (W 26, 321). Ist also Christus — jetzt der Er- , 
höhte — überhaupt gegenwärtig, so muß es axich seine Leiblichkeit 
sein. Christi Fleisch ist daher ein „durchgöttert" und „ durch geistet" 
Fleisch. Ifun ist er als zur E-echten Gottes befindlich zwar allgegen- 
wärtig, aber er ist nur dort zu finden, wo er sich durch ein Wort 
finden lassen will. Göttliche Gegenwart ist aber nicht grob sinnlich 
oder irdisch seelisch zu denken (circumscriptive, definitive), sondern 
„übernatürlich" (repletive). Christus, der Allgegenwärtige, ist in seinem 
geschichtlichen Leibe im Abendmahl, so daß er mit dem Brot genossen 
wird, freilich nicht materiell sinnlich. Das daryn mid damit gegeben 
wird, kan nicht der leih fassen noch zu sich bringen, der Glaube aber 
thuts des hertzens, so da solchen schätz erTcennet imd sein begeret (Gr. Kat.). 
ObwohlLuther gelegentlich eine leibKche Einwirkung als Gabe des Abend- 
mahls annimmt, ist er doch bei seiner ursprünglichen Position (§ 58, 8) 
geblieben. Der Leib, der uns das Heil erwarb, ist gegenwärtig als 
das schlechthin sichere Zeichen der Vergebung und der Geistmitteilung. 
Darümb heisset er mich essen und trineken, das es mein sey und mir 
nütze als ein, gewis pfand und zeichen, ia eben das selbige gut, so für 



138 §62. Die Augsburgisehe Konfession. i "^ 

mich gesetzt ist ivider meine smide, tod und alle miglück (Gr. Ka.t.).. la 
■dem Sakramentsstreit kam also zu Luthers früherer Ansicht eigentlich 
aur der TJbiquitätsgedanke — als Beweismittel — hinzu. 

4. Das Gespräch zu Marburg 1529 führte zu keiner Einigung. 
Die Schwab acher Artikel sagen : das sey warhafftigklicli gegenwertig 
in prot vnnd wein der ivare leiß vnnd plut christj laut der loört cristj. 
Die "Wittenberger Konkordie von 1536 (Butzer) sagt: cum pa.ne et vino 
esse et substantialiter adesse, exhiberi et sunii corpus Christi et sanguinem. 



Drittes Kapitel. 
Das neue Dogma. 



§ 62. Die Augsburgisehe Konfession. 

P. Tschackert, Die unveränderte Augsb. Konfession 1901. G. Plitt, 
Einleitg. in d. Augustana 2 Bde. 1867 f. G. Pütt, Die Apol. d. August 1873. 
Th. Kolde, Die Angsb. Konf. 1896 (nebst den Marburger, Schwabacher, 
Torgauer Art., der Confutatio u. der Aug. variata). J. Ficker, Die Kon- 
futation d. Augsb. Bek. in ihrer 1. Gestalt, 1891. H. v. Schubert, Bekennnis- 
bildung u. Kehgionspolitik 1910. Zur Eechtfertigungslehre der Apologie s. 
F. Loofs (Stnd. u. Krit. 1884. 618ff.). A. Eichhorn (ib. 1887, 412ff.). 
A. Warko (ib. 190ß, 86ff. 200ft\). F. v. Frank (Neue k. Ztschr. 1892, 846 ff.). 
C. Stange (ib. 1899, 169 ff. 543 ff.). J. Kunze, Die Eechtfertigungslehre d. 
Apol. 1908. 0. Kits Chi (Ztschr. f. Th. u. K. 1910, 292 ff.). 

1. Die Lehrfeststellungen der reformatorischen Theologen wurden 
dadurch zur Kirchenlehre, daß die weltliche Obrigkeit sie namens der 
christlichen Gemeinde rezipierte. 

2. Die Augustana (1530) gibt als „Leisetreterin" Luthers Gedanken 
meder, indem sie die evangelische Lehre als die alte biblische und 
kirchliche Lehre hinstellt. Die Augustana empfängt ihre Erläuterung aus 
der Apologie (a. bezeichnet im folgenden die Artikel der C. A, ; p. die 
Seitenzahlen der Apol. in Müllers Ausg. der Bekenntnisschriften). 

3. Artikel 1 — 3 reproduziert den Ertrag der altkirchlichen 
Dogmenbildung : a) una essentia äiv'ma . ., ires personae eiusdem 
essentiae et jjotentiae (a. 1). b) Die Erbsünde besteht in der Ver- 
•erbung des Seins sine meiu dei, sine fiducia et. cum concupiscentia (a. 2); 
der Mensch ist unfrei zur efficienda iusiitia dei (a. 18). c) Christus : 
duae naiurae . . . in uniiate personae inseparaMliter eoniunctae. Der 



§62. Die Augsburgfische Konfession. 139 



Zweck seines Werkes: Mi reconciliaret ndbis patrem et Jiostia esset non 
täntum pro culpa originali, sed_eUam pro omnibus adualibus hominum 
pecßatis (a, 3). Der Auferstandene regiert die Seinen, durch seine 
Intercession Sündenvergebung, durch den heil. Geist Heiligung ver- 
leihend (a. 3. p. 94, 116 f.). ' 

4. Der heil. Geist bewirkt durch Wort und Sakrament den 
Glauben. Der Glaube ergreift die Rechtfertigung: per verhum et 
saeramenta tanquam. per instrumenta donatur Spiritus sanctus, qui fidem 
efficit, ubi et quando visum est deo, in iis, qui audiunt evangelium, seil, 
quod deus non propter nostra merita, sed propter Christum iustifieet hos, 
qui credunt se propter Christum in gratiam' recipi (a. 5). Der neue 
BegrifE vom Glauben : non significet tantum historiae notitiam- . . ., 
(fides) quae credit non tantum historiam, sed etiam effectum historiae, 
videlicet hunc artieulum remissionem peccaiorum (a. 20). Id autem est 
credere confidere meritis Christi, quod propter ipsum certo velit ndbis 
deus placatus esse (p. 99); est velle et accipere dblatam promissionem 
remissionis peccatorum et iustificationis (p. 95). 

5. Die Rechtfertigung : . quod homines non possint iustificari cor am 
deö propriis viribus, meritis aiä operibus, sed gratis iustificentur propter 
Christum per fidem, cum credunt se in gratiam recipi et peccata remitti 
prapter Christum, qui sua morte pro nostris peccatis satisfecit. Hanc 
jidem deus imputat pro iustitia cor am ipso (a. 4). Das römische System : 
et tantum docent, homines per opera et merita cunt^deo agere (p. 97) ist 
damit ausgeschlossen. Iustificari kann sowohl den ganzen Vorgang 
der subjektiven Erlösung,- Sündenvergebung und Wiedergeburt, be- 
zeichnen als auch einen dieser beiden Bestandteile. In beiden Fällen 
ist der Glaube das Mittel zur Ergreifung der göttlichen Gabe: homines 
fide consequi remissionem' peccatorum et fide in Christum iustificari (p. 87). 
Daher kann aus dem Empfang der Vergebung als Rechtfertigung 
ebenso auf die Erlangung der Rechtfertigung als iustificari geschlossen 
werden, als auch aus dem iustificari als gerecht werden die Sünden- 
vergebung hergeleitet werden. Letzteres meint der schwierige Satz : 
Et quia iustificari significat . ex iniustis iustos effici seu regener ari, 
significat et iustos pronuntiari. Utroque enim modo loquitur scriptura. 
Ideo primum volumus hoc ostendere, quod sola fides ex iniusto iustum- 
efficiat, hoc' est accipiat remissionem peccatorum (p. 100). Melanchthon 
faßt also wie Luther (§ 57, 12) Vergebung und Wiedergeburt hier 
zusammen, koordiniert aber beide als direkte Wirkungen der Erlösung, 
wobei aber der Trost der Vergebung sie psychologisch mit einandei 



140 § 63. Die älteren reformierten Bekenntnisse. 

verbindet: der Glaube . . . empfahet und empfindet Vergebung der Sünde, 
macht gerecht und bringt Leben, denn derselbige starTce Trost ist ein neu 
Geburt und ein neu Leben (p. 98). Zusammenfassend sagt die Apol. : 
quod sola fide consequimur remissiönem peeeatorum 
pro'pter Christum et quod sola fide iustifieemur, hoc est 
ex iniustis iusti efficiamur seu regener emur (p. 108). 
Hiernach ist also ä. 4 zu interpretieren. 
^ 6. Aus dem Glauben oder dem beil. Geist folgen gute Werke 

(a. 6. 20)i Das evangelische Lebensideal: Perfectio christiana est serio 
iivnere deum et rursus concipere magnam fidem et confidere propter 
Christum, quod habeamus deum placatum, petere a deo et certo exspectare 
auxilium in omnibus rebus gerendis iuxta vocationem ; interim foris dili- 
genter facere bona opera et servire voeationi (a. 27). 

7. Die Kii'che wird definiert: Est ■ autem ecclesia eongregatio 
sanctorum, in qua evangelium rede docetur et rede administrantur saera- 
menta (a. 7). AVoi't und Sakrament bedingen ihr "Wesen : et ad veram 
unitatem ecclesiae satis est consentire de doctrina evangelii et administratione 
sacranientorum (a. 7). Göttlichen ßechtes sind nur die in dem Evan- 
gelium von Gott direkt gegebenen Ordnungen (a. 28), aber anch die 
von dem Jfaturrecht gebotenen Lebensordnungen (a. 16. 28; p. 237 f.). 

8. Von der Taufe ist zu sagen: offeratur gratia dei; auch 
Kinder repiciuniur in gratiam dei (a. 9). 

9. Vom Abendmahl: quod corpus et sanguis Christi vere adsini ei 
distribuantur veseentibus in coena domini (a. 10) ; vere et suhstantialiter 
sei Leib und Blut gegenwäx-tig, et loquimur de praesentia vivi 
Christi (p. 164). 

10. Die absolutio privaia wird anerkannt, aber die confessiö ist 
nicht omnium peeeatorum enumeratio (a. 11). Die Buße besteht aus 
zwei Teilen: altera est contritio seu terrores ineancussi conscientiae 
agnito peccato, altera est fides, quae concipitur ex evangelio seu ah-, 
solutione . . . Deinde sequi debent bona opera, quae sunt fructus 
poenitentiae (a. 12). Das- ist also der Ersatz des Bußsakramentes. 

11. Die zwei oder drei (a. 13 ; p. 202) Sakramente sind von Gott 
eingesetzte E-iten, dfe zugleich mit den Einsetzungsworten das Herz 
bewegen. Der Glaube empfängt die Gaben des Sakramentes (a. 13). 

<5 63. Die älteren reformierten Bekenntnisse. 

E. F. K. Müller, Die Bekenntnisschriften der reformierten Birche 1903. 
E. ¥. K. Müller, Symbolik 1896. 



§64. Die Theologie Melanchthons u. ihre Bedeutung: f. d. DG. 141 



1. Die iiiei' in Frage kommenden Urkunden (Tetrapolitana 1530. 
.Berner Synodus 1532. Basileensis prior 1534. Bielvetica prior 1536) 
bewegen sich nur im allgemeinen in Zwinglisch en Gedanken. Man 
merkt aber schon die irenischen Tendenzen Butzers. 

2. Über die E,"echt£ertigiing: Es ist das höchst und für- 
nempst hoiiptstück . . ., dass wir allein durch die eynige harmherlzigkeit 
■göttes und durch den verdienst Christi hehalten und selig werden (Helv. 12). 
Solche hohen und grossen gütthaten göttlicher gnaden und die wäre heylig- 
machung des geystes gottes empfahen ivir niht us unsren Verdiensten und 
krefßen, sonder djurch den gloiiben, der eine lutere gäbe und schencke 
gottes jst (Helv. 13). — Der Glaube /s^ ein gioüsser vester imdstiffer, 
ja ungesweyfelter grund und hegreiffung aller Dingen, die man von gott 
verhoffet, welcher us jm, die liebe und demnach allerley lugenden und 

guter wercJcen frücht wachsenn macht ist der recht und war diennst, 

mit dem man gott gefallt (Helv. 13). 

3. Die Sakramente dienen zu hezügung des gloubens %md brüder- 
licher liebe (Bas. 5) ; aber sie sind nit blosse zeychen sunder zeychen und 

JieymUch hrafft Gottes zu glych mit einander (Bern. 20). Christi Leib 
ist Speise der Seelen durch Glauben. Die lipliche fley schliche gegen- 
würtiglceit wird in Abrede gestellt (Helv. 22). 

4. Die Kirche ist gemeinschaffi. der heyligen, die Versammlung der 
'gläubigen im geist (Bas. 5), doch sind ihr immer viele Scheinchristen 

beigemengt (Tetr. 15). Die weltliche Obrigkeit soll Sorge tragen für 
den rechten Gottesdienst, die Unterweisung des Yolkes und nach 
biUichen göttlichen Satzungen regieren (Helv. 26. Bas. 8). 



Zweiter Abschnitt. 

Der Ausbau und (vorläufige) Abschlufs des 
protestantischen LehrbegrilTes. 

Erstes Kapitel. 
Die lutherische Lehre bis zur Konfcordienformei. 



§ 64.' Die Theologie Melanclithons und ihre Bedeutiing für die 

Dogmengesehiclite. 

Melanchthons WW im Corpus Eeformatorum Iff. Die Loci Mel. in 
ihrer Urgestalt, 3. A. ed. Plitt-Kolde .1900. C. Schmidt. Ph. Mel. 1860. 



142 § 64. Die Theologie Melanchthons u. ihre Bedeutung f. d. DG. 

G. Ellinger, Ph. Mel. 1902. 0. Kirn PEE. XII, 513ff. Herrlinger, Die 
Theol Mel. 1879. E. Tröltsch, Vernunft und Offenb. bei J. Gerh. u. Mel. 1890- 
Loof s DG.* 782 ff., 842 ff. E. Seeberg, Mel. SteUg. in d. Gesch. d. Dogmas, 
Neue Mrchl. Ztschr. 1897, 126 ff. und DG. IP, 334 ff. J. Haußleiter, Aus 
d. Schule Mel.» 1897. E. F. Fischer, Mel. Lehre v. d. Bekehrung 1905. 
0. Eitschl, DG. des Protestantismus I. II, 1908/12. 

1. Die Bedeutung Melanchthons (-f 1560) für die DogmengeseliicMe 
besteht darin, daß er Luthers Gedanken in die technischen Formen goß, 
in welchen sie für die Folgezeit maßgebend wurden. Das ist nicht 
ohne eine gewisse Abplattung und Vergröberung geschehen. Zugleich 
aber stellte Mel. einen Zusammenhang her zwischen den Bildungs- 
zielen seiner Zeit und den praktischen Forderungen des Lebens. . 

2. Die Loci von 1521 reproduzieren im ganzen Luthers Ge- 
danken von Schrift, Gnade, Glaube und Rechtfertigung. "Wir haben 
es aber hier mit den Anschauungen der späteren Ausgaben der Loci 
(1536. 1548) zu tun. 

3. Trotz des unsystematischen Schemas der Loci lassen sieb als 
• die Zentralbegriffe des späteren Melanchthon deutlich zwei Paar Be- 
griffe erkennen : die Kirche und die reine Lehre, die Rechtfertigung 
und die Buße. Dadurch steht sein Werk in innerem Zusammenhang 
mit den Grundproblemen der abendländischen Dogmengeschichte. Jm 
übrigen acceptiert er in weitem Umfang die dogmatische Tradition. 
(Trinität, Christologie). 

4. a) Die Schrift ist Quelle und Kern der christlichen Wahrheit: 
Quare cogüemus ingens dei heneficium esse, quod certum librum ecclesiae 
tradidit ei servat et ad Jiunc alligat ecclesiam. Tantum Mc populus est 
ecclesia, qui Jiunc librum amplectüur, audit, discit et retinet propriam eius 
sententiam in invocatione dei et in regendis moribus (CR. XXI, 801). 
b) Die Lehre der Schrift ist zusammengefaßt in den drei altkirch- 
lichen Symbolen. Dazu kommt die Augustana und die Lehre Luthers, 
resp. der Kirche und der Schule von Wittenberg. Lutherus veram et 
neeessariam doctrinam patefecit. c) Die Theologie braucht die naturliche 
Erkenntnis des orMs artium zur Voraussetzung und Stütze. — Das 
Naturrecht (lumen naturale) findet an den Lehren der Schrift seine 
Ergänzung. 

5. Die Bekenner der wahren . Lehre sind die wahre sichtbare 
Kirche. In diesem coetus vocatorum ist die ecclesia renatorum- oder 
electorum enthalten. Ecclesia visibilis est coetus amplectentium evan- 
geliurn Christi et recte utentium sacramentis, in quo deus per ministeriurrir 



§ 64. Die Theologie Melanchthons n. ihre Bedeutung- f. d. DG. 143- 

evangelü est efficax et multos ad vitain aeternam regenerat, in quo coetu 
tarnen multi sunt non renati, sed de vera doetrina consentientes (XXI, 826). 
Die Kirche ist gegründet auf die reine Lehre. Diese sowie die rechte- 
Sakramentsverwaltung und die obedientia oder reverentia ministerii sind 
die Merkmale der wahren Kirche. — Das weltliche Regiment ist 
von Gott eingesetzt, sein Recht wurzelt im natürlichen Recht bzw. dem 
Dekalog. Also ist die Unterwerfung unter die Obrigkeit religiöse 
Pflicht. Vermöge der ihr zustehenden custodia utriusque iahulae soU 
die Obrigkeit für Verkündigung der reinen Lehre sorgen und dief^ 
Häresie bestrafen. Hierzu sind die obrigkeitlichen Personen als prae- 
cipua membra ecclesiae verpflichtet, zugleich aber wie alle Christen an 
den Gehorsam gegen das ministerium verhi gebunden. Also die All- 
gewalt des Staates ist verbunden mit seiner Abhängigkeit von der 
Lehrhierarchie. 

6. In dem zweiten Gedankenkreis geht Mel. vom Gesetz aus. 
a). Die Gesetzespredigt steigert die natürliche, freilich durch die Sünde 
verdunkelte, Erkenntnis der religiösen und sittlichen Pflicht durch die 
Betonung des göttlichen Zornes und seiner Strafen. So wirkt sie die 
contriiio mit den terrores conscientiae. b) Mit dem Gesetz zugleich 
werde das Evangelium verkündigt. Christus ist Opfer für das 
Menschengeschlecht geworden, er brachte ein aequivalens pretium für 
die infinita malitia dar, so kam ein temperamentum iustitiae et miseri- 
cordiae in Gott zustande. Mel. beruft sich auf Anselm. Christi iusiitia, 
das meritum. das. er agendo et patiendo erwarb, und seine intereessio 
begründen die Botschaft des Evangeliums von der Gnade, c) Die 
"Wirkung der Gnade ist die Vergebung der Sünden und die Mitteilung 
des heil. Geistes. Aber die Rechtfertigung wird scharf geschieden 
von der Erneuerung. Die iustificatio ist ein fprense verbum und be- 
zeichnet lediglich die remissio peccatorum und reconciliatio seu acceptatio 
personae. Dies Urteil Gottes ergreift der Glaube. Fides significat 
assentiri promissioni dei, quod est ' in intelledu, et cum hoc assensu 
necessario ^voniuncta est fidueia, quae est in voluntate, volens et accipiens 
.promissam reconciliationem et acquiescens in monstrato mediatore (XXI,. 
790). d) Mit der Rechtfertigung zugleich wird dem Glauben der 
Geist zur renovatio und regeneratio verliehen. Aber der rein judicielle 
Akt der Rechtfertigung setzt in keiner Weise die Erneuerung voraus. 
Aus letzterer geben die guten "Werke der nova obedientia hervor. So 
entsteht 'die iustitia bonae conscientiae (XXI, 780), deren Maßstab difr 
' Gesetzeserfüllung ist. — e) Die evangelische poenitentia faßt also in 



144 §65. Die theologisehea Streitigkeitea im Luthertum etc. 

sich contrüio, fides, iustifieatio, nova öbedieniia. — Luthers. Gedanken 
vom Glauben und der Hechtfertigung hat Mel. modifiziert, nicht zum 
Vorteil der deutlichen Erkenntnis. 

7. An zwei Punkten wich der spätere Melanchthon mit Bewußt- 
sein von Luther ab. Unter dem Einfluß des Erasmus gab ,er (seit 
1527) Luthers Determinismus als Stoica ccvdyyir] auf. Demnach 
bleibt auch dem Sünder die facultas applicandi se ad graiiam. Cum 
irahüur (der "Wille) a spiritu sando, potest obsequi et repugnare (XXI, 
1078), Gott erwählt die Menschen, welche glauben woUen. 

8. An Luthers Abendmahlslehre wurde Mel. durch die alt- 
kirchlichen Zeugnisse irre. Er- verwarf privatim die aQToT.a.'CQeLa. 
KoLVwvia xoB (jci)f.iaTog '/.al aifiatog Xotazoö finde statt. — So ist 
Art. 10 der Augustana var. zu verstehen : de eoena dotnini docent, guod 
cum pane et vino vere exJiiieantur corpus et sanguis 
Christi vescentihus in coena dömini. 

9. Die traditionalistische Eassung der „reinen Lehre" und die Ver- 
bindung dieses Begriffes mit dem Kirchenbegriff, die rein foren&v ".he 
Eassung der Rechtfertigung, die Betonung des Gesetzes für ; = 
contritio, die Gesetzlichkeit der iona conseieniia, die undeutliche Be- 
stimmung des Glaubens und seiner Entstehung, die Ausschaltung der 
Prädestination, die Veränderung der Abendmahlslehre, die äußere 
Autorität des Amtes und die Verstaatlichung der Kirche — das sind 
die wichtigsten Modifikationen, durch die Mel. Luthers Lehre in die 
Eormen der späteren Orthodoxie hinübergeführt hat. 



i; 65. Die theologischen Streitigkeiten im Luthertum von 
Luthers Tode bis zur Konkordienformel. 

C.Schlüsselburg, Haereti corum catalogus 13 Tle., 1 597 ff. J. G. W a 1 c h , 
Einleitg. in die Eeligionsstreitigkeiten innerh. u. außerh. der luth. Kirche 
10 Tle., 1730 ff. G. J. Planck, Gesch. d. prot. Lehrbegriffes 6 Bde., 1781 ff.- 
(1—3 in 2. A. 1791 ff'.) F. H. R. Frank, Theol. der CF. 4 Bde., 1858 ff. 
W. Preger, Placius 2 Bde. 1859/61. W. Möller, A. (Mander 1870. 
G. Kaweräu, Philippisten PEE. XV, 322ff. J. Kunze, Chemnitz PRE. 
III, 796ff. Thomasius DG. IP, 425ff. L o o f s DG.** 866 ff. 897 ff. Seeherg 
DG. I[i, 35üff. P. Tschacker t, Die Entstehg. d. luth. u. ref. Kirchenlehre 
1910 S. 477 ff. 0. Ritschi, DG. des Protest. II 1, 325 ff. 

1. Die melanchthonische Auffassung der reinen Lehre war in 
diesen Lehrkämpfen maßgebend. Melanchthons Schüler (Philippisten) 
und die sog, Gnesiolutheraner stehen einander gegenüber. ' 



§ 65. Die theologischen Streitigkeiten im Luthertjiin etc. 145 



2. In dem adia^lioristisclien Streit handelte es sich darum 
•(Leipziger Interim 1548), ob man in Adiaphora der römischen Lehre 
aachgeben .könne. Dagegen war bes. Placius : nihil est äöidcpoQOV in 
^tatu, confessionis et scandali. 

3. In dem maj oristischen Streit stand der Meinung des 
<jr. Major (1552) und des J. Menius (1554) von der Notwendigkeit 
guter "Werke zur Seligkeit der "Widerspruch von Amsdorf und Placius 
■«ntgegen : renovaiio est prorsus res sepamta a iustificaiione. . Beides 
Imüpft an die melanchthonische Lehre an. 

4. Der a n t i n o m i s t i s c h e Streit hatte es mit Amsdorf s Leugnung 
des Satzes der Synode zu Eisenach 1556, gute "Werke seien in foro 
Zegis und de idea zur Seligkeit nötig, zu tun. Auch Andreas Poach 
imd Anton Otto leugneten die Bedeutung des Gesetzes für die Becht- 
fertigung und das neue Leben des "Wiedergeborenen. 

5. ' Der .synergistische Streit hub an mit Joh. Pfeffingers 
Behauptung (1555), der Mensch verhalte sich nicht pure passive in 
'df "-'^Bekehrung (vgl. § 64, 7). So lehrte auch Yiktorin Strigel (Dis- 
r cation zu "Weimar 1560): die Sünde habe den freien AVillen nicht 
vertilgt, sondern nur depraviert; der "Wille wirke irgendwie mit bei 
-der Bekehrung. Dagegen Matth. Macius : Gott allein bekehrt und 
■erneuert den Menschen, aber non excludit voluntatem ne adsit, sed ex- 
'ßludü omnetn efficaciam et operationem naturalis voluntatis in conversione. 
Er ging weiter, indem er die Sünde nicht nur als Accidens, sondern 
als Substanz oder doch forma substantialis des Sünders faßte. Eine 
Jiorrenda metamorphosis bat das Gottesbild in das Teufelsbild verwandelt. 
Diese ungeschickte EormuHerung wurde Anlaß, Placius allseitig als 
Häretiker zu erklären. 

6. Der osian drisch e Streit bewegte sich seit 1550 um die 
Sechtfertigungslehre des A. Osiander. Dieser bekämpfte die melan? 
-cbthonische Bechtfertigungslehre (§ 64, 6 c) : die Bechtfertigung ist 
nicht nur Gerechterklärung. Sie hat zur Voraussetzung die redemptio. 
Durch seinen passiven und aktiven Gehorsam hat Christus uns von 
■der Sti'afe und der Geltung des Gesetzes befreit. BLierdurch wird der 

'jieue Zustand der Versöhnung und Vergebung hergestellt. Gott ver- 
gibt nun die Sünde und macht dann den Sünder gerecht. Durch das 
"Wort nimmt Christus (das „innere Wort") "Wohnung im Menschen in 
<dem Glauben und wirkt in ihm „Frommbkeit", lustificare ist: ex impio 
iustum facere. Das ' die GerechtigJceit darumb dargeboten iverd^ das die 
sünd zuvor vergeben ist. Da aber die Gerechtigkeit die Sünde nicht 
Seeberg. Grundriß der Dogmengescliichte. i. Aufl. .10 



146 § 65. Die theologischeu Streitigkeiten im Luthertum etc. 

völlig aufhebt, so imputiert Grott uns die GeyecMigkeit des in uns 
wirksamen Christus. / — Nicht ohne Recht berief sich Osiander auf 
Luther, s. § 57, 12. Philippisten wie Gnesiolutheraner bekämpften. 
Osiander. Sie meinten, daß Gottes Gerechtigkeit durch den passiven 
Gehorsam Christi zur Sündenvergebung, durch seinen aktiven Gehorsam 
zur positiven Begnadigung sich bestimmen lasse. 

7. Franz St an car US meinte gegen Osiander : Christus est iusiitia 
tanium secundum Immanam suam naturam. Georg Karg wollte seit 
1567 die ohedientia passiva allem als satisf aktorisch gelten lassen; 

8. Gegen die auch in Deutschland sich ausbreitende calvinische 
Abendmahlslehre richtete sich Westphal (1552), Brenz trat für 
Luthers Lehre ein (Synode zu Stuttgart 1559). Melanchthon und 
nach seinem Tod (1560) die Wittenberger lavierten. Die Exegesis- 
perspicua et ferme integra de s. coena 1574 (Joh. Oureus) lehrte: cre- 
dentes fide in usu 23anis et vini fieri vera et .viva menibra corporis^ 
Christi, qui praesens et efficax est per haee symbola, ut per ministerium 
accendens et renovans eorda nostra spiritu suo sancto. Ineredulos vero 
non fieri participes vel xoivoivovg, sed reos corporis Christi propter con^ 
temptum. Die Ubiquität sei eutychianische Häresie. Diese Schrift 
veranlaßte das Gericht über den sächsischen Kryptocalvinismus tmd 
die Verwerfung von Calvins Lehre (1674). 

9. Die Christ öl ogischen Kämpfe, wurden zwischen den Heidel- 
bergern tmd "Württembergern (Brenz) über die communicatio idiomatum 
geführt. — Gegen die kryptoöalvinistische Befehdung der Communicatio- 
idiomatunt in Sachsen (P. Eber, G. Major, KreU) trat Chemnitz auf 
den Plan mit der Schrift De duabus naturis in Christo 1571: die- 
menschliche Natur vermag durch die unio personalis die wesentlichen 
göttlichen Eigenschaften in sich aufzunehmen. Eine 7tEQiy_d)QriGLg 
beider Naturen findet statt. Chemnitz denkt dabei den Logos als den 
"Willen, der sich der menschlichen Natur als seines Organes bedient. 
Ea enim anima Christi vult, quae divina Verli voluntas voluit eam velle. 
Die Ubiquität nimmt dadurch die Form der Ubivolipräsenz an : filium 
dei cum assumpta sua natura ratione hypostaticae unionis adesse posse^ 
ubicmique, quandocunque et quomodocunque vult, hoc est, ubi se cum illa 
adesse velle certo verio tradidit et promisit. Chemnitz hat die Commu- 
nicatio idiomatum eingehend behandelt. — Joh. Aepinus lehrte, 
daß Christus die Höllenstrafen als nicht zu seiner satisfaktorischen 
Leistung gehörig nicht ertragen habe. 

10. Um die Prädestination stritten in Straßburg der Cälvinist 



§ 66. Die Konkordienformel. 147 



Zanchi und der Lutheraner Marbach (1561). Ein Ausgleich wurde in 
der Straßburger Vergleichsformel (1563) erstrebt. 

§ 66. Die Konkordienformel. 

F. H. E. Frank, Die Theolog. der CF. 4 Tle. 1858ff. Frank-See- 
berg PEE. X, 732 ff. G. Eawerau: Corpus doctrinae PEE. IV, 293 ff. 
G. Thoma'sius, Das Bek. der ev.hith. Kirclie in der Konsequenz s. Prinzips 
1848 u. DG. IP, 42off. H. Heppe, Gesch. d. deutsch. Prot. Bd. Ill, 1857. 
H. Heppe, Die Entstehg, u. Fortbildg. d. Luthertums u. die kirchl. Bek.- 
schriften desselben v. 1548—1576, 1863, K. Müller, Die Symbole des Luther- 
tums in Preuß. Jahrh Bd. 68, 129 ff. Seeberg DG. IIS 366 ff. P. Tschackert, 
Die Entstehg. der luth. u. ref. Kirchenlehre 1910 S. 572 ff. 

1. Der Zusammenhang dieser theologischen Streitigkeiten mit der 
politischen Lage des Protestantismus ("Wormser E,eligionsgespräch 1557) 
bestimmte die evangelischen Fürsten zu Versuchen den Frieden her- 
zustellen. Der Frankfurter Rezeß 1558 ging in Melanchthons 
Bahnen, mahnte zur Eintracht und führte eine theologische Zensur 
ein. Die Grnesiolutheraner widersprachen in der Weimarischen 
Gonfutati.o 1559. Auf dem Fürstentag zu Naumburg 1561 kam 
der Streit über die Augustana invariata (1531) und vfwmi« (1540) 
hinzu. Die Corpora doctrinae stellten in den einzelnen Landeskirchen 
eine gewisse Einheit her. 

2. Man wandte sich energisch dem Versuch einer Konkordie 
der ganzen lutherischen Kirche zu. Jakob Andrea e und Martin 
Chemnitz verbanden sich zu dem Zweck. Die Grrundlage war in 
dem . gemeinsamen -melanchthonischen Liithertum gegeben. Die spe- 
zifisdhen Lutheraner dissentierten eigentlich nur in dem Abendmahl, 
der Gommunieatio idiomatum und der "Willensfreiheit, Hierfür wie für 
die sonstigen Kämpfe der letzten Jahre galt es eineri Konsensus finden. 

3. Diese Aufgabe löste das Konkordienbuch 1580. Es ent- 
hält a) die drei alten Symbole, die Augustana und ApoL, Schmalk. 
Artikel, Luthers Katechismen, b) die Formula Concordiae (Epitome 
und Solida declaratio). Die KF. stellt allerdings das Evangelium als 
„Lehre" dar, aber den BegrifE des evangelischen Grlaubens hat sie 
nicht aufgegeben: poenitentes credere debent, hoc est totam suam fidu- 
ciam in solupi Christum coUocent, quod videl. propter peeeata nostra 
traditus sit (p. 637 der Ausg. von Müller). 

^4. Die Lehre der KF. ist folgende. Art. 1 und 2 handeln von 
der Erbsünde 'und dem freien Willen. Trotz der übrig ge- 

10* 



148 § 66. Die Konkordienformei. 



bliebeBen iustitia civilis ist der Mensch ad ionum prorsus corruptus. et 
mortuus, aber die Erbsünde ist nicht Substanz. Die facultas applieancli 
se ad gratiam fehlt. Ne scintillula quidem sjnritualium virium reliqua 
remanserit . . . Nee flus quam lapis, truncus aut limus. Gott zwingt 
den Menschen nicht, aber im Moment der Bekehrung verhält dieser 
sich 2^M''ß passive. Sofort nach diesem Moment ist das liberatum 
arbitrium da, das fähig ist zur Kooperanz. 

5. Art. 3 spricht von der E-echtfertigung. Christi per- 
fectissima dbedientia, die agendo et patiendo sich vollzog, ist sein Ver- 
dienst, das Gott uns zur Gerechtigkeit anrechnet. . Diese Anrechnung 
ist die Hechtfertigung, die Vergebung, Versöhnung, Adoption, ewiges 
Leben bringt. Der Geist wirkt den Glauben, dieser ergreift die 
Rechtfertigung und dann den die Erneuerung wirkenden Geist. Voran 
geht die Contrition. 

6. Art. 4. Die guten Werke haben die fidss zur Mutter und 
zum Ursprung. Ihre Heüsnotwendigkeit zu behaupten gefährdet die 
angefochtenen Gewissen. 

7. Art. 5 und 6 : Gesetz und Evangelium. Das Gesetz 
offenbart Gottes "Willen, qualem oporteat esse Jiominem,. samt Straf- 
androhungen. Das Evangelium ist die Predigt von der Gnade Gottes. 
Die Gesetzespredigt macht den Anfang zur Sündenerkenntnis ; es folgt 
das Evangelium zum Glauben. Auch die Wiedergeborenön bedürfen 
noch der Gesetzespredigt wegen ihrer Sündhaftigkeit und zur Ver- 
meidung „eigener Heiligkeit und Andacht". 

8. Hinsichtlich des Abendmahls weist Art. 7 Zwiagli und Calvin 
ab, die nur eine spiritualis praesentia der göttlichen Natur' zugestehen. 
Die positive Lehre ist : quod in coena domini corpus et sanguis Christi 
vere et substantialiter sint praesentia et quod una cum pane et vino 
vere distribuaniur atque sumantur (539). . Hieraus ergibt sich die 
manducatio oralis sowie die rnanducatio indignorum. Also: sui pane, 
cum pane, in pane adesse et exhiberi corpus Christi (ßb4:). Der Leib 
Christi vereinigt sich durch tmio sacramentalis mit der Brotsubstanz. 
Die Möglichkeit ergibt sich aus der TJbiquität: ut videl. etiam secun- 
dum illam suam assumptam naturam et cum ea praesens esse possit, 
et quidem praßsens sit ubicunque velit (692 vgl. oben § 65, 9).. Die 
Gabe des Sakramentes: Ac pii quidem corpus et sanguinem Christi in 
certum pignus et eonfirmationem accipiunt, quod peccaia ipsis certo sint 
remissa, et quod Christus in ipsis häbitet atque effieax esse velit (661). 
Vgl. § 61, 3. 



§ 67. Die Theologie Calvins iii ihrer dogmengeschichtl. Bedeutung. 149 

9. Art. 8 bietet die C h ristologie: Gottes Herrliclikeit ging 
- ein in die menschliclie jNTatur. Der Grottmensch verbarg sie und offen- 
barte sie, so o^ er "wollte. Die Vereinigung der beiden Naturen 
wird unter den Gresichtspunkt der Kooperation gestellt. 

10. Art. 9 sagt von der Höllenfalirt, daß die ganze Person 
Christi zur Hölle gefahren (vgl. § 65, 9). 

11. Art. 10 sagt, daß in statu confessionis in den Adiaphora 
nicht nachzugeben sei. 

12. Art. 11 lehrt, die Prädestination sei Ursache der Selig- 
keit der Erwählten als der göttliche Wille, daß alle, die an Christus 
glauben, selig werden. Gott sah aber auch vor der Zeit der Welt 
vorher, welche von den Berufenen glauben werden. Diese sind von 
ihm erwählt. Die vocatio ist immer ernst und die fromissio evangelii 
allgemein. Es ist menschliche Schuld, wenn sie nicht durch das Wort 
wiedergeboren werden. 

13. Art. 12 verwirft die Lehren der „Rotten und Sekten" 
(Schwenkfeldianer, Wiedertäufer, Antitrinitarier). 

14. Die KP. stellt die Anschauung der zweiten Generation der 
Lutheraner dar, Sie hat nicht alle Impulse Luthers angeeignet und 
verarbeitet (vgl. § 57, 7 ff.). 



Zweites Kapitel. 
Der Abschluß der Dogmenbildung in den reformierten Kirchen. 



§ 67. Die Theologie Calvins in ihrer dogmengesehichtliehen 

Bedeutung. 

Calvin, opp. Corp. Eef. XXIX ff., s. bes. XXIX u. XXX (Institutio religionis 
christianae), vgl. E. Stähelin, Calv. Leben 2 Bde. 1863. E. Doumergue, 
Jean Calvin, 4 Bde. 1899 ff. A. Lang, J. Calvin 1909. K. Holl, J. Calvin 
1909. B. Beß, Unsere relig. Erzieher TP, 1917. A. Lang, Der Ev.-Komm. 
M. Butzers ü. die Grundzüge s. Theol. 1900. Über seine Theologie s. J. Köstlin; 
Calv. Institutio in Stud. u. Krit. 1868, 7 ff. 410 ff, K, Beth, C. als reformator. 
Systematiker in Ztschr. 1 Th. u. K. 1909, o29ff. ß. Seeberg DG. 11', 379ff. 
E. LoofsDG.*875ff. A. Schweizer, Centraldogmen 1, 150 ff. M.Scheibe, 
Calv. Prädestinationslehre 1897. J. M. üsteri, Calv. Sakraments- u. Tauf- 
lehre, Stud. u. Krit. 1884, 417 ff. E. Seeberg, Begriff d. Kirche I, 119 ff. 
M. Schulze, Das Jenseits-Christentum Calvins 1902. M. Schulze, Meditatio 
futurae vitae 1901. W. Lüttge, Die Eechtfertigungslehre Calvins 1909. 



150 § 67. Die Theologie Calvias in ihrer dogmengesqhichtl. Bedeutung,. , 

Bohatec u. a., Calvinstudien 1909. A. Kuyper, Eeformation wider Revo- 
lution (deutsch von Jäger) 1904. . 

1. Dem melanclitlionischen Verständnis Luthers läuft die Ver- 
arbeitxing der Gedanken Luthers duxcli M. Butzer (j 1551) und 
Job. Calvin (:]- 1564) parallel. iN'eben ' wesentlicher Einheit mit den 
religiösen Grundgedanken der Reformation haben diese Theologen und 
ihre Anhänger die Prädestination besonders betont, in der Abendmahls- 
lehre eine Vermittlung zwischen Luther und Zwingli erstrebt, die Scbrift 
auf das energiscbste als Quelle der Lehre wie der Ordnung und Ver- 
fassung der Kirche proklamiert und hierdurch eine Vollendung der 
Reformation herzustellen versucht. Der Butzeriariismus ist in den 
Calvinismus aufgegangen, aber auch Melanchthonianer fielen diesem zu,. 

2. Wir geben Calvins Lehre nach der letzten Ausgabe der 
Institutio (1559) wieder. Die Scbrift ist die alleinige Autorität der 
Kirche. Die Bücher der Schrift stellen Diktate des beüigen Geistes 
dar. Oracula dei sind Gesetz und Propheten, ebenso die historischen 
Bücher : Ms simul accesseriont liistoriae, quae et ijjsae phroplietarum sunt 
lucubraiionßs, sed didante spiritu sando compositae (IV, 8, 6), Von 
den Verfassern des ^N'.T. gilt: guod Uli fuermii certi et authentici 
Spiritus scmdi amcmuenses et ideo eorum scripta pro dei oraeulis Jiahenda 
sunt (ib. 9). ^eben die Begründung der Wahrheit der Schrift durch 
Inspiration tritt die Begründung durch das testimonium Spiritus sandi. 
Die spätmittelalterliche Theorie wird mit Luthers Gedanken kombiniert 
(vgl. § 50, 3; 52, 3: 59, 2). Das ist die altorthodoxe Inspirations- 
lehre mit ihrer gesetzlichen Fassung der Schriftautorität. 

3. Auch Calvin denkt Gott als den conlmuo adu allwirksamen 
Gotteswillen (vgl. § 57, 4). Dieser WUle ist der Grund alles Seins 
und Werdens, also auch des Guten und des Bösen. Gott bat Adams 
Fall verfügt, aber cadit dei Providentia sie ordinante., sed suo vitio'' cadit 
(m, 23, 8). Der Wille Gottes legt allem Geschehen -Notwendigkeit 
auf, aber er selbst ist scblechthia frei, ühi quaeritur, cur ita fecerii 
dominus,- resjjondendum est, quia voluit (vgl. § 51, 3). Vom Menseben 
galt,: necessitas liaec quodammodo voluntaria (vgl. § 57, 4). • 

4. Die Sünde Adams ging nach Gottes Ordnung auf alle seine 
Nachkommen über, Neque enim in siibstantia carnis aut aniniae causam 
habet contagio, sed quia a deo ita fuit ordinatwm, ut quae primo Jiomini 
dona contulerat, ille tarn sibi quam suis liaberet simul ac perderet (11, .1, 7). 
Die Erbsünde Avird definiert als haereditaria naturae nostrae pravitas 
et corruptio . . ., quae primum facit reos irae dei, tum etiam- opera in 



§ 67. Die Theologie Calvins in ihrer dogmengeschichtl. Bedeutung. 151 

noMs profert, quae scri'ptura voeat- opera carnis (ib.. 8). Die Freiheit 
zum Guten ist verloren, aber die natürliche Freiheit bleibt, weil der 
Mensch male voluntate agit, non coadione handelt. Die sündige Mensch- 
'iieit untersteht dem Zorn Gottes und seinen Strafen. 

5. Zum Zwecke der Erlösung hat Gott die Menschwerdung 
•Christi vorherbestimmt. Als Prophet hat uns Christus Gott offenbart^ 
und als König übt er vom Himmel her seine Herrschaft durch Mit- 
teilung der göttlichen Gaben aus. Als Hoherpriester tut er durch 
sein Opfer für uns genug (victima. satisfadoria) , indem er an unserer 
Statt das Gesetz erfüllte und die Sündenstrafe (auch den ewigen Tod) 
trug. Dies wie jenes geschah durch seinen Gehorsam. Im Himmel 
waltet er als unser advocaius und intercessor. Also Christus versöhnt 
<xott und erwirbt dadurch die Offenbarung der Gnade und erneuert 
■das Menschengeschlecht. 

6. Christus, das Haupt der neuen Menschheit, teilt ihr seinen 
heiligen Geist mit. Dieser bewirkt den Glauben. Der Glaube ist 
-die Form des religiösen Besitzes : fidem ipsam certam quanäam esse et 
seeuram possessionem eorum, quae nobis a cleo promissa sunt (III, 
2, 41). Daher die feste Überzeugung von Gottes Güte, daher fiducia 
und ein ßuhegefühl. In summa, vere- fidelis non est, nisi qui solida 
persuasione^ deum sihi propüium lenevolumque patrem esse persuasus, de 
■eins ienignitate omnia sihi pollicetur (16). Die Erfahrung der Geist- 
wirkurigen in dem Schriftwort bringt die Heilsgewißheit und versichert 
zugleich der "Wahrheit der Schrift. 

7. Mit dem Glauben zugleich entsteht die poenitentia, d. h. 
■der andauernde sittliche Stand der Wiedergeburt oder Bekehrung, der 
in der mortificatio carnis und der vivificaiio Spiritus samt dem sande 
piequo vivendi Studium besteht. Sowohl die E.eue als das sittliche 
Streben wird 'durch die Gemeinschaft mit Christus tmd die Güter des 
Seiches, in uns bewirkt. Das Gesetz treibt nicht nur zur Anfaugs- 
XQue an, sondern bleibt die dauernde B,egel des sittlichen Lebens. 
Das Ziel desselben ist durch Selbstverleugnung unter dem Kreuz und 
mit der 7neditatio vitae futurae und Erfüllung der Berufspllichten nach 
<3rottes Geboten die Ehre Gottes zu fördern. 

8. Der Glaube empfängt duplex gratia, die Heiligung durch den 
"Geist und die Rechtfertigung oder Vergebung der Sünden. 
Regeneraiiö und iustificatio sind zwar unterschieden, sofern erstere 
^allmähKch und teilweise, letztere mit einem Mal und ganz eintritt 
^gegen Osiander), aber sie' sind nicht zu scheiden : quia enim re ipsa 



■ - - ■ ..■,./. 

152 § 67. Die Theologie Calvins in ihrer dogmengeschichtl. Bedeutung, 

ad coUndmn iustitiam renovat deus quos. /pro iustis gratis censet, üluc^ 
regenerationis dommi miscet cum liae gratuita acceptatione. Die Recht- 
fertigung bestellt in der Erfahrung der auf den menschlichen Gehorsam 
Christi begründeten Sündenvergebung, lustifieabüur ille fide, qui ' 
operum iustüia exelusus, Christi iustitiam per fidem apprehendit, qucc 
vestitus in dei conspectu non ut peecator, sed tanquam iustus apparet. 
Aber nur der erfährt die Vergebung, in dem Christus vermöge seiner- 
Grottheit wirkt. Inter se distinguamus licet, insepardbiliter tarnen utramr 
que (Rechtfertigung und Heiligung) Christus in se continet. Vis ergo- 
iustitiam in Christo adipisci? Christum ante possideas oportet. Possiäere 
atitem non potes, quin fias sanetificaiionis eius partieejjs, quia in frustm 
discerpi non potest . . . Ita liquet, quam verum sit, nos non sine 
operibus neque tamen per opera iustificari, quoniam in Christi partici- 
patione, qua iustificamur, non minus santificatio continetur quam- ius~ 
titia (III, 16, 1). Calvin steht hierin Luther näher (§ 57, 12) als 
Melanchtjion (§ 64, 6). / 

9. Erst durch die Erwähl ung wird die Heilsgewißheit vollendete 
Sie folgt aus dem deterministischen Gottesgedanken. Praedestinationejn 
vocamus aeternum dei decretum, quo apud se constitutum habuit, quid' 
de unqquoque homine fieri vellet. Non enim pari eondicione creantur 
omnes, sed aliis vita aeierna, aliis damnatio aeterna praeordinatur^ 
Itaquß prout in alterutrum fineni quisque conditus est, ita vel ad vitam 
vel ad mortem praedestinatum dicimus (III, 21, 5). ISTur für die' Prä- 
destinierten starb Christus, nur ihnen bringen die Gnadenmittei Gnade- 
Gott sah nicht nui* den EaU und die Strafe voraus, sondern er ver- 
fügte sie auch (n. 3). Die Prädestination ist als doppelte zu fassen- 
' 10. Die Summe aller Erwählten bildet die unsichtbare Kirche- 
Indem aber die Erwählten den Trieb zur Gemeinschaft haben ("Wort- 
Sakrament und Disziplin), entsteht die sichtbare Kirche. Calvin hat 
von Gott geforderte Ämter in der Kirche angenommen und sich dadurch 
dem Gedanken einer göttlichen Rechtsordnung wieder genähert. II- 
y a quaire ordres ou especes d'offices, que notre seigneur a instituS 
pour le gouvernemeni de son eglise, assavoir les pasteurs, puis les dpc- 
teurs, apres les anciens, quartemeni les diacres. Das ist der ordo, quo 
ecchsiam suam guiernari voluit dominus (IV, 3, 1). Die kirchliche 
Gewalt erstreckt sich auf die Lehre und den Kultus, die schrift- 
gemäß sein sollen sowie auf die Disziplin, die nach Mt. lÖ, 17 ein& 
spiritualis iurisdictio ist. — Die weltlichen Regenten . sind Gottes 
officiers et lieutenants. Die beste Staatsform ist die aristocratia, die 



§ 68. Die caivmische Lehre als Kirch enlehre. 15c 



allein eine moderierte Freiheit ermöglicht. Die christliche Obrigkeit 
soll sich beider Gesetzestafeln annehmen, also die bürgerliche Gesell- 
schaft zu Ordnung und Frieden anhalten und für die Unverletzlich- 
keit der wahren ßeligion eintreten auf Grund der Urteile des kirch- 
lichen Amtes. 

11. Das Sakrament definiert Calvin als externum symdoluin, 
quo ienevolentiae erga nos suae promissiones conseientiis nostris domi- 
nus olsignat ad sustinendam fidei nostrae ünbeciUitatem, et nos vicissim 
pieiatem erga eum ... iestamur (IV, 14, 1). Die Taufe bezeugt 
die Sündenvergebung und versetzt in die Gemeinschaft Christi. Das 
Symbol ist von einer realen Gotteswirkung begleitet. 

12. Calvins Abendmahls lehre behauptet zwar die leibhaftige 
Gegenwart Christi im Abendmahl : dico in eoenae mysterio "per symbola 
panis et vini Christum vere noiis exMheri, adeoque corpus et sanguinem 
eiv-s (IV, 17, 11), verneint aber auf das strengste die prodigiosa uhi- 
quitas. Wir empfangen aber nicht den Leib Christi sed ömnia, quae 

' in suo corpore nohis heneficia Christus praestitit. Der Sinn der Gegen- 
. wart Christi ist also : suis semper adsit, vitam ipsis suam inspirans, 
in iis vivat, eos sustineat, confirmet, vegetet, conservet incolumes, non 
secus ac si corpore adesset ; quin denique suo ipsius corpore eos pascat, 
cuius communionem spiritus sui viriute in eos transfundit. Secundum- 
haue rationem corpus et sanguis Christi in sacramento nolis exhi- 
hetur (18). Aber: no7i figurat tantur^ ceu nuda et inanis tessera, sed 
vereeiiam exhibet (21). 

13. Die Beziehungen des calvinischen Verständnisses des Eyange- 
liums zu Luther sind ebenso einleuchtend, als eine Anzahl von Diffe- 
renzen im einzelnen wie in der Gesamtstimmimg unverkennbar sind. 
Diese Unterschiede begreifen sich in der Hegel als Fortwirkungen 
vorreformatörischer Ideen in der Anschauung Calvins. 



§ 68. Die ealvinisehe Lehre als Kircheiilehre. <* 

E. F. K Müller, Die Bekenntnisschriften d. ref. Kirche 1903. — 
E. F. K. Müller, Sjynbolik 1896. A. Schweizer, Centraldogmen 2 Bde.. 
1854/6> Über Arminias u. Dordrecht s. H. C. Kogge PßE. II, 103 ff. IV, 798ff. 
Über Wtenbogaart s. D. van Veen PßE. XXI, 518ff. Seeberg DG. IIK 407 ä. 
P. Tschackert, Die Entstehg. der luth. u. ref. Kirchenlehre 1910, S. 402 ff. 

1. Calvins Abendmahlslehre hat die Zwingiis verdrängt, 
Consensus Tigurinus 1549: Die Einsetzungsworte sind figuraie zu ver- 



154 § 68. Die calvinische Lehre als Kirchenlehrfe. 



stehen, abei' mit dem Zeichen empfängt der Christ Ohi'istum mit 
seinen geistlichen Gaben, Auch die übrigen späteren Bekenntnisse 
folgen Calvins Abendmahlslehre : dass er selbst meine seel mit seinem 
geereutzigten Leib und vergossnen Blut so gewiss zum ewigen leben 
speise und treneke als ich auss der Jiand des Dieners empfange . . '. das 
irod (Bfeidelberg. Kat.). . Die Gläubigen per spiritum sanetum per- 
cipiunt etiam carnem et sanguinem domini et pascuntur Ms in vitam 
<miernam (Conf. Helv. poster.). 

2. Auch in den übrigen Lehrpunkten halten sich die späteren 
reformierten Bekenntnisse wesentlich in den Geleisen Calvins. So die 
Genf. Gallicana 1559. Conf. Belgica 1561. Die anglikan. Art. 1552 
resp.1563. Conf. Scoticana 1560. Die ConfessioHelveticaposterior 1562. 
Der Heidelberger Katechismus 1563. Ungarisches B.ek. 1562. Nieder- 
ländisches Bek. 1566. Die "Westminster Conf. 1647. Unter ihnen 

, haben die ""größte Autorität erlangt der Heidelberger Kat.j die "West- 
minster Conf. und die Helvetica post. In Betracht kommen die Lehren 
von der Schrift, der Sünde, dem Glauben, der Rechtfertigung. 

3. Auch Calvins Prädestinationslehre ist schließlich in 
vielen reformierten Kirchen zur Anerkennung gekommen. Gegen 
Albert Pighius (1542) und Hieron. Bolsec (1551) hat Calvin 
die Prädestinationslehre immer schärfer formuliert. Aber der sie be- 
kennende Consensus Genevensis (1552) wurde nur in Genf ange- 
nommen. Die reformierten Bekenntnisse erwähnen die Lehre ent- 
weder gar nicht oder in sehr gemäßigter Form. 

4. Aber die Theologie hat, Calvin folgend, die Prädestinationsliehre 
immer mehr in den Mittelpunkt gerückt. Die Synode zu D o r d r e c h t 
(1618/19) erhob sie zu kirchlicher Geltung. Jakob Arminius (j 1609) 
verfocht im Hahmen einer ziemlich weit verbreiteten humanistischen 
praktischen Auffassung des Chiistentums (Coomhert, Coolhaes), eine 
müdere Auffassung der Prädestination gegen Pranz Gomarus {f 1641) 
strenge supralapsarische Formulierung. Johannes "Wtenbogaart und 
.Simon Episcopius folgten ihm.' 1610 reichten die arminianisch Ge- 
sinnten die Pemonstrantia ein : Gott hat beschlossen, diejenigen zu 
retten, die an Christus glauben würden; der heU. Geist erneuert zuoi 
Glauben, aber nicht in unwiderstehlicher "Weise. Daher können auch 
wahrhaft Gläubige abfallen, aber auch wieder erneuert werden. Da- 
gegen erklärten sich die Kontraremonstranten. Die Dordrechter 
Synode (1618/19) gab ihnen Recht: Gott . erwählte vor der Zeit eine 
bestimmte Anzahl von Menschen zur Seligkeit und beschloß die übrigen 



§ 69. Das Tridentinum. 155 



dem Yerderben zu überlassen^ Die Erwählung realisiert sich durch 
die Sendung Christi, die wirksame Berufung, die Yerleihüng des 
Glaubens, die Rechtfertigung, Heiligung und Verherrlichung. Jftir den 
Prädestinierten gilt Christi Werk, nur an ihnen wird das Wort zur 
Bekehrung -wirksam, nur sie haben die perseveranUa sanctorum. Sie 
können nicht abfallen. Man, wird des auf der Prädestination beruhen- 
den Heils gewiß durch die Beobachtung der sittlichen fritctus electionis 
infällibües in der Seele: 

5. Moses Amyraldus (Amyraut '\ 1664) zu Saumur (Traite 
de la predestination 1634) vertrat den sog. hj-pothetischen TJniversalismus 
der Gnade (nur die Erwählung rettet, aber eine geAvisse durch Christus 
erworbene Gnadenoffenbarung wird allen zu Teil). Hiergegen wieder^ 
holte die Pormula consensus H e 1 v e t i c a -(von Heidegger, 1675 
Symbol) den Partikularismus der Erwählung. 

6. Somit ist Cahäns Lehre in den reformierten Kirchen zur Herr- 
schaft gekommen. 



Dritter Abschnitt. 

Der Absehlufs der Dogmenbildung in der 
katholischen Kirche. 



§ 69. Die Fixierung der mittelalterlichen Theologie als 
Kirehenlehre durch das Konzil von Trient. 

Canones et decreta Concil. Trid. ed. Eichter et Schulte. 1853: die Lehr- 
bestimmungen auch in Denzinger's Euchiridion u. bei Jlirbt, Quellen z. Gesch. 
d,. Papstt.3 S. 210 ff. A. Theiner, Acta, genuina concil. Trid. 2 Bde. 1874. 
■ Concilinm Tridentinum ed. Societas Goerresiana I.. IV. X, 1901 ff. Vgl. 
W. Maurenbreeher im Eist. Taschenbuch 1886, 147 ff.: 1888, 305 ff. 
H. Hermelint, Eef. u. GegeDref. 1911, S. 179ff. K. Müller KG. II 2, 1917, 
145ff..l58ff. P. Tschackert PilE. XX, 99 ff. — Über die Lehre s. Chem- 
nitz, Examen conc. Trid. 1566. :^. Seeberg, Beitr. z.. Entstehiingsgesch. 
d. Lehrdekrete v. Tr. in Ztschr. f. k. Wiss. 1889, S. 546 ff. 604 ff. 643 ff', u. DG. 
IIS 417 ff. Harnack DG. IIP, 692ff. Loofs DG.^663ff. J. Hefner, Die 
Entstehungsgesch. des TrienterEechtfertigungsdekrets 1908. 

1. Die alte Kirche war durch den Protestantismus vor ein 
doppeltes Problem gestellt. Es galt einerseits den einander bekämpfenden 
scholastischen Schulen gegenüber einen mittleren Durchschnitt der 



156 § 69. Das Tridentinum. 



/ 



/ 



scholastischen Theologie zix finden und zur Kirchenlehre zu erheben. 
Es war andrerseits die Aufgabe, das kirchliche Leben so zu refor- 
mieren, daß es den Bedürfnissen des modernen Menschen wieder gemäß 
wtirde. Letzteres leistete der Jesuitenorden, ersteres das Konzil von 
Trient (1545 — ^63). Hiermit haben wir es zu tun. 

2. Sessio 4 entscheidet. die Frage nach Schrift und Tradition 
so, daß pari pietatis affectu die heil. Schriften, die Gott zum Autor 
haben, und die Traditionen, die vel m'etenus a Christo vel a, spiritu 
saneto diciatae sind, angenommen werden. Die alttest. Apokryphen 
werden rezipiert, die Vulgata als authentische Übersetzung anerkannt. 
Die Kirche entscheidet über den Sinn der Schrift. 

3. Von der Erbsünde lehrt die 5. Session, daß der erste 
Mensch die Gerechtigkeit und Heiligkeit, in die er im Paradiese ein- 
gesetzt war (für constitutus ursprünglich creaius), durch seine Schuld 
verlor. Dadurch wurde seine Hatur in deierius verändert. Adams 
Sünde und Schuld ging propagatione, non imitatione auf das Menschen- 
geschlecht über. Menschen können davon nicht befreien. Die Taufe 
tut es, nicht niu* durch Imputation, sondern durch wirkliche Erneuerung. 
Aber eoncupiscentia et fomes bleiben, nicht so, quod (die Concupiscenz) 
vere et proprie in renatis peccatum sit, sed quia ex peccato est et ad 
peccatum inclinat. 

4. Die 6. Session behandelte die Rechtfertigung, im ganzen 
sich Thomas anschließend. Nur nach sehr langwierigen Verhand- 
lungen ist man zu einem Resultat gekommen. Die Rechtfertigung ist 
iranslatio ab eo statu, in quo Jiomo nascitur filius primi Ädae, in siatum 
gratiae. a) Der Prozeß beginnt mit der gratia praeveniens (excitans 
et adiuvans). Der Mensch wirkt mit eidem gratiae libere assentiendo et 
cooperando. So entsteht der Glaube : fiäem ex auditu concipientes tihere 
moventur in deum, credentes vera esse quae divinitus revelata et pro- 
missa sunt. Jetzt beginnt auch die Liebe zu Christus und der Ab- 
scheu wider das Böse. Diese Präparation auf die Rechtfertigung wird 
durch das Wort gewirkt (vgl. § 47, 2). b) Auf sie folgt die eigent- 
liche Rechtfertigung durch das Sakrament der Taufe (oder Buße) : 
quae non est sola peccatorum remissio, sed et sandificatio et renovatio 
interioris hominis per voluntariam susceptionem gratiae et donorum, 
unde homo ex iniusto fit iustus. Dabei wird ausdrücklich verdammt : 
homines iustifieari vel sola imputatione iustitiae Christi vel sola pecca- 
iarum remissione, exclusa gratia et caritate, quae in eordibus eorum per 
spifitum sanctum diffundatur atque Ulis inhaereat, aut etiam graiiam. 



§69. Das Tridentinum. 157 



qua iusiifieamur, esse ianfum favorem dei. So empfängt der Sünder 
mit der Vergebung Glaube, HofEnung, Liebe, nacb dem dem Geist 
gefallenden Maß und seeundum propriam cuiusque disposiUonem ac 
eooperationem. Pauli „per fidem" meine den Glauben als fundamenium 
et. radix omnis iustificationis ; „gratis^'' sage, daß Glaube und "Werke 
vor der Rechtfertigung diese nicht verdienen ; über „sine operibus" 
schwieg man schließlich. — c) Die Rechtfertigung als Gottestat ist 
freilich ein inomentaner Vorgang (vgl. § 47, 4), aber, indem ^ sie 
einen sittlichen Stand begründet, ist ein Fortschritt in ihr möglich : 
per dbservaniiam mandatorum dei et ecclesiae in ipsa iustitia per Christi 
gratiam accepta, cooperante fide, honis operihus crescunt aique magis 
iustifieaniur. Die guten "Werke sind merita, um das, ewige Leben zu 
erlangen. Die sittliche Stimmung: eum timore ac iremore saluiem 
suam operentur in laboribus, in vigiliis, in eleemosynis, in orationibus 
et dblationibus, in ieiuniis et eastitaie, formidare enim deient scientes, 
quod in sperrt gloriae et nondum in gloriam renati sunt. — d) Todsünder 
rursus iustificari potsrunt durch das Bußsakrament, nicht nur den 
Glauben. Dazu bedarf es der coniritio, der confessio saltem in voio et 
mio tempore 'facienda, samt der absolutio und den opera satisfaciionis. 

5, Die 7. Session stellte über die allgemeine Sakraments- 
lehre, die Taufe und die Konfirmation nur die protestantische Lehre 
verdammende Canones auf. Dabei wird die Formel continere gratiam 
(§ 48, 3) gebraucht ; dem Gegensatz der scotistischen und thomistischen 
Lehre ging man aus dem "Wege. 

• ' 6. a) Yom Abendmahl lehrt Sess. 13, daß unter der species 
der Elemente Christus realiter et subsiantialiter gegenwärtig sei. Durch 
die Eonsekration geschieht eonversio totius substaniiae panis in sub- 
staniiam corporis Christi. Christi Leib ist im Himmel iuxta modum 
existendi naturalem, durch eine andere uns unbekannte existendi ratio: 
multis aliis in locis sacramenialiter praesens sua substantia nobis adsit. 
Das Abendmahl befreit von den läßlichen Sünden und präserviert 
gegen Todsünden. — b), Die Kelchentziehung wurde dogmatisch 
gerechtfertigt, ohne zu entscheiden, ob sie für immer gelten solle 
(sess. 21). — c) Das Meßopfer wird in allen Einzelheiten ange- 
nommen (sess. 22). 

7. Sess. 14 behandelt das Bußsakrament. Sein Wesen liegt 

in der priesterlichen Absolution. , Die Contritio bewirkt nicht an sich 

die Versöhnung, sondern wegen des saeramenti votum. Die contritio 

mperfecta, quae attritio dicitur, ist nicht Heuchelei, sondern eine Gabe 



158 - § 69. Das Tridentinum. 



des heil. Geistes, durch die der Sünder viam sibi ad iusiitiam paret, 
indem sie dazu „disponiert". In dem Entwurf des Dekrets hieß es 
von der Attrition: verwn eiiam sufficere ad sacramenti huius consti- 
tutionetn. Diese "Worte sind gestrichen, die Sache aber nicht ver- 
ändert. Die confessio erstreckt sich auf alle Todsünden, deren man 
sich erinnert ; sie sollen in specie, nicht nxir in genere gebeichtet werden.. 
Die Absolutio ist nicht nur Deklaration, sondern ad instar actus^ 
iudieialis. Die opera satisfaciionis halten von künftigen Sünden ab,, 
verähnlichen Christo, deTansatiafaciendo patimur pro peccatis, und sühnen 
unsere Sünde, indem aus Christi Satisfaktion omnis nostra suffieientia 
ist. Das Tragen von Gott auferlegter Leiden ist auch satisf aktorisch. 

8. Der Ablaß ist als usus populo maxime salutaris beizubehalten, 
doch muß Mäßigung, beobachtet und die Mißbräuche vermieden werden,^ 
die Anlaß geben zur häretischen Blasphemie gegen insigne Tioe in- 
dulgeniiarum nomen (sess. 25). 

9. Den Seelen im Purgatorium helfen Gebete, Meßopfer und 
Almosen (sess. 25). 

10. Über letzte Ulung (sess. 14), Ordination (sess. 23), 
Ehe (sess. 24) wird die mittelalterliche Lehre vorgetragen. Mcht 
alle Christen haben ^ die gleiche spiritualis potestas, nicht nur eine- 
temporaria potestas unterscheidet den Priester vom Laien. — Yer- 
dammlich ist die Ansicht non esse melius ae heatius manere in virgini- 
tate aut eoelibatu quam iungi matrimonio. 

1 1 . Einer Erörterung des K i r c h e n b e g r i f f e s sowie einer Aus- 
einandersetzung zwischen Episkopalismus und Papalismus ist man zu* 
Trient aus dem Wege gegangen. Der Streit, ob der Papst Christi' 
vicarius oder Christi summus vicarius, ob die Bischöfe ihre Macht. 
immediate a Christo oder a pontifice empfangen, ob zu syno.dus axa' 
Anfang der Deki-ete die "Worte : universalem ecelesiam repraesentans 
hinzutreten sollten, zeigte, weshalb man die Entscheidung mied. Der- 
Catechismus Bomanus bezeichnet die Kirche als congregaiio fidelium, 
die äußerlich durch fidei professio et eommunio saeramentorum, inner- 
lich spiritu gratiae et caritatis vinculo verb,unden sind. Die Gläubigen 
gehorchen dem Stande, der Bichter und Arzt der Sünder ist. Alle 
Amtsgewalt ist zusammengefaßt im Papst. TJnus est enim eius (d. h. 
der Kirche) recior ae gubernaior, invisibilis quidem Christus . ...., visi-- 
Ulis autem is, qui Romanam cathedram Petri apostolorum principis. 
legitimus successor ienet. Christus, der die Kirche regiert: hominem 
suae potestatis vicarium et ministrum praefecit, nam cum visibilis : 



■ / ■ ■ 

§ 70. Die Keaktion der augustinischen Gnadenlehre etc. 159 



ecclesia visibili capite egeat, ita sälvator noster Peifum universi jiäeliwn 
generis caput et pastorem constüuit. Ygl. § 49, 2. • 

12. Man hat zu Tident die scholastische Lehre zur Kirchenlehre 
erhoben und sie dadurch vor den Scholastikern gerettet. 

§ 70. Die Reaktion der augustinisclien. Gnadenlehre und die 
kirchliche Verwerfung letzterer. 

■ C; M i r b t , Quellen z. Gesch. d. Papsttums* S. 265 f . 295 ff. P. T s c h a c k e r t : 
Jansen PEE. Vin, hSdü. F. X. L i n s e n m a n n , Mich. Bajus 1867. W. M ö 1 1 e r 
fSeeherg) PEE. 11, 363 ff. J. v. Döllinger u. F. H. Eeusch, Geschichte 
d. Moralstreitigkeiten in d. röm.-kath. -Kirche seit d. 16. Jahrh. 2 Bde. 1889. 
K. Müller KG, II 2 (1917), 378 ff. Seeberg DG. IP, 440ff. Harnack 
DG. III*, 735 ff. 

1. Die augustinisch-thomistische Gnadenlehre schränkte den je- 
suitischen Pelagianismus ein. Sie ist daher allmählich verdrängt 
worden. Man hatte Recht: Proh dolor, Augustinus sub nomine 
lansenii damnaiur. 

2. Michael Bajus (j 1589) lehrte gut katholisch: der Sünder 
sei ganz verderbt durch den Fall, die.Konkupiscenz ist Sünde; durch 
die Gnade : mala voluntas nosira in ionam commutaiur • Die Sünden- 
vergebung ergänzt die Lücken der wirklichen Gerechtigkeit. Pius V. 
verdammte 1567 in der Bulle „Ex omnibus afflictionihus" 79 Sätze. 
Bajus widerrief. 

3. Ludwig Molina (y 1600) lehrte (Liberi arbitrii cum -gratiae 
donis, div. praescientia, Providentia, praedestinatione et reprobatione 
concordia 1588), daß die Gnade den Sünder zwar zum Übernatürlichen 
erhebt, daß der (sündige) "WiUe aber von JiTatur zu dieser Erhebung 
fähig ist ; von Anfang an wirken Gnade und Wille zusammen concursu 
simültaneo. Dieser von den Thomisten bekämpfte Semipelagianismus 
.wurde von den Jesuiten verteidigt. Die 1598 eingesetzte Congregatio 
de auxiliis gratiae kam zu keinem Resultat. 

4. Gegen die jesuitische Laxheit erhoben s^ich augustinisch ge- 
stimmte Mystiker, die an der Abtei Port-Royal ihren Mittelpunkt 
hatten. .Ihr Programm wurde die Schrift des Bischofs von- Ypern, 
Cornelius Jansenius (-j-1638): „Augustinus seu dbctrina Augustini 
de humanae naturae sanitate, aegritudine, medicina adv. Pelagianos 
et Massilienses". Sie wurde 1640 herausgegeben. Das "Werk enthält 
eine treue Reproduktion der augustinischen Lehre : die Sünder er- 
sterben in Ooncupiscenz und Unwissenheit, die Gnade ein medieinale 



160 , § 71. Das Vaticanum. 



auxüium die Inspiration der Liebe. Der Grlaube zielt ab auf die 
Liebe, der Liebe folgt die Vergebung. — Jansens Lehre wurde ver- 
worfen von TJrban VIII. 1642 in der Bulle ,Jn eminenti^', Innocenz X. 
in der Bulle „Cum occasione" 1653, Alexander VII. in der Constitutio 
\,Äd sanctam h. Petri sedem^'' 1665, Clemens XI. 1705. Vergeblich 
war die glänzende Verteidigung der Jansenisten. 1710 wurde Port- 
Soyal zerstört. 

5. Die Kämpfe wurden erneuert dm-ch die Meditationen des 
Oratorianers Paschasius Quesnel (j 1719) über das N. T. (Le 
nouveau test. en francois avec des reflexions morales sur chaque verset). 
Die Konstitution „ünigenüus" (1713) verdammte 101 Sätze dieser 
Bibelerklärung. Es werden z. B. folgende Sätze verworfen: Quid 
oMud esse possutnus nisi ienehrae, nisi aberratio et nisi peccaium sine 
fidei lumine, sine Christo et sine ehariiaie ? — Extra ecclesiam nulla 
eonceditur gratia. — Fides est prima gratia et fons omnium aliarum. — 
Prima gratia, quam deus eoncedii peccatori, est peeeaiorum remissio. — • 
Fides iustificat qiiando operatur, sed ipsa non operatur nisi per chari- 
iatem. — lesu Christi gratia, prineipium efficax Mni cuiuscunque 
generis, necessaria est ad omne opus lonum ; dbsque illa non solum 
nihil fit, sed nee fieri potest. — Appellanten und Akzeptanten standen 
einander gegenüber. Benedikt XIV. entschied schließlich (1756), daß 
die Konstitution zwar zu Hecht bestehe, aber niemand zu behelligen 
sei, der sie nicht- öffentlich angegriffen habe. Die Konstitution ist 
..von der ganzen katholischen Welt anei-kannt" (Denzinger). 

6, Pius IX. dogmatisierte die Immaculata conceptio durch die 
Konstitution „Ineffahilis deus''^ (1854)-: Dedaramus',' pronutiamus et 
definimus, doctrinam, quae ienet deatissimäm virginem Mariam in primo 
instanti suae conceptionis fuisse singulari omnipotentis dei gratia et. 
priviUgio, iniuiiu meritorum Christi lesu salvatoris humani generis, ab 
omni originalis culpae labe praeservaiam immunem, esse a Deo revelatam 
atque idcirco ab omnibus fidetibus firmiter constanierque. credendam. 



ii 71. Die Vollendung des römischen Dogmas von der Kirche; 

das vatikanische Konzil. 

V. Münch, Vollst. Sammlg aller älteren u. neueren Konkordate 2 Bde., 
ISSOf. C. Mirbt: Emser Kongreß PEE. V, 342ff. F. Nippold, Handb. d. 
neuesten KG^ Bd. 1 u. 2. Die Constitutiones d. Conc. bei Denzinger 
Enchirid. n. 163üff. n. Mirbt, QueUen z. Gesch. d. Papsttums» 1911, S. 358 ff. 
J. Friedrich, Gesch. d. vat. Konz. 3 Bde. 1877. 83. 89. K. ßenrath, 



r 



§ .71. Das Vaticanum. 161 

Pins IX. PRE. XV, 459 ff. Th. Grander ath, Gesch. d. vat. Konzils 3 Bde. 
1903. C. Mirbt PRE. XX, 44öff. Seeberg DG. IP,448ff. 

1. Der Episkopalismus zählte auch nach dem Tridentinum viele 
Vertreter. In Frankreich hatte die Declaration du clerge de France 
unter Ludwig XIV. die gallikanischen Freiheiten gewahrt (1682), die 
päpstliche Autorität aber beschränkt. In fidei quoque quaestiontbus 
praeeipuas summi pontificis esse partes eiusque decreta ad omnes et 

-singulas eeclesias pertinere, nee tarnen irreformabüe esse iudicium, nisi 
•^ecelesiae consensus aecesserit. 

2. In Deutschland vertrat Nik. v. Hontheim (Febronius) in 
■der Schrift De statu ecclesiae et legitima potestate Homani pontificis 

1763 eindrucksvoll den Episkopalismus. Die Unzufriedenheit der 
Bischöfe mit den- päpstlichen JiTuntien gab Anlaß zur praktischen An- 
wendung dieser Grundsätze, die Emser Punktation (1786), Synode 
■zu Pistoja (1786). Aber Rom beharrte bei seinen Ansprüchen (das 
JBreve „Super soHditate- 1786:; Constitution Auetorem fidei 1794). 
3.. Diesen erwies sich das Zeitalter der Restauration als günstig. 
Die Konkordate (Napoleon 1801, mit vielen Staaten seit 1816) setzten 

■ die Herrschaft des Papstes über die Kirche voraus. Der Kurialismus 
hatte gesiegt. 

4. Das vatikanische Konzil (1869/70) hat durch die Constitutio 

„Pastor aeternus" festgestellt: der Papst ist als Nachfolger des Apostel- 

fürsten verus Christi viearius totiusque ecclesiae eaput et omnium cJtri- 

-siianorunt pater et doetor. Ihm eignet die wirkliche potestas iurisdicti- 

•onis, die sich als ordinaria und immediata auf alle Christen erstreckt. 

In allen Fragen des Glaubens, der Sitte und des IQrchenregimentes 

ist der Papst die irrtumslose Autorität der Kirche: liaque nos . . . 

■ sacro approhante concilio, docemus et divinitus revelatum dogma esse 

■ declaramus: Romanum pontificem, cum ex cathedra loquitur, id est 
■cum ortinium ehristianorum pastoris et doctoris munere füngens, pro 

■ suprema sua apostolica auctoritate doctrinam de fide vel morihus ab 
universa ecelesia tenendam definit, per assistentiam divinam^ ipsi in 

■beato Peiro promissam, ea infallihilitate poliere, qua divinus redemptor 
^cclesiam suam in definienda doetrina de fide vel moribus instructam 
■esse voluit: ideoque eiusmodi Romani pontificis definitiones ex sese, 
non autem ex eonsensu ecclesiae, irreformabiles esse. Si quis autem 
Jiuic nosirae definitioni contradicere, quod deus avertat, praesumpserit, 
■'ünathema sit! 



162 § 72. Schluß. 



§ 72. Sehlufs- 

In der griechisclien Kirclie hat die kirchliche Lehre als solche- 
über die in § 23 charakterisierten Erscheinungen hinaus eine wirkliche^ 
Fortbildung nicht erfahren. Die Dogmenbildung der römischen Kirche- 
haben wir bis auf die Gegenwart verfolgt. Schwierigkeit bereitet 
nur der Abschluß der Dogmeugeschichte auf evangelischem Boden». 
Man kann die Forderung erheben, die Geschicke des evangelischen. 
Dogmas bis auf die Gegenwart zu führen. Es wäre von der Ver- 
steinerung der Lehre in dem Zeitalter der Orthodoxie, von der Er- 
weichung des Dogmas durch den Pietismus und von seiner Auflösung 
durch den Nationalismus, sodann aber von den Deutungen und Älüä- 
deutungen, von dem vertieften V^erständnis und der prinzipiellen- 
Abrogierung, die das Dogma in unserem Jahrhundert betroffen haben;,- 
zu reden. Aber diese Bewegung hat doch weder zur Aufhebung des- 
alten Dogmas noch auch zu einem neuen Dogma geführt. Es wird 
daher bei dem gefundenen Abschluß um so mehr sein Bewenden 
haben dürfen, als die theologischen Disziplinen der Symbolik, sowie- 
der Geschichte der neueren protestantischen Theologie der geschicht- 
lichen Erforschung der Geltung und des Verständnisses des Dogmasi 
in der Gegenwart dienen. 



G. Pätz'sche Bncbdr. Lippert & Co. G. m. b. if., Nanmburs a. d. S- « 



^,Sc\^cv^^c^cvlaQdbü<^^anMunQ ^etnct; ^c^oU, Sei)>3t9 



ewiges Ceben» Tl 



93on ©e^.-5?ot ^rof. D. Dr. 

• eeberg, Scriin. 

5>«Utc 2lttflogc 1918. VIII, 113 0. SR. 2.40, geb. 2R. 3.50. 

$5n!^alt: 1. ®ie Seibtrapenben. 2, Sebeti, altern, fterben, totfein. 3. ®q§ 
-geiftifie ;3(^ unb bte materialifttfdie ©eeJenleöre. 4. gortejtitenj unb f^oi^tleben. 
®ie 9Jeligion§gefd)ic^te. 5. ®ie öerftanbegmäfeige SBetracbtung ber 9Belt. 6. ®ie 
ISelt ol§ Seben unb SStQe. 7. S)ie (grfajfung be§ üebenS. "(Srnpfinbung, StOe, 
Renten. 8. ^a§ geiftige Seben. 9. ®er ®eift unb bie ©elfter. 10. * grotgeS 
■^eiftigeS Seben, ©eligtett. 11. ®te gei^ftörung be§ enitgen feiigen Sebeng burc^ 
iaS ä3öfe. 12. ®ie"erlöfung sunt Seben burd) ben ®etft (Sörifti. 13. „^Jluf= 
-erfle^ung be§ gleiic^e§". 14. ®a§ jüngfte ©eridjt im SiJeuen Scftament. 15. ®a§ 
doppelte (Snbe. 16. Unfere g'urd)t üor bent Sobe. S)q§ perfönlidie fortleben. 
17. (5^üftu§ bte öö^e be§ .®eifte§ u. ba§ ewige Seben. 18. S)a§ eroige Seben int 
ijeutfdjen Ätrd^enüeb. 19. ®ie Unreifen, Ungläubigen unb ba§ e'tüige Seben. 
:50. ®a§ ÜSieberfefien. 21. ®ie eroige Seligfeit. 22. SSeltgeridjt ü. SSeltgeft^ic^te. 
-23. ®ie ööae. 24. groet Sßilber. — 9lnt)ang: S)a§ Dtätfel be§ ©piegelS. 

^aglt^c 32unt>f4)<iu» Setlttt: ^ie ®4>rtft ecrei4)t, tDd5 fic getDOÜti 

" fic legt Sßugnts ob vom Scbcn in bicfcn Sogen großen Sterbens. Unb 

-fiß jeigt uns bie ©en>ifel)eit unfetcs ©loubens in i^tcr ©röfee unb Siefe, 

Sic SSavtbutgi Ss ift für bie Seibtragenben beftimmt, unb l^nen ^at 
^eeberg in ber i^m eigenen einbringlic^en 21rt oieles ju ?agen. 2Bp Srauer 
ift, \cü man bas 93u4) fc^enEen. SKon barf bcs innigften ©on!es gen>ife fein. 

(S^ttftU ^vet^eitt ©as 93u4) ift auf bie ©ebilbetcn unter hm Scib- 
itragenben bes Krieges bere^jnet unb toitb fie förbem. 

^oftttDC Itnton: 0eebergs 95u4> feffelt fo pom Slnfang bis äum (£nbc. 

■©rroögungen itnb \^offnungen öon &ei} diät 5ßrof. D. Dr. ^i. g:«lt«tr0^ SerKn. 
4915. 96 <B. 3njette neubearb. Sluflage. W. 2.60 

;^n;^aU: ®ie grage. — S)ie innere Sage bor b. Kriege. — ®ie inneren 

■'©egenfäge: „sroei SSölfcr". — SbealifeinuS u. JRealiSinuS b. SBeltanfdiauung. — 

^ie relig. (Segenfä^e. — ^tx innere ©eroinn b. Kriege §. — S)a§ nationale 

©mpfinben. — Sie @r!enntni§ b. S8öfen. — S^eali^tnuS u. grömniigfeit. — 2Ba§ 

f ollen roirtun? — ©inroirfg. auf b. ^ugettb. — ®ie Stufg. b. grauenaelt. — 

S)ie beut f die .©tgenart. — S)ie Slufgabe b. @rfenntnt§ b. 53öfen. — ®er SBeg 

ä. ©elbfterl^oltung u. (Entfaltung be§ beutfcften SBefenS. — SSerbinbung ber 

nbealift, u. realift. Senbensen. — ?ßratt. ©btiftentum u. 3beaü§ = 

:mvi§. — ^ixä)l. 9lufgaben b. SanbeSürdie. — f^reie fird){. Sßerbänbe. Sirc^I. 

Ißarteien. — ®ie firdjl. ©inigung. ®eutfd)e§ ©Driftentum. Ueberroinbung 

b. foj. ©egenfä^e, b. innerpolit. 3?euortentterung. — 5){e polit. 

ißaitcien b. ^ufunft, nationaler (5oäiali§mu§. äfeligiöfe .§ilfe sur 

Söfung b. foj. ©ponnungen. — ®er Optimismus b. §offnung. — Siücf- 

Mid unb 2lu§blic£. 

|)ett(f(^_-Döfßif(§c ^iätUtt Slufllärenb unb aufrüttelnb roirft bie ©Ärift, 
^t)effen SSerfaffer oor aüen ©ingen üer:^üten möchte, boß unfer beutfdies 58olt 
tnoÄ einmal roie bor f)unbert Sofien um hie grüc^te feiner Slnftreugungen fomme. 

"^entf^es ^bcfeßfaff : 2Sir ^eifeen biefe fo tn'^altSf^roere ©^rift öon 
:|)etäen roiufommen. 

^tiftes&ampf ber ^e^etmati: ®ie Schrift ift überaus reicb an ©cblag= 
li^tcm ouf 'ba§ gegenroärtige Seben unfereS SSolfeS unb an praftifcben 5ingcr= 
jefgen nad) nationaler, foi^iöler u. fird)li(l)er ©eite ^in. @§ labet pr ©iSfuffion 
^örmli^ ein unb folltc überall S3efprec^ungen jugrunbe gelegt werben. 5ßf. 



31« $>et(^^];if(^e S^cvlagd^iic^^attblg. SOetnet 6c|)oU, Seipst^ 

ß5nigftcoge 25 . 

Die erundwabrbeiten der cbristL Relidiottv 

sson «^tof* D. Dr. K. SeeDcrfi-^crlm. ®crt>fte sittfiogc, 1918. vn,. 

182 ©etten.. 3R. 4.50, !art. 9K. 6.—. 

^n^alti Urjpr. u. 28efen b. SReltgion. ^Religionen b. 2Kenf(]^]§eit u. b.. 
abfoLUieligion. ß^rlftentum oI§ b. abfol. «Religion. S3eroei§ ber a6[oI. «Rettgion.- 
©laube u, Siebe, ©^rtftentum oI§ iporttioe ^Religion. ^iri^I. ®ogma. JOffen^^ 
barung ®otte§ in S- ©^rifto. 3)er freie SRenft^ «. b. ottroirtjorne ®ott. SSefen. 
ber menf^I. ©unbe. Urfprung u. Slu§breitung b. ©ünbe, b. ©rlö^cr b. ©ünbe,. 
5}5erfon S. S^riftt. SSert ß^rifti. ©emeinbe S- e^tiftt, ©ntfte^ung u. ®nt=- 
wicflung b. neuen SebenS b. ©Triften. ®er ftttlii^e Sanii)f um ba§ neue Seben 
unb fein Siel« 

Das S«ä? wenbct fic^ an gebilbete Cfjrifien aller Kreife unb scigt in pofi— 
ttPcm Aufbau bos £^rificntum wie es bcn ©cbilbeten unferet Cogeswgäng- 
lid? gctnadjt »erben fann unb foll. 

IDir bredjen ^ier ab. 3P's bod? nic^t unfere 2tbfidjt, unfercn £cfern burd? biefcgcikn- 
bie Schüre bes Sudjes 5U erfegen unb überflüffig 3U niacf!en, Dielmeijr fie basu ansuregen.^ 
Sie wirb nidjt nur fioljcn <Senu§ gctoätjrcn, fie ifi für ben, ber unterer geitgefdjidjtc auf^ 
mcr!fam fofgt, unerfäglid?; Öenn bas Budi tnirb bic öffentfic^e Disfuffion erljeblid? unb auf 
längere geit becinfluffen. Den €inbrucf aber t»irb jeber burd? basfelbc gewinnen, ba§ es 
etrpas ^errlid?es i^ um ben red?ten perfönlidjcn, ficgtjaften Ctjrtfiusglouben. 

Die HircDe DeutscDIands im i^.Jabrbundert 

@ine ßinfül^rung in bie religiöfen, ti^eolog. unb tixä)L ^Jragen ber ©egenroart. 
SSon ®e£). 3iat $rof. D.Dr. ^* §[«<it«rö^ JBcrIin. 3. erioeiterte Sluff. 191Q'. 
X^ 428 Seiten, m. 9.35. 

^n^alt: I. ®eficbt§i)unfte unb Einteilung. Sfufflärung. ©er aüe 
(glaube. Slaffüer unb SRomantifer, ©oetl^eS relig. Slnfcfiauung, §erber§ 2ln= 
xegungen. ©cfaleiermad)er§ ^Infängc, bic JReben u. b. ?[RorioIogen. S)er lebenbige 
©Ott, b. gettolter b; dvtoednnq. 'SReftauraiion u. SJomantit m b. fat^ol. Sirene.. 
Äampf toiber b. 9JationaH§mu§. Union. ©^leiermact)er al§ "E^eologe u.^ir(^en= 
mann, ^ie Stellung öon Sant, ^egel u. ©(^elling g. ©öriftentuin. Siieologie- 
u. Strebe, bie t^eoL iRidjtungen, Strauß' Seben ^efu. S^eol. aüepriftinatibnen,. 
58auer§ ©teflung in b. (Mefdj. b. S^eologie. U. §ift. u. ipotit. SGSanblungen. . 
SiSmarcf? ©I^riftentum, 9teali§mu§ unb Sbcalt§mu§. ©eiftige SÖSanblungen,. 
^biiojop^ie u. b. ^raft. "iSRaterioIiSmuS. ÜJationalöfonomie, 9faturtDi[fenfd}o>t u. 
®efc^td)te. 92eue «Stimmungen, Sdjopenbauer, ^artmann u. 9iie|fcbe. Silbung, 
Sunft, Siteratur. S)ie ©Triften Don beule, bie Slufgoben b. ^rebigt u. b. i^ö^erett 
5ReIigion§unterri(f)te§. ßtrcbenoerfaffung unb Sirdbenpolitif. S)er ?ßroteftanten= 
öerein, SBefenntniefrage, ©eftierer. S)ie ibeol. ©tanbpunhe: Sonferoatiöe u. 
liberale %i)toloQit, ^ofmann u. ^vant S^eologie IRitfct)I§. S)te bogm. Sluf- 
gaben ber ©egentoart. ©jegetifcöe u. ^iftor. Sbeologie. Snitere unb äußere- 
SRijrion. Sirdje u. fo§iaIe f^rage. (£inbeit§tenbenäen in b. eoangel. Eircfie^ 
33ttcf auf bie röm.s!at:^. ^ir«^e, S(^lu§. .\ 

0Dri$t]id)cr Bud)er$d)MZ: 

®§ ift eine roabre Suft, bem SSerfaffer auf feinen lii^tbollen imponierenb 
fid&eren ©äugen burdj ba§ gobröunbert gu folgen, auf benen er in ftegcefreübigem:. 
SBertrauen ba§ alte Sieb oom alten ©ott i^ört, aucö in ben Sab^rinttien menfc^= 
liefen ;5rrtum§. ®a§ S3ucb bat trog feine§ fubjeftiöen (5infd)lag« ben 3ßert einer 
3eiturtunbe, ttieil e§ ben Satfocben ibr 3ieci)t läfet unb auf ber §öbe nüebterncr 
©rfaffung 'be§ Sleibenben unb Sebeutenben flebt. S)er ©til ift glänsenb. ... 



/ 



3(. ^ei^^crt'fcf^e ^^vlaQsbu^^blQ* ^evitcv @4>oU, Sct)>3!g 

Ä5nlgftca§c 25 



\. Bb.: Die Jlnfängebes Doamas im nacbapoftolifdjen utib 
altfatljoUfdjen Zeitalter. 1908. X, 570 5.' 16.— 

2. aSb. : Die Dogmcttbilbung bev 2llten Kircbc. 1910. XVI, 
538 5. . 15.60 

3. 13b.: Dogmctigefc^ic^tc bes mittelaltei-s. 1913. XX, 671 5. 

21.45 
^. 23b.: Die (£ntflefjung bes proteftantifdjen £cbrbcgrifs. 

t.. 2Ibt.: Die £etjrc £uttjcrs. 1917. 405 5. 10.50 

— ^ 5er «Irfiirung t>e$ gßrtdttsgfattBctts. V, 62 5. 1914. 2.35 
Sn^alt: 1. S^fu ©elbftseugniS oon feiner ©ott^eit; ber 
®otteegetft unb bie ©otteijoönfdöaft. , 2. ®te ^2lufeifte{)utig, ba§ 
fyorttDtrfen be§ ©eifte§ unb bit f^ortcEtftpnä Sef"- 3- ®er 
urc&riftlicfte E^rifhj§gIoube, bie triabtfcbe f^ormel. 4. S}er 
e]|riftu§fultu§ unb berÄt)rio§. 5, ®er ©tun be§ ßl)riD§titeI§. 
6. S)te Stnroenbung beö fit)rio§titeI§ bei $ßaulu§. 7. ®te 55e= 
beutung be§ ÄqrioStitelä bei $aulu§. 8. .®runbrife ber paultn. 
©ftrtftologie. 9. Sogo§, Kbriftug, ®oite§fot)n bei Soöanne§. 
10. S). ©ntrotdiungäftabien b. S^riftuSglaubenö t. b. Urc^rtftentunt. 

— ^ ^ttS ;gtertgton itnb ^efiSii^te, I. Bibltf^cs unb 
Ktrdjcngcfdjtc^tltc^es. 1906. 711,400 5. 8.45 

Sn^cilt: ®te 9f2a^foIge ß^riftt. Evangelium quadraginta 
dierum. SSorte :^efu. ^aulu§ u. Sef"§- 8"^ ßfiaratteriTtif b. 
3lp. 3o:öanne§. ku'ß u. Ä^anon. Ueber ba§ Üteben b. fymuen in 
b. apoftol. ©enteinben. SSarutn öerfolgte b. römifdje (Staat b. 
©^ritten? ^ermann öon ©djeba. §einrtd) ©eufe. . Sutt)er§ 
©teüung gu b. fittl. u. Jovial. Sflötzn f. 3^^* it- ^Ö'^s öoibilbf. 
SSebeutung f. b. eDong. ^rc^e, ®te ©teflung 93?eIanct)tbon§ in 
b. ©efcbid^tc b. Sirdie u. b. ?S5iffenfd)aft. 3um ®ebäct)tni§ 
©pener§. SSlilon,. ^atriarc^ öon Stufelonb. 5ßapl"t Seo XTTT. 
©c^leierma^er. gr. §. 3t. ö. f^ranf. 

n. §ur fYftematif^cn Cl^ßologte. Jtbijanblungen unb 
Porträge- 1909. VII, 395 5. 8.60 

.^n^alt: ®ef(]^i^t§pt)tIofop^ij(^e (Sebanfen gu ©f^amberlainS 
„©runblagen be§ neunseiinten Siö^'Ö"itöert§". Sl. t). Oettingen. 

. ®ie ?[l?obeme u. b. ^ringipien b. Sbeologie. S)ie ?Sat)rbeit b. 

. 6|)riftenium§. ®ie Strdje u. b. gortfdiritt. ®er eoang. ®laube 
u. b. 2;at)ad)en b. §eil§gefct)t(^te. Sancta trinitas. ©ewiffen u. 
®eiDiffen§biIbung. 38er" mar Sefu§? Saufe u. Sinbertaufe. ®a§ 
Slbenbma^l im vi. %. ®ie hrd)li(ft f o^iale Qbee u. b. Slufgaben 
b. S^eologie b. ©egenmart. ®ie ßuJunft b. ^irdje. 

1911. vnr, 

3.90 

— ^ <^tii^et tt. c^ttfßcrftttjt in ber ncncftctt hattet, ^efcuj^iuttg. 
3. 2luf[. 1904. 31 3. —.80 

—t S-^t^^t$ ^telTung p ben ütttit^ett nttb fojiafett ^öien 
feiner ^eif unb ihre DorbtlbliAc Bcbeutung f. bie et». Kirdje. 
1902. 32 5. -.80 

—1 5« <Äpofoöet ürifiibes. Cert u. ctnleitenbe Unterfucbungen. 
1894. VI, 67 5: 2.60 

— , 33ratt(§en wir ein ntne$ "^o^vtct^ 1892. 42 5. —.80 



-, Sifftem ber #t6iß im (Srunbriß bargeflettt. 
147 5. 



31* S>ct(^e¥tfc|)6 ^^vlaQshudf^blQ* ^entet! Qdfott, Sctpgtg 

^önigftcage 25 



^Si^brrSt H., per ^eßnrtenrfijßgang in peutfi^Canb. €me 

fosialettiifdjc Stubtc. 1913. 80 5.' 2.35 

— ^ ^ttttt bogmatifj^ett ^«fläitbnie ber 'gtiitifäfjsfeßrc. 19üa. 
30 5. 1.05 

— ^ |)i(! ^ir(§e n. hU fo^iatc gtragc. 1897. 44 5. 1.— 

— , D. «Äff« 9 §cc6crg. IDorte bcs ©ebädjtniffes an bcn ^eiin= 
gegangenen unb 2irbetten ans feinem Ztadjla§. XTiit einem 
Silönis. 1916. 116 5. - 3.10 

§toedteVi 21., ^cbcn unb ^ufß^e mit einer biograpljif^en (Ein= 
leitung tjerausgegcbcn non (5ctj.=Hat Prof. D. Dr. H. Seeberg. 
1913. 276. 5. 5.85 

^nl^alt: Sinleitunq. Slboff ©toecfer al§ fiefdiiditl. ^etJDnlid)= 
fett. ©ebäcötniSrebe d. 3?ein:§olb ©eeberg. 1. SOJe^er (Jrinneruntien 
(1902). 2. ®ie bret «ßolabtne b. alten taifer^ (1906). 13 Saf)re 
§ofprebiger u. «ßolttiter (1895). SSorroort. ®ie falfiie ^arteC^ 
^olitit ®eutfd)lanb§ iBer{)änflni§. I. S)ie iSalberfeeoerfammlung. 
n. ®er ^ampf um b. neuen ßur§. III. §ürft Söt^mard u. b. 
{S;^iiftI.=©Oi^taten. IV. ^Dcein ^am)3f um§ ©afetn. V. «iein 21B= 
fcöieb ö. ^ofprebigeramt. 4. ®ie ^-Berliner s^eroegung ein ©tüd 
btfcör. (Srroecfung. 5. ®ie Slnfänge bev antijüoifdien ^-Beroegung 
in ^-Berlin (<vubiläum§betrac^tung) (1906). 6. e^rtftI.=foüaI, eüang.= 
fo^ial, firc^I.=fpä'al (1904). 7. ©ojialbemofratifdj, fo^ialiftif^ u. 
(^riftl.^fo^. (1880). 8. ©oätalbemofratteu. SDäiaimonat^ie(1891). 
9. SDte diriftl. ©ittlidifett in i^rer 93ebeutung f. 5öoIt§= u. 5Söl!et= 
leben [lüQi). 10. ®a§ döriftl. eittliilifeitSibeal u. b. ©oet^ebunb. 
11. i^xe Stnberungen b. bisi)er. ÄonfirmationSprojiS. 12. (Sinige 
Ä>vnn3ortc2lbolf@toerfer§. ©03. fyrage u. ^o^ialbemofratie. SSoIf 
u.©taat. 9JeIigionu.9[)catertaIi0mu§. Ätrd)e,^ibelu.®^rlftentum. 

BeebevQ^ 21., |>ic plöacfie bes ^ttbcniutns «nb bcr^^rc^rifien- 
lldU 1908. VI, 122 5. 4.55 

S n 1^ a 1 1 : 1. ®ie SSege. 11. ®te ®otte§teßre. III. ®a§ e§d)atü= 
Iogifd)e Se^rftüd. IV. ®a§ 6dE)ema u. ber göttlicfie 9?ame. V. 3){e 
SiDad)e u. bie ©efdjtc^te be§ Se^rftoffS im l. Safirtjunbert. 

— , 5ie ßeibm ?5etic u. boö ^po(tett>e&xet. 1906. II, 105 5. 3.25 

Sn^alt: (ginleitimg. I. ®er Slnfang bet SSege. 11. Seiu§ 
u. bie jübifcf)en SBege. III. ®ie,@peifegebDte ber c^riftl. 3Bege 
im 2. So^r^. IV. 5)a§ Iutanifd)e 'Jl^oftelbetret. V. "SaS gef(i)ict)tl. 
Slpofielbefret. 9'?ad)trag: Sofep|u§ unb bie jübifc^en SSege. 
©teUenregtfter. 

— » per ^aie($iömtt5 ber ^rt^rificn^cif. 1903. IV, 281 5. 7.80 

— , ^^riflti 2^erfon it. SSerß n. b. £etjre f. 3ünger. 10. m, 109 5. 3.65 

Snl)ait: I. ®jiften§, Serroenbung, Silter unb Urfprung be§ 
apo^tol Se^rftücf§. n. (Sfirifti SSerf nac^ bem apoftol. Seljrftüd. 
m. S^rifti ^erfott narf) bm apoftol. Seörftüd. IV. ß^rtfti 
5)ierfon u. SSer! im Sid)te be§ apoftol. üe^rftücfS. 

—, pas ^uattfleftttm ^^rifli. 1905. IV, 139 5. 3 90 

:3n]§alt: (ginleitung. I. 2;eil, ®ie ©laubenSforriiel in ben 
@d)vitten be§ 1. ^aiixt). 11. Xeil, ®a§ ©öangelium in ben 
©rf)riften be§ 1. ^af)xf). III. Seil, ®te ©laubenSformel unb 
ba§ ©Dangeltum. 

— , per itob ^^riffi in feiner ^Scbeufung für bie frföfttna. 

(Eine btbl.=tljeol. Unterfudjung. 1895. VUI, 384 5. 7.15 

— , 5ie JlnBeftttts bes ^^errn ßei ^aitfus. 1891. 67 5. 1.05 



3i* Oct^cvtfc^c 93c]!lage&u4^dnb(ung SOctsttct! ^c^oU, Sct)>3is 

: Söhigftrafec 25 

Oademecum für attdebende Cbeologen 

öon Dr. gv^ ^* |l* t>+ ^runk« 3tt>cltc Siuftage bearb. u. gefürjt ooit 
$rof.D.8l.^«®rtt%itt<id|ei?, erlangen. 1918. 265©. 2JJ. 5.— , geb. 2Ä. 6.50 

, Sn^alt: I. £ebcit§ttu§ftd)teit. — IL 2)Ctt attfrit^tigcn lößt c§ ®ott ge= 
littgem — III. JSnfang b. ttniDerfttatSflubtumä. 0ieltgionöunterrid)t. Stöeolog» 
©djimertgletten a. b. Unto. @d)riftlejung u. ®ebet. söilbung b. tf)eoCog. Uebers 
jeugung. ©lubium b. ^Öilofo:pbte. ©mbtum b. oQg. SJeligiönSgeicfii^te. ©tu- 
biura b. alt. ©pradjen u. b. ©eutfcben. ©tubium b. liebr. ©prad)e. ©etointt 
e. allgem. SBUbung. — IV. UnitierfitötSIelien. Uninerfiiäten i. 'üJattelalter u. L 
b. SRefortnationS^ett. Untberfitäten t. 17. u. 18. ^aitx^. IXniöerfttäten t. 19. 
u. 20. $^a^r^. (SnttDtdlung b. ©tubententumS i. 19. ga^r^. Stfabem. greifieit 
©emeinfdjaft u. f^teunbfdioft. ©tubent. (SemetnfcfiaftSformen. SSerbinbungäroefett. 
SSerlobungen. ^a.l)l b.^farrfrau. ßönftl. SSerbinbungen. ^'ueü. SoUegbefu^.. 
SBec^fel' b.-^ Unio. — V. SMtttc u. ©nDc b. UniuerfttofSflubtumö. ©tubium b. 
f^jierttat. Söeolog. SfJaturtüifienidjaftl. Probleme, ©rfenntnietfieorie. 9?atürl. 
U. geiftl. (£rtenntni§. ßird)l. iJei)rentn)icElung. Oefumen. Sutfeertum. S^eologie 
b. alt. Sircöe u. b. 9D?itteIalter§. Sul^er u. ^JKelancöteiDn. Sut^er. S3etennini§= 
fcöriften. ©ogmattf b. 16. u. 17. Saör^. $ßieti§inuä, 5ßötIo}opl)ie, OiattünaIt§=^ 
inu§ SKoniftifdje ^^ilofopfjie. ©cfiletermodier. Sielt, libetale Si)eologie. 9?euere 
!ird)I. ^^eologte. Otitidjlfdje Stieologie. S- S'aftan u. SB, ^errmann. ^aniacE. 
Sie „l^iftor." :3efu§bilber. 9ieligion§gefct)id)tI. Stjeologie. SfJeupvoteÜantiömuS^ 
(Srianger Sfieologen: ipofmattn, graut, ^tjxnd^. SBibl. S^eologie: Sremer u. 
^ä^Ier. ^rebigt u. ^atedjefe. &^. ■ißrebigten. ©rfte .^rebigten. Simrgie, Jäirdiens 
lieb, ®rbauunfl§literatur. — VI. ^erfönü^e SelienS^attung. Sugenblidjfeit. ®epo= 
fuion. 9Kannt)eit. SlmtSroürbe. SSerfeftigung. ©eiftige ©elbftäu(^t. ©elbflbc* 
lerrfc^ung. Gattung. ^i)v feib ©tiriftt. 2lEe§ ift ©uer, 

SSon ®e^.=9Jat IJirof. D.Dr. |>mil ^H»0 in |)allc a.b.®. 1918.- 72 ©. «Ut. 2.— 

S^'Ööft: 1. ®ie heutigen Slnfcfiauungen in ?G3iffenfd)oft, ftircöe unb Seben. 
2. S)ie ©etöife^eit ber ©rreicbung be§ bem 'iJJienfct)en burd) bie Sdjöptungbeftimmten: 
3'ele§. 3. ®er ßuftanb alebaiö nad) bem Sobe. 4. ®ie Se^re Don ber SBieöers 
Iierfteßung aller Singe. 5. Sie ijefire öon ber ©eeIenDemid)tung. 6. Ser Slb- 
f^Iu^ ber SBeltgeit unb hiz 9lufrid)tung be§ 9ieic^e§ ©otteS. 

@§ gibt toD^l !aum eine f^rrage, bie befinnlic^e Kfiriftengemütet legt mCör 
Bewegte, al§ ha§ alte, grofee, immer seitgemäfte Problem: 'JBie ift'§ mit 
einem Seben nac^ bem £obe? Ser 58erf. lagt in ber Dorliegenben ©djrift 
]^D(ftft SBertDoIIe? ju biefer. fd)iDierigen ©adje unb fü^rt überjeugenb au§, ba^ 
bie djriftlidjen Soten weiterleben werben; ba§ ®ntfd)eibenbe ift if)re bejaöenbe 
über öerneinenbe ©tellung gu ^efu§, jolange [ie nod) im ©rbenleben waren. 

Die Gegenwart und das Ende der Dinge; 

95on .©el>.-5lat Sßrof. D. P. Tcine, $allc o. S. 3. Stuflagc. 1919. 40 e. 
m. I.— 

Sn^ölt: heutige ©timmen über ba^ ^nbi ber Singe. — Sie ?ßerTon 
^Pf« oI§ UKtttelpuntt ber ©efdjtdjte. — 9Bie bmmt ba^ SRetc^ ®otte§? — 3«= 
jtanb ber SSoüenbung. — SG3ann tommt ba§ ©übe ber Singe. 

(£§ ift jo redit geeignet, über ein fd&wierigeS ©ebiet aufsuflären unb etncit 
ernften unb boc^ freubigen 3iif«nfi§9^ttw6en gu ftügen unb gu fiärten. 



l.§eft:^Öt?er, Pidielnitgeinr« ilemltVillttlt^ Son «JJxof. D.i)r. 
Ijon« ilwug» erlangen. 1918. 83®. S0t. 2.70, fart. 2R. 3.50 

@rtt^mad)er, ©riangen. 1918. 92 @. 2R. 2.70, !art. m. 3.50 

. ®er ^ö^enäug ntenfdölidier ©efdötcfite liegt in ber ©efd^i^te ber Seben§= 
ibettie, bie in großen gefdiicbtltd)en ^erfönlid)!eiten öerJörpert, beftimmtc d|araf= 
leriftifc^e Sefaen§[tile gefdiaffen fiafaen. göre §aupttD:|)en toiü eine 3fJei§e öon 
^eften unter bem (Sefamttitel „®ie Seben§tbeole ber 9Jienfcö:öeit" fc^ilbern. ®rei 
öer größten Äünftler, ®ürer, SJZtdielangelo, 3?enibranbt, bie äugleicfi 2JJenf4ett 
uon befonberer ©tgenart roaren unb S)enfer, welche bie legten Siefeh be§ reli= 
igiöfen unb ftttlid)'en Seben§ burc^mafeen, fdiilbert f^irü^enben ®eifte§ unb in 
glänäenbfter f^orm ^rofeffor D. Dr. ^reu| im 1. ^eft. ®ie brei großen Seben§= 
lebrer be§ alten 2l|'ien§, roeldje bie ^öeole ber einen §älfte ber 9Kenfd^:^eit gefcöaffett, 
^onfugiuS in ©öina, ^3nbb^a in Snbien, gorat^uftro in ^erRen, beftanbelt in 
einem äroeiten . §efte ^ßrof. D. 9?. |). ©rü^macfier. ^n forgfältig au§genjät)Iten 
ÜlueUenftüden fommen fte felbft gu SJörte unb entfalten einen eigentümli(^ fremb= 
länbif^en 9?eiä, ber ober nid)t Derfü^rerifd) roirft, meil bie ploftif^e (Segenöber= 
jteQung.nttt abenblänbtfdjen ©eifteSjuerlen gu itirer redeten ©infdiägung onleitet.. 
SBir sröeifeln «icbt, baß iit in fianblii^em Safdjenforntat erf^ienenen beiben leidjten 
Sänbcben nii^t nur in ber ^eintat, fonbem au^ im gelbe i^ren SBeg 5U üielen 
Sefern finben unb in ber geit innerer 5Rot geiftig er'^ebenb unb erfrif^cnb rotrfcn 
toerben. 

€in SSegmeifer für fuAenbe unb benfenbe SJZenfc^en öon 9lrc^ibiofonu§ Dr. 
Utrt^ur ^OiVfitfeVi Setpjig. 1918. • 72 ©eiten. m. 2.—; fort. m. 2.80 

S n ^ a 1 1 : I. Sann e§ auf reltgiöfem ® ebiete eijie toirllic^e (S etoifel^eit geben ? 
II. 2Bar ^efu§ me^r al§ ein blofeer SJJenfrf)? III. §at hk SSeltgefdjic^te einen 
Sinn? IV. i£ann un§ bie 9Jatur ba§ Stötfel be§ Seben§ löfen? 

S)ie ?lu§fii^rungen finb ni^t etma im eigentlichen ßrBauungStone gehalten; 
aber fte bürfen bod) al§ 3sugniffe angef proben werben, bie innerli^ ergeben 
anb befeftigen mödjten, weil fie felbft au§ ben Duellen djriftlidjer $eil§= unb 
SBa:örI}eit§geroi6öett fdiöpfen. ©udjenbe unb benfenbe ©eifter roerben $ier einen 
Son öon c^riftltdier SSeltanfdtouung finben, ber aud) mitten im mobemen ^ultut= 
leben feine überseugenbe ^raft entfalten fonn. 

|l n n e r ]1: e ^ ^ i m ai l 

aBorte be§ SroffeS für SJJenfc^en bon ^eute Don 9lrc^ibia!onu§ Dr. ^vtltnv 
$(^r5J»er, Seip^ig. 1918. 26 @. ^ m. —.50 

Sn^alt: S)a§ ®ebot ber ©tunbe. — ^nn^fte Heimat. — SGSatum? — 
®o tft ber liebe ©ott? — SBirflidjer Sroft. — ®er SBIid auf§ gfflige. — SJon 
iommenben fingen. — S)er rechte ®eift. r— SReligiöfe Srrgeifter. — ®{e'®anäen 
itnb bie öatben. — Xreibenbe ^äfte. — Sräumenbe SSünf^e. — ©timmungen. 
— Sllfo ! ^erg, la% Sein ©orgcn fein ! — ®ie' ©e^nfu(^t nac^ bem Seben. 

<5§ finb njirflid^e Sroftmorte fiir ©egenroartSmenfdien. ©ie paffen fo 
Tedöt in biefe fditoere geit nac^ bem Kriege. '9Zi^t al§ ob fte in gingelfrogen 
be§ öjirtfdjaftlidj'en SebenS ober bgl. eingriffen, aber fte ftellen afle fjwgen unb 
^öte, unb Dor allem bie be§ innerften gixl^leng unb ®enfen§, in ben er^ebenbcn 
Sic^tErei§ be§ ©roigen. 

^* 90t(^ei;tf(^e SSwlaQsbu^^anblunQ SBcvnev 6(^oIIy Seii^sig 

Sönigftrafec 25 . 








•-«Lf-CS^^iP-sS 






^^s&s^>& 



s*^ % 



&s?^^-v 



- x--^ 



w ^y^s^ ■^yll 









^ 






1, 



^^^ 



<rtfc 



'^^J^iiansgT von Pt&f.D. €. Stange. 

1904. XrV, 74 5. 2.10 

2. pt«^{ttcn6<!r8«jHrftftcri).i536D.(S.mcn^. 05.795.2.10 

" 3. ^etbefOctöet ilr^tcj^tsmus o. 21. £ an g. 1907. 218 5. 7.80 

> 'i^. ^ntffets sermo de poenitentia D.€.^.^if^er. 06. 37 5. 1.05 

5. pie Jii>))eiratton it. '^rofefiatton bei: cDaitgcnftfien ^tanbe 
. a.b. gleii^stag su §pekx 1539 d. 3. H c y. 1906. 96 5. 2.35 

- 6. '^tßanits ^^egiits: ^te matt fütfid^tigfiiQ üben foS 

oon 2J. Utf elcy. 1908. 96 5. 2.60 

7.' t^Ctffogia Jcutfi^ oon £?. 211 an ö c I. 1908. 114 5. 3.40 

8. De libero arbitrio per Desidermn Erasmnm Botero- 

' damunL con 3. 0. XD alter. 1910. XXXIQ, 92 5. 3.65. 

9. ^r. ^(ßfeiertitat^er, |>eir <^i:i(trt<Qe ^Taitße nä^^ bett <Sr»nb= 
fä^en ber eo. Kirrte im §ufammcnljang bargeft. ICrit. 2l»sg. 
V. (£.5 tangc. t.CctI: Dte(Etnlci,tnng.l910. yin,2265. 5.— 

^0. ^tiebrtd^ ^($retei;tna(9er5 ^tttje J>at^effttitg b. %^eot. 
Btitbinmö. Krittf dje Slusg. m. Heg. oon ß. 5 d) 1 3. 1910. 
XXXVI, ni u. 134 5. 3.25 

iL^ ^tttnbtittten b«r '^Qeorogie ^.^6ir. ^. o. ^oftttattttd in f. 

eigenen Darjletrungo. 3. JEjauflett er. 1910. Xn,825. 2.10 

\2. ^nf^ets ^roHer ^aie^i$tm$. Cejtatisgabe mit Kenn» 

Set^nung feiner prebigtgrnnblogen nnb €inlcitnng ron 

' 3. zncycr. 1914. 186 5. 5.— 

^nnfdjii €., ^ef^i^U bet '^äbagogiß n. bes geleierten Untere 
- ric^ts im Jlbriffe. 4. 2Jufr. 1914. X, 206 5. 4.40 

§tt^ft^i €•, fuatiöclfri^e ^omitem. (Ein £eitf aben für 5tn= 
bterenbe unb Kanbibaten. 1913. 182 5. 4.70 

$i^ii«)k«r', <E., %^eoienttif^e f ipeofogie. <£ine Hnterfuc^ung 

^3. bogmat prinsipienleljre. I. gefdbicbtl. Seil. 2. nmgearb. n. 

Dcrm^^lufr. 1916. VII, 211 5. 5.20/ geb. 6.50 

IL fyjiemot. Ccil. 1914. VHI, 324 5. 8.85 

$t«iitl>jrikt 3v 5« <^onflritiaiibetiitnlwiri(§t nac^ Stoffioalil. 
£liaraheru.21ufl)au. 2.2lufl. 1913. VII,1325. 3.65, geb. 4.40 

— , (^e$i:6tt($ ber airt^fif^ett^ttgenberiiel^tttto («^atei^diß). 
1914. XI, 318 5. 8.85, geb. 10.80 

®r^(uk«irtf p./ ?ie ititDetänberte JiitgsSttrfi.^onfeffion b«ntfd; 
u. latein. ICrit. 2lusg. IRit 2 Kunpeilag. 1901. Vm, 231 5. 9.10 

, €c5t=2lusgabc. 1901. 54 5. 1.30 

3i>%*>«i^^-/ ^{ttfeilung in bas "^mt feflatiteitt. 3,2[n% 2 3be. 
"-.'1. 1906. VI, 495 5.; n. 1907. IV, 668 5. 30.— 

;— f ^tttttbrig ber i^efi^tAie be$ ttenle^atttettlf. c$<t)t0«9. (Eine 
^ ' Srgänsung 3U ber (Einleitung in bas ZI. C. 3. »erm. ti. »iclf. 
,:^oerbejf. 2luf[. 1904 92 5. 3.65 



1. öeft: ^ttrCi% Plll|elfttt$eior« ^^mhvanhU 55on 5}5rof. D.Dr. 
gttitö lltrettß, erlangen. 1918. SH ©. SÖl. 2.70, fort. W. 3.50 

©cit^madjcr, Erlangen. 1918. 92 ©. 501. 2.70, fart. m. 3.50 

. S)er §öf)enäuc5 menfdilidier ©efdiidite liegt in ber ©cfc^idite ber Sefaen§= 
ibeale, bie in großen gefdnchtüdjen ?ßerfi5nUd)feiten t5erfi5r:|3ert, beftimmte cf)araf= 
leriftiid}e SebenSfttle gefdiaffen traben. Stire §aupltt)pen toiü eine dttiije. Don 
heften unter bem (Sefamttitel „®ie Sebensibeale ber SJJenfdifiett" fd)ilbern. ®rei 
ber größten ftünftter, ®ürer, 5)JiidieIangeIo, Diembranbt, bie gugleid) 9)?enfcöen 
:3Dn beionberer (Jngenavt icaren unb ®en£er, nieldje bie Ie|ten Siefen be§ Teli= 
gibfen unb fittlidjen Seben§ burdimafeen, fdiilbert fprüljenben ®eifte§ unb in 
glänäenbfter g-orm ^rofeffor D. Dr. ^reufe im 1. .t)eft. 5)ie brei großen Seben§= 
lebrer hc^ ahm ^3tfien§, xoiid)c. bie ^Male ber einen §älfte ber SKenfd^fjeit gefdiaffen, 
.f onfujiuS in Söina, ^öubb^a in Qnbien, 3öT^"i^"fti^'t ^k ^erften, betianbelt in 
iinem gmeiten .fiefie $rof. D. SR. .p. ©rüljmadier. ^n forgfälttg auSgeioätilten 
Quellen ftüden fommen fte felbft ^u 'äBorte unb entfalten einen eigentümlid) fremb= 
länbtid)eu 9\eiä, ber aber nidit tierfü{)rerifd) raitü, Jüetl bie t)Iafiijd}e ©egenüber^ 
fteüung mit abenblcinbifdien ©eifteSraerten 3U i:^rer rediten ginfci^ögung anleitet. 
Sir sröeifeln nidit, boß bk in öanblidiem 2;afd)enformat erfd)ienenen beiben leidjten 
•^Bänbctien nidit nur in ber ^eimot, fonbcrn and) im gelbe itiren SESeg gu Dielen 
Sefern finDen unb in Der Qeit innerer 9tot geiftig erf^cbenb unb erfrifdjenb rotrten 
i'üerbcn. 



^in SBegroeifer für fudienbe unb benfenbe älZenfc^en Don 9lrd)ibiafomt§ Dr. 
^rttrutr §dnr5J»«r, Sei^jjig. 1918. - 72 Seiten. 9K. 2,^, !art. 9K. 2.80 

Ign^alt: I. .^ann e§ auf religiijfem ©ebiete eine iüirllid)e ©eiüipeit geben? 
11. ^ar ^e)u§ nie^r al§ ein blofeer 93Jenfd)? III. öat hie. 5BeItgefd)id)tc einen 
Sinn? IV. ^iann un§ bie 9Zatur ha§> Diätfel be§ Seben§ löfen? 

Sie ?IuefüC}rungen finb nid)t etwa im eigentlid)en @rBauung§tone ge^^alten; 
aber fte Dürfen bodi al§ g^^S^^ff^ angefprod^en werben, bie innerlid) ergeben 
itnb beieftigen möditen, meil fte felbft au§ ben Quellen diriftlidjer .§eil§= unb 
Sa^rbeitSgemiBtieit fdiö^fen. ©udienbe unb ben!enbe ©eifter werben Ijier einen 
Xon Don d)riftltdier 3Beltanfdiauung ftnben, ber and) mitten im mobernen Äultui:^ 
leben feine überseugenbe Ä'raft entfalten fann. 



Sorte be§ SrofteS für 93knfd]en Don ^eutc Don 9trc^ibiafonu§ Dr. ^vtljinv 
^äiv'itfßV, Seipütg. 1918. 26 @. m. —.50 

Sn^alt: ®a§ ©ebot ber ©tunbe. — ^nnerfte /peimat. — 3Barum? — 
So tft ber liebe ©olt? — Sirflidier Sroft. — ®er SSüd auf§ (giuige. — SSon 
fommenben 'Singen. — 5)er red)te ©eift. — Üieligiöfe S^^rgeifter. — ®ie ©angen 
iinb bie öalben. — Sreibenbe strafte. — Sräumenbe SBünfd)e. — ©timmungen. 
— 2lUo! ^erg, laB Sein (Sorgen fein! — ®ie ©ef)nfud)t nad) bem Seben. 

@§ fnb loirfüdje Sroftmorte für ©egenmartSmenfdien. ©ie ^joffen fo 
^edit in biefe fdiroere ^dt nad) bem Kriege. '9?id)t al§ ob fie in ©in^elfragen 
JeS ttiirtfd)afilid)en S^ebcnS ober bgl. eingriffen, aber fie fteflen alle fyrogen unb 
9?öte, unb Dor aßem bie be§ innerften güi^Icnä unb S)cnfen§, in ben er^ebenben 
-Sid^ttreiü be§ ©rotgen. 

M* S>etc^evtfc^e S3cvIagdbuc^|)attMuitg 30ei;ttc]; ^c^oll, Sctpjig 

Sönigftca^e 25 



31* 9ct4)ici!t'f4^e S3e¥lagdbii4)|>blg« ^ctnct Qdfvll, Scf|>atg 

Äönigfteage 25 



^cransg, oon Prof. D. €. Stange. 

^. 5tcäKc(icttrf^if<5cn5i$i>tt(attoncttj:ttlßet5 P.C.Stange/ 
1904. XrV, 74 5. 2.10 

2. 5)ie^t«ettßer9er|ltttftcCt).l536 o.(5.men^. 05. 795.2.10 

3. ^eitteißexaev ^nf ct^WOTUs d. :Jt. £ a n g. 1907. 218 5. 7.80 
^. f^tti^crs sermo de poenitentia o.cE.^J.^ifdjer. 06. 37 5. 1.05 

5. pic Jljjjicffafton tt. '^toteftaüon hev evan^eüfd^en ^tänbe 
0.i>.ilei(^5ta9 3tt$}»cicrl529D.3.ZlcY. 1906. 96 5. 2.35 

6. ilrOantts iglßcgius: piic man fur|l(§ligft(^ rcbcti foff 

Don 21. UcFclcy. 1908. 96 5. 2.60 

7. t^eofogtit 5ßitf (($ Don ^. IHanbcI. 1908. 114 5. 3.40 

8. De libero arbitrio per Desiderum Erasmum Botero- 
damum von 3. o. IDaltcr. 1910. XXXTTI, 92 5. 3.65 

9. §tr. |i(5fcicrma($cr, per j^riflEfitOc ^fauße na^ bcn (Srunb= 
fä^en ber er». Ktrd^c int §ufammcnl|ang bargefi. Krit. 2lusg. 
D. £. 5 1 a n 9 c. ]( .Ceti : Die (Einleitung. 1910. VIII, 226 5. 5.— 

i^o. ^ncbrtjß ^rfjfeiermarfiers «^tttje "^axßeKunci b. "g^cof. 
I^iitbttttnd. Kritif^e 2tusg. tn. Heg. von ß. Sdjols. 1910. 
XXXVI, m u. 134 5. 3.25 

U. ^irunbfttttcn ber %^eo£ociic 5« ^p» St» »• ^oftttaitttö in f. 
eigenen DarfteUung D.^.jjaugleitcr. 1910. XH, 82 5. 2.10 

\2. J^td^exö ^vo^cx ^ate(^i$mn$, Eejtausgabe mit Kenn= 
3eidjnung "^feiner prebigtgrunblagen nnb (Einleitung oon 
3. ITtever. 1914. 186 5. 5.— 

^nttfil^) £., ^ef^i^te hex "^cbagogiß u. bcs geleljrtcn Untere 
rid?ts im Jlbriffe. 4» 2Iufr. 1914. X, 206 5. 4.40 

^ndiffti €., f »angcKfc^c ^^omirefiß. (Ein £cttfaben für 5tu= 
bierenbe unb Kanbibaten. 1913. 182 5. 4.70 

^^aiciitVi (E., %^eo^eutxif^e '^^eofogte. (Eine Unterfuc^ung 
3. bogmat. prtrtstptenletjre. I. gefdjic^tl. Ceti. 2. nmgearb. u. 
oerm. Muflf. 1916. VII, 211 5. 5.20, geb. 6.50 

II. fYftemat. Seil. 1914. Vni,324 5. 8.85 

^Ulnbtiiki 3., 5« ^onfixmanhennniexxi^t nadj Stoffajaljl. 
(Iljarafteru.2Iufbau. 2.2lufl. 1913. VII, 132 5. 3.65, geb. 4.40 

— , ^c^x&u^ ber ßtr<§ft(§ett ^ttgenbcrsic^nng i^aie^em). 
1914. XI, 318 5. 8.85, geb. 10.80 

@!r<i^it^«irtf p., ?te ttnwcränberic ^itgsßurg. .^onfef/lon bcutf(^ 
u. lotein. Krit. 2Iusg. mit 2 Kunftbeilag. 1901. VIH, 231 5. 9.10 

, Cejt-Jtusgabe. 1901. 54 5. 1.30 

5rt^«, Cfj., f infeUung in has ^ene %eßammU 3. 2Infr. 2 3bc. 
1. 1906. VI, 495 5.; IL 1907. IV, 668 5. 30.— 

— f ^ritnbrtg ber ^efc^itfite be5 neute^atnentr. Kanons, (Eine 
€rgän5ung 3U ber Einleitung in bas ZI. C 3. rerm. u. oielf. 
oerbcff. 2Juf[. 1904 92 5. 3.65 







^l (9^-4-^ 



...V -i^- 






-JAN 28 



ri-- faTT 



3^7%-^' 



'.■K- - 






::•■ s» ?■;■ .>, -■-:- 



s 



iAW •■ ■•'■■• ''i' 



\v-U I 









.A 






■^■^B 



:S., /r^ 






S?AW 2S '%■: 



55H 






UNIVERSITY OF CHICAGO 



48 429 865 



/ 



tfcs, 3 1 1. r 1 



I f»4 S 5 ä 5 i-^i fe* j* &,a \c